Barbara Precht von Taboritzki
Barbara Precht von Taboritzki (geboren als Barbara von Taboritzki; * 2. Juni 1940 in Berlin; † 16. Januar 2022 in Köln[1][2]) war eine deutsche Architektin und Denkmalpflegerin, die sich in beruflichen und ehrenamtlichen Funktionen dem Erhalt von Kulturerbe widmete.
Leben
Barbara von Taboritzki, die in Berlin geboren und aufgewachsen war, zog 1960 zum Studium von Architektur und Städtebau nach Aachen. Nach ihrem Abschluss war sie bei der Bezirksregierung Köln, der Oberen Denkmalbehörde, tätig und war dort bis 1992 Dezernentin für Städtebau und Denkmalpflege. Nachdem sie krankheitsbedingt aus dem Berufsleben ausschied, promovierte sie 1993 zunächst mit einer Arbeit über Denkmallandschaften[3], bevor sie sich dem ehrenamtlichen Engagement für die Denkmalpflege widmete.
In den 1990er Jahren gründete sie die Kölner Gruppe der Feministischen Organisation Planerinnen und Architektinnen (FOPA) mit und lehrte an der Fachhochschule Köln als Dozentin in den Fächern Stadtplanung und Denkmalpflege. Als erste weibliche Dezernatsleitung für Städtebau und Denkmalpflege in der Bezirksregierung förderte sie dort Frauen der jüngeren Generation von Städteplanerinnen und Denkmalpflegerinnen.[4]
Im Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz war Precht von Taboritzki von 1993 an zehn Jahre lang Vorsitzende des Kölner Regionalverbands. Darüber hinaus engagierte sie sich ab 1991 drei Jahrzehnte als Mitglied im Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS, wo sie in der Monitoring Gruppe unter anderem für die Welterbestätte Kölner Dom (Welterbe seit 1996), aber auch für die Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin[5][6] (Welterbe seit 1990) zuständig war. Als Anfang der 2000er Jahre die städtischen Pläne zum Hochausbau im rechtsrheinischen Köln-Deutz – in Sichtachse zum Dom – bekannt wurden, sah sie die Gefahr für den Welterbestatus des Kölner Wahrzeichens und war maßgeblich an den Protesten vor Ort und den darauf folgenden Auseinandersetzungen um das Kulturerbe beteiligt.[7][1]
Precht von Taboritzki, die auch im Deutschen Städtetag und Bund Deutscher Architektinnen und Architekten aktiv war, engagierte sich neben den „architektonischer Kunstwerken“[2] auch in kleineren Projekten für Städtebau und Stadtgestaltung. Im Jahr 2006 wurde sie hierfür vom Landschaftsverband Rheinland mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet.[8] Drei Jahre nach ihrem Tod im Jahr 2022 benannte der Stadtbezirk Köln-Lindenthal einen Platz im Stadtteil Klettenberg, für dessen Umgestaltung sie sich noch eingesetzt hatte, nach ihr.[4]
Barbara Precht von Taboritzki war seit 1966 mit dem provinzialrömischen Archäologen Gundolf Precht (1937–2015) verheiratet; aus der Ehe ging eine Tochter hervor.[9]
Publikationen
Autorin
- Die Denkmallandschaften: Ensemble, schützenswerte Gesamtheit, Denkmalumgebung (= Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege. Nr. 47). Rheinland-Verlag, Köln, Pulheim 1996, ISBN 3-7927-1511-2.
- Barbara Precht von Taboritzki: Der Kölner Rheinauhafen (= Rheinische Kunststätten. H. 446). 1. Auflage. Neusser Dr. und Verl, Neuss 1999, ISBN 3-88094-855-0 (dnb.de [abgerufen am 11. Januar 2026]).
- Das neue Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach (= Rheinische Kunststätten. H. 418). 1. Auflage. Neusser Dr. und Verl, Neuss 1996, ISBN 3-88094-802-X (dnb.de [abgerufen am 11. Januar 2026]).
Weitere Schriften
- Bleibt der Dom der Kölner Hochhauskomplex par excellence? In: Hochhäuser in Deutschland. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2000, ISBN 3-8348-1636-1, S. 154–170, doi:10.1007/978-3-322-99951-1_8.
- Der Kölner Rheinpark im Vergleich zu anderen BUGA-Parks. In: Rheinische Heimatpflege. N. F. 38, 2001, S. 25–29.
- Historische Kulturlandschaften als Pflegefälle der Denkmalpraxis. In: Rheinische Heimatpflege. N. F. 39, Nr. 2, 2002, S. 106–114.
- „Denkmallandschaften“ am Niederrhein. In: Anita Rieche (Hrsg.): Grabung - Forschung - Präsentation (= Xantener Berichte. Nr. 12). Mainz 2002, S. 289–301.
Einzelnachweise
- ↑ a b ICOMOS.DE trauert um Barbara Precht-von Taboritzki. Abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ a b se: Abschied von einer Hüterin des Kölner Grüns; Barbara Precht von Taboritzki starb im Ater von 81 Jahren. In: Kölnische Rundschau. Band 32. Köln 3. Februar 2022, S. 34.
- ↑ Barbara Precht von Taboritzki, Barbara Precht-von Taboritzki: Die Denkmallandschaften: Ensemble, schützenswerte Gesamtheit, Denkmalumgebung (= Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege. Nr. 47). Habelt, Bonn 1996, ISBN 3-7927-1511-2.
- ↑ a b Susanne Esch: Platzbenennung: „Klettenplätzchen“ wird zum „Barbara-Precht-von-Taboritzki-Platz“. 11. Juni 2025, abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Michael Erbach, Thorsten Metzner: Unesco verlangt Auskunft zu Stadionbau Parkensemble. Babelsberg soll nicht gestört werden Oberbürgermeister verspricht behutsame Sanierung. In: Der Tagesspiegel. 21. März 2009, S. 15.
- ↑ Landeshauptstadt: „Komisches Vorgehen“. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 14. Januar 2026]).
- ↑ Thomas M. Schmitt, Andreas Schweitzer: Welterbe oder Stadtentwicklung in Gefahr? Zu deutschen Debatten und zur global-lokalen Governanz von UNESCO Welterbestätten am Beispiel des Kölner Doms (= Deutsche Akademie für Landeskunde [Hrsg.]: Berichte zur deutschen Landeskunde. Band 81, Nr. 4). 2007, ISSN 0005-9099, S. 336–338 (uni-heidelberg.de [PDF]).
- ↑ Personalien. In: General-Anzeiger. Bonn 17. Oktober 2006, S. 16.
- ↑ Gundolf Precht 19. Dezember 1937 – 14. November 2015. In: Hansgerd Hellenkemper (Hrsg.): Bericht über die 49. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung vom 4. bis 8. Mai 2016 in Innsbruck. Thelem Universitäts- und Buchhandel GmbH & Co. KG, Dresden 2017, ISBN 978-3-945363-75-1, S. 21–23.