Dorotheenschanze

Die Dorotheenschanze war eine Befestigungsanlage auf der Landspitze südlich dem heutigen Akwidaa (früher Arcada oder Accada) im Westteil von Ghana und gehörte zur damaligen kurfürstlich-brandenburgischen Kolonie Groß Friedrichsburg.

Aufgabe

Die Dorotheen-Schanze war eine von vier Befestigungen der Kolonie, die einen geschützten Handel – mit Schwerpunkt auf dem Sklavenhandel – zum Umland gewährleisten sollten, und übernahm dabei die Aufgabe, die im Hinterland von Accada befindliche Kornkammer der Gegend sowie den davor liegenden und einzigen benutzbaren kleinen Hafen an der Goldküste zu sichern[1].

Errichtung

Am 27. Dezember 1682 ankerten die beiden kurbrandenburgischen Fregatten Churprinz von Brandenburg und Morian nahe der Ortschaft Accada. An Bord befand sich der Major Otto Friedrich von der Groeben, der den Auftrag hatte, einen günstigen Platz für eine größere Befestigungsanlage nahe der Küste ausfindig zu machen. An Land traf er einen niederländischen Kaufmann aus dem Fort Elmina, der dort ebenfalls eine Handelsniederlassung errichten wollte. Die Brandenburger hatten die Instruktion, mindestens eine Meile vom Einflussbereich der anderen europäischen Kolonialmächte Abstand zu halten, weshalb Groeben auf sein Schiff zurückkehrte. Er segelte weiter nach Westen, wo er Anfang Januar 1683 den Handelsstützpunkt Fort Groß Friedrichsburg gründete[2].

Im Februar 1684 hatten die Niederländer ihre Niederlassung in Accada aufgegeben, und eine Abordnung der afrikanischen Bevölkerung von dort trat daher an den damaligen Kommandanten von Groß Friedrichsburg, den Major Nathaniel Dillinger, heran und bat um Unterschutzstellung. Am 24. und 26. Februar 1684 wurden zwischen der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie und 24 Oberhäuptern (in den Urkunden meist als Cabusiers bezeichnet) der dort ansässigen Ahantas zwei Verträge darüber abgeschlossen, in dem auch die Errichtung einer Schanze bei Accada geregelt war[3]. Der Ingenieur-Hauptmann Karl Konstantin von Schnitter, der in Groß Friedrichburg mit dem Ausbau der dortigen Befestigungsanlage beschäftigt war, erhielt von Dillinger den Auftrag, sich umgehend mit neun Mann sowie vier dreipfünder Kanonen nach Accada zu begeben, dort in Zusammenarbeit mit den Afrikanern eine zunächst nur provisorische Feldschanze auf einer kleinen Anhöhe anzulegen, um diesen neuen Teil der brandenburgischen Kolonie vor allem gegen die Niederländer abzusichern. Die in Form eines Dreiecks angelegte Schanze wurde lediglich von einem Palisadenzaun eingefasst, im Innern gab es vermutlich nur eine einfache, aus losen Steinen errichtete Unterkunft[4]. Die Arbeiten waren am 30. Mai weitgehend abgeschlossen. Schnitter nahm abschließend am 2. Juni 1684 einen Plan der erbauten Feldschanze auf und erstellte einen Entwurf für einen späteren massiven Ausbau. Diese beiden Zeichnungen blieben in der Berliner Staatsbibliothek erhalten[5]. 1686 wurde Baumaterial, hier vor allem Granitsteine und Baukalk, aus Königsberg nach Accada transportiert. Schnitters Plan, der drei Halbbastionen vorsah, wurde in dieser Form nicht umgesetzt[6]. Vielmehr entstanden zwei Bastionen zur Land- und eine Front zur Seeseite, dazwischen eine Kurtine mit dem Hauptor sowie dahinter ein Wohn- und Lagergebäude. Die Schanze war erst 1693 völlig ausgebaut und besaß als Bewaffnung nun zwei sechspfünder, vier dreipfünder, fünf zweipfünder und drei einpfund Kanonnen sowie zwölf Drehbassen. Die Besatzung bestand neben den afrikanischen Soldaten 1686 aus sieben, 1705 aus fünf und 1712 nur noch aus zwei Brandeburgern.

