Bischofsheim (Zeil am Main)

Bischofsheim
Koordinaten: 50° 2′ N, 10° 38′ O
Höhe: 350 m ü. NHN
Fläche: 34 ha
Einwohner: 86[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 1. Januar 1968
Ehemaliges Gemeindehaus in Bischofsheim

Bischofsheim ist ein Gemeindeteil der Stadt Zeil am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern.[1]

Geographie

Das Dorf Bischofsheim liegt auf den Höhen der Haßberge. Durch den Ort verläuft die Kreisstraße HAS 14 von Zeil nach Dörflis.

Geschichtlicher Überblick

Frühzeit und erste Erwähnungen (12.–14. Jahrhundert)

Die erste Erwähnung des Ortes Bischofsheim datiert auf das Jahr 1165 unter der Bezeichnung „Biscopsheim“. Der Ortsname verweist etymologisch auf ein „Heim“ oder einen Besitz eines Bischofs und reflektiert damit die enge Bindung an das Hochstift Bamberg. Bereits im 12. Jahrhundert verfolgte der Bamberger Bischof das Ziel, zuverlässige bäuerliche Siedler inmitten seiner ausgedehnten Waldgebiete anzusiedeln. Die Namensformen wandelten sich im Laufe der Zeit: 1344 erscheint die Schreibweise „Bi-schoffßheym“, ab 1358 ist die Form „Bischofsheim“ belegt, die sich ab 1422 endgültig durchsetzte.

Im Jahr 1313 überließ das Hochstift einen Besoldungsteil an den Ritter Aplo Ziech, was auf eine frühe Einbindung des Orts in das Lehnswesen hinweist. 1344 verpflichtete sich Ritter Dietrich von Bischofshym gemeinsam mit weiteren Rittern zur Verteidigung der strategisch bedeutenden Burg Zeil (Castrum Zilanum) im Kriegsfall unter Einsatz des eigenen Lebens. Die Aufnahme Bischofsheims in das Bamberger Bischöfliche Urbar erfolgte 1348, was die wirtschaftliche und administrative Relevanz des Ortes unterstreicht.[2.1]

Spätmittelalterliche Entwicklung (15.–16. Jahrhundert)

Im Jahr 1422 erhielt Eberhard Fuchs von Bischofsheim, ein adeliger Gefolgsmann, ein Lehen vom Bischof, das drei Höfe, neun Selden sowie eine Mühle umfasste. Die Existenz einer Kapelle, der sogenannten Dietrichskapelle im Kappelwald, ist für das Jahr 1456 belegt. Sie war der Jungfrau Maria (virgo gloriosissima) geweiht und befand sich oberhalb des Breitenwegs. Der Abbruch der Kapelle erfolgte im Jahr 1526.

Um 1500 wird von einem Raubritter berichtet, der die Untertanen in Bischofsheim unterdrückte und mit ihnen räuberische Überfälle unternahm. In dieser Zeit vollzog sich auch der Übertritt der Bevölkerung zum Protestantismus, entsprechend der Konfession ihrer Herrschaft. 1527 verstarb der Dorfherr Georg Christoph Fuchs von Bimbach; sein Epitaph ist bis heute erhalten.[2.1]

Frühe Neuzeit und Dreißigjähriger Krieg (17. Jahrhundert)

Im Zuge der Hexenverfolgungen wurde 1625 die aus Bischofsheim stammende Margarethe Mötzel, die in Zeil im Dienst stand, als vermeintliche Hexe gefangen genommen. 1629 beteiligten sich Bischofsheimer gemeinsam mit Königsberger Glaubensgenossen an der Plünderung der Stadt Zeil. Im Jahr 1631 führten sie finnisch-schwedische Truppen unter dem Kommando des Obristen Hastver über die sogenannte Brühlsteige (auch „Schwedenschlucht“) zur Erstürmung Zeils. Als Reaktion darauf drangen 1632 Zeiler Truppen in Bischofsheim ein und trieben das dort vorgefundene Vieh in ihre Stadt.[2.1]

