St. Jakobi (Stollberg)
| St. Jakobi in Stollberg | ||
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| Daten | ||
| Ort | Stollberg/Erzgeb., | |
| Bauherrin | Kirchengemeinde in Stollberg | |
| Baustil | Neogotik | |
| Baujahr | 1659 | |
| Bauzeit | 1650er Jahre Westturm 1879 | |
| Höhe | (Turm) 57 m | |
| Koordinaten | 50° 42′ 32,9″ N, 12° 46′ 44,2″ O | |
Die evangelische Pfarrkirche St. Jakobi ist eine spätgotische Saalkirche in Stollberg/Erzgeb. im Erzgebirgskreis in Sachsen. Sie gehört zur Kirchengemeinde Stollberg im Kirchenbezirk Annaberg der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Das Gotteshaus steht seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz.[1] und ist dem Apostel Jakobus geweiht.[2]
Lage
Das Kirchengebäude befindet sich im Stadtzentrum von Stollberg, im Nordostbereich des großen Marktplatzes und hat die Adresse Hauptmarkt 7. Die bauliche Hauptachse verläuft von Südwesten nach Nordosten, somit ist der Altarbereich nicht exakt geostet.
Der Roßmarkt im Süden, die Kirchstraße im Osten, die Pfarrstraße im Norden und Westen umschließen das Kirchengrundstück. Wobei an der abknickenden Pfarrstraße, jeweils zum Kirchgrundstück hin, eine weitere lockere Bebauung vorhanden ist.
Geschichte
Erste Kirchen im Ort
Als ältester Sakralbau im Siedlungsbereich Stollberg (zuerst Stalburch geschrieben) gilt die heutige Marienkirche, ein ehemals romanischer Kirchenbau aus der Zeit um 1225. Die kirchlichen Gründungen (inklusive Klöster) gehen auf Aktivitäten der Burggrafen der Erkenbertinger zurück.[2]
An anderer Stelle, im Bereich des Siedlungskerns der Stadt Stollberg entstand vor dem Jahr 1440[1] eine zweite Kirche, die im Verzeichnis zum Stollberger Kirchenkreis 1495 aufgeführt ist. Im frühgotischen Stil errichteten die Siedler ein Kirchenhaupthaus mit eckigem Chor, hochrechteckigen Kirchenfenstern, einem steilen Pultdach und einem breiten West-Querriegel. Auf dem First über dem Chor thronte ein schmales Türmerhäuschen aus Fachwerk[3] mit Wetterfahne und einem weithin sichtbaren Kreuz darüber. Hier wohnte der Türmer und hatte die fünf Glocken zu bedienen sowie allgemeine Obacht über die Straße und die Siedlung und eventuelle Brände zu halten.[3]
An beiden Längsseiten befanden sich kleine schmale angebaute Häuschen, die sicher kirchlichen Zwecken dienten.[4][2] (sie sind erhalten)
Rund um die Kirche befand sich der Gottesacker, in dem die Toten der Jakobigemeinde bestattet wurden. Die Adligen wurden direkt in der Kirche in einer Gruft unter dem Altarplatz beigesetzt. Im Jahr 1594 soll hier die letzte Beerdigung stattgefunden haben, nach dem zuvor eine neue Begräbnisstätte weiter außerhalb angelegt worden war (Schneeberger Straße).[3]
Aktuelles Kirchengebäude
Die stattliche Saalkirche an der Nordostseite des Marktes wurde nach Zerstörung infolge des Dreißigjährigen Krieges und eines dabei ausgelösten Stadtbrandes am 5. September 1633 so stark verwüstet, dass sie praktisch völlig neu wieder aufgebaut werden musste.[3]
Anstelle des zerstörten Glockenturmes stellte die Gemeinde einen hölzernen provisorischen Turm neben dem Kirchenbau auf, der erst im 19. Jahrhundert abgetragen wurde.[3]
Der Wiederaufbau erfolgte unter Sparzwängen, also ohne Kirchturm und statt Gewölbe nur mit Flachdecke. Er dauerte zudem fast sechs Jahre, führte u. a. auch zu einem um 6 Ellen längeren Raum; er Vom früheren Turm war nur ein 40 Ellen hoher Rest stehen geblieben, aus den Trümmern der Glocken fertigte eine Glockengießerei in Zwickau zwei neue Glocken.[3]
Bis zum Wiederaufbau fand der Gottesdienst für alle Christen von Stollberg in der Marienkirche statt.[3]
Die Wiedereinweihung konnte am 5. April 1659 gefeiert werden.[2] Auch folgende Reparaturen, wie die provisorische Turmstummelabdeckung im Jahr 1774[3], Aus- und Einbauten wurden nur der Notwendigkeit gehorchend ausgeführt, wodurch die Kirche gegen 1840 völlig „entstellt“ und eher zusammengewürfelt wirkte. Dazu hatte im Jahr 1833 auch ein gewaltiger Blitzeinschlag beigetragen, der vor allem den Turm, viele Fenster und das Dach zerstört hatte.
