Rhüden (Familie)

Rhüden ist der Name eines niedersächsischen Theologengeschlechts.

Geschichte

Das Geschlecht Rhüden tritt in Lüneburg am Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit hervor und erreicht seine größte Sichtbarkeit im 16. und 17. Jahrhundert. Der Wirkungsschwerpunkt liegt in Stadt und Umland: Schule, Kirche, Stifte und Kommunalverwaltung. Früh belegt ist Conrad Rhüden (1488/89–1578) als Konrektor des Johanneums. Mit der lutherischen Kirchenordnung steigen Angehörige in leitende geistliche Ämter auf: Hieronymus Rhüden (1542–1620) wurde Stadtsuperintendent und Hauptpastor an St. Johannis. In Bardowick stellten die Rhüden über mehrere Generationen Domherren; einzelne erreichten Führungsfunktionen wie Senior, Vizedekan oder Stiftsprovisor. Genannt sind u. a. Georg Rhüden (1592–1670) sowie Hieronymus Rhüden (1615/16–1662). Daneben treten akademische Berufe auf, etwa ein Dr. med. in Lüneburg und ein Dr. iur. als Advokat in Hamburg; in der Amtsverwaltung erscheint ein Marschvogt des Amtes Winsen.

Heiratsverbindungen sicherten den sozialen Aufstieg und vernetzen in das Lüneburger Patriziat. Um 1580 heiratete der Pastor Hieronymus Rhüden Anna Elebek, Tochter des Ratmanns Peter Elebek und letzte ihres Geschlechts. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verbanden sich die Rhüden mit den aus Güstrow nach Lüneburg zugewanderten Jauch. Prägnant ist die Ehe der Clara Maria Rhüden (1710–1775) mit Johann Christian Jauch (1702–1778), Erstem Domherrn und Vizedekan des landtagsfähigen Domstifts Bardowick und Sohn des Lüneburger Stadtsuperintendenten Johann Christoph Jauch (1669–1725), der als barocker Textdichter und mutmaßlicher Hauptlibrettist Johann Sebastian Bachs gilt. Damit entsteht ein genealogisches Umfeld, das kirchliche Spitzenämter (Superintendentur, Domherrenwürden), städtische Bildungseliten (Johanneum), juristisch-medizinische Professionen und patrizische Netzwerke Lüneburgs bündelt.

Mit dem Strukturwandel der Stifte und der frühneuzeitlichen Stadtverfassung verlor das Geschlecht im 18. Jahrhundert allmählich an institutioneller Präsenz.

Familienmitglieder

  1. Conrad Rhüden (1488/89–1578), Konrektor des Johanneums zu Lüneburg.
    1. Hieronymus Rhüden (1542–1620), Lüneburgischer Stadtsuperintendent und Hauptpastor an St. Johannis (Lüneburg); ⚭ um 1580 Anna Elebek (1558–1630).
      1. Georg Rhüden (1592–1670), Erster Domherr und Vizedekan des landtagsfähigen Domstifts Bardowick; ⚭ 1614 Clara Claassen (1595–1668).
        1. Hieronymus Rhüden (1615/16–1662), Domherr des landtagsfähigen Domstifts Bardowick, Provisor des Hospitals zum Heiligen Geist.
        2. Peter Rhüden († 1669), Marschvogt des Amtes Winsen.
          1. Georg Rhüden († nach 1719), Dr. med., Practicus zu Lüneburg.
        3. Dr. iur. Barthold Rhüden (1630–1693), Advokat zu Hamburg; ⚭ 1659 Anna Margareta Janichius (1634–1708).
          1. Barthold Rhüden (1669–1753), Erster Domherr und Vizedekan am Dom zu Bardowick; ⚭ Johanne Ottilie (* um 1690), Tochter des Jacob Philipp Werenberg, Pastor zu Amelinghausen.
            1. Clara Maria Rhüden (1710–1775); ⚭ 1725 Johann Christian Jauch (1702–1778), Erster Domherr und Vizedekan des landtagsfähigen Domstifts Bardowick.

Literatur