St. Petrus (Wetten)

Katholische Kirche St. Petrus
Katholische Kirche St. Petrus in Wetten, Südseite.
Basisdaten
Konfession römisch-katholisch
Ort Wetten, Deutschland
Diözese Bistum Münster
Patrozinium St. Petrus
Baugeschichte
Baubeginn 1403
Baubeschreibung
Baustil Spätgotik
Bautyp Pseudobasilika
Koordinaten 51° 34′ 13,6″ N, 6° 17′ 35″ O
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Die römisch-katholische Kirche St. Petrus ist eine dreischiffige, dreijochige Pseudobasilika mit südlichem Querarm und niedrigem einjochigem Chor mit ⅝-Schluss in Wetten, einem Ortsteil der Stadt Kevelaer im Kreis Kleve, Nordrhein-Westfalen.[1][2] Bis zum 6. September 2014 war sie Pfarrkirche einer gleichnamigen Pfarrei, seit dem 7. September 2014 ist sie eine Filialkirche der neugegründeten Pfarrgemeinde St. Antonius Kevelaer. Das Patronatsfest der Kirche ist am 22. Februar (Petri Stuhlfeier zu Antiochien).

Der heutige spätgotische Kirchenbau wurde ab 1403 als Nachfolgebau einer romanischen Kirche errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er teilweise beschädigt, als am 16. Dezember 1943 ein deutsches Jagdflugzeug bei dichtem Nebel mit dem Kirchturm kollidierte. Der Wiederaufbau konnte 1959 abgeschlossen werden. Im Inneren gibt es neben spätgotischen Wand- und Deckenfresken vor allem die historischen Ausstattungsstücke aus den Kunstepochen der vergangenen Jahrhunderte.[1][3]

Die Kirche wird als Baudenkmal A 24 in der Denkmalliste der Wallfahrtsstadt Kevelaer geführt.

Ausstattung

Die Kirche beherbergt zahlreiche Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler, darunter ein Hochaltar und eine Triumphkreuzgruppe von Ferdinand Langenberg.[4] Zelebrationsaltar, Ambo und Sedilien sind von Karl Neuy. Die Bleiverglasung der Fenster geht auf Entwürfe von Maria Katzgrau und Ludwig Baur zurück.[5]

Gegenwärtige Ausstattungsstücke

Taufstein

Der Taufstein im Zopfstil ist aus drachenfelser Trachyt. Sein kegelförmiger Deckel geht auf einen Entwurf des Xantener Dombaumeisters Martin Graßnick zurück. Die Buchstaben des begleitenden Spruchbands sind aus Geschosskartuschen – Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg – gefertigt: + AES MALA PRODUCENS MUNDO PER TEMPORA DIRA TU NUNC ES SPLENDOR FONTIS MENTES REPARANTIS („Erz, du hast Böses hervorgebracht für die Welt in unheilvollen Zeiten, jetzt bist du die Zierde einer Quelle, welche die Seele erneuert“). Den oberen Abschluss bildet ein Pinienzapfen als Symbol für das Leben und die Unsterblichkeit.[6]

Heiligendarstellungen

Der überwiegende Teil der figürlichen Darstellungen wurde in den 1990er Jahren von Privatpersonen und kirchlichen Vereinen gestiftet. Hervorzuheben sind eine lebensgroße Sternmantelmadonna aus Verona und eine größere Petrus-Darstellung aus Oberammergau.[7]

Im Wandsockel der Franziskus-Darstellung findet sich neben einer Stiftungsurkunde ein Lederbeutel mit Erde aus Assisi.[8]

Beichtstuhl

Anfang 1882 lieferte die in Emmerich ansässige Firma Gebrüder Endlich zwei baugleiche eichenhölzerne Beichtstühle. Während einer dieser beiden Beichtstühle heute noch erhalten ist, wurde der andere am 16. Dezember 1943 infolge der Flugzeug-Kollision durch die herabfallenden Steinmassen zerstört.[9]

Gestühl

1972 wurde das Gestühl im Mittelschiff erneuert. Unter Beibehaltung der früheren eichenhölzernen Seitenwangen im Zopfstil aus der Zeit um 1850 wurden die Bänke um neue Sitzflächen und Lehnen ergänzt.

