Kadettenhaus Bensberg
Das Kadettenhaus Bensberg (offizielle Bezeichnung: Königlich Preussisches Cadetten-Haus zu Bensberg, auch Königlich Preussisches Kadettenhaus Bensberg) war eine Kadettenanstalt der Preußischen Armee, die von ihrer Gründung im Jahr 1840 bis zur Auflösung im November 1918 in Schloss Bensberg im heutigen Bergisch Gladbach-Bensberg angesiedelt war.[2][3] Kadettenanstalten waren weiterführende Schulen, die in der Regel der Vorbereitung auf eine militärische Karriere dienten.
Hintergrund
Nach dem Übergang der Herrschaft über das ehemalige Großherzogtum Berg an das Königreich Preußen im Jahr 1813 wurde das leerstehende Schloss Bensberg ab 1819 als Militärlazarett für Augenkrankheiten genutzt. In den 1820er Jahren besuchte der Kronprinz von Preußen und spätere König Friedrich Wilhelm IV. das Schloss und äußerte den Wunsch, es wieder als Residenz zu nutzen.[4] Dem wurde jedoch nicht stattgegeben. Stattdessen wurde das Gebäude nach einer drei Jahre dauernden Begutachtungs- und Planungsphase im Juni 1837 auf Befehl von König Friedrich Wilhelm III. als Standort des nach Potsdam[5] und Wahlstatt dritten Kadettenhauses ausgewählt. Zwischen 1801 und 1892 wurden in Preußen insgesamt sieben Kadettenhäuser eingerichteten. Sie umfassten im Jahr 1902 die Klassen von Sexta bis Untertertia (5. bis 8. Klasse). Die erfolgreichen Absolventen wechselten anschließend für die weiteren Klassenstufen an die Preußische Hauptkadettenanstalt, die ab 1878 in Groß-Lichterfelde angesiedelt war.
Umbau von Schloss Bensberg
Bereits 1834 waren Pläne zum Umbau des ehemaligen Jagdschlosses vorgelegt worden. Die Bauarbeiten begannen allerdings erst im Frühjahr 1838 nach Erteilung der königlichen Genehmigung. Im Oktober desselben Jahres wurde die Schlosskapelle gesprengt. Bei der Sprengung kamen drei Arbeiter ums Leben und ein vierter wurde schwer verletzt. Die Umbauten waren insgesamt so radikal, dass der König nach ihrem Abschluss in einem offiziellen Schreiben dem Kriegsministerium gegenüber sein Missfallen über das Ergebnis zum Ausdruck brachte. Konkret wurden unter anderem die unnötige Sprengung der Schlosskapelle und die Zerstörung von Stukkaturen sowie von Wand- und Deckenmalerei angesprochen.[4] Nach Abschluss der Bauarbeiten enthielt das vierstöckige Hauptgebäude im Erdgeschoss eine neue Kapelle, die Lehrsäle und den Turnsaal. Im ersten Stockwerk lagen unter anderem die Privaträume des Direktors der Einrichtung. In den dreistöckigen Seitenflügeln des Schlosses wurden im Erdgeschoss getrennte Speisesäle für Offiziere und Kadetten eingerichtet, außerdem der Zeichensaal, Büros und Lehrerwohnungen. In den darüber liegenden Stockwerken lagen die Stuben, Schlafsäle und Waschsäle der Kadetten sowie ein Arrestlokal. In den Jahren 1839 und 1840 wurden vor beiden Seitenflügeln je ein zweistöckiges Gebäude für Lazarett, Apotheke, Büros und Wohnungen des medizinischen Personals errichtet.[2] Bereits 1851 begann die Kadettenanstalt mit dem Ankauf von Grundstücken hinter dem Schloss Bensberg. Dazu gehörte auch der kalte Kadettenweiher im Milchborntal, der bis zum Bau eines Hallenbades im Schlosspark Anfang des 20. Jahrhunderts zu Trainingszwecken der Kadetten genutzt wurde.
