Jakob Tuchschmid-Baumgartner

Jakob Tuchschmid-Baumgartner (* 1858 in Frauenfeld; † 3. Januar 1909 ebenda) war ein Schweizer Schlossermeister, Unternehmer und Pionier im Eisen- und Stahlbau. Er führte die vom Vater gegründete Schlosserei Tuchschmid in Frauenfeld in die Ära des Eisenbaus und leitete sie während ihrer Entwicklung von einem Handwerksbetrieb zu einem auf Metallkonstruktionen spezialisierten Unternehmen.

Herkunft und Jugend

Jakob Tuchschmid-Baumgartner wurde 1858 in Frauenfeld geboren. Er war der älteste Sohn des Schlossermeisters Jakob Tuchschmid-Zimmermann (1822–1895) und dessen Frau Margaretha geb. Zimmermann (1820–1884).

1879 begab er sich auf die traditionelle berufliche Wanderschaft, die ihn über Montbéliard und Paris bis nach Hamburg führte. Nach seiner Heimkehr arbeitete er fünf Jahre bei seinem Vater.

Einstieg in den Familienbetrieb

1888 übernahm er den väterlichen Betrieb. In dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu Architekten und Ingenieuren und pflegte den bestehenden Kundenstamm. Daneben begann er, sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen, wie sich der Betrieb modernisieren liesse. Er erkannte nämlich, dass das bisherige Standbein der Firma, die Holzkochherde, keine Zukunft mehr hatten. Deshalb reiste er 1889 nach Paris, um sich an der Weltausstellung Innovationen in der Architektur und im Maschinenbau anzusehen. Nicht zuletzt der neuerbaute Eiffelturm faszinierte ihn und festigte ihn in der Überzeugung, dass der Stahlbau zukunftsfähig sei.

Heirat und Familie

1888 heiratete er die Primarlehrerin Rosine Baumgartner (1861–1912) aus dem Glarnerland. Sie wurde zur wichtigen Stütze des Betriebs: Sie führte die Korrespondenz und Geschäftsbücher, organisierte die Ausbildung und sorgte dafür, dass Lehrlinge und Gesellen eng in das Familienleben eingebunden waren. Das Paar hatte fünf Kinder:

  • Rosa (1890–1957) – übernahm nach dem Tod der Mutter vorübergehend die Firmenleitung
  • Walter (1893–1963) – späterer Geschäftsführer
  • Jakob (1897–1982) – später Werkstattleiter

Unternehmerisches Wirken

Tuchschmid erweiterte das Unternehmen von einer traditionellen Schlosserei hin zu einer Werkstätte für Kunstschlosserei und Eisenkonstruktionen. In den 1890er Jahren führte die Werkstatt Jugendstil-Schmiedearbeiten für Geländer, Gitter, Grabkreuze und Vordächer in aufwendiger Gestaltung, oft für Villen und öffentliche Bauten. Ein weiterer Beispielhafter Auftrag kam von den SBB: Nach 1903 erhielt die Firma Aufträge für Perronerweiterungen an mehreren SBB-Stationen zwischen Winterthur und Arbon.

Engagement

Tuchschmid war stark ins Berufsleben und in die lokale Wirtschaft integriert:

  • Vorstandsmitglied des Frauenfelder Gewerbevereins
  • Mitglied der Aufsichtskommission der Gewerbeschule Frauenfeld
  • Ab 1904 Zeichenlehrer für Metallarbeiter, auch am Sonntagvormittag
  • Mitglied der Meisterschaft bei welcher er eine «Vereinbarung über die Arbeitsbedingungen für Bauschlosser in Frauenfeld» mitgestaltete.
  • Übernahm vom Vater das Amt des Eichmeisters im Bezirk Frauenfeld

Persönlichkeit

Aus Briefen an Lehrlinge und Kunden geht hervor, dass Tuchschmid hohe handwerkliche Ansprüche stellte und Qualität über Preis stellte. Er schätzte Weiterbildung, erwartete Eigeninitiative und scheute nicht davor zurück, Kunden gegenüber klare Preisforderungen zu vertreten.

Krankheit und Tod

Ab etwa 1904 litt Tuchschmid an Herzproblemen, die mehrere Kuraufenthalte erforderlich machten. 1908 trat er aus gesundheitlichen Gründen als Eichmeister zurück.

Er starb am 3. Januar 1909 im Alter von 51 Jahren in Frauenfeld. Seine Frau Rosine führte die Firma als «J. Tuchschmids Witwe» weiter, bis Sohn Walter 1916 die Geschäftsleitung übernahm.

Literatur

  • Heinz Ruprecht: Vom Holzkochherd zu Stahl-Glas-Konstruktionen. In: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 78. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 2004, ISBN 3-909059-30-9.