Die eichenhölzernen Seitenwangen des Gestühls in den beiden Seitenschiffen wurden Anfang 1971 von der Pfarrgemeinde St. Walburgis Menzelen abgekauft und 1972 ebenfalls um neue Sitzflächen und Lehnen ergänzt.

Im südlichen Seitenschiff findet sich mit einer spätgotischen Bankwange aus dem Ende des 15. Jahrhunderts ein Überrest eines früheren Chorgestühls der Wettener Kirche. Das passende Gegenstück ist in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verlorengegangen.[10][11]

Kreuzweg

In Vorbereitung auf das goldene Weihejubiläum von Pfarrer i. R. Ernst Antonetty am 28. Mai 1954 wurde seitens der Pfarrei ein Fonds zur Beschaffung eines neuen Kreuzwegs angelegt. Zwei Jahre später – im Jahr 1956 – konnte der Kreuzweg bei dem Issumer Kunstmaler Reinhard Maria Bongartz in Auftrag gegeben und nach Fertigstellung von einem Franziskaner-Pater benediziert werden.[12]

Der Kreuzweg setzt sich aus 14 Betonplatten zusammen, die jeweils mit einem Sgraffito gestaltet sind. Die letzte Station zeigt in der rechten unteren Ecke die Datierung "1956" und die Signatur des Künstlers "RMB".

Auswärtige Ausstattungsstücke

Ein Teil der früheren Ausstattung gelangte im Lauf der Zeit in andere Kirchen und in Museen. So zum Beispiel das Fragment eines von Derick Baegert um 1500 gemalten Altarretabels, das 1917/18 an das Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld verkauft wurde, oder das 1874 von dem Straelener Zimmermeister J. H. H. Janßen gefertigte Chorgestühl, das sich seit 1976 als Dauerleihgabe in der Kevelaerer Sakramentskapelle findet.[13] Die aufwendig gearbeitete Sakristeiglocke, ein Werk des Kevelaerer Kunstschmieds Johann Leo aus dem Jahr 1883, gelangte 1976 in die Kevelaerer Marienbasilika und eine 1876 für die Wettener Kirche angeschaffte Pietà aus Steinmasse 1929 in die Aloysius-Kapelle in Bergerfurth. Letztere findet sich heute in einer offenen Kapelle neben dem dortigen Kirchenneubau.

Die ursprünglich farbig gefasste figürliche Darstellung eines Leichnams Christi (Grabchristus) aus dem Jahr 1877, die sich ehemals im Stipes eines Nebenaltars der Kirche fand, gelangte 2011 in die alte Friedhofskapelle auf dem Wettener Kommunalfriedhof.

Verlustige Ausstattungsstücke

Zu den nicht mehr erhaltenen Ausstattungsstücken zählen ein 1733/34 von Adam Xiersemans gefertigtes Retabel für den Hochaltar sowie ein 1919 von Gerd Brüx aus Kleve gefertigter Nebenaltar ("Krieger-Gedächtnis-Altar"). Letzterer wurde 1971 entfernt. Reste dieses Nebenaltars – zwei Listungen mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Wettener Kriegsteilnehmer – finden sich heute in der neuen Aussegnungshalle auf dem Wettener Kommunalfriedhof.

Nicht mehr erhalten ist auch die frühere Bleiverglasung der Fenster, die sukzessive zwischen 1866 und 1879 von dem Hülser Glasmaler Peter Mathias van Treeck und von der Tiroler Glasmalerei und Cathedralen-Glashütte in Innsbruck bezogen worden war.[14]

Zwei größere Wandbilder, die 1880 von dem Aachener Maler Johann Lange im Stil der Düsseldorfer Nazarener gemalt wurden und das bevorstehende Jüngste Gericht sowie den Tod des hl. Josef zeigten, liegen seit 1951 unter einer weißen Farbschicht.