Wirtschaft und Infrastruktur im 18. Jahrhundert

Im Jahr 1730 wurde eine sogenannte Füllenwarte errichtet, möglicherweise zur Überwachung von Weidevieh oder als Flurgrenzzeichen. Um 1800 finden sich zudem Hinweise auf die Nutzung von Steinbrüchen innerhalb der Bischofsheimer Gemarkung, was auf eine wirtschaftliche Diversifizierung hinweist.[2.1]

Sozialstruktur und Gemeindeorganisation im 19. Jahrhundert

Infolge der regionalen Missernten der Jahre 1816/17 kam es auch in Bischofsheim zu einer Hungersnot. Für 1817 sind fünf katholische Familien in fünf Häusern nachgewiesen; ihre Kinder besuchten die Schule im benachbarten Neubrunn, was auf fehlende schulische Infrastruktur im Ort verweist.

Im Jahr 1847 erfolgte die Einpfarrung Bischofsheims nach Gleisenau, womit die kirchliche Zugehörigkeit des Ortes neu geregelt wurde. Bereits ein Jahr später, 1848, ist mit Johann Kern ein Pottaschensieder nachweisbar, dessen Betrieb auf die Nutzung lokaler Holzressourcen schließen lässt. Die gewerbliche Struktur des Ortes blieb zunächst bescheiden: 1856 sind neben der bäuerlichen Bevölkerung lediglich drei Gewerbetreibende verzeichnet – zwei Pottaschensieder und eine Gänsehirtin. 1859 kam eine weitere Pottaschensiederei hinzu.

1861 trat Bischofsheim dem Landwirtschaftsverein bei, ein Indiz für die zunehmende Organisation und Professionalisierung der lokalen Agrarwirtschaft. Der Eltmanner Gerichtsarzt Dr. Schneider bemerkte in diesem Zusammenhang, die Bischofsheimer seien „ziemlich wohlhabend“, was auf eine gewisse ökonomische Stabilität des Dorfes verweist.

Die schulische Versorgung blieb weiterhin defizitär. 1870 besuchten die evangelischen Kinder die Schule in Dörflis, die katholischen Kinder jene in Zeil. Der Bau einer eigenen Schule scheiterte an den finanziellen Mitteln. 1873 erteilte der Zeiler Schullehrer und Stadtschreiber Mend den Kindern im Haus des Bürgermeisters monatlich zwei Stunden Unterricht in bayerischer Geschichte. 1874 wurde festgestellt, dass keine geeigneten Schullokalitäten vorhanden seien, da das vormals genutzte Gebäude als Armenhaus diente. Auch fehlten die Mittel zur Besoldung eines Lehrers. Im selben Jahr richtete die Gemeinde ein Krankenzimmer ein, und Mend übernahm weiterhin den schriftlichen Verkehr für Bischofsheim. Als eine der Haupteinnahmequellen galt der Obstbau, insbesondere die Zwetschgenernte.

Ebenfalls 1874 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1877 plante man die Anschaffung einer größeren Feuerspritze, doch mangelte es an ausreichend Feuerwehrleuten. Die benachbarte Wehr aus Dörflis sagte Unterstützung im Brandfall zu. 1878 sind sechs Dienstboten im Ort verzeichnet, deren Pflege im Krankheitsfall durch ihre Dienstherren erfolgte. 1886 verfügte die Feuerwehr noch über keine Helmausrüstung. 1887 empfahl der Bezirksamtmann in Haßfurt erneut die Anschaffung einer größeren Spritze.

