Sophie-Louise-Schanze

Die Sophie-Louise-Schanze war eine Befestigungsanlage auf dem Kap der drei Spitzen im Westteil von Ghana und gehörte zur damaligen kurfürstlich-brandenburgischen Kolonie Groß Friedrichsburg.

Aufgabe

Die Sophie-Louise-Schanze war eine von vier Befestigungen der Kolonie, die einen geschützten Handel – mit Schwerpunkt auf dem Sklavenhandel – zum Umland gewährleisten sollten, und übernahm dabei die Aufgabe, den Verbindungsweg zwischen dem Fort Groß Friedrichsburg und der Dorotheenschanze sowie eine der wenigen vorhandenen Süßwasserquellen dort in der Gegend zu sichern.

Lage

Richard Schück beschreibt die Position der Schanze mit 1,5 Meilen südöstlich von Groß Friedrichsburg bei Taccrama auf der Mitte des Kaps der drei Spitzen[1]. Eine Ortsbezeichnung Taccrama oder Tacerma findet sich dort nicht mehr. Womöglich war damit das heute als Cape Three Points genannte Fischerdorf gleich hinter der Landspitze gemeint. Laut dem Historiker Adam Jones ist der genaue Standort der Schanze heute demnach unklar[2]. Die Anlage wurde zunächst als Schanze Taccrama und nach etwa 1708 als Sophie-Louise-Schanze nach der dritten Ehefrau des brandenburgischen Kurfürsten, Sophie Luise zu Mecklenburg-Schwerin, bezeichnet.

Errichtung

Wann genau die Befestigung angelegt wurde, ist nicht bekannt. Lediglich der Niederländer Willem Bosman, der sich seit etwa 1688 im heutigen Ghana aufgehalten hatte und darüber eine Reisebeschreibung verfasste, gibt in der niederländischen wie englischen Ausgabe 1674 als Erbauungsjahr an[3]. Da es eine brandenburgische Kolonie überhaupt erst seit 1682 in Afrika gab, wurde Bosmans Angabe von späteren Autoren selbstverständlich als Druckfehler gedeutet. In der englischsprachigen Literatur wird der Fehler meist mit 1694[4] und in der deutschen mit 1684[5] verbessert. In Bosmans deutschsprachiger und erst 1708 erschienenen Ausgabe seiner Reisebeschreibung fehlt hingegen eine Jahresangabe überhaupt[6]. Richard Schück datiert in seiner Dissertation die Errichtung auf die erste Hälfte der 1690er Jahre, liefert dafür jedoch keinen urkundlichen Nachweis, sondern bezieht sich nur auf Bosman[7]. In einem Personalverzeichnis der Kolonie Groß Friedrichsburg vom 1. März 1686 wird Taccarama nicht erwähnt[8]. Die etwas weiter östlich gelegene Dorotheen-Schanze stand von 1687 bis 1690 unter niederländischer Besatzung. Daher ist es denkbar, dass man sich von brandenburgischer Seite in dieser Zeit gezwungen sah, die bedeutende Süßwasserquelle bei Taccrama gegen die Niederländer abzusichern, und die Sophie-Louise-Schanze wurde in der zweiten Hälfte der 1680er Jahre errichtet.

Der damalige Kommandant der Kolonie Groß Friedrichsburg, Nicholas Dubois, schildert die Schanze in einem Schreiben vom 15. Juli 1712 als einen viereckigen Bau mit zwei Stockwerken, von denen das untere zur Wohnung für die afrikanischen Soldaten wie auch als Magazin bestimmt war, das obere diente als Verkaufslokal und Wohnung des Kaufmanns und des Assistenten. Das Haus war mit einem Strohdach gedeckt und hatte zu seiner Verteidigung an der Südseite eine kleine Batterie mit fünf Kanonen[9]. Eine genauere Aufstellung der Bewaffnung aus der Zeit von etwa nach 1690 weist dort eine vierpfünder, drei zweipfünder und zwei einpfund Kanonen nach[10]. Vermutlich befand sich wie üblich bei solchen kleinen Befestigungsanlagen auf der Frontseite ein Erdwall und in der Kehle ein Palisadenzaun. 1707 und 1712 werden hier neben der afrikanischen Besatzung lediglich zwei Brandenburger erwähnt, wobei es sich dabei um den Kaufmann und seinen Assistenten handeln sollte[11].

Der König von Preußen, Friedrich Wilhelm I., verkaufte 1717 die Sophie-Louise-Schanze mit den anderen kurbrandenburgischen Besitzungen in Westafrika an die Niederländische Westindien-Kompanie.

Über den heutigen Erhaltungszustand der Anlage liegen widersprüchliche Angaben vor. So besagen zwei niederländische Berichte, dass die Schanze 1817 bereits in Trümmern lag und auch diese Reste dann 1869 verschwunden waren[12]. Eine Forschungsreise zur Auffindung der Schanze des deutschen Journalisten Bernhard Knapstein verlief 2016/17 dementsprechend erfolglos[13], dagegen erwähnt GhanaWeb heute noch dort sichtbare Fundamente[14].

Literatur

Einzelnachweise

  1. Schück, I, S. 324.
  2. Adam Jones: Brandenburg Sources for West African history 1680–1700. In: Studien zur Kulturkunde. Band 77. Stuttgart 1985, ISBN 3-515-04315-2, S. XIV.
  3. Willem Bosman: Nauwkeurige Beschryving van de Guinese Goud-tand-en Slave-kust, nevens alle desselfs Landen, Koningryken, en Gemenebesten. Utrecht 1704, S. 11 (archive.org). Sowie in der englischen Übersetzung: Willem Bosman: A new and accurate description of the coast of Guinea, divided into the Gold, the Slave, and the Ivory coasts. London 1705, S. 10 (archive.org).
  4. Paul Edward Hedley Hair, Adam Jones, Robin Law (Hrsg.): Barbot on Guinea. The Writings of Jean Barbot on West Africa 1678–1712. Band 2. London 1992, ISBN 978-0-904180-33-6. Hier Letter 3, Fußnote 30: "mission of a reference to the fort at Tacrama, from Bosman, p. 10: this includes the copying by Barbot of a misprint, the obviously wrong date in the english translation of Bosman, '1674', instead of the orignal '1694' [...]".
  5. Voigt, S. 295; Ulrich van der Heyden: Eine vergessen geglaubte Festung in Afrika kehrt in das Bewusstsein zurück. In: Burgen und Schlösser - Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege. Band 41, Nr. 2, 2000, S. 88–100 (uni-heidelberg.de). Hier S. 95, Fußnote 11.
  6. Willem Bosman: Reyse nach Gvinea, oder, ausführliche Beschreibung dasiger Gold-Gruben, Elephanten-Zähn und Sclaven-Handels. Hamburg 1708, S. 14 (archive.org).
  7. Schück, I, S. 324.
  8. Schück, II, S. 273–275.
  9. Schück, I, S. 324 f.
  10. Generalstab, S. 126.
  11. Schück, I, S. 325 f.
  12. Voigt, S. 358 f.
  13. Bernhard Knapstein: Auf der Suche nach Tacrama. In: Böhme-Zeitung. 25. Februar 2017 (boehme-zeitung.de).
  14. The Castles and Forts of Ghana. In: GhanaWeb. Abgerufen am 18. November 2022.