St. Antonius (Kevelaer)

Katholische Pfarrkirche St. Antonius Abt
Katholische Pfarrkirche St. Antonius Abt in Kevelaer.
Basisdaten
Konfession römisch-katholisch
Ort Kevelaer, Deutschland
Diözese Bistum Münster
Patrozinium St. Antonius Abt
Baugeschichte
Architekt Architektengemeinschaft Dieter G. Baumewerd & Paul Eling
Bauzeit 1984–1987
Baubeschreibung
Einweihung 17. Januar 1987
Koordinaten 51° 34′ 54,8″ N, 6° 14′ 56,1″ O
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Die Pfarrkirche St. Antonius ist eine römisch-katholische Kirche in Kevelaer. Sie steht unter dem Patrozinium Antonius des Großen.

Bis zum 6. September 2014 war sie Pfarrkirche einer gleichnamigen Pfarrei, seit dem 7. September 2014 ist sie Pfarrkirche der neugegründeten Pfarrgemeinde St. Antonius Abt Kevelaer mit den Filialkirchen St. Antonius Abt Kervenheim, St. Quirinus Twisteden, St. Petrus Wetten und St. Urbanus Winnekendonk.

Die Kirche wird als Baudenkmal A 153 in der Denkmalliste der Wallfahrtsstadt Kevelaer geführt.

Geschichte

Die Pfarrei Kevelaer entstand 1472 durch Abtrennung von der Pfarrei Weeze. Die kleine geostete, gotische Dorfkirche, um 1450 erbaut, blieb bis ins 19. Jahrhundert unverändert. Die rekonstruierten Reste dieses Baues sind in den heutigen modernen Kircheninnenraum integriert und werden als Kapelle genutzt[1]. Eine größere, prächtig gestaltete, neugotische Kirche mit dem ungefähren Grundriss des heutigen Hauptgebäudes wurde erst nach dem Bau der Marienbasilika errichtet und 1904 eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche weitgehend zerstört und 1952 wieder aufgebaut. Um die Kirche den Anforderungen des 2. Vatikanischen Konzils gerecht werden zu lassen, geschah 1972 (also zur 500-Jahr-Feier der Pfarrgründung) eine umfangreiche Umgestaltung, besonders des Chorraumes.

Am 13. Januar 1982 brannte die Kirche bis auf die Grundmauern ab; erhalten blieben nur die Außenmauern der Kapelle, der Taufkonche, der Sakristei, des Chorraums und des Turms. Den modernen Neubau auf historischem Grundriss entwarf Dieter Georg Baumewerd. Namhafte Künstler wie Theo Heiermann, Bert Gerresheim und Joachim Klos schufen die Ausstattung. Am 17. Januar 1987 wurde die wiederaufgebaute Kirche von Bischof Reinhard Lettmann geweiht.

Neben der normalen Nutzung als Pfarrkirche wird St. Antonius wegen ihrer günstigen Lage am Ende des parkartigen Freiluft-Kreuzweges durch von auswärts kommende Pilgergruppen gern als Ort der Abschlussandacht gewählt.

Ausstattung

Der Korpus des Kreuzes über dem Hauptaltar stammt aus der 1982 abgebrannten Kirche. Die verkohlte Figur des Gekreuzigten wurde vom Künstler Bert Gerresheim auf einen bronzenen Lebensbaum montiert und hängt heute wieder über dem Altar im Chorraum. Auch die Kreuzwegstationen und der Osterleuchter wurden von Gerresheim gestaltet. Der Entwurf des Altars stammt von Theo Heiermann. Er enthält Reliquien von Märtyrern der Thebäischen Legion aus dem Gräberfeld unter der Krypta der Xantener Stiftskirche St. Viktor. Die schwarze, auf Hochglanz polierte Altarplatte zeigt Darstellungen der Leidenswerkzeuge Christi. Die Entwürfe der Fenster des Hauptraumes stammen aus der Hand von Joachim Klos aus Nettetal, die Ausführung besorgte die in Kevelaer ansässige Glasmalerei-Werkstatt Derix. Der Taufstein aus Namurer Blaustein stammt aus dem Jahr 1471.