Die Bischofsheimer Kirchweih wurde aufgrund dringender landwirtschaftlicher Arbeiten, die keine Feiertage erlaubten, ab 1887 nicht mehr am ersten Sonntag im September, sondern am ersten Sonntag nach dem 12. Oktober gefeiert. 1889 äußerte der Bezirksamtmann in Haßfurt kritisch, die Bischofsheimer seien „im Großen und Ganzen auch nicht annähernd so unbemittelt, als sie sich immer hinzustellen belieben“. 1890 erfolgte der vollständige Abbruch der Ruine des alten Armenhauses neben dem Forsthaus.

Im Jahr 1892 wurde die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr in Bischofsheim durch die Anschaffung von acht Helmen und acht Joppen (Jacken) verbessert.[2.1]

Wandel und Modernisierung im 20. Jahrhundert

Frühes 20. Jahrhundert (1900–1939)

1907 erfolgte die Beschaffung einer Feuerwehrspritze (Löschmaschine). 1913 erhielt Bischofsheim eine Fernsprechstelle, die in einem Wirtshaus eingerichtet wurde. Diese Maßnahme markiert den Anschluss des Dorfes an die moderne Telekommunikation und stellt einen wichtigen Schritt in der infrastrukturellen Entwicklung dar.

Im Jahr 1915 wurde auf dem freien Platz vor dem Gemeindehaus eine Bismarcklinde gepflanzt. Die Pflanzung erfolgte offenbar im Rahmen der weitverbreiteten nationalen Gedenkkultur des frühen 20. Jahrhunderts und symbolisierte die Verbundenheit mit dem Reichsgründer Otto von Bismarck.

Im Jahr 1917 wurde angestrebt, die katholischen Kinder aus der protestantisch geprägten Schule in Dörflis auszugliedern und der katholischen Schule in Krum zuzuweisen, um eine konfessionell angemessene religiöse Unterweisung zu gewährleisten. Diese Maßnahme reflektiert die konfessionellen Spannungen und das Bestreben nach konfessioneller Homogenität im Bildungswesen.

1922 sprachen sich die Bürger in einer Versammlung mehrheitlich gegen den Bau einer Wasserleitung aus; von 20 Anwesenden votierten 19 dagegen, lediglich Nikolaus Schneider (Haus Nr. 9) sprach sich dafür aus. Auch 1923 wurde das Vorhaben erneut abgelehnt (5 Stimmen dafür, 10 dagegen). Im selben Jahr erfolgte der Aufbau der Stromversorgung durch das Überlandwerk Unterfranken, was einen bedeutenden Schritt in der technischen Modernisierung des Ortes darstellte. Der Wasserleitungsbau wurde 1926 auf unbestimmte Zeit verschoben.

1931 wurde ein Musikverein gegründet, der jedoch nur kurz Bestand hatte. Sein erster öffentlicher Auftritt fand anlässlich der Hochzeit von Wilhelm Schneider statt. 1936 wurde schließlich der Bau einer Wasserleitung beschlossen; 14 Bürger stimmten dafür, 5 dagegen.

Kriegs- und Nachkriegszeit (1940–1959)

Im Jahr 1942 kamen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nach Bischofsheim, was auf die Einbindung des Ortes in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft verweist. 1945 wurde ein in Bischofsheim angelegtes Stofflager der Zeiler Weberei geplündert. 1946 erfolgte die Instandsetzung des Hohlwegs an der großen Steige.

1950 bestand im Ort noch ein kleiner Kolonialwarenladen. 1955 wurde in der Flurgemarkung Bischofsheim eine Sprungschanze des Zeiler Ski-Clubs errichtet.

Verwaltungsreform und gesellschaftliche Veränderungen (1960–2000)

1961 plante die Regierung die Auflösung aller Gemeinden mit weniger als 100 Einwohnern. Bischofsheim konnte durch die Geburt von Friedrich Kern bis Silvester die geforderte Einwohnerzahl erreichen und somit seine Eigenständigkeit zunächst bewahren. 1962 wurde das letzte Pferd im Ort verkauft, ein symbolischer Schritt im Wandel von agrarischer zu motorisierter Wirtschaftsweise. 1963 monierte das Landratsamt, dass sich das Amtszimmer des Bürgermeisters im privaten Schlafzimmer befand – ein Hinweis auf die begrenzten räumlichen Ressourcen der Gemeindeverwaltung.

