Schloss Bensberg
Schloss Bensberg im Stadtteil Bensberg von Bergisch Gladbach im Bergischen Land (Nordrhein-Westfalen) ist ein im frühen 18. Jahrhundert erbautes Jagdschloss, das von 1840 bis 1997 mit Unterbrechungen als Internat und heute als Grand Hotel genutzt wird.
Jagdschloss Bensberg
Johann Wilhelm II. beauftragte 1703 den Grafen Matteo d’Alberti mit dem Bau eines neuen Schlosses im Barockstil. Es war als Jagdschloss für seine zweite Frau gedacht und orientierte sich stilistisch an Schloss Versailles und dem Entwurf von Christopher Wren für Winchester Castle.[1] Die Mittelachse des Gebäudekomplexes ist exakt auf den Kölner Dom ausgerichtet, der 14 Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Johann Georg Jacobi schreibt in seinem Tagebuch:
„Schloss und Dorf liegen auf einem hohen Berge, von dem man viele Meilen voll Wälder, Äcker und Heiden, in der Ferne eine Strecke des Rheines und die berühmten Sieben Berge sieht. […] Ich glaube, dass die Götter dann und wann auf einer silbernen Wolke so ihren Nektar trinken und die Hälfte der Erde übersehen!“
Goethe selbst schrieb im 14. Buch in Dichtung und Wahrheit:
„Deutlicher ist mir eine Fahrt nach dem Jagdschloß Bensberg, das auf der rechten Seite des Rheins gelegen, der herrlichsten Aussicht genoß. Was mich daselbst über alle Maßen entzückte, waren die Wandverzierungen durch Weenix […]“
Jan Wellem erlebte die Fertigstellung seines repräsentativen bergischen Jagdschlosses nicht mehr. Als er 1716 starb, zeichnete sich bereits der Niedergang des fürstlichen Schlosses ab. Die nachfolgenden Herrscher residierten mehr in der Pfalz als im Herzogtum Berg und besuchten das Schloss nur selten.
Umnutzungen
18. Jahrhundert
Zu Beginn der Koalitionskriege kam es 1792 zu Gefechten zwischen der französischen Revolutionsarmee und den österreichischen Regimentern in der Schlacht bei Jemappes.[2] Ohne Genehmigung seitens des Herzogs Karl Theodor von Jülich-Berg und gegen den Widerstand der Burggräfin Helena Theresia Moureaux richtete man im Februar 1793 im Schloss Bensberg ein Feldlazarett ein, das in der Folgezeit die verletzten österreichischen Soldaten aufzunehmen hatte. Es unterstand dem Stadtkommandanten von Köln. Immer wieder war es schwierig, die notwendigen Einrichtungsgegenstände, Stroh für die Lagerung der Verletzten und Brennholz herbeizuschaffen. Auch gab es immer wieder Engpässe mit der Verpflegung. Zudem waren die hygienischen Verhältnisse äußerst mangelhaft. So brach im Schloss Ende März 1793 Typhus aus, kurz darauf auf die umliegenden Dörfer übergriff, und es kam zu einem Massensterben im Lazarett. forderte. Bis zum Ende des Krieges wurden mehr als 3.000 Tote aus Bensberg im nahe gelegenen Milchborntal in großen Massengräbern beerdigt.[3]
19. Jahrhundert
1813 richteten die Franzosen im Schloss Bensberg ebenfalls ein Lazarett ein. Auch bei ihnen brach Typhus aus, was wiederum zu vielen Toten führte, die man ebenso im Milchborntal in der Nähe der österreichischen Gräber beisetzte. Mit dem Kaiserlichen Kirchhof und dem Französischen Kirchhof errichtete man den toten Soldaten Gedenkstätten im Milchborntal.[4] In den Jahren 1819 bis 1837 diente das Schloss als preußisches Militärlazarett für ansteckende Augenkrankheiten.
Kadettenhaus Bensberg
Von 1840 bis 1918 wurde das Gebäude unter der Bezeichnung Kadetten-Haus Bensberg als preußische Kadettenanstalt genutzt.[5][3]
20. Jahrhundert
Im November 1919 ging das Schloss in die Obhut der Gemeinde über und wurde zunächst als Kaserne für Besatzungstruppen verwendet. Nach dem Abzug der Besatzung im Herbst 1922 zog das Bürgermeisteramt in den Südflügel des Schlosses.[3] Später kam hier zeitweilig das Heimatmuseum unter. Im Nordflügel wurden Jugendheime für katholische und evangelische Organisationen eingerichtet. Die Berufsschule zog in den südlichen Teil des Mittelbaus, einige künstlerisch wertvolle Räume blieben gesperrt. Von 1924 bis 1933 benützte die Gemeinde die restlichen Räume als Obdachlosenasyl. 93 Familien aus der Bürgermeisterei wurden hier in dieser Zeit untergebracht.[6]
Napola Bensberg
Von 1935 bis Ende 1944 war das Schloss Standort der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Bensberg (offizielle Abkürzung: NPEA, im Volksmund auch NAPOLA genannt), ab 1937 unter der Leitung des SA-Führers Paul Holthoff.[7][8][9]
1944 existierte am Standort das Außenlager Bensberg des KZ Buchenwald. Zur Reparatur des Schlossbrandes im Jahr 1943 waren etwa 40, hauptsächlich aus der UdSSR und Polen stammende Zwangsarbeiter im Schloss tätig und untergebracht.[10] Am 22. März wurden zwei „Ostarbeiter“ im Park des Schlosses erschossen.[11] Im Oktober 1944 erreichten die Alliierten Aachen. Aufgrund des befürchteten schnellen Vormarsches der alliierten Truppen wurde Anfang November 1944 befohlen, die NAPOLA und das KZ-Außenkommando Bensberg nach Hardehausen bei Warburg in Ostwestfalen zu evakuieren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach 1945 wurde die Anlage zunächst von amerikanischen, englischen und ab 1946 von belgischen Besatzungstruppen genutzt. In der Zeit von 1965 bis 1997 diente das Schloss als Sitz des belgischen Gymnasiums Koninklijk Atheneum Bensberg.[12]
Hotel Schloss Bensberg
Im Jahr 1997 wurde das Gebäude zum Grand Hotel umgebaut. Eigentümer ist die Generali Deutschland Lebensversicherung AG, Betreiber die Gruppe Althoff Hotels. Es hat 84 Zimmer sowie 36 Suiten und drei Restaurants, darunter das zwei-Sterne-Restaurant Vendôme.[13]
Denkmalschutz
Das Schloss Bensberg wurde am 30. Juni 1988 als Nr. 136 in der Denkmalliste von Bergisch Gladbach eingetragen.
