Röderhof (Diekholzen)
Röderhof Gemeinde Diekholzen
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| Koordinaten: | 52° 5′ N, 9° 59′ O | |
| Höhe: | 140 m | |
| Postleitzahl: | 31199 | |
| Vorwahl: | 05064 | |
Lage von Röderhof in Niedersachsen
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Röderhof. Blick auf das Gut, die Gebäude der Benediktinischen Gemeinschaft und die Heimstatt Röderhof.
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Röderhof ist eine Siedlung der Ortschaft Egenstedt in der Gemeinde Diekholzen im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen.
Geografie
Röderhof befindet sich in einer flachen Talmulde am Nordrand des Hildesheimer Waldes nahe des Tosmar. Der Ort liegt im Süden von Egenstedt und etwa 10 km südöstlich von Hildesheim. Im Ort befinden sich neben der historischen Gutsanlage ein Kamaldulenserkloster sowie ein zur ehemaligen „Bildungsstätte Röderhof“ gehörender Zeltplatz. In der Nachbarschaft befindet sich die Behinderteneinrichtung Heimstatt Röderhof. Die den Siedlungsbereich umschließenden Flächen liegen im Landschaftsschutzgebiet Röderhofer Teiche und Egenstedter Forst.
Geschichte und Sehenswürdigkeiten
Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Röderhof erfolgte im Jahr 1382.[1] Damals verpfändete Bischof Gerhard vom Berge Röderhof als „Zubehör“ der Marienburg.
Bis Ausgang des 14. Jahrhunderts war der Röderhof („to dem Rode“) eine kleine bäuerliche Siedlung, die Eigentum der Ritter von Rössing war. Diese hatten ihre Siedlung zeitweilig an Hildesheimer Bürger, wie die Familien Kramer und Gallen verpachtet. Im Jahre 1397 verkaufte die Familie von Rössing die Siedlung Röderhof („meygerhof uppe deme rode by der Marienborch“) an das Kartäuserkloster in Hildesheim. Röderhof („to deme Rode“) war bereits eine Wüstung („woste unde ungebuwet“), als Bischof Gerhard dem Kartäuserkloster am 18. Oktober 1397 den Kauf bestätigte.[2]
Nachdem das Kartäuserkloster Eigentümerin der Siedlung geworden war, wurden alle kleinbäuerlichen Parzellen zu einem großen Wirtschaftshof zusammengeschlossen.
Röderhof gehörte zum Amt Marienburg, aus dem 1885 der Landkreis Marienburg gebildet wurde. Dieser ging 1946 im Landkreis Hildesheim-Marienburg auf. Seit dem 1. März 1974 gehört Röderhof zum Landkreis Hildesheim. Zum 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Röderhof aufgelöst und nach Egenstedt eingemeindet, das wiederum am 1. März 1974 nach Diekholzen eingemeindet wurde. Bis 1812 gehörte Röderhof zur Pfarrei Barienrode, dann wechselte es zur Pfarrei Marienrode. Da der Weg nach Marienrode weit und bei schlechtem Wetter kaum möglich war, wurde Röderhof 1837 der Kapelle in Egenstedt zugeordnet.
Das Anwesen liegt in einer Senke, in der die Kartäuser im Mittelalter drei heute noch bestehende Fischteiche anlegten. Am 22. Juli 1613 wurde die St.-Antonius-Kapelle geweiht. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gut Anfang April 1634 niedergebrannt, die Hildesheimer Kartause war schon zwei Jahre zuvor zerstört worden. Nachdem das Gut danach einige Jahre wüst gelegen war, wurde es wieder errichtet und bewirtschaftet. 1670 erfolgte der Bau der heutigen St.-Antonius-Kapelle. Nachdem die Hildesheimer Kartause 1777 aufgehoben worden war, wurde das Gut Röderhof in die Karthausfundation überführt und verpachtet. Zeitweise wurde das Gut Röderhof dann als Vorwerk der Marienburg betrieben. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten umfangreiche Um- und Neubauten der Gutsgebäude. Im 19. Jahrhundert war der Röderhof auch ein Ausflugsziel, im Forsthaus wurde bis weit in das 20. Jahrhundert hinein zeitweise eine Gaststätte betrieben. Ende des 19. Jahrhunderts und nochmal 1910/11 wurden Arbeiterwohnungen erbaut, da es bei der abgelegenen Lage des Gutes immer schwieriger geworden war, Arbeitskräfte zu finden. 1901 begann die Kalibohrgesellschaft Röderhof bei Hildesheim, sich um Probebohrungen zu bemühen, um Kalisalz zu fördern. 1904 übernahm das die Hildesheimer Gewerkschaft Roland. Im Sommer 1906 begann die Probebohrung, die 1908 erfolglos aufgegeben wurde. Die 900 Meter tiefe Bohrung wurde wieder verfüllt. 1916 wurde das Gut Röderhof an das Stromnetz angeschlossen.