1967 wurden die Bischofsheimer Kinder mittels organisierter Schülerbeförderung nach Zeil eingeschult. 1968 wurde Bischofsheim nach Zeil eingemeindet. Der Landrat Walter Keller bezeichnete diesen Vorgang als „Modellfall für ganz Bayern“. Im selben Jahr wurde festgestellt, dass das Trinkwasser bakteriell verunreinigt war; die Anlage wies technische Mängel auf. Das Wasser wurde fortan gechlort, und ein Anschluss an die Versorgungssysteme von Zeil oder Dörflis wurde erwogen.

1969 erhielt der Zeiler Amtsbote ein Moped zur Betreuung des Ortsteils. Der Kirchweihtanz der Bischofsheimer fand im Zeiler Göllersaal statt. Zudem wurde eine öffentliche Fernsprechzelle im Haus Hölzer installiert, was die kommunikationstechnische Anbindung des Ortsteils weiter verbesserte.

In den Jahren 1970/71 wurde eine Fernwasserleitung von Zeil nach Bischofsheim verlegt, wodurch die Wasserversorgung des Ortsteils grundlegend verbessert wurde. Etwa zur gleichen Zeit erfolgte eine Flurbereinigung, die der Neuordnung und effizienteren Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen diente.

Für das Jahr 1973 sind 13 Rindviehhalter im Ort dokumentiert, 1974 wurde die erste Abwasseranlage fertiggestellt, ausgeführt als teilbiologisches offenes Becken, ein früher Schritt in der kommunalen Abwasserentsorgung.[2.1]

Kommunale Erneuerung und Strukturwandel im 21. Jahrhundert

Im Jahr 2001 reduzierte sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe deutlich: Es bestanden nur noch drei Vollerwerbslandwirte und ein Nebenerwerbslandwirt, was den Strukturwandel in der Landwirtschaft widerspiegelt. 2006 wurde ein neuer Hochbehälter errichtet und das Gemeindehaus für die Belange der Feuerwehr umgebaut.

Im Jahr 2007 erfolgte die Verkabelung der Stromversorgung sowie die Installation einer neuen Ortsbeleuchtung. Zudem wurde die Kläranlage saniert und erweitert. In den Jahren 2007/08 wurde der Friedhof neugestaltet und eine Aussegnungshalle errichtet. In diesem Zusammenhang kam es zur „Entdeckung“ des Schlosses Bischofsheim, das zuvor kaum Beachtung gefunden hatte.

Das Dorffest im Jahr 2009 stand im Zeichen der Einweihung der neuen Aussegnungshalle und dokumentierte das fortgesetzte Engagement der Gemeinde für die Pflege ihrer Infrastruktur und kulturellen Identität.[2.1]

