Russische Küstenwache

Die russische Küstenwache (russisch: Береговая охрана Пограничной службы ФСБ России, Küstenwache der Grenztruppen des FSB), früher bekannt als die maritimen Einheiten der KGB-Grenztruppen (russisch: Морские части Пограничных Войск КГБ СССР), ist die Küstenwache der Russischen Föderation.

Sie soll die nationalen Interessen Russlands auf dem Wasser (Meeresküste, Binnengewässer und das territoriale Meer), in der ausschließlichen Wirtschaftszone und auf dem Festlandsockel Russlands sichern. Seit 2004 ist die Küstenwache Teil der Grenztruppen Russlands, die dem Geheimdienst FSB unterstellt sind.

Geschichte

Die meisten Grenzschutzschiffe, insbesondere wenn es sich um große Schiffe handelte, waren eine Überarbeitung von Kriegsschiffen, die im Interesse der Marine entworfen worden waren. Ein charakteristisches Merkmal der Küstenwache war eine deutlich reduzierte Ausrüstung an Offensiv- und Defensivwaffen.[1] Ein Beispiel sind die Schiffe des Projekts 11351.1 (NATO Kriwak-III-Klasse) mit einer Standardverdrängung von 3170 Tonnen und einer vollen Verdrängung von 3540 Tonnen. Im Zeitraum von 1981 bis 1993 wurden acht Schiffe des Projekts 11351.1 auf der Werft B.E. Butoma Zaliv in Kertsch gebaut, sieben davon dienten russischen Küstenwache. Gemäß den Vorgaben des KGB und der Marine der UdSSR wurde das Projekt 11351.1 vom Northern Design Bureau (SPKB) auf der Grundlage des bestehenden Rumpfes und der Hauptausrüstung des U-Boot-Abwehrschiffs (BOD) des 2. Ranges des Projekts 1135 „Burevestnik“ entwickelt. Von ihm behielt die Version für die Küstenwache eine U-Boot-Abwehrbewaffnung (ein Paar RBU-6000-Raketenwerfer, ein Paar Vierrohr-Torpedorohre vom Kaliber 533 mm, ein leistungsstarkes Sonarsystem mit Schleppvorrichtung). Dies versetzte die russische Küstenwache in eine Art Reserve der Marine.[2]

Später wurde die U-Boot-Abwehr- und Artilleriebewaffnung des Projekts 11351.1 als übertrieben angesehen, und man beschloss, sie gegen eine Verbesserung der Seetüchtigkeit und die Möglichkeit der Eisfahrt „einzutauschen“. Daraufhin wurde der russischen Küstenwache vom Northern Design Bureau (SPKB) Ende des letzten Jahrhunderts ein Grenzschutzschiff der Eisbrecherklasse angeboten, das Meter dickes Eis überwinden konnte. Die Arbeiten am Projekt 10590 begannen 1985 mit dem Ziel, die Nordostpassage zu schützen. Mit einer Verdrängung von 7.500 Tonnen war es mit leistungsstarken Waffen ausgestattet, darunter der Hubschrauber Ka-27. Die Küstenwache hielt einige Parameter jedoch für überflüssig und es wurde ein überarbeitetes Projekt 10592 mit einer geringeren Verdrängung angeboten. Es gab auch keine finanziellen Mittel für dessen Umsetzung, aber die Konstrukteure sammelten einige Erfahrungen bei der Konstruktion von Schiffen der Eisklasse, die ihnen später nützlich waren.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde die Russische Föderation von einer systemischen Krise erfasst. Dies führte zu einem Anstieg von Personen, die bereit waren, illegal in den Hoheitsgewässern zu fischen. Boote und Yachten wurden als Fischereifahrzeuge umgenutzt. Oft erreichten diese eine höhere Geschwindigkeit als die Schiffe der Küstenwache. In solchen Fällen musste die Luftunterstützung in Form von Deckhubschraubern vom Typ Ka-27PS angefordert werden. Damit hatte der Bordhubschrauber als Ersatzmittel seine Notwendigkeit an Bord der Schiffe bewiesen. Als die Frage nach dem Entwurf der Grenzschiffe der nächsten Generation aufkam, wurde ein vollwertiger Hangar samt Hubschrauberlandedeck erforderlich. Dies fand Ende der 2010er Jahre seine Umsetzung in Form der Projekt 22100 Okean-Klasse und Projekt 22460 Rubin-Klasse.