Im Außenbereich der Kirche befindet sich eine Statue des Patrons der Gemeinde, des heilige Antonius des Großen mit seinen traditionellen Attributen (Antoniuskreuz und Schwein). Über dem Seiteneingang ist ein sogenanntes Chrismon zu sehen. Das runde Mosaik (gefertigt von Derix) soll mit seiner goldenen Umrandung Christus im Symbol der Sonne der Gerechtigkeit darstellen. Des Weiteren erinnert eine von Bert Gerresheim gestaltete Jakobs-Figur mit seinen Attributen Muschel und Pilgerstab an die Kirche im stetigen Aufbruch.

Orgeln

Die Antonius-Kirche verfügt über zwei Orgeln der in Kevelaer ansässigen Orgelbaufirma Seifert. Die kleinere, mit 10 Registern, befindet sich in der Antoniuskapelle. Die große Orgel für den Hauptraum stammt von 1987, dem Jahr der Weihe des Kirchen-Neubaus. Das Schleifladen-Instrument hat 42 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.[2] Das Instrument befindet sich ebenerdig im hinteren Teil des südlichen (also des rechten) Seitenschiffes.

I Hauptwerk C–g3
1. Bordun 16'
2. Principal 08'
3. Flûte Harmonique 08'
4. Spitzgedackt 08'
5. Octave 04'
6. Rohrflöte 04'
7. Superoctave 02'
8. Kornett V
9. Mixtur V
10. Scharff III
11. Bombarde 16'
12. Trompette 08'
II Schwellwerk C–g3
13. Salicional 16'
14. Holzflöte 08'
15. Gamba 08'
16. Vox Coelestis 08'
17. Principal 04'
18. Flöte 04'
19. Quinte 0223'
20. Schweizerpfeife 02'
21. Terz 0135'
22. Mixtur IV
23. Basson 16'
24. Trompette Harmonique 08'
25. Hautbois 08'
26. Clairon 04'
Tremulant
III Brustpositiv C–g3
27. Bleigedackt 08'
28. Blockflöte 04'
29. Principal 02'
30. Larigot 0113'
31. Sesquialtera II
32. Cymbel II
33. Dulcian 08'
Tremulant
Pedalwerk C–f1
34. Principal 16'
35. Subbaß 16'
36. Quinte 1023'
37. Octavbaß 08'
38. Gemshorn 08'
39. Choralbaß 04'
40. Hintersatz IV
41. Bombarde 16'
42. Trompette 08'
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P

Glocken

Im Hauptturm der Kirche hängt ein sechsstimmiges Geläut (des1 f1 as1 b1) auf dem Motiv Salve Regina, erweitert um c2 und des2, im Nebenturm der Kirche eine Solo-Glocke mit dem Nominalton es2.

Nr. Name Nominal Gussjahr Gießer Gussort Masse ø Inschrift
1 Dreifaltigkeit des1 1987 Petit & Gebr. Edelbrock Gescher 2.160 kg 1.495 mm IN HONOREM SANCTISSIMAE TRINITATIS. TE DEUM LAUDAMUS IN HAC DOMO TUAE CINERE ET RUINIS REAEDIFICATA. A. D. 1987.
2 Maria f1 1.039 kg 1.176 mm CONSOLATRIX AFFLICTORUM, SANCTA VIRGO MARIA, MONSTRA TE ESSE MATREM. A. D. 1987.
3 Antonius as1 1721 Jean Petit Kevelaer ca. 550 kg 0992 mm ST. ANTONIUS HEET ICK, TOT KEVELAER HANGH ICK, DE LEVENDE ROEP ICK, DE DOODE BECLACK ICK, JEAN PETIT GOOT MICH. ANNO 1721. DEN TIJDE VAN JOE VAN NESPEN PASTOR W. VAN BEECH GERET REINDERS EN JACOB BOMEN SCHEPENEN PET. VAN MECHELEN ENDE HEND. TERHOEVEN KERM. ENDE VINMANS EN JAN BINNEMANS GELDEM. CASPER DRESEME KUSTER 1721.
4 Angelus b1 1987 Petit & Gebr. Edelbrock Gescher 0402 kg 0868 mm ANGELUS GABRIEL NUNTIAVIT MARIAE: AVE, GRATIA PLENA. DOMINUS TECUM. A. D. 1987.
5 Magnificat c2 0289 kg 0770 mm MAGNIFICAT ANIMA MEA DOMINUM: ET EXSULTAVIT SPIRITUS MEUS IN DEO SALVATORE MEO. LUC. 1,46 – 47. A. D. 1987.
6 Josef des2 0237 kg 0725 mm VIRGINIS SPONSE, SANCTE JOSEPH, TU EXORA SUMMUM REGEM, UT FIDELEM SERVIT GREGEM. CONFRATERNITAS STI. JOSEPH, FUNDATA 1750. A. D. 1987.
I es2 1435 ca. 205 kg 0691 mm int jair ons heren mccccxxxv
(III) 1631 0450 mm