Paramente

Zum Paramentenbestand der Kirche zählen unter anderem ein schwarzes Pluviale von Heinrich Bercker, ein dreiteiliger Ornat von Leo Peters, ein Antependium nach einem Entwurf von Trude Dinnendahl-Benning sowie vier Kaseln und eine schwarze Andachtstola aus der Paramentenwerkstatt der Abtei Mariendonk. Hinzu kommen neuzeitliche Kaseln und Stolen der Firmen J. W. van den Wyenbergh, Wilhelm Wefers, Slabbinck und Stadelmaier.

Orgel

Orgel I

Anlässlich des goldenen Weihejubiläums von Pfarrer Theodor van Kempen erhielt die Wettener Kirche 1902/03 eine neue Orgel mit 20 klingenden Registern auf zwei Manualen und Pedal. Gebaut wurde das Instrument in der Werkstatt von Johannes Klais in Bonn.[15]

Als Vorbild für den zweigeteilten Orgelprospekt mit seinen vorkragenden 58-Ecktürmen und dem freistehenden Spieltisch in der Emporenmitte diente die bereits 1896/97 von Klais gebaute Orgel für die Marien-Kirche in Bonn. Der Entwurf wird dem Religionslehrer und Architekten Joseph Prill zugeschrieben.[16][17]

Während des Ersten Weltkriegs musste ein Teil der zinnernen Pfeifen im Zuge der Metallspende des deutschen Volkes als kriegswichtiges Material an die Rüstungsindustrie abgeliefert werden. Erst 1929 konnten die fehlenden 46 Prospektpfeifen durch neue ersetzt werden. Gleichzeitig erhielt die Orgel einen elektrischen Windmotor, der den bisherigen Kalkanten erübrigte, und einen dunklen Anstrich.

Als am 16. Dezember 1943 ein deutsches Jagdflugzeug bei dichtem Nebel mit dem Kirchturm kollidierte, zerschlugen die herabfallenden Steinmassen das Instrument. Das gleichzeitig ausgebrochene Feuer tat sein Übriges.

Orgel II

1949 gab es Pläne für den Neubau eines größeren Orgelwerks. Das geplante Instrument sollte 28 klingende Register nebst einer Transmission erhalten. Aus Kostengründend wurde dieser Bau zunächst nicht umgesetzt. Stattdessen wurde übergangsweise eine gebrauchte mechanische Schleifladenorgel mit 10 klingenden Registern auf einem Manual und Pedal erworben und auf der mittlerweile wiederhergestellten Orgelbühne aufgestellt.

Disposition:

Manual C–g3
1. Principal 8′
2. Salicional 8′
3. Bordun 8′
4. Oktav 4′
5. Hohlflöte 4′
6. Superoktav 2′
7. Mixtur III
8. Trompete 8′
Pedal C–f1
9. Subbass 16′
10. Principalbass 08′

Orgel III

1956 wurden die Planungen für den Neubau eines größeren Orgelwerks wieder aufgenommen. Für dieses Vorhaben konnte die in Kevelaer ansässige Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn gewonnen werden. Sie lieferte eine Orgel mit 21 klingenden Registern nebst einer Transmission. Insgesamt 1.414 Pfeifen erzeugen die verfügbaren Klangfarben.[18]

Aufgrund ihrer neobarocken Disposition hat die Orgel einen klaren und hellen Klang. Gleichzeitig erzeugen die zum Teil sehr weiten Pfeifenmensuren ein breites und warmes Klangbild, das durch die hervorragende Akustik des Kirchenraumes zusätzlich verstärkt wird.[18]

