Ruhr (märkisches Adelsgeschlecht)

Von der Ruhr (auch Ruer, Roer, Rore o. ä.) ist der Name eines erloschenen märkischen Uradelsgeschlechts.

Die Familie ist zu unterscheiden von den wappenverschiedenen eifelschen Ruhr/Rohr, auch wenn Johann Dietrich von Steinen und Anton Fahne die Familien fälschlicherweise vermengen.[1][2]

Geschichte

Das Geschlecht hatte seinen namensgebenden Stammsitz auf Haus Ruhr im heutigen Holzwickeder Ortsteil Hengsen.[3] Mit He(i)nricus uan ther Rura wird erstmals ein Familienmitglied im Jahr 1174 und in diesem Jahr gleich dreimal im Gefolge des Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg († 1191) als Urkundenzeuge unter den Edelherren (nobiles) erwähnt, u. a. in der Gründungsurkunde des Klosters Oelinghausen.[4] Dieser Heinrich von der Ruhr, der 1176 erneut als Urkundenzeuge unter Edelherren (Heinricus de Rura) erscheint,[5] war zeitgleich auch Herr des benachbarten Hauses Opherdicke. Um diese Zeit herum verkaufte Heinrici de Rura sein gesamtes Allod an den Kölner Erzbischof Philipp.[6] Der Verkauf geschah unter Zustimmung von Heinrichs Erben und mit sich direkt anschließender Vergabe der Güter als Lehen an Rembold, den Sohn von Heinrichs Schwester.[7] Möglicherweise zeitgleich begab sich die Familie in die kurkölnische Ministerialität. Denn 1179 erscheint unter Erzbischof Philipps Ministerialen ein Volmar von der Ruhr (Uolmarus uan ther Rura).[8] Ferner treten 1251 ein Hinricus de Rura sowie 1283–1314 ein dominus Johannes de Rura miles auf, letzterer 1313 zusammen mit einem Lambert von Rure.[1][9][10][11][12][2]

Mit dem Familienwappen mit Querbalken siegelte Lambert/Lambracht von der Ruhr (Lamberti de Rura),[13] der urkundlich von 1336 bis 1351 auftritt. 1338 verkauften Knappe Lambert von der Ruhr (Lambertus van der Rure), seine Frau Elisabeth (Lysa) und ihre Kinder und Erben Heinrich, Dietrich, Lambert und Bernhard dem Jakob genannt Ribbertinck, seiner Frau Hildegund und ihren Kindern Zehnten aus den Kirchspielen Havixbeck und Billerbeck, und zwar aus dem Hof Brüning, dem Wichmann, dem Haus Woltering zu Havixbeck und dem Haus Edelinchoven.[14] Darüber hinaus trug Lambert das Haus Rene (Rheinen) bei Schwerte vom Grafen von Arnsberg zu Lehen, ferner das Brinkhus zu Herrike und einen Mansen zu Aplerbeck. Von demselben Grafen von Arnsberg hatten Johann von der Ruhr zwei Häuser zu Oppenbrinke und Berchoven, das Haus Kotinchus bei Obermassen und den Hof Rene an der Ruhr sowie Hermann genannt Ruhr eine Hufe zu Miste, eine zu Vrillinghusen und eine zu Lederike. 1356 erscheint ein Knappe Diederich von der Ruhr. Seine Erbtochter Lysa heiratete Arnt Lappe und brachte dadurch Haus Ruhr an die Familie Lappe. Bereits 1388 bezeichnet sich Arnt Lappe als zur Ruhr wohnhaft und 1394 erscheint Arnt Lappe als Arnd Lappen von der Rure.[15][16] Haus Ruhr wird im weiteren Zeitverlauf dann auch „Lappenhausen“ genannt. Um diese Zeit des Wechsels auf Haus Ruhr scheint die Familie im Mannesstamm erloschen zu sein. Arnts Ehefrau Lisa von der Ruhr erscheint 1398–1409 mit ihren Kindern Johann, Evert und Lisa.[2][1] Sie erhielt 1398 von Johann Gruwel, bevor dieser nach Livland auszog, all seine Güter überschrieben.[17] Auch kaufte sie 1418 von Lüdecke von Lette und dessen Frau Wilbeke ihre Anteile an Haus Vierbecke.[18] 1420/1421 kauften Dietrich (Lappe) von der Ruhr und seine Frau Lysa das Gericht Heinckhausen (Hengsen) vom Grafen von der Mark.[1][19]

Wappen

Blasonierung: Im Schild ein Balken. Tingierung und Helmzier sind nicht überliefert.[3]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d Steinen (1755), S. 993.
  2. a b c Fahne (1858), S. 341 f.
  3. a b Spießen (1901–1903), S. 108.
  4. Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, Band 1 (799–1300), Arnsberg 1839, Nr. 65, 66, 67, S. 92 ff. (digitale-sammlungen.de).
  5. Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, Band 1 (799–1300), Arnsberg 1839, Nr. 69, S. 97 (digitale-sammlungen.de).
  6. Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, Band 1 (799–1300), Arnsberg 1839, Nr. 99, S. 137 (digitale-sammlungen.de).
  7. Leonard Korth: Ein Kopiar des Erzbischofs Siegfried von Köln. Mit einem Anhang über die Gütererwerbungen des Erzbischofs Philipp v. Heinsberg. In: Konstantin Höhlbaum (Hrsg.): Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, 12. Heft, Köln 1887, S. 59 (Google Bücher).
  8. Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, Band 1 (799–1300), Arnsberg 1839, Nr. 77, S. 108 (digitale-sammlungen.de).
  9. Roger Wilmans: Westfälisches Urkundenbuch, 3. Band (Die Urkunden des Bisthums Münster von 1201–1300), Münster 1871, Nr. 533, S. 286 (Google Bücher) und Nr. 1603, S. 835 (Google Bücher).
  10. Karl Rübel (Bearb.): Dortmunder Urkundenbuch, Band I, Erste Hälfte (No. 1–547) 899–1340, Dortmund 1881, Nr. 289, S. 198 (Google Bücher).
  11. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 214u / Kloster Marienfeld / Urkunden, Nr. 240 und Nr. 426, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  12. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, E 004u / Minoritenkloster Dortmund / Urkunden, Nr. 40a, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  13. Theodor Ilgen: Die westfälischen Siegel des Mittelalters, Heft IV (123 Tafeln in Lichtdruck, enthaltend die Siegel von Adligen, Bürgern und Bauern), Münster 1900, S. 146 (ulb.uni-muenster.de).
  14. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 211u / Stift Hohenholte / Urkunden, Nr. 26, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  15. Sonja Neitmann: Von der Grafschaft Mark nach Livland: Ritterbrüder aus Westfalen im Livländischen Deutschen Orden, Köln 1993, S. 391.
  16. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, D 104u / Stift Fröndenberg / Urkunden, Nr. 318, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  17. Johann Dietrich von Steinen: Westphälische Geschichte mit vielen Kupfern, Zweiter Theil, Lemgo 1755, S. 974 (Google Bücher)
  18. Johann Dietrich von Steinen: Westphälische Geschichte mit vielen Kupfern, Zweiter Theil, Lemgo 1755, S. 1002 (Google Bücher)
  19. Sonja Neitmann: Von der Grafschaft Mark nach Livland: Ritterbrüder aus Westfalen im Livländischen Deutschen Orden, Köln 1993, S. 392.