Eine aktive Zusammenarbeit mit der Marine und die Verwendung der bestehenden Rumpftypen von Kriegsschiffen waren in den 2000er Jahren nicht mehr erforderlich. Daher begannen die Konstrukteure von Grund auf neu, alle Anforderungen der Grenzschutzbehörde zu berücksichtigen.[2]

Kommandanten

  • Admiral Innokenti Naljotow (1996–1999)
  • Vizeadmiral Waleri Logwinenko (1999–2004)
  • Vizeadmiral Wjatscheslaw Serschanin (2004–2006)
  • Generaloberst Wiktor Trufanow (2006–2011)
  • Vizeadmiral Juri Alexejew (2011–2017)
  • Admiral Gennadi Medwedew (2017–)

Die russische Küstenwache ist mit Unterstützung der Schwarzmeerflotte seit der Annexion der Krim 2014 maßgeblich an den russisch-ukrainischen Streitigkeiten im Asowschen Meer beteiligt, etwa an der russischen Provokation bei Kertsch 2018.[3][4][5]

Ausrüstung

Sie verfügt heute über ca. 280 größere Boote und Schiffe sowie eine kleinere Anzahl an Flugzeugen und Hubschraubern (Stand März 2025).[6]

Schiffe und Boote

1 Korvette

21 Patrouillenschiffe

13 Eisbrecher

140 Patrouillenboote

18 Patrouillenboote (Binnengewässer)

  • 18 Vosh-Klasse
  • 8 Piyavka-Klasse
  • 4 Ogonek-Klasse[8]
  • 1 Yaz-Klasse („Вьюга“)[9]

Versorgungsschiffe (Tender)

  • 7 Neon Antonov-Klasse[10]

Luftkissenboote

  • A8 Luftkissenfahrzeug (Hivus-10)[11]
  • A25 Luftkissenfahrzeug[12]

Bewaffnete Seeschlepper

  • 14 Projekt 745P Sorum-Klasse[13]

Flugzeuge

Hubschrauber

Von 2015 bis 2020 sollten 10 Hubschrauber vom Typ Ka-226 TM für die Grenzschutzbeamten angeschafft werden (Stand 2011).[17] Die russische Küstenwache hatte am 1. September 2015 eine Ausschreibung für den Kauf von sechs Hubschraubern des Typs Ka-226T veröffentlicht. Gemäß den technischen Vorgaben des FSB vom 6. Mai 2015 sollten die Hubschrauber als Bordhubschrauber auf Grenzschutzschiffen der Projekt 22460 (Rubin-Klasse) eingesetzt werden. Zur Feuerunterstützung wurde eine modulare Befestigung von Handfeuerwaffen mit einem Kaliber von bis zu 7,62 mm vorgesehen. Die Luftfahrzeuge sollten mit Nachtsichtgeräten GEO-ONV-1-01 und einer Winde vom Typ SLG-300 ausgestattet sein. Liefertermin war der 1. April 2017.[15]

Drohnen

Die österreichische Schiebel Elektronische Geräte und die russische JSC Gorizont stellten 2011 ein an die Bedürfnisse der russischen Behörden angepasstes unbemanntes Flugsystem vor. Vertreter von Schiebel gaben an, dass der nächste Abnehmer eine Regierungsbehörde in Russland sein wird. Es war durchaus möglich, dass es sich dabei um eine nicht-militärische Behörde handelt. Die Vertreter von Schiebel gaben jedoch keine weiteren Details bekannt.[18] Im Oktober 2011 (Noworossijsk, Oblast Kaliningrad) wurden operative Tests für den Grenzschutzdienst des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation durchgeführt. Erste Flüge des UAVGorizont Air S-100“ erfolgten vom Grenzschutzkreuzer Rubin

