Schmachtenberg (Zeil am Main)
Schmachtenberg Stadt Zeil am Main
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| Koordinaten: | 50° 0′ N, 10° 36′ O |
| Höhe: | 250 m ü. NHN |
| Fläche: | 2,09 km² |
| Einwohner: | 337 (31. Dez. 2013)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 161 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1972 |
in Schmachtenberg
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Schmachtenberg ist ein Gemeindeteil der Stadt Zeil am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern.[2]
Geographie
Das Dorf Schmachtenberg liegt am rechten Ufer des Mains südöstlich der Kernstadt von Zeil, mit der der Gemeindeteil zusammengewachsen ist. Oberhalb des Ortes steht die Ruine Schmachtenberg. Durch Schmachtenberg führt die Staatsstraße 2447 (früher Bundesstraße 26) von Zeil nach Ziegelanger sowie der Fränkische Marienweg.
Geschichte
Schmachtenberg gehörte wie die benachbarten Orte Zeil, Ziegelanger, Krum und Bischofsheim seit jeher zum Hochstift Bamberg. Die Ursprünge des Dorfes und der dazugehörigen Burg sind historisch nicht eindeutig datierbar. Während der Heimatforscher Hermann Mauer in seiner Chronik eine Gründung um das Jahr 1250 vermutet, datiert der Burgenforscher Joachim Zeune die Entstehung der Burg anhand archäologischer Funde auf etwa 200 Jahre später. Die erste schriftliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1466, das Dorf Schmachtenberg wird bereits 1348 urkundlich genannt. Die Frage, ob das Dorf im Zuge des Burgenbaus entstand, bleibt aufgrund der widersprüchlichen Quellenlage offen.
Zwischen 1652 und 1803 bestand in Schmachtenberg ein Gutshof des Zisterzienserklosters Langheim, bekannt als „Langheimer Hof“. Dieser befand sich am Waldrand im heutigen Bereich der Adresse Schmachtenberg 22. Einige der dort ansässigen Patres übernahmen zeitweise die seelsorgerische Betreuung der häufig unbesetzten Pfarrstelle in Zeil.
Trotz der räumlichen Nähe zur Stadt bewahrte sich der Ort stets ein starkes Selbstbewusstsein. Ein Ausdruck dieser Eigenständigkeit war die Gründung einer gemeinsamen Schule mit dem benachbarten Ziegelanger um das Jahr 1700 – und nicht etwa mit Zeil.[3] Im Zuge der Gebietsreform wurde Schmachtenberg am 1. Januar 1972 in die Stadt Zeil am Main eingemeindet.[4]
Burg Schmachtenberg
Die Burg Schmachtenberg wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet (um 1420/30) und erstmals 1466 urkundlich erwähnt. Sie entstand wahrscheinlich als Ersatz für die ältere Zeiler Burg auf dem sogenannten Käppele, dem heutigen Standort der Wallfahrtskirche. Die Anlage war bereits auf den Einsatz von Feuerwaffen ausgelegt, was sich an den entsprechend gestalteten Schießscharten erkennen lässt, auch wenn einige davon später überarbeitet wurden.
Im Bauernkrieg von 1525 wurde die Spornburg beschädigt, anschließend jedoch wieder instand gesetzt. Im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 erlitt sie erneut schwere Zerstörungen. In der Folgezeit wurde die Burg nicht wieder aufgebaut und schließlich aufgegeben. Im Jahr 1695 diente sie als Steinbruch für den Bau des Zeiler Stadtschlosses, wobei Baumaterial aus der Ruine entnommen wurde.[5]
Das Schloss Schmachtenberg
Laut Bayerischer Denkmalliste stammt das „Schmachtenberger Schlösschen“ aus dem 17. Jahrhundert, während Hermann Mauer in seiner Chronik die Entstehung im 16. Jahrhundert ansetzt. Als Gründe hierfür nennt er die Renaissance-Bauweise und einen Balken mit der Jahreszahl 1553. Dann wäre wohl der Bamberger Bischof Weigand von Redwitz der Erbauer. Schriftlich dokumentiert ist die Gründung aber nicht, und auch der ursprüngliche Zweck des Gebäudes liegt im Dunkeln. Möglicherweise hat es sich um die Wohnung des Burgverwalters oder des fürstbischöflichen Försters gehandelt, möglicherweise war es auch ein Gut der Bamberger Obrigkeit. Seine Nutzung als Jagdschloss ist seit 1800 belegt, könnte aber auch schon wesentlich früher bestanden haben, wie baugeschichtlich nachweisbare Umbauten zu Gästezimmern nahelegen. Im Lauf der Jahrhunderte ist das Anwesen mehrmals verändert worden, so dass der ursprüngliche Zustand schwer zu ermitteln ist. Im Kern dürfte es sich beim Haupthaus um einen zweigeschossigen Fachwerkbau gehandelt haben. Die heutigen Dachtürmchen und der nördliche (linke) Eckturm stammen aus dem 20. Jahrhundert. Heute sind ans Haupthaus zwei Flügel angebaut. Beim nördlichen handelt es sich um einen eingeschossigen, langgestreckten Satteldachbau mit Sandsteinmauerwerk, der aus dem 19. Jahrhundert stammt. Der Südflügel, der entlang der Straße nach Bischhofsheim verläuft, ist ursprünglich eine Scheune, die im 18. und 19. Jahrhundert entstand. Er besteht teilweise aus Sandsteinmauerwerk, teilweise aus Fachwerk.