Das Rittergut Bischofsheim

Anfang des 14. Jahrhunderts waren die Zehntrechte in Bischofsheim als Lehen des Hochstifts Würzburg an die Familien Stapf und Zieche vergeben. Mitte des Jahrhunderts gelangte der Großteil des Ortes in den Besitz des Rittergeschlechts der Flieger, später als Bamberger Mannlehen an die Fuchs von Eltmann beziehungsweise von Wonfurt. Auch die Herren von Rotenhan verfügten über Anteile, die 1478 an Veit von Schaumberg übergingen. Dieser hatte bereits jenen Teil erworben, den Jakob Fuchs 1451 an die Stadt Zeil verkauft hatte. 1536 wurde das Lehen an Heinz und Hans Wilhelm Fuchs verliehen, die es von Jörg von Schaumberg gekauft hatten. Nach dem Tod Georg Ernst Fuchs von Bimbach († 1607) erbte dessen Tochter Anna Barbara den Besitz. Bis zu ihrer Mündigkeit wurde dieser von Verwandten verwaltet. Nach ihrem Tod beanspruchte Pankratz von Pölnitz das Gut aufgrund seiner Ehe mit einer Fuchs von Bimbach. Die Familie Fuchs protestierte gegen die geplante Lehensübertragung durch das Hochstift Bamberg. Ein Vergleich 1611 sicherte den Fuchs das Rittergut, während Pölnitz Mobilien, Bargeld, das Gut Aschbach und 20.000 Gulden erhielt. Der Streit zog sich bis vor das Reichskammergericht. 1641 wurde ein weiterer Vergleich geschlossen, der eine Rückzahlung von 4.000 Gulden an die Pölnitz vorsah. Da diese ausblieb, verkauften die Fuchs das Gut 1648/49 für 26.000 Gulden an Christian von Meußbach. Über Zwischenbesitzer gelangte es 1695 schließlich in den Besitz des Hochstifts Bamberg.[2.2]

Das Bischofsheimer Schloss

Im Jahr 1536 verlieh Fürstbischof Weigand von Redwitz das Rittergut Bischofsheim als Mannlehen an die Brüder Heinz und Hans Wilhelm Fuchs, nachdem diese es von Jörg von Schaumberg erworben hatten. Um 1567 wurde im Dorf ein Schloss errichtet, das fortan als Wohnsitz der Familie diente. Ein Wappen über dem Eingang mit der Jahreszahl 1576 bestätigt die Nutzung als Adelssitz. Ob an gleicher Stelle zuvor ein älteres Gebäude stand, lässt sich nur durch archäologische Untersuchungen klären. Auch das sogenannte „Hohe Haus“ außerhalb des Dorfes könnte früher als Wohnsitz gedient haben. Die Funktion Bischofsheims als Wohnort des Adels ist durch eine Leichenpredigt von 1606 belegt: Georg Ernst Fuchs von Bimbach wurde am 4. Juli jenes Jahres in Bischofsheim unter großer Beteiligung bestattet. Ein Epitaph für Georg Fuchs von Bimbach, verstorben 1591, ist ebenfalls erhalten. Eine Beschreibung und Zeichnung aus dem Jahr 1649 dokumentieren das Aussehen des Schlosses beim Verkauf des Ritterguts an Christian von Meußbach. Nach dem Rückfall des Guts an das Hochstift Bamberg richtete Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn um 1730 in Schloss und Nebengebäuden einen Fohlenhof für das Bamberger Hofgestüt ein.[2.3]

Der Fohlenhof

Zwischen 1730 und 1731 ließ Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn in Bischofsheim einen Fohlenhof als dritten Standort für das Bamberger Hofgestüt einrichten. Bis dahin war das Gestüt auf den Koppenhof bei Bamberg und die Giechburg mit Peulendorf verteilt. Die Mutterstuten und neugeborenen Fohlen verblieben im Koppenhof, während die entwöhnten Fohlen nach Geschlecht getrennt wurden: Hengstfohlen kamen nach Peulendorf, Stutenfohlen nach Bischofsheim. Der Fohlenhof wurde auf dem Gelände des alten Schlosses eingerichtet, wo auch Scheunen zur Winterfütterung vorhanden waren. Die Sommermonate verbrachten die Tiere auf Weiden im Lennenbach, wo ein Schutzhaus für schlechte Witterung errichtet wurde. Das Futter stammte von fürstlichen Wiesen bei Augsfeld, Zell und Knetzgau und wurde über den sogenannten „Heuweg“ nach Bischofsheim gebracht. Zur Betreuung war ein Fohlenwärter mit Hufschmiedausbildung angestellt; 1732 wird Jörg Nützel als erster genannt. In diesem Jahr wurden 33 Pferdefohlen und 11 Maultierfohlen gezählt. Unter Fürstbischof Franz Konrad von Stadion wurde der Hof 1753 wegen Bestandsverringerung aufgelöst, jedoch 1764 unter Adam Friedrich von Seinsheim erneut eingerichtet. Der Hufschmied Michael Zehe aus Knetzgau übernahm die Betreuung, nach seinem Tod 1770 trat sein 19-jähriger Sohn Martin die Nachfolge an. Als sich 1800 französische Truppen näherten, wurden die Fohlen nach Peulendorf evakuiert, kehrten 1801 kurzzeitig zurück, doch im Laufe des Jahres 1803 wurde der Fohlenhof endgültig aufgelöst. Heu und Gerätschaften wurden verkauft, die Felder und Wiesen versteigert. Der Betrieb endete offiziell am 31. Dezember 1803.[2.4]