Im September 2012 absolvierte der „Gorizont Air S-100“ erfolgreich Tests an Bord des Eisbrechers „Capitan Sorokin“ in der Ostsee. Bei den Flügen wurden neue Informationen sowohl über die besonderen Aspekte des Einsatzes auf einem Eisbrecher als auch über die Fähigkeiten der Drohne zur Lösung von Eisaufklärungsaufgaben und zur Durchführung von Such- und Rettungsaktionen gewonnen. Zusätzliche Anforderungen an die Nutzlast für die Lösung von Aufgaben unter schwierigen Eisbedingungen wurden ebenfalls ermittelt.[19] Während der gesamten Olympischen Winterspiele und Paralympics 2014 in Sotschi wurde das unbemannte Flugsystem Schiebel „S-100 UAS“ (in Zusammenarbeit mit JSC Gorizont Russia) zur Überwachung eines etwa 50 Kilometer großen Gebiets rund um das Olympische Dorf eingesetzt.[20]

Galerie

Ausgemusterte Schiffe

Commons: Russische Küstenwache – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

  1. The most advanced ship of the Coast Guard of Russia. In: https://en.topwar.ru. 9. Dezember 2019, abgerufen am 21. September 2025 (englisch).
  2. a b Anadyr will protect the sea borders. In: https://vpk.name/en. VPK NEWS, 13. Oktober 2023, abgerufen am 21. September 2025 (englisch).
  3. Maxim Kireev: Russland zeigt Zähne Mitteldeutscher Rundfunk, 29. November 2018.
  4. Wilfried Jilge: Wer kontrolliert das Asowsche Meer? Hintergründe zum Russland-Ukraine-Konflikt. Ost-West. Europäische Perspektiven 2019, S. 42 ff. google books.
  5. Krzysztof Nieczypor: Die russisch-ukrainischen Spannungen im Asowschen Meer. Zentrum für Osteuropastudien Warschau, 8. August 2018.
  6. Coast Guard of the Border Service of the FSB - List of Current Ships 2025. In: RussianShips.info. 31. März 2025, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
  7. Thomas Nilsen: Russia's first icebreaking patrol vessel for the Arctic arrives north. In: https://www.thebarentsobserver.com/. 1. April 2025, abgerufen am 2. September 2025 (englisch).
  8. Project 12130 Ogonyok. In: https://russianships.info/. RussianShips.info, abgerufen am 2. September 2025 (englisch).
  9. Вьюга. In: https://fleetphoto.ru/. WT Administration and image authors, 28. Juli 2024, abgerufen am 2. September 2025 (englisch).
  10. Coast guard supply ships Project 1595 Pevek. In: https://russianships.info/. RussianShips.info, abgerufen am 2. September 2025 (englisch).
  11. A8 hovercraft (Hivus-10). In: https://www.aerohod.ru/. Shipbuilding company AEROHOD Ltd., abgerufen am 2. September 2025 (englisch).
  12. A25 hovercraft. In: https://www.aerohod.ru/. Shipbuilding company AEROHOD Ltd., abgerufen am 2. September 2025 (englisch).
  13. Explore Sorum, Kamchatka, Border. In: https://nara.getarchive.net/. U.S. National Archives & Dvids, abgerufen am 2. September 2025 (englisch).
  14. U.S. Coast Guard, Russian Border Guard Patrolled Maritime Boundary Line. In: https://seapowermagazine.org/. Seapower, 2021, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
  15. a b Закупка палубной версии вертолета Ка-226Т для Береговой охраны ФСБ. LiveJournal, 2. September 2015, abgerufen am 6. September 2025 (russisch).
  16. Maxim Pyadushkin: Ship-based Ka-226T Delivered For Russian Coast Guard. In: https://aviationweek.com/. Aviation Week Network, 31. März 2017, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
  17. Вертолет Ка-226ТМ ждут морские пограничники. In: https://rusaviacluster.ru. Авиационный Инновационный Кластер(АИК), 2011, abgerufen am 6. September 2025 (russisch).
  18. Camcopter in Russia. In: https://en.topwar.ru. 5. Juli 2011, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
  19. Gorizont Air S-1003 [Camcopter S-100]. In: https://www.globalsecurity.org. GlobalSecurity.org, 25. Mai 2022, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
  20. Caroline Rees: Schiebel CAMCOPTER S-100 Performs Surveillance at Sochi Olympic Games. In: https://www.unmannedsystemstechnology.com/. 4. März 2014, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).