Rost (tirolisches Adelsgeschlecht)

Rost zu Aufhofen und Kehlburg auch Rost von Buchenstein bzw. Rost zu Singen und Magdburg ist der Name eines tirolischen Uradelgeschlechts, das in den erblichen Freiherren- und Grafenstand erhoben wurde. Neben Tirol kamen die Rost auch in Vorderösterreich und Salzburg zu Besitz und Ansehen. Im 18. Jahrhundert stellten die Freiherren von Rost zwei Fürstbischöfe von Chur. Während die Grafen von Rost erloschen sind, blühte die freiherrliche Linie noch Ende des 19. Jahrhunderts in der Stammheimat Tirol.[2] Die Familie ist zu unterscheiden von den niederrheinischen Adelsgeschlecht der Freiherren Rost von Wers, mit anderem Wappen.[3]

Namensherkunft

Der ursprüngliche Name war Buchenstein oder Puchenstein, nach dem Herkunftsort Livinallongo im Buchensteintal, das früher zum Hochstift Brixen gehörte. Der Wohnsitz wurde auf den Hof Rost im Gericht Enneberg verlegt, nach dem sich das Geschlecht nannte.[4] Der Familienname bezieht sich somit auf den Hof Rost und bedeutet möglicherweise eine Rodung oder Reut.[5] Rost in St. Vigil in Enneberg, unweit des Weilers Manetan, wurde 1660[6] verkauft und war im 19. Jahrhundert im bäuerlichen Besitz.[7]

Geschichte

1298 erscheint Maiele, die Koseform des althochdeutschen Namens Maie, früher Magan; Sohn von Conrad de Costa in Buchenstein, vom Hove am Rost in Enneberg. Er und seine Nachkommen nannten sich fortan nach dem Ansitz Rost und waren freie Dienstmannen des Stiftes Sonnenburg,[6] welche laut dem Historiker Mairhofer weder an der zum Hochstift Brixen gehörenden Herrschaft Buchenstein noch an der zum Stift Sonnenburg gehörenden Herrschaft Enneberg nennenswerte Anteile besaßen. Das Brackenhaupt mit goldenem Halsband, altes Wappen der Herren von Buchenstein, wurde von den Herren von Rost zu Ras bei St. Vigil in Enneberg übernommen.[8]

1340 gelobte Hans von Rost, wie sein Vater und Oheim ein freier Mann, immer bei dem Stift Sonnenberg zu bleiben.[7] 1424 agiert ein Nyklas von Röst als Stadtrichter zu Brixen.[9] Um 1500 erscheinen die Rost auf dem Edelsitz Schrottwinkel im Pustertal. Hans von Rost kaufte 1502 den Ansitz Aufhofen in Aufhofen, worauf er und seine Nachkommen sich danach von Aufhofen nannten. 1519 erfolgte die Aufnahme in die Tiroler Adelsmatrikel.[10] Zum Dank für geleistete treue Dienste belehnte 1545 der Fürstbischof und Kardinal Christoph von Madruzzo den Pfleger von Uttenheim Hans von Rost mit der Kehlburg.[11] 1564 diente Dionys von Rost als Rat und Sekretär Erzherzog Ferdinands, wofür ihm die Herrschaft Uttenheim verpfändet wurde.[7] Am 15. Oktober 1564 erlangten Johann von Rost und seine Vettern Christoph und Melchior vom Kaiser in Prag die Erlaubnis zur Vermehrung ihres Stammwappens mit jenem der erloschenen von Hungerhausen, was ihnen am 18. März 1564 bestätigt wurde.[2] Am 17. Juli 1614 wurde Johann Gaudenz, Dionys, Engelhard und Johann Heinrich von Rost der Reichsadel bestätigt. 1620 steht Hanns Jakob von Rost zu Aufhofen und Kehlburg in der salzburgischen Landtafel.

Kaiser Leopold I. erhob am 4. Oktober 1680 Dionys von Rost in den erbländischen Freiherrenstand und gestattete ihm, das Wappen der erloschenen Herren von Friedingen als Herzschild zu führen.[2] Dionys von Rost zu Kehlburg und Aufhofen († 1730) fungierte 1667 als Verwalter der Landvogtei Nellenburg in Stockach, 1672 als Landeshauptmann der Grafschaft Hohenberg, sowie von 1702 bis 1725 als vorderösterreichischer Statthalter von Freiburg im Breisgau. 1721 war Leopold von Rost einer der ersten fünf Mitglieder des in Innsbruck tagenden Tiroler Ständeausschusses.[12] Johann Anton Freiherr von Rost erscheint 1710 als kaiserlicher Kammerrat, Gesandter bei den Drei Bünden, kaiserlicher Administrator der Herrschaft Rhäzüns und Dionysius, sowie 1717 als kaiserlicher Geheimrat und Statthalter von Vorderösterreich. 1739 erhielt der k. k. Geheimrat, Feldmarschallleutnant und Militärdirektor in Ober- und Vorderösterreich Johann Gaudenz Freiherr von Rost zusammen mit seiner Schwester Maria Elisabeth Freiin von Rost vom Kaiser den Reichsgrafenstand. Joseph Freiherr von Rost wirkte als Gubernialrat und Kreishauptmann im Inntal und sein Sohn Johann Freiherr von Rost († 1807) als fürstlich-salzburgischer Hauptmann und Festungskommandant von Wersen.[4]