Der Unterbau des Freipfeifenprospekts ist aus feinstem Eichenholz, die Ventile sind aus Lammleder und die drei Magazinbälge aus Kiefernholz, Leder und Buna. Während der überwiegende Teil der Pfeifen aus Zink und einer Zinn-Legierung ist, sind indes einige Pfeifen des Registers Oktave 4' aus Kupfer. Die großen Holzpfeifen sind aus Fichtenholz.[18]

Die Orgelweihe fand am 31. März 1957 statt. Zuletzt wurde die Orgel 2013 gereinigt und umfassend überarbeitet.[18]

Disposition:

I Hauptwerk C–g3
1. Gedacktpommer 16′
2. Principal 08′
3. Gemshorn 08′
4. Oktave 04′
5. Rohrflöte 04′
6. Spillpfeife 02′
7. Sesquialtera II[A 1]
8. Mixtur V
II Schwellwerk C–g3
9. Gedackt 8′
10. Unda maris[A 2] 8′
11. Singender Principal 4′
12. Blockflöte 4′
13. Nasat 223
14. Oktave 2′
15. Cymbel III
16. Trompete 8′
Tremulant
Pedal C–f1
17. Subbass 16′
18. Zartbass[A 3] 16′
19. Bartpfeife 08′
20. Choralbass 04′
21. Quintade 02′
22. Liebliche Posaune 16′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: Handregistratur mit zusätzlich zwei freien Kombinationen (Registratur A, B, C), Tutti als feste Kombination, Crescendowalze, Schwellpedal (Balanciertritt), Absteller (Einzelabsteller für die Zungenstimmen und Mixturen)
  • Anmerkungen:
  1. Ab c0.
  2. Bis 2013 Violflöte 8′.
  3. Transmission. Seit 2013 abgeschwächt.

Digitale Konzertorgel

Zur Aufwertung des Chor- und Gemeindegesangs, insbesondere bei Chorkonzerten und Festmessen, wurde 1993 von der Firma Allen Organ Company eine digitale Konzertorgel mit 41 klingenden Registern auf drei Manualen und Pedal bezogen. 2016 ist sie aus dem Kirchenraum entfernt worden. Bis dahin war sie im Chorhaus an der Nordwand verortet.

Disposition:

I Hauptwerk C–g3
1. Lieblich Gedackt 16′
2. Principal 08′
3. Harmonic Flute 08′
4. Viola 08′
5. Viola Celeste 08′
6. Oktave 04′
7. Spitzflöte 04′
8. Super Oktave 02′
9. Mixture IV 0
10. Trompette 08′
Tremulant
II Positiv C–g3
11. Holzgedackt 8′
12. Quintadena 8′
13. Principal 4′
14. Koppelflöte 4′
15. Oktav 2′
16. Quintflöte 1 ⅓′
17. Cymbel III
18. Krummhorn 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
19. Gedackt 08′
20. Viola 08′
21. Viola Celeste 08′
22. Spitzprincipal 08′
23. Traversflöte 04′
24. Nasat 2 ⅔′
25. Blockflöte 02′
26. Terz 1 ⅗′
27. Fourniture IV
28. Contre Trompette 16′
29. Trompette 08′
30. Clairon 04′
Tremulant
Pedal C–f1
31. Contra Violene 32′
32. Diapason 16′
33. Bourdon 16′
34. Lieblich Gedackt 16′
35. Oktave 08′
36. Gedacktflöte 08′
37. Viola 08′
38. Choralbass 04′
39. Flute 04′
40. Posaune 16′
41. Clairon 04′
  • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Extrakoppeln: Alterable/I, Alterable/II, Alterable/P, MIDI/I, MIDI/II, MIDI/III, MIDI/P, Bass-Koppel, Melody-Koppel
  • Spielhilfen: Handregistratur mit zusätzlich zehn freien Kombinationen, Crescendowalze, 3 Schwellpedale (Balanciertritt), Pistons
  • Weitere Funktionen: Hauptwerk-Positiv-Pedal unenclosed, Romantic Tuning Off, Reverb, Intern an, Hauptorgel ab, Antiphonal an, Alterable Voice 1 (Schwellwerk), Alterable Voice 2 (Schwellwerk), Percussion Short (Schwellwerk)

Glocken

Gegenwärtige Glocken

Im Turm der Kirche hängt seit 1959 ein dreistimmiges Geläut (f1 – as1 – b1) auf dem Motiv Te Deum.[19] Die Anschaffung einer vierten Glocke mit dem Nominalton c2 steht seit 1959 aus.