Das „Hohe Haus“

Reste der ehemaligen Umfassungsmauer
Kellergewölbe des „Hohen Hauses“

Das sogenannte „Hohe Haus“ diente im 14. Jahrhundert als Sitz eines Dienstmannes des Bamberger Bischofs und wurde erstmals in dieser Zeit urkundlich erwähnt. Während des Bauernkriegs von 1524/25 wurde das Gebäude zerstört und anschließend nicht wieder aufgebaut. Der Wohnsitz der Lehensherren oder ihrer Verwalter verlagerte sich später in ein Anwesen innerhalb des Dorfes, das heute unter der Adresse Bischofsheim Nr. 21 bekannt ist. Wie das ursprüngliche „Hohe Haus“ tatsächlich aussah, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Der Heimatforscher Hermann Mauer versucht in seiner Chronik, anhand vergleichbarer Bauten eine Vorstellung zu entwickeln. Demnach könnte es sich um einen turmartigen Bau gehandelt haben, dessen Untergeschoss aus massivem Sandstein bestand und mehrere Meter hoch war. Darüber befand sich ein niedriges Fachwerkgeschoss mit Walmdach. Der Zugang zum Untergeschoss war nur über eine Leiter oder eine leicht entfernbare Holztreppe möglich – ein Schutzmechanismus gegen feindliche Übergriffe. Unter dem Gebäude befand sich ein Gewölbekeller, und eine hohe Mauer umgab einen vorgelagerten Hofbereich. Die eigentliche Wohnfunktion war auf das Fachwerk-Obergeschoss beschränkt. Aufgrund seiner erhöhten Lage auf dem Mausberg und der Bauhöhe bot das Gebäude dem jeweiligen Verwalter einen ausgezeichneten Überblick über das Dorf und die umliegende Landschaft – ein strategischer Vorteil zur Kontrolle und Verteidigung.[3] Von dem ehemaligen Bauwerk sind heute lediglich zwei bauliche Relikte erhalten: ein Kellergewölbe sowie eine Mauer, die etwa Kniehöhe erreicht und einst zur Umfassung der Anlage gehörte.[2.5]

Der Edelsitz

Nach der Zerstörung des „Hohen Hauses“ im Bauernkrieg errichteten die neuen Grundherren aus dem weit verzweigten Adelsgeschlecht der Fuchs einen neuen Wohnsitz innerhalb des Dorfes. Reste dieser Anlage sind bis heute im Anwesen Bischofsheim Nr. 21 erhalten. Eine Beschreibung aus dem Jahr 1912 schildert das Gebäude als schlichten, zweigeschossigen Bau mit einem rechteckigen Hof, der von einer kräftigen Mauer eingefasst ist. Die Südseite weist vier unregelmäßig angeordnete Fenster auf. Die ursprüngliche Anlage stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde im 18. Jahrhundert baulich verändert. Über dem Eingang befindet sich eine Sandsteinplatte mit dem Wappen der Herren von Fuchs-Bimbach und der Jahreszahl 1567. Im Obergeschoss sind Doppelfenster mit Renaissancegewänden erhalten. Die Anlage gilt als Nachfolgebau des Bischofsheimer Schlosses, das in Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts mehrfach erwähnt und dargestellt wurde. Das heutige Haupthaus stammt aus der Zeit zwischen dem späten 17. und dem 18. Jahrhundert.[4]