[6.1] Im Zuge der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts ging das Schmachtenberger Schlösschen aus kirchlichem in privaten Besitz über. Zu den frühen Eigentümern zählte ein Herr von Ziegler, der 1858 in Würzburg ansässig war. Nach mündlicher Überlieferung ließ er ein älteres Wappen über dem Eingang entfernen und durch ein eigenes ersetzen. Das neue Wappen, das Weintrauben und Rosen in einem viergeteilten Schild zeigt, deutet auf eine symbolische Widmung des Anwesens an Lebensfreude und Geselligkeit hin. Ein späterer Besitzer war der Steinbruchunternehmer Reinhard von Zeil, der das Anwesen während der wirtschaftlichen Blütezeit seiner Schleifsteinproduktion erwarb. Während seiner Besitzzeit nahm er mehrere bauliche Veränderungen vor: An der Südseite ließ er einen Turm errichten, die Erker des Wohngebäudes wurden mit turmartigen Aufsätzen versehen, und der Dachgiebel erhielt dekorative Elemente im gleichen Stil. Auch der Erker am nordwestlichen Gebäudeeck wird ihm zugeschrieben. Nach der kurzen Eigentumsphase von Reinhard von Zeil gelangte das Schlösschen 1939 an die Familie von Zanthier, die es bis heute nutzt.[6.2]
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Das Schloss vom Kapellenberg aus gesehen
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Ansicht der Südseite
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Eckturm des Schlosses
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Nebengebäude des Schlosses
Das „Weiße Haus“
Der Bayerische Denkmalatlas datiert das heutige Gebäude in die Epoche des Barock, also ins 17. Jahrhundert. Eine frühere Erwähnung eines Gutes des Ritters Hans von Schaumberg im Jahr 1511 könnte auf einen Vorgängerbau hinweisen. Die heutige Anlage weist schlossartige Merkmale auf und wurde als Sitz des bischöflichen Weinbergverwalters genutzt. Ein erhaltenes Kelterhaus aus dem 18. Jahrhundert zeugt von dieser Funktion. Es handelt sich um einen Sandsteinbau mit Remise und Halbwalmdach. Das Haupthaus ist zweigeschossig, besitzt ein Walmdach, Eckpilaster und einen flachen Mittelrisalit. An der südöstlichen Ecke des Anwesens befindet sich ein Brunnenhäuschen aus dem 18. Jahrhundert. Es handelt sich um einen Rundbau aus Sandstein mit Zeltdach und korbbogiger Tür. Einzelne historische Karten, darunter der Zweidler-Plan von 1598, zeigen im Maintal südlich der damaligen Landstraße ein einzelnes Gebäude. Ob es sich dabei um das sogenannte „Weiße Haus“ (auch „Weißhaus“) handelt, ist unklar. Das Anwesen liegt tatsächlich nördlich der Straße, direkt am Hangfuß, was Zweifel an dieser Zuordnung aufkommen lässt.[7]
Der Langheimer Hof
Das Zisterzienserkloster Langheim bemühte sich fortlaufend, seinen Grundbesitz durch gezielte Käufe und Tauschgeschäfte zu sichern und auszubauen. Eine solche Gelegenheit ergab sich im Jahr 1615, als die Bamberger Eheleute Michael und Juliane Lorber dem Kloster eine Immobilie in Schmachtenberg veräußerten. Der Verkauf umfasste ein Wohnhaus mit Hofstelle und Garten, eine Kelter sowie mehrere Weinberge. Im Jahr 1652 erweiterte das Kloster seinen Besitz durch den Erwerb eines weiteren Hofes in Schmachtenberg, einer Scheune in Ziegelanger sowie durch den Zukauf zusätzlicher Weinberge, Felder, Wiesen und Gärten. Eine weitere bedeutende Erweiterung erfolgte 1666 mit dem Ankauf der sogenannten Dr. Reuß’schen Güter, bestehend aus Weinbergen und einem Haus mit Kelter in Schmachtenberg. Diese Liegenschaften wurden 1798, kurz vor der Säkularisation, die auch Langheim betraf, vererbt.[8.1]
