Schanze Taccarary
Die Schanze Taccarary ist eine nach 1685 erbaute Befestigungsanlage in Sekondi-Takoradi im Westteil von Ghana. Sie war Bestandteil der damaligen kurfürstlich-brandenburgischen Kolonie Groß Friedrichsburg.
Aufgabe
Die Schanze Taccarary war eine von vier Befestigungen der Kolonie, die einen geschützten Handel – mit Schwerpunkt auf dem Sklavenhandel – zum Umland gewährleisten sollten, und übernahm dabei die Aufgabe, den östlichen Teil gegenüber den Niederländern im benachbarten Sekondie und dem Fort Oranje abzusichern.
Errichtung
Am 1. Januar 1683 gründete der Major Otto Friedrich von der Groeben im Auftrag des Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, das Fort Groß Friedrichsburg nahe dem heutigen Princes Town. Das etwa 40 km nordöstlich gelegene Taccarary (in historischen niederländischen Quellen meist Tocorary und heute Takoradi genannt) beanspruchten zu dieser Zeit die Niederlande, die sich jedoch Anfang 1685 zurückzogen. Eine Abordnung der afrikanischen Bevölkerung von dort trat daher an den damaligen Kommandanten von Groß Friedrichsburg, den Major Karl Konstantin von Schnitter, heran und bat um Unterschutzstellung.[1] Am 4. Februar 1685 wurde zwischen der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie und den Bewohnern der Landschaft Anta, Taccarary und den umliegenden Dörfern ein Vertrag darüber abgeschlossen, in dem auch die Errichtung einer Fortresse in Taccarary geregelt war. Bereits am 5. Februar schickte von Schnitter den Fähnrich du Mont mit einem Gefreiten, sechs Mann und drei dreipfünder Kanonen nach Taccarary, um dort in Zusammenarbeit mit den Afrikanern eine geschlossene Feldschanze (Redout) anzulegen.[2]
In Taccarary gab es bereits seit etwa Mitte des 17. Jahrhunderts eine kleine Befestigungsanlage, die nacheinander von Franzosen, Schweden, Dänen, Niederländern und Briten ausgebaut worden war und in der Literatur meist als Fort Witsen bezeichnet wird. Der niederländische Admiral Michiel de Ruyter zerstörte 1665 das letzte dort vorhandene britische Fort und der Ort blieb bis zur brandenburgischen Besetzung unbefestigt.[3] Ein Plan der dann angelegten Schanze ist bisher nicht nachweisbar. Es soll jedoch 1686 Baumaterial, demnach Granitsteine wie beim Fort Groß Friedrichsburg, aus Königsberg nach Taccarary verbracht worden sein,[4] weshalb es sich hier vermutlich um ein kleines, eben aus Steinen erbautes Blockhaus mit frontseitigem Erdwall und einem Palisadenzaun in der Kehle gehandelt haben könnte. In einer Personalaufstellung vom 1. März 1686 werden neben der afrikanischen Besatzung lediglich zwei Brandenburger erwähnt, und die Bewaffnung bestand nunmehr aus vier Geschützen.[5]
Zerstörung
Am 12. und 13. Oktober 1687 überfielen unter dem Kommando des niederländischen Generals Nickolaas Sweerts etwa 300 Afrikaner die brandenburgische Dorotheenschanze in Accada sowie die Schanze in Taccarary und nahmen beide mit dem dazu gehörenden Umland in Besitz.[6] Besonders Taccarary war viel zu weit von der Hauptfestung in Groß Friedrichsburg entfernt, um von dort eine wirksame militärische Gegenaktion zu unternehmen. Der Große Kurfürst und nach dessen Tod sein Sohn Friedrich III. bemühten sich daher ausschließlich auf diplomatischen Weg um Rückgabe der Gebiete. 1690 gelang dies für Accada mit der Dorothenschanze, die Verhandlungen über die Rückgabe von Taccarary zogen sich aber bis 1694 hin. Zwischenzeitlich hatten die Niederländer jedoch die Schanze gesprengt.[7]
Nach der endgültigen Aufgabe der brandenburgischen Kolonie Groß Friedrichsburg und deren Verkauf an die Niederländer im Jahr 1717 wurde später in Taccarary wieder ein größeres Fort errichtet, das erneut den Namen Witsen trug, von dem jedoch bereits im 19. Jahrhundert nur noch einige Reste vorhanden waren.
Literatur
- Brandenburg-Preußen auf der Westküste von Afrika (1681–1721). In: Großer Generalstab (Hrsg.): Kriegsgeschichtliche Einzelschriften. Nr. 6. Berlin 1885, S. 99–184 (google.de).
- Richard Schück: Brandenburg-Preußens Kolonial-Politik unter dem Großen Kurfürsten und seinen Nachfolgern (1647–1721). Leipzig 1889 (2 Bände, https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11613205?page=,1 https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11613206?page=,1).
- Christoph Voigt: Neue Forschungen über Groß Friedrichsburg. In: Koloniale Monatsblätter. Band 15, Nr. 7. Berlin 1913, S. 289–296 und 355–362 (archive.org).
Einzelnachweise
- ↑ Generalstab, S. 121; Schück, I, S. 322 f.
- ↑ Der Vertrag und eine dazu gehörende Resolution sind abgedruckt bei: Schück: Brandenburg-Preußens Kolonial-Politik [...] Band 2, S. 251–254 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Voigt, S. 358 f.
- ↑ Generalstab, S. 123.
- ↑ Generalstab, S. 123.
- ↑ Schück, I., S. 216; Generalstab, S. 125.
- ↑ Generalstab, S. 126.