Hut (Heraldik)
Der Hut ist in der Heraldik einerseits eine Kopfbedeckung, die über dem Wappenschild dargestellt wird und andererseits eine gemeine Figur, die im Schild zu sehen sein kann. Über dem Schild ist zwar meist ein Helm zu sehen, vor allem bei Wappen von Geistlichen aber auch eine Vielzahl von anderen Kopfbedeckungen, in der Gegenwart vor allem der Galero. Als gemeine Figur kann der Hut ebenfalls als Helm (‚Eisenhut‘) dargestellt werden, aber auch jede andere Form von Kopfbedeckung.
Der Hut im Oberwappen
Als Teil des Oberwappen hat der Hut die Funktion, den Rang und (bei Geistlichen) die Weihe des Trägers anzuzeigen. Typischerweise schwebt er über dem Schild, anstatt (wie der Helm) darauf zu ruhen.
In der kirchlichen Heraldik sind der Galero, die Mitra oder die Tiara häufig und spielen eine wichtige Rolle. An den flachen Hüte der Würdenträger hängen dabei beiderseits sogenannte Fiocchi in festgelegter Anzahl herab. Hier sind Farbe und Anzahl ein wichtiges Indiz für Amt und Weihegrad des Wappenträgers.
Im Hochadel sind vor allem Kronen aller Art als Hut wichtig. Auch der Kurhut mit Hermelinstulpe ist Rangzeichen. Der Hut kann auch eine Pelzstulpe haben. Das Barett oder Toque ist dieser Hutform ähnlich. Der Stulp hat häufig Einschnitte. Aus der flachen Kurhutform wird mit einer längeren gefälligen runden Hutspitze ein böhmischer Hut und wird auch so blasoniert.
Der Hut als Gemeine Figur
Ausgangspunkt war eine mittelalterliche blecherne Sturmhaube, aber auch der Hut der Bürger. Er taucht in den Wappenschildern/Feldern in unterschiedlicher Darstellungsform auf. Farbgebung und die Kombination mit Heroldsbildern machen ihn zu einem beliebten Objekt. Der Hut kann mit Dingen bestreut oder besteckt sein. Daneben werden auch alle Kopfbedeckungen, die als Teil des Oberwappens über dem Schild dargestellt werden, in der Heraldik als "Hut" bezeichnet; während bei den meisten Wappen ein oder mehrere Helme diese Position einnehmen, zeigen vor allem kirchliche Wappen eine gewisse Vielfalt an Kopfbedeckungen.
Die Gugel oder Kapuze ist eine alte Kopfbedeckung und wird in der Seitenansicht mit der offenen Seite nach rechts gezeigt. Diese ist fast ausnahmslos nur in Farbe und ohne Belegung mit anderen Dingen. Die zweizipflige und dreizipflige Narrenkapuze kann auch mit Schellen (Glöckchen) im Wappen erscheinen. Sie sind häufig sehr bunt gestaltet. Unter einem Heidenhut muss sich ein Betrachter den Hut mit Stulpe vorstellen, dessen Spitze nach unten wie eine Locke eingerollt und der Stulp mit Heroldsbildern belegt ist. An der Außenhutkante können andersfarbig Perlen aufgesetzt sein. Ist der Wickel nach oben, nennt sich dieser Hut Phrygische Mütze.
Der Eisenhut ist auch durch die Form namensgebend für das Eisenhut-Feh. Die Form gibt es hoch und flach ausgeführt und wird in der Beschreibung erwähnt, wenn es ein wichtiges Merkmal ist. Ähnlich dem vorgenannten, nur noch spitzer, ist der Judenhut. Weitere Hüte sind Schweizerhut und Doktorhut. Am Schweizerhut ist zur Unterscheidung eine Feder angesteckt. Auch wird er Tellenhut genannt. Dieser Freiheitshut ist ein breitkrempiger Filzhut, der vorrangig in der Schweizer Heraldik vorkommt, oft über Kantonswappen.
Die tatarische Mütze,[1] meistens spitz nach oben auslaufend oder umgebogen, ist etwa seit dem 16. Jahrhundert im Gebrauch. Sie wird auch mit albanische und ungarische Mütze bezeichnet. Ebenfalls wird die Bezeichnung Heidenhut dafür eingesetzt. Ein Stulp aus Hermelin sowie Quaste oder Troddel an der Mützenspitze kennzeichnen diese heraldisch verwendete Kopfbedeckung. Das Aussehen kann variieren. Anwendung im Wappenschild ist als gemeine Figur oder als Helmzier im Oberwappen. Im realen Leben wurde diese Mütze auch Tafja benannt und soll zu Hause nicht abgenommen worden sein. Der Doktorhut zeigt in vielen Fällen den Bildungsstand des Trägers. Wenn auch Krone und Helm nicht zu den Hüten zählen, sind es doch Kopfbedeckungen und sollen hier auch kurz erwähnt werden. Sie sind untrennbar mit dem Hut verbunden. Es gibt kronengeschmückte Hüte und auf manchen Helm wird als Helmzier ein Hut gesetzt. Kronen und Helme werden im Wappenschild allein dargestellt oder sind Wappentieren aufgesetzt. Der Heraldiker blasoniert dann bekrönt oder behelmt. Vögeln mit schlanken Hälsen (Schwan, Kranich …) wird die Krone oft über den Hals gezogen.
Beispiele
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goldgekrönter, hermelinbesetzter silberner Stulphut, besteckt mit Straußenfedern
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Ebenso mit Federschmuck: Cureglia
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Gugel oder Kapuze
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Herzogskrone mit Hermelinstulp
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Turnierhut in verwechselten Farben
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Gekreuzt goldenes Schwert und goldener Pfeil, belegt mit silberner Bischofsmütze
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Eisenhut mit zwei Fahnen besteckt
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Spitzhut mit drei Pfauenfedern besteckt
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Dreizipflige Kappe
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Drei Tatarenmützen im Wappen des Adelsgeschlechts von Kitzing
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Stulphut im Wappen von Zinzenzell
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Freiheitshut (Bargen SH)
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Kesselhut im Wappen von Framersheim
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Hut im Wappen von Sahrendorf, leitet sich von Stechinelli ab
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Drei rote Sturmhüte: Seon
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1984.