Nr. Name Nominal Gussjahr Gießer Gussort Masse Durchmesser Inschrift
1 Maria b1 1721 Jean Petit Kevelaer ca. 370 kg 0860 mm SANTA MARIA BEN ICK GENANT TOT WETTEN HANGE ICK IN GOEDES HANDET DOOR HET VVYR BEN ICK GEVLOOTEN IEAN PETIT HEEFFT MY GEGOETEN ANNO J72J.

DURCH KRIEGSEREIGNISSE ZERSTÖRT. UMGEGOSSEN 1946.

2 as1 1738 ca. 500 kg 0950 mm TEMPORE GERARDI TEN BROECK PASTORIS SANCTVS PETRVS PRO ECCLESIA WETTENSI ✻ ME FECIT IOANNES PETIT 1738 ✻ I: BECKERS EN EVA OP HEY SIN HVYS VROVWE ALS PETE EN GEVLTE
3 Friedensglocke f1 1959 Feldmann & Marschel Münster 0956 kg 1.145 mm GLORIA IN EXCELSIS DEO ET IN TERRA PAX HOMINIBUS.

DEN FRIEDEN ZU KÜNDEN BIN ICH GEWEIHT UND „FRIEDE“ SEI AUCH MEIN TÄGLICH GELÄUT. WETTEN 1959.

Die Glocken 1 und 2 dienen nicht nur als Läuteglocken, sondern auch dem Viertelstunden- und Stundenschlag. Darüber hinaus dient die Glocke 1 dem Angelusschlag und dem Angelusläuten.

Frühere Glocken

Nr. Name Nominal Gussjahr Gießer Gussort Masse Durchmesser Inschrift
III 0ca. 99 kg
IV 1842 Petit & Gebr. Edelbrock Gescher ca. 235 kg
V Totenglocke 1845 ca. 274 kg 0790 mm

Um 1840/41 war die Glocke III geborsten. Sie wurde 1842 eingeschmolzen und unter Hinzufügung von weiterem Material zur Glocke IV umgegossen.

Die Glocke IV wurde aufgrund einer Disharmonie zu den bereits vorhandenen Glocken 1 und 2 im Oktober 1845 an die Firma Petit & Gebr. Edelbrock zurückgegeben. Als Ersatz wurde die klanglich besser passende Glocke V geliefert. Diese fungierte vorrangig als Totenglocke. Sie wurde während des Ersten Weltkriegs als kriegswichtiges Material beschlagnahmt und eingeschmolzen.

Kirchenbestattungen

Noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts fungierte die Kirche auch als Bestattungsort. Neben einigen Wettener Pfarrern, Vikaren, Kirchenbediensteten und Honoratioren liegen mit der am 24. Mai 1711 verstorbenen Ida Clara Ripperband, Witwe des Herrn von Fuirden in Lomm, und mit der am 10. November 1772 verstorbenen Adelheid von Wÿlich auch zwei adlige Damen in der Kirche begraben. Darüber hinaus soll die Kirche an nicht näher ausgewiesener Stelle über eine Grabkammer verfügen.

