Justus Christoph von Reiche

Justus Christoph Reiche, ab 1716 von Reiche (* 27. Mai 1657 in Hameln; † 23. Mai 1740 in Ilfeld[1][2]), war ein deutscher Jurist und Staatssekretär („Secretarii Statvs“). Er war von 1707[3] bis zu seinem Tod 1740 Administrator des Stifts Ilfeld und bekleidete hohe Ämter im Dienst des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg., darunter auch in London.[4]

Leben und Wirken

Er war der Sohn des Bürgermeisters von Hameln.[5] Reiche studierte an den Universitäten Helmstedt, Kiel und Leiden und unternahm mehrere Bildungsreisen ins Ausland. Ab 1689 war er dann in Hannover zunächst als Sekretär bei der dortigen Geheimen Kanzlei und ab 1694 bei der Geheimen Kammer tätig. 1698 erfolgte seine Ernennung zum Hofrat.[6] 1709 wird er als „Administrator Just Christoph Reiche, Braunschweig-Lüneburgischer Hofrath und geheimer Cammer-Secretarius“[7] und 1723 als „Jost Christoph Reiche/ Königlicher Groß-Britannischer und Churfürstlicher Braunschweig-Lüneburgischer Hochbetrauter Geheimter: Iustitz-Rath/ wie auch des Stiffts Ilfeld Hochverordneter Administrator“[8] bezeichnet.

Anlässlich seiner Rückkehr aus dem Feldlager 1708 widmeten ihm die Kollegen des Pädagogiums zu Ilfeld die in Jena gedruckte Festschrift „Gratulatio qua magnifici et incliti viri Iusti Christophori Reiche serenissimi ac potentissimi electoris Brunsvicensis ac Luneburgensis secretarii status admissionis sanctioris consiliarii aulici atque coenobii Ilefeldensis administratoris et praelati in primis venerabilis maecenatis sui perquam gratiosi felicem ad suos ex castris reditum prosequuntur faustique anni auspicia et prosperitatis bona numquam cessaturae deprecantur paedagogii Ilfeldensis collegae“.[9] Auch in späteren Jahren wurde ihm weitere Gelegenheitsschriften gewidmet, dazu zählen Constitutio Rei Scholasticae Ilfeldensis: Complectens cum Lectionum tum Legum, Disciplinae atque Emendationis Rationem… und Oratio De Faciliore Docendae Discendaeqve Matheseos Ratione…[10] Die Erhebung in den Adelsstand wurde in Hannover am 16. Juli 1733 publiziert.[11]

Durch den römisch-deutschen Kaiser Karl VI. wurde Reiche und seine ehelichen Nachkommen mit dem Adelsdiplom vom 7. Juli 1716 in den Reichsadelsstand erhoben.[12] Damit begründete er die adlige Familie von Reiche.[13][14][15]

Tod und Epitaph

1748 erfolgte die Errichtung eines Epitaphs für den Geheimen Sekretär von Reiche in der (alten) Klosterkirche zu Ilfeld. Es wurde vom Bildhauermeister Johann Caspar Unger für 100 Taler aus schwarzem und weißen Marmor auf Kosten seiner Brüder und Erben angefertigt.[16]

Er war mit der Witwe Margarethe Emerentia von Kotzebue († 1760) verheiratet und hatte mehrere Kinder.[17][18] Sein Sohn[19][20] Gerhard Andreas von Reiche (1691–1770) wurde 1740 Nachfolger des Vaters als Administrator des Klosters Ilfeld. Nach 1747 trug er den Titel Drost von Ilfeld.[21]

Literatur

  • Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 7: Ossa – Ryssel. Leipzig 1867, S. 412 (books.google.de).
  • Joachim Lampe: Aristokratie, Hofadel und Staatspatriziat in Kurhannover. 1963, S. 263 und 360.
  • Uta Richter-Uhlig: Hof und Politik unter den Bedingungen der Personalunion zwischen Hannover und England. Die Aufenthalte Georgs II. in Hannover zwischen 1729 und 1741. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, S. 36 und S. 166.

Einzelnachweise

  1. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Hrsg.): Gottlob Wilhelm Leibniz Sämtliche Schriften und Briefe. Erste Reihe Allgemeiner Politischer und Historischer Briefwechsel. Zweiundzwanzigster Band. Akademie-Verlag, Berlin 2011, S. 802. Link zum Volltext in zwei Teilen
  2. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser. 1912, S. 768 (mit falschem Geburtsdatum und Geburtsort)
  3. Gerda Utermöhlen, Günter Scheel, Kurt Müller (Hrsg.): Gottlob Wilhelm Leibniz Sämtliche Schriften und Briefe. De Gruyter, Berlin 1979, Reprint 2014, S. 712.
  4. Benjamin Bühring: Die Deutsche Kanzlei in London. 2021, S. 160.
  5. Uta Richter-Uhlig: Hof und Politik unter den Bedingungen der Personalunion zwischen Hannover und England. Die Aufenthalte Georgs II. in Hannover zwischen 1729 und 1741. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, S. 166.
  6. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Hrsg.): Gottlob Wilhelm Leibniz Sämtliche Schriften und Briefe. Erste Reihe Politischer und Historischer Briefwechsel Zweiundzwanzigster Band. Akademie-Verlag, Berlin 2011, S. 802.
  7. Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, Band 14 (1739), Spalte 533–534 (Digitalisat).
  8. Eintrag im VD 18: Gelegenheitsschrift Hannover 1723
  9. Eintrag in der VD18-Datenbank
  10. Beispiele für ihm gewidmete Schriften in der VD18-Datenbank.
  11. Adolf Matthias Hildebrandt: Der Hannöverische Adel. 1870, S. 25.
  12. AT-OeStA/AVA Adel RAA 338.44
  13. Otto Titan von Hefner: Neues Wappenbuch des blühenden Adels im Königreiche Hannover und Herzogthume Braunschweig. München/Leipzig 1862, S. 23 f. und Tab 26.
  14. Freiherr Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 273.
  15. Christian Friedrich August von Meding: Nachrichten von adelichen Wapen. Band 1, Johann Philipp Christian Reuß, Hamburg 1786, S. 475.
  16. Akte im Landesarchiv Sachsen-Anhalt
  17. Johannes Hohlfeld, Karl Steinmüller: Deutsche Anhentafeln. B. 2, 1937, S. 13.
  18. Vierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. 1885, S. 45.
  19. Uta Richter-Uhlig: Hof und Politik unter den Bedingungen der Personalunion [...] 1992, S. 36.
  20. Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. 2009, S. 535.
  21. Dieter Hüning, Arne Klawitter, Gideon Stiening: Jakob Mauvillon (1743–1794) und die deutschsprachige Radikalaufklärung. Berlin/Boston 2022, S. 36.