Absolventen und Auflösung des Kadettenhauses
Die Ausbildung begann 1840 mit 63 Kadetten. Im Jahr 1862 betrug die Gesamtzahl der bis dahin aufgenommenen Kadetten 1.167 Personen. Bis zu seiner Auflösung im Jahr 1918 sollen etwa 5.000 Personen im Kadettenhaus Bensberg zur Schule gegangen sein, von denen 653 in kriegerischen Auseinandersetzungen starben. Am 11. November 1918 wurde die Einrichtung auf Verlangen einer bewaffneten Gruppe der Arbeiter- und Soldatenräte aufgelöst.[4]
Bekannte Personen, die im Kadettenhaus tätig waren
- Julius Albrecht (1827–1901), Kadett
- Friedrich Aldenkortt (1845–1918), Kadett
- Wilhelm von Apell (1892–1969), Kadett
- Arno von Arndt (1835–1902), Kadett
- Reinhard von Baczko (1830–1913), Kadett
- Adolf des Barres (1814–1873), Erzieher
- Hermann von Budde (1851–1906), Kadett
- Wilhelm Budde (1813–1885), Lehrer
- Albert von Derschau (1841–1915), Kadett
- Johannes von Dewall (1829–1883), Kadett
- Otto von Dufais (1852–1926), Kadett
- Emil Engelhard (1829–1885), Kadett
- Waldemar von Fahland (1831–1905), Kadett
- Louis von Freyhold (1844–1923), Kadett
- Ludwig von Friedeburg (1862–1924), Kadett
- Theodor Gericke (1819–1878), Kadett
- Moritz von und zu Gilsa (1841–1909), Kadett
- Walther von Goetze (1864–1945), Kadett
- Willibald von der Goltz (1829–1899), Kadett
- Karl von Gynz-Rekowski (1848–1927), Kadett
- Karl Hartog (1843–1910), Lehrer
- Karl Hermann von Heyden (1840–1917), Kadett
- Rudolf von Horn (1833–1905), Kadett
- Richard von Keiser (1867–1946), Erzieher
- Alfred von Keßler (1833–1907), Kadett
- Richard von Klitzing (1842–1907), Kadett
- Wilhelm von Lans (1861–1947), Kadett
- Oskar Liebe (1823–1909), Abteilungsvorstand
- Karl von Liebenroth (1817–1907), Direktor
- Friedrich Sylvius Ferdinand von Malachowski und Griffa (1810–1893), Direktor
- Hermann von Melchior (1828–1902), Kadett
- Wilhelm Müller (1834–1902), Erzieher
- Wolfgang Müller (1901–1986), Kadett
- Hugo Mund (1822–1882), Militärlehrer
- Carl Niemeyer (1845–1906), Kadett
- Rudolf von Oetinger (1830–1920), Kadett
- Karl von Plettenberg (1852–1938), Kadett
- Günther Pogge (1879–1961), Kadett
- Gustav Martin Adolf Rotte (1830–1895), Kadett
- Gustav Sandkuhl (1828–1892), Kadett
- Albrecht von Sanitz (1830–1890), Kadett
- Hans von Schack (1853–1934), Kadett
- Friedrich Wilhelm von Schaeffer (1839–1916), Kadett
- Adolf von Schell (1837–1888), Kadett
- Otto von Schell (1834–1902), Kadett
- Hans Schimmelfeng, Erzieher
- Ludwig Schotten (1853–1913), Kadett
- Anton von Steuben (1858–1928), Kompagniechef
- Johannes Streccius (1831–1898), Kommandeur
- Werner von Tippelskirch (1891–1980), Kadett
- Hans von Troilo (1865–1934), Kadett
- Wolfgang von Unger (1855–1927), Kadett
- Julius von Vallet des Barres (1820–1897), Erzieher
- Friedrich Karl Wiebe (1838–1927), Kadett
- Botho von Wussow (1828–1891), Kadett
Literatur
- August Gertner: Bensberg und sein Kadettenhaus. Kogler'sche Buchhandlung, Siegen 1862, Digitalisat.
- Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5.
- Godehard Hoffmann: Schloß Bensberg und sein Schicksal – Preußisches Kadettenhaus und Nationalpolitische Erziehungsanstalt – in: Rheinische Heimatpflege – 33. Jahrgang – 1/96, S. 9 ff.
Einzelnachweise
- ↑ Richard Klapheck: Die Baukunst am Nieder-Rhein. Zweiter Band: Von Jan Wellem und der Baukunst des Jahrhunderts Karl Theodors von der Pfalz. Hrsg.: Düsseldorf Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen. Düsseldorf 1916, S. 43 (archive.org).
- ↑ a b August Gertner: Bensberg und sein Kadettenhaus. Kogler'sche Buchhandlung, Siegen 1862, S. 76 ff. (uni-duesseldorf.de [PDF]).
- ↑ Schloss Bensberg, In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital., abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ a b c Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5. S. 312 ff
- ↑ Geschichte des Hauses | Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung. Abgerufen am 28. Dezember 2025.