Historische Bibliothek und Pfarrarchiv

Die historische Bibliothek der Pfarrgemeinde St. Petrus Wetten mit rund 250 Titeln aus dem 16. bis 20. Jahrhundert findet sich als Depositum in der Diözesanbibliothek Münster, das Pfarrarchiv St. Petrus Wetten als Depositum im Bistumsarchiv Münster.[20] Ein Teil der Pfarrmatriken kann über das Kirchenbuchportal Matricula Online eingesehen werden,[21] ein weiterer Teil über das Archivportal Archive in Nordrhein-Westfalen.[22]

Wettener Liederhandschrift

Spätestens um 1680 entstand die sogenannte Wettener Liederhandschrift, eine Liedersammlung mit 46 geistlichen Liedern, von denen etwa zwei Drittel in niederländisch-niederdeutscher Sprache und etwa ein Drittel in lateinischer Sprache abgefasst sind. Ihr wird eine erhebliche allgemein-musikhistorische sowie eine erhebliche religions-, kultur- und sozialhistorische Bedeutung beigemessen.[23]

Bis heute ist es Tradition, jährlich in der Christmette ausgewählte Kerstlieder (Weihnachtslieder) aus der Liederhandschrift zu singen.

Literatur

Pfarrgeschichte

  • Heinrich Börsting / Alois Schröer (Bearb.): Handbuch des Bistums Münster. Erster Band: Geschichte. 2. Aufl. Münster 1946, S. 326.
  • Heinrich Börsting (Bearb.): Handbuch des Bistums Münster. Zweiter Band: Gegenwart. 2. Aufl. Münster 1946, S. 767–768.
  • Dennis Hartjes: Wetten bei Kevelaer. Territorialgeschichtliche Untersuchung zur Entstehung und Entwicklung einer Ortschaft und ihrer Kirche am linken unteren Niederrhein bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts (= Hubert Wolf, Thomas Flammer [Hrsg.]: Junges Forum Geschichte. Band 8). dialogverlag, Münster 2020.
  • Thomas Hohn: Eine „Fuggerei“ am Niederrhein? Die kirchlichen Armen-Wohnhäuser in Kevelaer-Wetten. In: Landschaftsverband Rheinland, LVR Amt für Denkmalpflege im Rheinland (Hrsg.): Denkmalpflege im Rheinland, 31. Jg. (2014), H. 3, S. 111–114.
  • Gregor Hövelmann: Die ältesten Nachrichten über Wetten und die Gründung der Münsterabtei in Roermond. Ein Nachwort zur 750-Jahrfeier der Wettener Pfarrkirche. In: Kreis Kleve (Hrsg.): Kalender für den Kreis Kleve 1976. Ausgabe Süd. Kevelaer 1975, S. 147–150.
  • Carl Schumacher: Die Küster in Wetten. In: Verein für Heimatschutz in Kevelaer (Hrsg.): Unsere Heimat. Zwanglose Blätter des Vereins für Heimatschutz in Kevelaer, 6. Jg. (1916), Nr. 1, o. S.
  • Paul Selders: Zur Kirchengeschichte von Wetten (Erster Teil). In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1996. Geldern 1995, S. 107–112.
  • Paul Selders: Zur Kirchengeschichte von Wetten (Zweiter Teil). In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1997. Geldern 1996, S. 256–261.
  • Paul Selders: Zur Kirchengeschichte von Wetten (Dritter Teil). In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1998. Geldern 1997, S. 184–191.
  • Paul Selders / Karl-Heinz Tekath: Zur Kirchengeschichte von Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 27–43.
  • Peter Stenmans: Beiträge zur Geschichte der Pfarreien in den Dekanaten Geldern und Krickenbeck des Bistums Roermond. In: Karl Keller / Rolf Nagel / Peter Stenmans: Beiträge zur Kirchen- und Schulgeschichte des Gelderlandes (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend. Nr. 104). Geldern 2004, S. 391–524, insb. S. 476–479.
  • Peter Stenmans: Die Ernennung des Wettener Pfarrers Gerhard ten Broeck zum Landdechanten des Dekanates Geldern im Jahre 1764. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1994. Geldern 1993, S. 161–169.
  • Werner Thissen (Hrsg.): Das Bistum Münster. Bd. 3: Pfarrgemeinden. Münster 1993, S. 586–587.
  • Wilhelm Suckow: »CUSTOS WETTENSIS«. Seit über 300 Jahren Küster und Organisten aus der Familie Vos. In: Kreisverwaltung Geldern / Der Oberkreisdirektor des Kreises Geldern (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1957. Rheinberg 1956, S. 138–140.
  • o. A.: Vier Jahrhunderte Kirchenmusiker aus einer Familie. Mit dem Ruhestand von Gregor Vos in Wetten bei Kevelaer geht die Tradition zu Ende. In: Musica sacra. Zeitschrift des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes für die Länder deutscher Sprache, 108. Jg. (1988), S. 38–39.