Die Dietrichskapelle

Vor etwa 40 Jahren entdeckte der damalige Rektor Hermann Mauer bei einer Exkursion etwas nordwestlich von Bischofsheim ein rechteckiges, etwa zehn mal sechs Meter großes, ausgeschachtetes Gelände. Dort stieß er auf Ziegelreste und Teile einer früheren Kapelle, die unter einer Humusschicht verborgen lagen. Vermutlich wurden die noch verwendbaren Steine später abtransportiert. Der Ursprung dieser Kapelle ist unbekannt, doch der Name „Kappelwald“ könnte sich von ihr ableiten. Ein Hinweis auf die historische Bedeutung liefert der Name eines Ritters der Burg Bischofsheim: Dietrich-Flieger. Ein alter Flurplan zeigt die Kapelle noch deutlich eingezeichnet. Man geht davon aus, dass sie in der Zeit der Reformation aufgegeben oder abgerissen wurde – möglicherweise bereits im Jahr 1526. Es handelte sich wohl um ein schlichtes kleines Gotteshaus mit einem Kreuz auf dem Giebel und einem nach Süden ausgerichteten Eingang. Einige Überlieferungen führen den Ursprung der Kapelle bis ins 13. Jahrhundert zurück. In den umliegenden Gemeinden war der Ort auch unter dem Namen „Dietrichs-Grab“ bekannt.[2.6]

Das Ortswappen

Anlässlich des Dorffestes im Jahr 2009 wurde ein Ortswappen eingeführt. Das Wappen wurde von Kreisheimatpfleger Günter Lipp, Ebern-Frickendorf entworfen.[2.7]

Wappenbegründung: Das Wappen von Bischofsheim zeigt in heraldischer Form den Namen und die Geschichte des Dorfes. Der Bischofsstab und der Winkel (Dach) ergeben den Namen Bischofsheim. Die Herren von Fuchs und das Hochstift Bamberg waren jahrhundertelang gemeinsam Grundherren im Ort. Sie sind durch ihre Wappentiere, den roten Fuchs und den schwarzen Löwen mit der Schrägleiste, wiedergegeben. Beide Tiere standen auch im Familien- beziehungsweise Hochstiftswappen auf gelbem Grund.

Anekdoten

Antike Liebhaberei

Im Zuge der Eingemeindung Bischofsheims im Jahr 1968 besuchte ein Zeiler Bürger einen Hof im Ort und entdeckte dabei zufällig einen prachtvollen, antiken Schrank. Dieser stand unbeachtet in einem Nebengebäude, vollgehängt mit Werkzeug und Kleinteilen, und war durch zahlreiche eingeschlagene Nägel stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Besucher war fasziniert von dem Möbelstück, wagte jedoch nicht, sein Interesse offen zu zeigen – aus Sorge, der Besitzer könnte misstrauisch werden und den Preis hochtreiben. In einem beiläufigen Gespräch sprach der Zeiler lediglich die kunstvoll gedrechselten Füße des Schranks an, die ihm besonders gefielen. Der Landwirt zeigte jedoch keinerlei Bereitschaft, sich von dem „alten Trumm“ zu trennen. Wochen später, als der Schrank längst in Vergessenheit geraten war, brachte der Bischofsheimer dem erstaunten Besucher die vier Schrankfüße vorbei – als freundliche Geste. Auf Nachfrage, was mit dem restlichen Möbel geschehen sei, gestand der Bauer, er habe den Schrank zerkleinert und als Brennholz verwendet. Schließlich habe sich der Gast ja nur für die Füße interessiert. Noch heute denkt der Zeiler mit Wehmut an den Verlust dieses historischen Stücks.[2.8]

