Reiche (niedersächsisches Adelsgeschlecht)
Reiche ist der Name eines 1716 in den Reichsadelsstand erhobenen Adelsgeschlechts. Bedeutende Vertreter der Familie wirkten im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, insbesondere im Stift Ilfeld.
Das Geschlecht ist nicht zu verwechseln mit dem aus altem Braunschweiger Patriziergeschlecht hervorgegangenen gleichnamigen Adelsgeschlecht anderen Wappens,[1] dessen Stammvater Johann Heinrich († 1832), Drost zu Mühlingen, Sohn des Oberamtmanns Samuel Friedrich Reiche zu Zilly, 1790 in den Reichsadelsstand nobilitiert wurde und das mit Julius Theodor von Reiche auf Helmscherode bei Gandersheim 1861 im Braunschweigischen erlosch.[2]
Geschichte
Das Adelsgeschlecht geht zurück auf den aus einer alten, mit dem Bürgermeister Albertus Rike (Dives) bereits 1237 erscheinenden Patrizierfamilie der Stadt Hameln stammenden Juristen und Staatssekretär Justus Christoph Reiche (1657–1740). Er stand im Dienst des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg und wurde am 7. Juli 1716 von Kaiser Karl VI. in den rittermäßigen Reichsadelsstand erhoben. Das Adelsdiplom galt auch für seine ehelichen Nachkommen. Diese Nobilitierung wurde in Hannover erst am 16. Juli 1733 amtlich bekanntgegeben. Justus Christoph von Reiche besaß die Güter Gilten und Pattensen im Calenbergischen.[3] Von 1707 bis 1740 war Justus Christoph von Reiche Administrator des Stifts Ilfeld. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Gerhard Andreas von Reiche (1691–1770) dieses Amt.
Im 19. Jahrhundert gehörte die Familie im Königreich Hannover durch den Besitz des Gutes Gilten zu dem ritterschaftlichen Adel der lüneburgischen Landschaft. Ein Enkel des Justus Christoph von Reiche, Georg Ludwig Adolph von Reiche (* 1773), wurde als königlich-bayerischer Landrichter zu Selb in die Adelsmatrikel des Königreichs Bayern eingetragen.[3]
Wappen
Blasonierung: Von Silber und Schwarz schrägrechts, mit zwei ineinander gehenden Spitzen, einer gestürzten und einer aufrecht stehend, geteilt. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken zwei von Silber und Schwarz übereck geteilte Stäbe (oder Stacheln) zwischen einem offenen von Schwarz und Silber übereck geteilten Flug.
Nach einem Siegel des Johann Rike von 1608 führte die Familie diesen Schild schon vor der Nobilitierung.[3] Bei der Nobilitierung wurde zum Wappen von einer Wappenbesserung geschrieben, was ein bereits vorhandenes Wappen voraussetzt. Adelswappen in Adelsbriefen wurden in der Regel mit Bügelhelm und Helmkrone dargestellt, während bürgerliche Wappen den älteren Stechhelm über dem Schild zeigen.
Bekannte Mitglieder
- Justus Christoph von Reiche (1657–1740), Jurist und Staatssekretär, nobilitiert 1716
- Gerhard Andreas von Reiche (1691–1770), Jurist und Staatssekretär, Administrator des Stifts Ilfeld von 1740 bis 1747
- Ludwig von Reiche (Major) (1774–1840), Militär, Erfinder, Kartograf, Lithograf und Unternehmer
- August Friedrich Ludwig Carl von Reiche (1775–1855), königlich-preußischer General
- Hugo von Reiche (1839–1883), Maschinenbauingenieur und Hochschullehrer
Literatur
- Otto Titan von Hefner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 2 (Blühender Adel deutscher Landschaften), 1. Abt.: Der Adel des Königreichs Bayern, Nürnberg 1856, S. 106 (digitale-sammlungen.de) und Tfl. 128 (digitale-sammlungen.de).
- Adolf Matthias Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 2 (Blühender Adel deutscher Landschaften):
- 3. Abt.: Der Adel des Königreichs Sachsen, Nürnberg 1857, S. 43 (uni-heidelberg.de) und Tfl. 49 (uni-heidelberg.de).
- 9. Abt.: Der Hannöverische Adel, Nürnberg 1870, S. 25 (uni-heidelberg.de) und Tfl. 26 (uni-heidelberg.de).
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 7: Ossa – Ryssel. Leipzig 1867, S. 412. (Volltext in der Google-Buchsuche).
- Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 273 (digitale-sammlungen.de).
- Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, 4tes Supplement, Nürnberg [1767], Tafel 21 (digitale-sammlungen.de).
- George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute. Nachträge und Verbesserungen, Nürnberg 1906, S. 150 (uni-goettingen.de) und Tfl. 129 (uni-goettingen.de).
- Gothaisches genealogisches Taschenbuch der briefadeligen Häuser. 1912, S. 768 ff. (hhu.de).
Weblinks
- Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 338.44 Reiche, Jodok Christoph, großbritannischer und Kurbraunschweiger geheimer Justizrat, rittermäßiger Adelsstand für das Reich und die Erblande, privilegium denominandi, Wappenbesserung, Lehenberechtigung, 1716.07.07.
Einzelnachweise
- ↑ Hermann Grote: Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig, Hannover 1852, Tafel F 2, vgl. Tafel D 10.
- ↑ Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon , Band 7, Leipzig 1867, S. 412, beachte auch S. 413.
- ↑ a b c Kneschke (1867), S. 412.