St. Michael (Bilderlahe)

Sankt Michael ist die katholische Kirche in Bilderlahe, einem Ortsteil der Stadt Seesen im Landkreis Goslar in Niedersachsen. Die nach dem Erzengel Michael benannte Kirche gehört zur Pfarrgemeinde „Maria Königin“ mit Sitz in Seesen, im Dekanat Alfeld-Detfurth des Bistums Hildesheim. Heute ist St. Michael die älteste Kirche im Stadtgebiet von Seesen.

Geschichte

Nachdem Bilderlahe und seine aus dem Mittelalter stammende Kirche 1519 in der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört wurden, erfolgte 1643 die Neugründung der Pfarrei, als das Amt Bilderlahe wieder an das Hochstift Hildesheim gekommen war. Bereits seit mindestens 1687 wurden in Bilderlahe katholische Kirchenbücher geführt.[1] Die Gottesdienste fanden damals vermutlich in einem Raum der Domäne Bilderlahe statt.

1717 wurde neben dem Amtsdomänenhof die von Bischof Joseph Clemens von Bayern gestiftete St.-Michael-Kirche errichtet und geweiht. Als das Amt Bilderlahe in der Franzosenzeit aufgelöst und die Ortschaft Bilderlahe dem Kanton Seesen zugeordnet wurde, blieb die St.-Michael-Kirche katholische Pfarrkirche. Zu ihr gehörten damals auch die Katholiken in Seesen und den umliegenden Ortschaften.

Von 1946 bis 1958 bestand die zur Kirchengemeinde „St. Michael“ gehörende Pfarrvikarie Echte, nachdem sich in Folge des Zweiten Weltkriegs katholische Flüchtlinge und Heimatvertriebene, vorwiegend aus Schlesien, im Raum Echte niedergelassen hatten.[2] 1951/52 bekam die Kirche in Zuge einer umfassenden Sanierung Strebepfeiler zwischen den Jochen. 1975/76 erfolgte eine größere Sanierung der Kirche, dabei wurde unter anderem der historische Sandsteinfußboden entfernt.

Seit Mai 2005 gehört die Kirche zum Dekanat Alfeld-Detfurth, zuvor gehörte sie zum Dekanat Goslar.[3] Im April 2007 wurde ihre FilialkircheSt. Oliver“ in Rhüden profaniert. Seit dem 1. September 2010 gehört die St.-Michael-Kirche zur Seesener Pfarrgemeinde „Maria Königin“.[4]

2016/17 wurde die Kirche unter Leitung des Architekten Klaus Determann renoviert. Dabei wurde der neben der Eingangstür befindliche Beichtstuhl durch ein Kruzifix aus der profanierten Kirche Hl. Familie in Münchehof ersetzt. Aus der ebenfalls profanierten Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu in Bornum kam der Kreuzweg in die St.-Michael-Kirche. Dafür wurden in der St.-Michael-Kirche einige Engelfiguren entfernt, die mit ihrem Aussehen als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurden. Am 23. April 2017 erfolgte die feierliche Wiedereröffnung der Kirche.

Lage, Architektur und Ausstattung

Die geostete Kirche steht auf dem Grundstück Lindenallee 13, rund 300 Meter von der Bundesautobahn 7 entfernt. An der Straßenseite ist das Kirchengrundstück mit einer Mauer eingefriedet, die ebenso wie die Kirche unter Denkmalschutz steht. Der beiden Pfeiler des Grundstückszuganges sind mit Steinstatuen bestückt, welche die heiligen Josef von Nazaret und Johannes Nepomuk darstellen. Das Nomen sacrum IHS über dem Zugang zum Grundstück leitet sich von den ersten drei Buchstaben des Namens Jesu in griechischen Großbuchstaben Ι Η Σ Ο Υ Σ ab, wobei das Sigma durch ein lateinisches S ersetzt ist.

Die in rund 157 Meter Höhe über dem Meeresspiegel gelegene einschiffige Barockkirche wurde aus Bruchsteinen erbaut und ist mit Putz versehen. Auf dem mit Dachziegeln eingedeckten Satteldach steht ein mit Schiefer gedeckter sechseckiger Dachreiter mit einer Glocke, der von einem Kreuz und einer Wetterfahne in Gestalt des Erzengels Michael gekrönt wird. Die Kirche wird durch ein Portal auf der Westseite erschlossen, über dem das Wappen von Bischof Joseph Clemens von Bayern angebracht ist, der die Kirche gestiftet hatte. Die Inschrift am Wappen lautet: ICAECEH&LDB (Joseph Clemens Archi Episcopus Hildesiensis & Leodicensis Dux Bavariae = Joseph Clemens), Erzbischof von Hildesheim & Lüttich, Herzog von Bayern.