Besitzungen (Auswahl)

Wappen

Blasonierung des Stammwappens
In Rot ein silberner Rüdenkopf mit goldenem Halsband. Auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken derselbe.[14]
Blasonierung des Freiherrenwappens von 1680
Geviert. Felder 1 und 4 das Stammwappen. Felder 2 und 3 von Silber und Schwarz schrägrechts geteilt mit einer aus dem Schwarzen hervorkommenden Spitze (= Wappen der ausgestorbenen von Hungerhausen). Zwei Helme: I. Decken und Helmzier des Stammwappens, II. mit schwarz-silbernen Decken ein gekrönter silberner, schwarz gestulpter Hut, belegt mit der schwarzen Spitze und die Krone mit drei Straußenfedern (silbern-schwarz-silbern) besteckt.[14]
Blasonierung des Grafenwappens von 1739
Schild wie der Freiherrenschild mit einem Herzschild, gespalten von Schwarz und Gold. Drei Helme: I. mit schwarz-silbernen Decken ein hermelingestülpter Hut mit Teilung und Tingierung der von Hungerhausen, oben ein goldener Knopf mit drei schwarzen Federn; II. Decken und Helmzier zum Stammwappen; III. mit schwarz-goldenen Decken zwei Federn, schwarz und golden.[14]

Persönlichkeiten

  • Dionys von Rost, 1564 Rat und Sekretär Erzherzog Ferdinand
  • Dionys von Rost († 1730), 1667, Verwalter der Landvogtei Nellenburg in Stockach, 1672 Landeshauptmann der Grafschaft Hohenberg, 1680 kaiserlicher Statthalter von Freiburg im Breisgau
  • Franz Dionys von Rost (1716–1793), Fürstbischof von Chur
  • Franz Karl von Rost (1637–1700), Festungskommandant von Ehrenberg, k. k. Rat[15]
  • Johann von Rost († 1807), fürstlich-salzburgischer Hauptmann und Festungskommandant
  • Johann Anton von Rost, 1710 kaiserlicher Kammerrat, Gesandter bei den Drei Bünden, Geheimrat und Statthalter
  • Johann Gaudenz II. von Rost (1602–1670), kaiserlicher Obrist, 1637 Festungskommandant von Ehrenberg[16]
  • Johann Gaudenz von Rost, 1731 k. k. Geheimrat, Feldmarschallleutnant und Militärdirektor
  • Joseph von Rost, Gubernialrat und Kreishauptmann im Inntal
  • Joseph Benedikt von Rost (1696–1754), Fürstbischof von Chur
  • Maria Dorothea Felicitas von Rost (1672–1749), Äbtissin des Klosters Münsterlingen[17]

Literatur

Commons: Rost – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rost in der Fischnaler Wappenkartei
  2. a b c Weittenhiller (1883), S. 57.
  3. Kneschke (1867), S. 592.
  4. a b Kneschke (1867), S. 591.
  5. Adler (1891), S. 125
  6. a b Adler (1891), S. 124.
  7. a b c Mairhofer (1863), S. 88.
  8. Heraldisch-Genealogische Gesellschaft "Adler": Neues Jahrbuch. 1947, S. 7.
  9. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 64, Nr. 966.
  10. Adler (1891), S. 125.
  11. Adler (1891), S. 124–125.
  12. Adler (1891), S. 125
  13. Bruno Mohovich: Ansitz Seefeldhof. In: unterlandbau.it. 2. August 2022, abgerufen am 20. Dezember 2025 (deutsch).
  14. a b c Hefner (1857), S. 15.
  15. Singener Stadtgeschichte: Singen, Dort und Herrschaft. Südkurier, 1990, ISBN 978-3-87799-090-2, S. 249.
  16. Äbtissin M. Dorothea von Rost. In: sueddeutscher-barock.ch. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  17. Äbtissin M. Dorothea von Rost. In: sueddeutscher-barock.ch. Abgerufen am 19. Dezember 2025.