Die Glocke I stammt ursprünglich aus der Hubertus-Kapelle in Keylaer und wurde 1472 in die Antonius-Kirche transloziert. Heute hängt sie als Solo-Glocke im Nebenturm der Antonius-Kirche.

Die Glocke III wurde 1904 im Dachreiter des neogotischen Neubaus aufgehängt. Während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt, gelangte sie 1981 in den Dachreiter der Kevelaerer Beichtkapelle.

Die Glocke 5 wurde erst 1992 in den Turm gehängt, wenngleich sie bereits 1987 zusammen mit den anderen Glocken gegossen worden war.

Die Inschriften der Glocken 1, 2, 4, 5 und 6 wurden von P. Thomas Horst OSB aus der Benediktiner-Abtei Gerleve verfasst.

Pfarrarchiv

Das Pfarrarchiv der Pfarrgemeinde St. Antonius Abt Kevelaer findet sich teilweise im Kevelaerer Priesterhaus sowie teilweise als Depositum im Bistumsarchiv Münster. Ein Teil der Pfarrmatriken kann über das Kirchenbuchportal Matricula Online eingesehen werden,[3] ein weiterer Teil über das Archivportal Archive in Nordrhein-Westfalen.[4]

Literatur

  • Kirchbauverein St. Antonius Kevelaer e. V. (Hrsg.): Sankt Antonius Kevelaer. Dokumentation 1472–2000. Geschichte – Kunstwerke – Christliche Inhalte. Kevelaer 2000.
  • Pfarrgemeinderat St. Antonius Kevelaer (Hrsg.): Festschrift zur Kirchweihe der St.-Antonius-Pfarrkirche in Kevelaer. 17. Jan. 1987. Kevelaer 1987.
  • Robert Plötz: Das verschwundene Heiligenhäuschen an der Sankt-Antonius-Kirche in Kevelaer. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1988. Geldern 1987, S. 14–16.
  • Robert Plötz: Ein unbekanntes Kircheninventar der Pfarrkirche St. Antonius in Kevelaer und der Kapelle St. Hubertus in Keylaer aus dem Jahre 1722. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1990. Geldern 1989, S. 133–142.
  • Werner Roemer: Bert Gerresheim – Der Lebensbaum von Kevelaer – Zum Altarkreuz in St. Antonius. In: das münster, 41. Jg. (1988), S. 210–212.
  • Peter Stenmans: War die Kapelle St. Hubertus in Keylaer die erste Pfarrkirche der Pfarrei Kevelaer? In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1996. Geldern 1995, S. 96–97.
  • Alois van Doornick: Der lange Weg zum Portal von St. Antonius Kevelaer (2003–2010). In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 2012. Geldern 2011, S. 67–75.
  • Alois van Doornick: Pfarrkirche Sankt Antonius, Kevelaer. Lindenberg 2000.

Einzelnachweise

  1. https://www.antonius-kevelaer.de/kirchen/st-antonius-kapelle-kevelaer
  2. Informationen zur Orgel
  3. Matricula Online: Kevelaer, St. Antonius Abt. In: Matricula Online. ICARUS – International Centre for Archival Research;
  4. Kirchenbücher der Ortsgerichte und Bürgermeisterämter: Gemeinde St. Antonius Kevelaer, römisch-katholisch. In: Archive in Nordrhein-Westfalen. Landesarchiv NRW;
Commons: St. Antonius – Sammlung von Bildern