Das Kircheninnere wird durch jeweils vier farbig gestaltete Rundbogenfenster belichtet. Das Kreuzgratgewölbe überspannt die drei Joche des Langhauses und das Chorjoch. Der Altarraum ist gegenüber dem Kirchenschiff zwei Stufen erhöht. Hinter dem Hochaltar ist eine kleine Sakristei eingerichtet, über ihren Türen sind die Erzengel Michael, der Schutzpatron der Kirche, und Raphael dargestellt.

Die Innenausstattung stammt teilweise noch aus der Anfangszeit der Kirche. Dazu gehören die Kanzel, die mit Darstellungen der Evangelisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus versehen ist, und das Kirchengestühl. Der Hochaltar ist eine Arbeit aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Statuen neben dem Altarbild, das Maria mit dem Jesuskind zeigt, stellen die heiligen Augustinus von Hippo und seine Mutter, Monika von Tagaste, dar. Sie erinnern an die Herkunft des Altares im Jahre 1829 aus dem Augustinerkloster Dorstadt. Aus Teilen der Kommunionbank wurden der Ambo und der Volksaltar angefertigt. Zwei weitere Statuen im Altarraum zeigen Maria mit dem Jesuskind und Jesus mit seinem Heiligsten Herz. Sie stehen auf 1975 angefertigten Konsolen mit den Wappen von Seesen und Bilderlahe. In eine Nische sind drei Grabplatten eingefügt. Die mit einem Wappen versehe Grabplatte von 1746 gehört zu Franz Edmund von Weichs, der von 1729 bis 1742 Drost des Amtes Bilderlahe war, und seiner Ehefrau Carolina. Vor einer Pietà können Opferkerzen aufgestellt werden. Die Heiligenstatuen im Kirchenschiff, über denen jeweils ein Engel schwebt, stellen Johannes Nepomuk, Johannes den Täufer, Benno von Meißen und Antonius den Großen dar. Der bronzene Kreuzweg entstammt der profanierten Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu in Bornum und hängt an den Seitenwänden des Kirchenschiffs.

Die ursprünglichen Beichtstühle aus dem Barock wurden 1975 entfernt. Das unter der Orgelempore befindliche Kruzifix stammt aus der profanierten Kirche Hl. Familie in Münchehof. Im Vorraum der Kirche haben Statuen der heiligen Antonius von Padua und Josef von Nazaret ihren Platz.

Nordwestlich der Kirche steht die ehemalige Schule aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Lindenallee 11), südlich der Kirche das um 1850 erbaute ehemalige Pfarrhaus (Lindenallee 15). Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

Orgel

Die Orgel wurde im Jahr 1887 von August Schaper erbaut[5] und ist bis auf das 1953 umgestaltete Gehäuse weitgehend erhalten. Das Orgelwerk hat acht Register auf einem Manual und Pedal. Der Erhalt wird vom 2002 gegründeten „Verein zur Erhaltung der Orgel in der Kirche St. Michael in Bilderlahe e. V.“ unterstützt.

I Hauptwerk C–f3
1. Principal 8′
2. Salicional 8′
3. Gedact 8′
4. Oktave 4′
5. Spitzflöte 4′
6. Oktave 2′
Pedal C–c1
7. Subbaß 16′
8. Principal 8′

Literatur

  • Maria Kapp: St. Michael in (Seesen-) Bilderlahe. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 288–301.
  • St. Michael, Bilderlahe. Faltblatt, 2017.
  • H. Siebern, D. Kayser: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. II. Regierungsbezirk Hildesheim, 3. Der Kreis Marienburg, Hannover 1910, S. 13ff.
  • Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen, Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 223.
  • Michael Vollmer: St. Michael erstrahlt in neuem Glanz. In: KirchenZeitung, Ausgabe 22/2017 vom 4. Juni 2017

Siehe auch

Commons: St. Michael – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kirchenbücher im Bistumsarchiv Hildesheim.
  2. Festschrift 125 Jahre Kirchweihfest St. Marien. Northeim 2012, S. 61–62.
  3. KirchenZeitung. Nr. 17/2014 vom 27. April 2014, S. 16.
  4. Nachrichten August 2010. (Memento des Originals vom 3. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bistum-hildesheim.de auf: bistum-hildesheim.de
  5. Uwe Pape: Norddeutsche Orgelbauer und ihre Werke. Band 6: Heinrich Schaper, August Schaper. Pape, Berlin 2009, ISBN 978-3-921140-82-6, S. 360.

Koordinaten: 51° 53′ 32,4″ N, 10° 7′ 35,5″ O