Zimmermeister Kupfer aus Stollberg erhielt nun den Auftrag, durch umfangreiche Änderungen ein einheitliches Kirchenbild zu schaffen. Er ließ Kapelleneinbauten abreißen, den Altar erneuern und gestaltete den gesamten Innenraum im neugotischen Stil um. Im Jahr 1841 waren die Arbeiten abgeschlossen. Die beim Orgelbauer Jehmlich aus Dresden bestellte Orgel konnte im Jahr 1843 auf der Empore installiert und eingeweiht werden.[2][3]
Weitere dreißig Jahre später, 1878/79 erfolgte eine umfassende Erneuerung des Äußeren des Gotteshauses samt Errichtung des Westturms nach Plänen und unter Leitung des Architekten Christian Friedrich Arnold aus Dresden. Dem ersten Spatenstich für den neuen Kirchturms am 1. Mai 1878 folgte bereits am 15. Oktober 1878 die Aufsetzung des Turmknopfes mit dem darauf befindlichen Kreuz. Und am 9. August 1879 feierte die Gemeinde die Kirchturmglockenweihe.[3] Die neuen Glocken waren in der Gießerei Große aus Dresden hergestellt worden.[5]
In der DDR-Zeit konnten mit Hilfe staatlicher Gelder im Jahr 1960 Innen-Restaurierungen vorgenommen werden und das Kirchengebäude wurde in den 1970er Jahren unter Denkmalschutz gestellt.[1]
Aber erst nach der Wende und nach der deutschen Wiedervereinigung erfolgten 1994–1996 komplette Außenerneuerungen. Auch das Innere wurde Ende der 1990er Jahre noch einmal saniert. Die aktuelle Farbgebung orientiert sich an der Kirche vor dem massiven Umbau, also an den 1840er Jahren.[2] Der Denkmalschutz wurde vom Freistaat Sachsen fortgeführt.
Architektur
Außen
Die Kirche ist ein verputztes Bauwerk mit dreiseitigem Ostschluss und hohen Spitzbogenfenstern; Chor und Südseite sind mit Strebepfeilern versehen.
Die Länge vom Eingang bis zur östlichen Chormauer beträgt etwa 40 Meter, die Bauwerksbreite liegt bei 20 Meter.
Der auf dem breiten grundständigen Querriegel zur Hälfte aufsitzende Kirchturm hat einen quadratischen Grundriss (mit abgeschrägten Ecken) und mit Seitenlängen von sechs Metern. Er ist in neugotischen Formen gehalten und endet in einem hohen achteckigen Spitzhelm. Darauf befindet sich eine vergoldete Turmkugel mit einem vergoldeten Kreuz darüber. Die Gesamthöhe vom Bodenniveau bis zur Turmspitze beträgt 57 Meter. Turm und Haupthaus sind mit Schiefer gedeckt.
Im Kirchturm ist eine Uhr mit allseitig sichtbaren runden Zifferblättern eingebaut. Darüber liegt die Glockenstube mit offenen Klangarkaden in Form von Spitzbogenfenstern.
Das Kirchenportal befindet sich im Turmunterbau. Über diesem Haupteingang ist ein Relief eingelassen, das Jesus Christus als Helfer der Kranken und Bedrängten entsprechend dem Evangelium nach Matthäus (Matthäus 11,28) darstellt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid“. Das Relief wurde vom Dresdner Bildhauer Gustav Adolph Kietz im Auftrag der Stifterin Strumpffabrikantin Caroline Woller gefertigt.[2]
Einen weiteren Eingang in die Kirche mit einer zweiflügeligen Holztür gibt es mittig an der nördlichen Längswand.[6]
Glocken
Die Kirche verfügte bei ihrer Einweihung über fünf Kirchenglocken, üblicherweise aus Bronze gegossen.[3] Von 1659 bis 1917 standen der Jakobikirche drei Bronzeglocken zur Verfügung.
Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg waren zwei von ihnen als Metallspende des deutschen Volkes (1917 und 1942) abzuliefern und die Kirche erhielt später (1920 und 1953) dafür drei Eisenhartgussglocken.[3] – Einige Jahre nach der kompletten Restaurierung des Kirchenensembles in den 1990er Jahren konnte die Gemeinde am 31. Oktober 2005, dem Reformationstag, ein Geläut aus drei neu gegossenen Bronzeglocken und der historischen weihen. Sie verfügen über die Schlagtöne es‘‘, g‘, b‘ und c‘‘ und erhielten ihren Platz in einem neu gebauten Glockengestühl.[3]
Die ausrangierten drei Eisenglocken wurden schwarz lackiert und als museale Stücke auf einem Platz vor der Kirche aufgestellt. Sie tragen diese Bibelsprüche auf der Schulter „Gottes Wort hören“, „Kommt, denn es ist alles bereit“, „So wird geheilet Leib und Seel“. Auf der Flanke der kleinsten Eisenglocke war symbolhaft der heilige Geist (weiße Taube) und dessen Ausgießung (Becher) dargestellt.[7]
Mit dem vierstimmigen Geläut beteiligt sich die Kirchengemeinde von St. Jakobi sich seit einigen Jahren am Europäischen Friedensläuten („Europe Rings For Peace“) am Europatag im Mai.[8]
Innen
Der breite, neugotisch ausgestaltete Innenraum ist mit einer flachen Putzdecke und umlaufenden, eingeschossigen Emporen von klarer Wirkung versehen. Unter den Emporen sind verglaste Betstuben mit spitzbogigen Holzsprossenfenstern eingebaut.
Ausstattung
Altarraum
Das Hauptstück der Ausstattung ist der hohe viersäulige Portikus-Kanzelaltar aus der Werkstatt des Zimmerers Kupfer.[2]
Links vor dem Altar steht ein epochales aus Stein gefertigtes sechseckiges Taufbecken, auf der rechten Seite ist ein hoher kupferner Osterleuchter zu sehen.[7]
Über der Nordempore ist ein lebensgroßes Holzkruzifix angebracht, im Jahr 1662 geschnitzt von Böhme dem Älteren.[1]
Erwähnenswert ist außerdem eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe, bestehend aus Christus mit dem Kreuz und einer gutbürgerlichen betenden Familie mit zwei kleinen Kindern.[7]
Gestühl und Fußboden
Naturholzbelassene unverzierte Kirchenbänke à je zehn Sitzplätzen pro Reihe mit einem Mittelgang dazwischen stehen den Kirchenbesuchern zur Verfügung. Etwa 20 Reihen sind auf den Fotos erkennbar, zusätzlich stehen Einzelstühle unter der Nord- und Südempore. Es ergeben sich im Kirchenhauptraum (ohne Emporen und Betstuben) mithin mindestens 300 Plätze für die Kirchgänger.[6] Der Fußboden des Kirchenraumes ist mit großformatigen rechteckigen Fliesen in den Farbtönen beige bis mittelbraun ausgelegt. An einigen Stellen sind eingelegte Ornamente gestaltet.[9]
Fenster
An den beiden Längsseiten des Kirchenschiffes sind insgesamt zehn hohe Kirchenfenster eingebaut, deren oberer Abschluss mit den Vierpässen durch farbiges Glas belebt wurde.[6]
Dekoration
Als Schmuck in der Kirche dienen zunächst die großen Farbflächen hellgrau und beige, in Teilen braun oder weiß abgesetzt. Das beginnt an der Decke, setzt sich in den abstrakten Ornamenten der Emporen fort und bezieht auch die Bodenfliesen mit ein. Des Weiteren bilden die kleinen Farbornamente in den Spitzen der Kirchenfenster einige bunte Akzente.[6]
Mehrere achtarmige vergoldete Kronleuchter über den Bankreihen, vergoldete Wandleuchter und die grau-flambierten eckigen Stützsäulen für die Emporen sowie der schöne Orgelprospekt runden die Innendekoration ab.[7]
Orgeln