Kunstschätze des Schlosses
Die Jagdszenen von Jan Weenix befinden sich heute in der Alten Pinakothek in München. Seidentapeten und weitere Gemälde befinden sich heute im Schloss Augustusburg in Brühl.
Die Bibliothek umfasst auf 55 m² (4,55 m × 5,60 m) eine Sammlung mit ca. 5.000 antiquarischen Büchern.[14] Bemerkenswert ist überdies der Zanetti-Saal mit dem Deckenfresko 'Sturz der Titanen' von Domenico Zanetti.[15]
Wanderwege
Der Rundwanderweg „Bensberger Schloss“ (Bergischer Streifzug Nr. 13) hat das Bensberger Schloss als Start- und Endpunkt.[16] Der Premium-Wanderweg von 9,3 km Länge erhielt Fördergelder von EU und NRW.
Siehe auch
Literatur
- August Gertner: Bensberg und sein Kadettenhaus. Kogler, Siegen 1862, Digitalisat.
- Werner Dobisch: Das Neue Schloß zu Bensberg (= Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz. Jg. 31, ZDB-ID 2061727). Schwann, Düsseldorf 1938.
- Godehard Hoffmann: Schloß Bensberg und sein Schicksal – Preußisches Kadettenhaus und Nationalpolitische Erziehungsanstalt – in: Rheinische Heimatpflege – 33. Jahrgang – 1/96, S. 9 ff.
- Barbara Precht-von Taboritzki: Das neue Schloß Bensberg in Bergisch Gladbach. Köln 1996. ISBN 3-88094-802-X (Rheinische Kunststätten Heft 418), hrsg. v. Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V.
- Schloss Bensberg e. V.: Geister, Goethe und Soldaten. Geschichten & Gedichte um Schloss Bensberg. informa Verlag, Bensberg 2000.
- Herbert Stahl: Die Grube Jungfrau und das Schloss Bensberg, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 2005, 75. Jahrgang, Heider Verlag Bergisch Gladbach o. J., S, 213 ff.
- Herbert Stahl: Nationalpolitische Erziehungsanstalt im Schloss Bensberg, Zur Geschichte des Schlosses als schulische Einrichtung in: Rheinisch-Bergischer Kalender 2013, 83. Jahrgang, Heider Verlag Bergisch Gladbach o. J., S, 91 ff.
Weblinks
- Grandhotel Schloss Bensberg
- Wird Schloss Bensberg Welterbe? (2014, Webarchiv)
Einzelnachweise
- ↑ Abschnitt Geschichte in der Hotelbeschreibung, abgerufen am 8. März 2023
- ↑ August Gärtner: Bensberg und sein Kadettenhaus, Siegen 1862
- ↑ a b c Schloss Bensberg. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital, abgerufen am 22. Dezember 2025.
- ↑ Anton Jux: Das K.K. Hauptarmeespital in Bensberg und der Kaiserliche Kirchhof (= Bergische Heimatführer. Sonderreihe. Bd. 1, ZDB-ID 1223641-x). Martini & Grüttefien, Wuppertal-Elberfeld 1955.
- ↑ August Gertner: Bensberg und sein Kadettenhaus. Kogler'sche Buchhandlung, Siegen 1862, S. 76 ff. (uni-duesseldorf.de [PDF]).
- ↑ Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Schöningh, Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5, S. 401, 406
- ↑ NAPOLA in Bensberg – Erziehungsanstalt der Nazis im Schloss. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Herbert Stahl: Nationalpolitische Erziehungsanstalt im Schloss Bensberg, Zur Geschichte des Schlosses als schulische Einrichtung. In: Rheinisch-Bergischer Kalender. 2013, S. 91–96.
- ↑ Willi Fritzen: Nachwuchs für den NS-Staat. In: Internetseite von Willi Fritzen. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora: Bensberg. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Johann Paul: Vom Volksrat zum Volkssturm. Bergisch Gladbach von 1918-1945. Bergisch Gladbach 1988, S. 170 f.
- ↑ Koninklijk Atheneum Bensberg ( vom 21. Dezember 2016 im Internet Archive)
- ↑ Die Geschichte von Schloss Bensberg. In: Elvata. Abgerufen am 21. Dezember 2021 (deutsch).
- ↑ Räumlichkeiten. Abgerufen am 27. Januar 2024.
- ↑ Geführte Wanderung: Zum Geburtstag des Bensberger Schlosswegs ging es hinter die Kulissen. 24. Juli 2023, abgerufen am 1. März 2024.
- ↑ Bensberger Schlossweg. 23. Oktober 2012, archiviert vom ; abgerufen am 1. März 2024.
Koordinaten: 50° 58′ 1″ N, 7° 9′ 44″ O