Rosa Tuchschmid
Rosa Tuchschmid (* 1890 in Frauenfeld; † 1957) war eine Schweizer Unternehmerin. Nach dem Tod ihrer Mutter Rosine Tuchschmid-Baumgartner führte sie von 1912 bis 1916 die Schlosserei und Eisenkonstruktionswerkstätte «Tuchschmids Erben» in Frauenfeld. Sie gilt als eine der wenigen Frauen, die im frühen 20. Jahrhundert ein Bau- und Metallverarbeitungsunternehmen leiteten.
Leben
Rosa Tuchschmid war die älteste Tochter von Jakob Tuchschmid-Baumgartner (1858–1909) und Rosine Tuchschmid-Baumgartner (1861–1912). Nach dem Tod ihres Vaters musste sie bereits 1909 ihre Ausbildung im Welschland abbrechen, um ihrer Mutter bei der Büro- und Geschäftstätigkeit zur Seite zu stehen.
Als Rosine Tuchschmid-Baumgartner 1912 starb, war Rosa 22 Jahre alt. Sie übernahm die Verantwortung für den Betrieb und führte ihn zusammen mit dem technischen Leiter Jakob Kubli. In einem Rundschreiben an die Kundschaft kündigte sie die Fortführung des Unternehmens unter dem Namen «Tuchschmids Erben» an.
Unternehmensführung
Rosa Tuchschmid musste sich gegen Rivalitäten innerhalb der Belegschaft behaupten, insbesondere zwischen Werkmeister Jakob Kubli und Eichmeister Walter Hasenfratz. Mit der Zeit entwickelte sich jedoch eine enge Zusammenarbeit mit Kubli, der das Vertrauen der Kundschaft genoss.
Unter ihrer Leitung spezialisierte sich die Firma zunehmend auf den Bau von Vordächern. Zahlreiche Aufträge der Schweizerischen Bundesbahnen, unter anderem für die Bahnhöfe in Eschlikon, Elgg, Münsterlingen, Bischofszell und Romanshorn, sicherten die Auslastung der Werkstatt. Auch Frauenfelder Industriebetriebe wie die Konservenfabrik, die Schifflistickerei, die Weberei Altermatt, die Zwirnerei Murkart und das Eisenwerk Frauenfeld gehörten zu den Kunden.
Doch auch Rückschläge blieben nicht aus: So erhielt die Firma trotz gemeinsamer Offerte mit den Zürcher Eisenbauern Löhle & Kern den Zuschlag für das Dach der neuen Kirche St. Johann in Frauenfeld nicht. Rosa Tuchschmid liess sich jedoch nicht entmutigen und führte den Betrieb durch die wirtschaftlich schwierigen Jahre des Ersten Weltkriegs.
Übergabe an die Brüder
1916 übergab Rosa Tuchschmid die Unternehmensleitung an ihren jüngeren Bruder Walter Tuchschmid (1893–1963), der nach einer Schlosserlehre und Auslandsaufenthalten über vertiefte Fachkenntnisse verfügte. Sie selbst blieb dem Betrieb eng verbunden, zunächst als Buchhalterin und später als Ratgeberin. Bis zu ihrer Pensionierung unterstützte sie ihren Bruder in administrativen Fragen und bei der finanziellen Führung.
Tod und Nachwirkung
Rosa Tuchschmid starb 1957 im Alter von 67 Jahren. Sie und ihre Mutter Rosine hatten entscheidenden Anteil daran, dass die Firma Tuchschmid die Jahre nach dem frühen Tod des Firmengründers überstehen konnte. Beide Frauen bewährten sich als Unternehmerinnen in einer Epoche, in der die Wirtschaft fast ausschliesslich von Männern geprägt war.
Literatur
- Heinz Ruprecht: Vom Holzkochherd zu Stahl-Glas-Konstruktionen. In: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 78. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 2004, ISBN 3-909059-30-9.
Weblinks
- Rosa Tuchschmid im Katalog Schweizer Pioniere