Kirchenbau und Ausstattung

  • Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Geldern, Moers 1979 [unveränd. Nachdr. d. Ausg. v. 1891], S. 100/238–101/239.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen I. Rheinland. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2005, S. 1181.
  • Willi Dittgen: Kunst am Niederrhein. Ein Führer zu den Kulturstätten und Kunstschätzen des unteren Niederrheins. Duisburg 1965, S. 152–153.
  • Stefan Frankewitz: Die Baudenkmäler in Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 117–133, insb. S. 118–123.
  • Dennis Hartjes: Ein Altarfragment aus St. Petrus Wetten. Neue Erkenntnisse in der Derick-Baegert-Forschung. In: Der Landrat des Kreises Wesel (Hrsg.): Kreis Wesel. Jahrbuch 2020. Duisburg 2019, S. 234–237.
  • Karl-Heinz Hohmann: Bau- und Kunstdenkmäler im Kreis Kleve. Ein kursorischer Überblick (= Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz [Hrsg.]: Rheinische Kunststätten. Heft 419). Neuss 1995, S. 79.
  • Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016.
  • Bernd Kibilka: Pfarrkirche Wetten: Ein Fall für die Bodendenkmalpflege. In: Unsere Heimat. Blätter des Vereins für Heimatschutz und Museumsförderung e. V. Kevelaer, 88. Jg. (1997), Nr. 5, S. 77–79.
  • Johann Kösters: Kirchenbrand in Wetten. Das Flugzeugunglück vom 16. Dezember 1943. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 45–46.
  • Johann Kösters: Wetten hat wieder einen Kirchturm. In: Kreisverwaltung Geldern (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1960. Rheinberg 1959, S. 106–109.
  • Ulrich Reinke: Spätgotische Kirchen am Niederrhein im Gebiet von Rur, Maas und Issel zwischen 1340 und 1540, Bd. 2, Münster 1977, S. 450–452.
  • Wilhelm Suckow: Sankt Peter zu Wetten. In: Die Windmühle. Bebilderte Wochen-Zeitschrift für die niederrheinische Heimat, 1. Jg. (1949), Nr. 29, S. 2–3.
  • Wilhelm Suckow: Uns beglücken 500 Jahre alte Bilder. In: Kreisverwaltung Geldern (Hrsg.): Heimatkalender 1952 für den Landkreis Geldern. Geldern 1951, S. 84.

Kirchenbuchabschrift

  • Johanna Ambrosius / Franz Josef Ambrosius (Bearb.): Dieses Buch enthält die Abschriften des Taufregisters der katholischen Pfarrgemeinde St. Petrus Wetten. o. O. ca. 2000.
  • Johanna Ambrosius / Franz Josef Ambrosius (Bearb.): Dieses Buch enthält die Abschriften des Heirats- und Sterberegisters der katholischen Pfarrgemeinde St. Petrus Wetten. o. O. ca. 2000.