Aufgrund wiederkehrender Konflikte mit den jeweiligen Pfarrverwesern, die sich aus dem unzureichenden Einkommen der Pfarrgüter ergaben, wandten sich die Verantwortlichen der Stadt Zeil im Jahr 1658 an den Abt des Klosters Langheim. Sie baten darum, die seelsorgerische Betreuung der Pfarrei durch zwei Konventualen des Langheimer Gutshofes in Schmachtenberg zu übernehmen. Diese Lösung hätte den Vorteil geboten, dass der Lebensunterhalt der Geistlichen zusätzlich durch die Klostergüter in Schmachtenberg gesichert gewesen wäre. Das Kloster Langheim entsprach der Bitte und stellte von 1658 bis 1661 zwei Patres zur Versorgung der Pfarrei ab. Zwischen 1661 und 1680 wurde die Pfarrei Zeil von drei anderen Geistlichen betreut, wobei es weiterhin zu häufigen Wechseln kam. Erst mit dem Abschluss eines Vertrags im Jahr 1680 zwischen dem Zisterzienserkloster Langheim und den zuständigen Behörden in Würzburg wurde eine dauerhafte Lösung gefunden. Der Vertrag sah vor, dass das Kloster Langheim die Einkünfte der Pfarrei nutzen durfte und sich im Gegenzug verpflichtete, dauerhaft zwei Priester – einen Pfarrer und einen Kaplan – für die seelsorgerische Versorgung abzustellen. Die Vereinbarung war jeweils auf fünfzehn Jahre befristet und wurde bis zum Jahr 1739 regelmäßig verlängert. Mit der Ernennung des Haßfurter Kaplans Johannes Franz zum Stadtpfarrer von Zeil endete die über 60-jährige Verbindung zur Abtei Langheim. Fortan übernahmen weltliche Priester die pastorale Betreuung der Gemeinde, während die Langheimer Patres ausschließlich für die Verwaltung des Klosterhofs in Schmachtenberg zuständig waren.[8.2]
Im Zuge der Säkularisation ab dem Jahr 1803 und der damit verbundenen Auflösung des Zisterzienserklosters Langheim wurden auch die Klostergüter in Schmachtenberg enteignet und verkauft. Das Anwesen samt zugehöriger Liegenschaften gelangte in den Besitz des ortsansässigen Landwirts Bartholomäus (Barthel) Mantel. Er war zweimal verheiratet und übertrug die erworbenen Äcker, Wiesen und Weinberge schrittweise an seine insgesamt zehn Kinder. In den folgenden drei Generationen führten Erbteilungen zur Verkleinerung des Besitzes, wobei Teile auch veräußert wurden. Um das Jahr 1838 wandelte Michael Neuirrer, ein Enkel von Barthel Mantel, das Wohnhaus in eine Gastwirtschaft um. Zunächst übernahm ein Ehepaar namens Büttner den Betrieb. Ab dem Jahr 1951 führte der aus seiner Heimat vertriebene Hugo Sponer gemeinsam mit seiner Familie die Gast- und Landwirtschaft in Schmachtenberg unter dem Namen „Zum Altvater“ weiter. Im Jahr 1977 erfolgte der Abriss des alten Gebäudes durch neue Eigentümer, die das Anwesen bereits 1957 übernommen hatten. An dessen Stelle wurde ein moderner Neubau errichtet.[8.3]
Baudenkmäler
Siehe: Liste der Baudenkmäler in Schmachtenberg
Freizeit und Erholung
Die Lage Schmachtenbergs bietet verschiedene Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Die Nähe zur Stadt Zeil am Main ermöglicht den Zugang zu kulturellen Einrichtungen, Sportanlagen und Wanderwegen entlang des Mains. Darüber hinaus liegt der Ort zwischen zwei Naturparks: dem Naturpark Haßberge im Norden und dem Naturpark Steigerwald im Süden. Beide Regionen sind durch ihre landschaftliche Vielfalt geprägt und bieten zahlreiche Wander- und Radwege sowie historische Sehenswürdigkeiten. Der Naturpark Haßberge ist bekannt für seine Burgen und bewaldeten Höhenzüge, während der Steigerwald vor allem durch seine Mischwälder und Weinlagen charakterisiert ist. Durch diese geografische Lage bestehen für Bewohner und Besucher von Schmachtenberg vielfältige Möglichkeiten zur naturnahen Freizeitgestaltung.[9]
Weblinks
- Schmachtenberg in der Ortsdatenbank von bavarikon.
Einzelnachweise
- ↑ Landkreis Haßberge – Ortsteile ab 150 Einwohnern. (PDF) S. 10, abgerufen am 2. April 2022.
- ↑ Stadt Zeil a.Main, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 25. Dezember 2024.
- ↑ Geschichte Schmachtenbergs. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 479.
- ↑ Burgruine Schmachtenberg. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Schloss Schmachtenberg. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Das „Weiße Haus“. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Gutshöfe von Fränkischen Klöstern (PDF-Datei). In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Tourismus in Zeil und Umgebung. In: zeil-am-main.de. Abgerufen am 5. November 2025.