Die erste Orgel war ein Werk des Orgelbauers Jehmlich aus dem Jahr 1842 (siehe oben).[2] Im Jahr 1914 wurde ein Umbau des Instruments vorgenommen, aber bis zum Ende der 1970er Jahre war es kaum noch spielbar. Eine Neuanschaffung wurde geplant, wozu die Gemeinde eine 1884 geschaffene Orgel samt deren Prospekt aus Olbersdorf bei Zittau wegen Aufgabe der Kirche zugunsten des Braunkohlentagebaus erwerben konnte. Dieses Werk stammte ebenfalls aus der Werkstatt von Karl Eduard Jehmlich. Die fachgerechte Umsetzung der Orgel nahmen die Orgelbauer Josef Weißer und Siegfried Creuz im Jahr 1984 vor. Die 1986 durch den Sohn des Orgelbauers neu installierte Orgel verfügt über 1730 Pfeifen, 26 Register auf zwei Manualen und Pedal. Sie zählt inzwischen zu den wertvollsten Ausstattungsstücken der St. Jakobi-Kirche.[3][10] Im Jahr 2002 führte Christian Reinhold aus Bernsdorf eine Umdisponierung und 2009 eine Reinigung durch.[11]
Kantor von St. Jakobi und Kirchenmusikdirektor Henoch Schürer beschreibt sie so: „Es ist eine mechanische Orgel der Barockzeit mit einem klaren Klang, die letzte, die nach dem Prinzip von Gottfried Silbermann gebaut wurde“. Sie muss jedoch regelmäßig gepflegt und nachgestimmt werden.[3]
- Disposition[11]
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- Koppeln: Manualcoppel, Pedalcoppel
- Pedal: C-d1
- Tremulant, Oberwerk
Literatur
- Barbara Bechter u. a. (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II. Die Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 921.
- Michael Wetzel: St. Jacobi Stollberg, 1659–2009 : Festschrift zum 350jährigen Kirchweihjubiläum. Hrsg.: Deutsche Digitale Bibliothek. 2009 (deutsche-digitale-bibliothek.de – nur digitales Inhaltsverzeichnis (https://d-nb.info/997697954/04))., ISBN 978-3-937190-17-4.
Weblinks
- Website der Kirchengemeinde. Abgerufen im Jahr 2024.
- Diaschau und Kurzvideo aus der Kirche St. Jakobi; bis 1:04 Minuten. Abgerufen am 24. September 2025.
- Läuten aller Glocken von St. Jakobi. 2009, abgerufen am 24. September 2025 (Dauer=5.44 Minuten).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Georg Piltz: Kunstführer durch die DDR. 4. Auflage. Urania-Verlag, Leipzig / Jena / Berlin, 1973, S. 488.
- ↑ a b c d e f g h i Jakobikirche Stollberg, Geschichte und Bau. Abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o Die Marktkirche zu Stollberg. Abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Das Goedel Buch. Abgerufen am 24. September 2025 (Auszug aus der o. g. Festschrift: Die Anfänge des kirchlichen Lebens in Stollberg. Besiedlung, Herrschaftsbildung und Kirchenorganisation. Auch eine Zeichnung von St. Jacob in Stollberg ist hier abgebildet.).
- ↑ Über den kirchlichen Gebrauch der Glocken. 1916, S. 6, abgerufen am 24. September 2025 (Text eines Vortrages von Pfarrer).
- ↑ a b c d Den Fotos der Veröffentlichung Jakobikirche Stollberg, Geschichte und Bau entnommen.
- ↑ a b c d R. Franz (Fotograf): Fotos von und aus der Jakobikirche Stollberg. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Europäisches Friedensläuten. Abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Pfingsten 2023 in der Jakobikirche. Abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Die Orgel der St. Jakobikirche Stollberg. Abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b Informationen zur Orgel auf organindex.de. Abgerufen am 15. Juni 2024.
- ↑ Zinn, neu; an Stelle von Liebl. Ged. 8'
- ↑ Bass 3fach – Diskant 4fach
- ↑ (z. T. neu)
- ↑ ehem. Nassat 2 2/3' + Terz 1 3/5'
- ↑ (neu)
- ↑ ehem. Terzstock 1 3/5'
- ↑ ehem. Rauschpfeife 4fach