Wettener Liederhandschrift

  • Wilhelm Schepping: Die „Wettener Liederhandschrift“. Ein bedeutendes lokales und regionales kulturhistorisches Dokument des 17. Jahrhunderts. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 47–55.
  • Wilhelm Schepping: Die Wettener Liederhandschrift und ihre Beziehungen zu den niederländischen Cantiones Natalitiae des 17. Jahrhunderts (= Musikalische Volkskunde. Materialien und Analysen. 7). Köln 1978.
  • Wilhelm Schepping: Niederrheinisches Liederbe aus niederländischer Zeit. Zur Herausgabe der „Wettener Liederhandschrift“. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1979. Geldern 1978, S. 139–142.
Commons: St. Petrus, Wetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen I. Rheinland. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2005, ISBN 3-422-03093-X, S. 1181.
  2. Karl-Heinz Hohmann: Bau- und Kunstdenkmäler im Kreis Kleve. Eine kursorische Übersicht (= Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz [Hrsg.]: Rheinische Kunststätten. Heft 419 S (Sonderheft)). Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 1995, S. 79.
  3. Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 4, 6–9.
  4. Roswitha Sachsse-Schadt: Ferdinand Langenberg (1849–1931). Ein niederrheinischer Bildhauer und seine Werkstatt. Bonn 1996, S. 158.
  5. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V.: Wetten, St. Petrus. In: Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. Abgerufen am 19. Oktober 2025.
  6. Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 14.
  7. Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 22–30.
  8. Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 22–24.
  9. Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 17.
  10. Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 16.
  11. Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Geldern. Düsseldorf 1891, S. 100/238–101/239 (archive.org [PDF; 57,0 MB]).
  12. Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 20.
  13. Dennis Hartjes: Ein Altarfragment aus St. Petrus Wetten. Neue Erkenntnisse in der Derick-Baegert-Forschung. In: Der Landrat des Kreises Wesel (Hrsg.): Kreis Wesel. Jahrbuch 2020. Mercator, Duisburg 2019, ISBN 978-3-946895-28-2, S. 234–237.
  14. Kunibert Zimmeter: Die Tiroler Glasmalerei und Mosaikanstalt in Innsbruck (Neuhauser, Dr. Jele & Comp.). Ein Rückblick anlässlich des fünfzigjährigen Gründungsjubiläums. 1861–1911. Innsbruck 1911, S. 14.
  15. Horst Hodick: Johannes Klais (1852–1925). Ein rheinischer Orgelbauer und sein Schaffen. Band II (Werkverzeichnis) (= Musikwissenschaftliche Schriften, 37 / Veröffentlichungen der Gesellschaft der Orgelfreunde, 168). München/Salzburg 2001, S. 161.
  16. Horst Hodick: Johannes Klais (1852–1925). Ein rheinischer Orgelbauer und sein Schaffen. Band I (= Musikwissenschaftliche Schriften, 37 / Veröffentlichungen der Gesellschaft der Orgelfreunde, 168). München/Salzburg 2001, S. 128.
  17. Horst Hodick: Johannes Klais (1852–1925). Ein rheinischer Orgelbauer und sein Schaffen. Band II (Werkverzeichnis) (= Musikwissenschaftliche Schriften 37 / Veröffentlichungen der Gesellschaft der Orgelfreunde 168). München / Salzburg 2001, S. 86.
  18. a b c d Katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Kevelaer (Hrsg.): Himmelwärts. Ein Kirchenführer durch St. Petrus Wetten. Kevelaer 2016, S. 21.
  19. Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V.: So klingen die Glocken aus Wetten. In: YouTube. 22. Dezember 2015;.
  20. Bibliothek der Pfarrei St. Petrus Wetten. Diözesanbibliothek Münster, abgerufen am 21. Oktober 2025.
  21. Matricula Online: Wetten, St. Petrus. In: Matricula Online. ICARUS – International Centre for Archival Research;
  22. Kirchenbücher der Ortsgerichte und Bürgermeisterämter: Gemeinde St. Petrus Wetten, römisch-katholisch. In: Archive in Nordrhein-Westfalen. Landesarchiv NRW;
  23. Wilhelm Schepping: Die „Wettener Liederhandschrift“. Ein bedeutendes lokales und regionales kulturhistorisches Dokument des 17. Jahrhunderts. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 47–55.