Die Anlage wurde zunächst als Schanze oder Fort Accada und später als Dorotheenschanze nach der zweiten Ehefrau des brandenburgischen Kurfürsten, Dorothea Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, bezeichnet.

Kampfhandlungen

Anders als Engländer und Dänen erkannten die Niederländer die brandenburgischen Besitzrechte nicht an. Am 7. Oktober 1687 belagerten einige Hundert unter dem Kommando des niederländischen Generals Nickolaas Sweerts stehende Afrikaner die noch unfertige Schanze. Nachdem der Kommandant und zwei Mann der kleinen Besatzung aus dem Werk herausgelockt worden waren, ergaben sich die anderen und alle Brandenburger wurden gefangen genommen. Erst 1690 gelang es Kurfürst Friedrich III., auf diplomatischen Weg die Schanze zurückzuerhalten.

Etwa im Herbst 1711 hatte der afrikanische Zwischenhändler, ein sogenannter Makler, und brandenburgische Verbündete Jan Conny eine Auseinandersetzung mit einem niederländischen Makler aus Axim. In deren Verlauf konnte sich Conny zunächst einen Vorteil verschaffen, worauf sich Afrikaner unter niederländischen wie nun auch englischen Befehl gemeinsam gegen ihn stellten. Conny zog sich letztlich in die Dorotheenschanze zurück, die noch 1711 von den Verbündeten gestürmt und dabei schwer beschädigt wurde. Die drei dort vorhandenen Brandenburger gerieten in englische und niederländische Gefangenschaft. Dem erst am 27. Dezember 1711 angekommenden neuen Gouverneur der brandenburgischen Kolonie, Nicholas Dubois, gelang es auf dem Verhandlunsgweg, die Schanze bereits am 8. Februar 1712 wieder in Besitz zu bekommen. Schon im März begannen die Vorbereitungen zur Wiederherstellung der Anlage. Am 26. Juni wurde durch den anhaltenden Regen eine Bastion unterspült und stürzte ein. Am 20. Oktober 1712 konnte ein Friedensvertrag zwischen Brandenburg, England und den Niederlanden abgeschlossen werden. Danach mussten ein englischer und ein niederländischer Makler die Schäden an der Dorotheenschanze durch eine Strafzahlung in Gold ersetzen[7].

Der König von Preußen, Friedrich Wilhelm I., verkaufte 1717 die Schanze mit den anderen kurbrandenburgischen Besitzungen in Westafrika an die Niederländische Westindien-Kompanie, die sie später nochmals ausbauten und Fort Dorothea nannten.

Heutiger Zustand

Laut zwei niederländischen Berichten war die Dorotheenschanze 1817 zum Teil erhalten, dazu zählte das Wohngebäude und die zwei Bastionen mit noch acht Kanonen. 1869 war die Anlage jedoch bereits verfallen[8] und nach aktuellen (2025) Angaben von GhanaWeb ist sie eine Ruine[9].

Literatur

Einzelnachweise

  1. Schück, I, S. 322.
  2. Generalstab, S. 113; Schück, I., S. 314.
  3. Die Verträge und eine dazu gehörende Resolution sind abgedruckt bei: Schück: Brandenburg-Preußens Kolonial-Politik [...] Band 2, S. 201–209 (digitale-sammlungen.de).
  4. Generalstab, S. 121; Schück, I, S. 322 f.
  5. Dokument: Abris von der Vestung zu Acada in Afrika, wie sie Itzo mit Palisaden befestiget und hinführo mit Steine kan aufgemauret werden (Handzeichnung (koloriert), 38 x 29 cm, Maßstab etwa 1:250). Staatsbibliothek Berlin. 2. Juni 1684. Signatur: Kart. X 120.
  6. Schück, I., S. 322.
  7. Schück, I, S. 343.
  8. Voigt, S. 358 f.
  9. The Castles and Forts of Ghana. In: GhanaWeb. Abgerufen am 25. November 2025.
Commons: Dorotheenschanze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 4° 45′ 10,6″ N, 2° 2′ 8,5″ W