Bayerische Geschichte

Im Jahr 1851 erließ die Regierung von Unterfranken eine Anordnung, nach der der Geschichtsunterricht in Bayern so gestaltet werden sollte, dass er das bayerische Nationalbewusstsein stärkt und fördert. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Kinder aus dem bayerischen Bischofsheim, die im benachbarten sächsischen Dörflis zur Schule gingen, zusätzlich privaten Unterricht in bayerischer Geschichte erhielten. Diese Aufgabe übernahm der Zeiler Stadtschreiber und Lehrer Mend. Er unterrichtete die Kinder zunächst im Haus des Bürgermeisters, später im Gasthaus Wacker, und widmete sich dort einmal im Monat zwei Stunden lang der Vermittlung bayerischer Identität.[2.8]

Schlaffe Erziehung

In der Kirchenchronik von Dörflis aus dem Jahr 1883 wird berichtet, dass die Gottesdienste in Dörflis und Köslau regelmäßig und gut besucht waren – sowohl von Einheimischen als auch von auswärtigen Gästen. Gleichzeitig wird Kritik an der allzu großen Nachsicht mancher Eltern in Bischofsheim geübt:

Was das kirchliche Leben in den Gemeinden anlangt, so waren die Kirchen in Dörflis und Köslau fleißig besucht, sowohl von den Einheimischen als auswärtigen Besuchern. Nicht zu billigen ist die allzugroße Nachsicht der Eltern gegen ihre Kinder. Wie weit dieselbe geht , zeigt das Beispiel der bayerischen Gemeinde Bischofsheim, wo Eltern ihren Kindern, zum Theil auch Schulkindern, die Theilnahme an einen Tanzunterricht, gegeben von katholischen Steinhauern von Schmachtenberg, gestatteten, bis das hiesige Pfarramt dem Umfug ein Ende machte. Die traurigen Folgen solcher schlaffen Erziehung seiner Kinder kommen nach, siehe Taufregister.[2.9]

Freizeit

Bischofsheim liegt eingebettet in die sanften Hügel des Naturparks Haßberge – einer Region, die für ihre naturnahe Erholung, historischen Burgen und ausgedehnten Wanderwege bekannt ist. Die Lage des Dorfes bietet ideale Voraussetzungen für vielfältige Freizeitaktivitäten im Grünen. Ob Spaziergänge durch die Wälder, Radtouren entlang der alten Handelswege oder Ausflüge zu den nahegelegenen Ruinen und Schlössern – die Umgebung lädt dazu ein, Natur und Geschichte gleichermaßen zu erleben. Im Ort selbst befindet sich ein See mit Floß und angrenzender Grillhütte.[5]

Baudenkmäler

Siehe: Liste der Baudenkmäler in Bischofsheim

Literatur

Commons: Bischofsheim (Zeil am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stadt Zeil a.Main, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 25. Dezember 2024.
  2. Bischofsheimer Festschrift (PDF-Datei). In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 6. November 2025.
    1. a b c d e f g Zeittafel, Seite 68–71
    2. Das Rittergut Bischofsheim, Seite 7
    3. Das Schloss der Fuchs zu Bischofsheim, Seite 10
    4. Der Fohlenhof, Seite 23
    5. Das „Hohe Haus“, Seite 55
    6. Die Dietrichskapelle, Seite 52
    7. Das Dorfwappen, Seite 3
    8. a b Anekdoten aus Bischofsheim, Seite 27, 28
    9. Schlaffe Erziehung, Seite 35
  3. Hohes Haus. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 5. November 2025.
  4. Bischofsheim 21. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 5. November 2025.
  5. Der Bischofsheimer See. In: naturpark-hassberge.de. Abgerufen am 5. November 2025.