In den 1960er Jahren wurde neben dem Gut eine heilpädagogische Einrichtung, die Heimstatt Röderhof, mit der katholischen Heilig-Geist-Kirche geplant und ab 1969 erbaut. Diese wurde 1971 eröffnet und 1987 sowie 1996 erweitert.
Im südlichen Bereich des weiterhin landwirtschaftlich bewirtschafteten Gutes befinden sich im ehemaligen Forsthaus seit 2014 Konventsgebäude (Röderhof 1). Auch die 1670 errichtete St.-Antonius-Kapelle gehört dazu. Nachdem ab 1954 Kinder und Jugendliche Ferientage in Röderhof verbrachten und dort Zeltlager stattfanden, wurde für die Jugendlichen 1958 die alte, zuvor als Abstellraum genutzte Kapelle wieder hergerichtet, um den Weg zur Kirche in Egenstedt zu sparen. 1959 wurde das ehemalige Forsthaus durch ehrenamtliche Arbeit von Jugendlichen der Pfadfinderschaft Sankt Georg zur Jugend-Begegnungsstätte umgebaut. 1964 folgte der Umbau des alten Schafstalles zu einer Tageshalle, die von den Jugendlichen bei schlechtem Wetter genutzt wurde. 1970 wurden im Wald Blockhütten errichtet. 1971 wurde das ehemalige Forsthaus durch einen Anbau erweitert, der am 10. September 1971 durch Bischof Heinrich Maria Janssen eingeweiht wurde. 1985 folgte der Bau eines neuen Bettenhauses, das anstelle des abgerissenen ehemaligen Molkenhauses entstand. Ab 2013, in diesem Jahr wurde die Jugend-Begegnungsstätte geschlossen, engagierte sich unter anderem Benedikt Lindemann für die Gründung einer neuen benediktinischen Gemeinschaft auf dem Röderhof, die im April 2014 als „Benediktinische Gemeinschaft St. Romuald“ realisiert wurde. Seit März 2019 gehört das Kloster zum stärker kontemplativ und eremitisch orientierten Kamaldulenserorden, der sich auf den heiligen Romuald zurückführt.[3]
Bekannt sind der Röderhof und die Landschaft für die alljährlich in den Sommerferien stattfindenden Zeltlager. Seit mehr als 100 Jahren wird bereits am Röderhof gezeltet. Das Zelten am Röderhof wird auch nach der Schließung der Jugendbegegnungsstätte im Jahre 2013 mit Unterstützung der Heimstatt Röderhof fortgeführt.[4]
Heimstatt Röderhof
Die Heimstatt Röderhof (Röderhof 3–22) ist eine Einrichtung der „Stiftung kath. Behindertenhilfe im Bistum Hildesheim“ für Menschen mit einer geistigen Behinderung, die neben dem bischöflichen Gut Röderhof entstand. 1966 entschied sich der Caritasverband der Diözese Hildesheim auf Bitten der Sozialbehörden für den Bau der Heimstatt Röderhof, das es in Niedersachsen an Heimplätzen für Kinder mangelte. 1967 wurde das Baugrundstück für die Heimstatt Röderhof von den Flächen des Gutes herausgenommen. Am 24. April 1969 begann der Bau der Heimstatt Röderhof, am 19. Juli 1969 fand die Grundsteinlegung statt. Am 15. Januar 1971 wurde die Heimstatt Röderhof als Heim für geistig behinderte Kinder eröffnet, am 30. Juni 1971 folgte die Weihe der katholischen Heilig-Geist-Kirche durch Bischof Heinrich Maria Janssen.[5] Nach baulichen Erweiterungen in den Jahren 1987 und 1995 umfasst die Einrichtung heute vor Ort Wohnbereiche für 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die St.-Franziskus-Schule (Förderschule mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“), eine Tagesförderstätte für Erwachsene und eine Reithalle für Reittherapien. 2011 wurde am Rand der Nachbargemeinde Bad Salzdetfurth mit dem Haus Gertrudenberg eine Außenstelle als Wohnheim für geistig behinderte Erwachsene eingerichtet.
Literatur
- Jutta Finke: „Rhode Praedium, intra territorium Marienburg.“ Zur Geschichte von Röderhof. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 109–174.
- Maria-Angela Behnke: Haus Röderhof. In: Spuren – aus vier Jahrzehnten BDKJ-Geschichte im Bistum Hildesheim. Bernward-Verlag, Hildesheim 1987, ISBN 3-87065-4414, S. 72–74.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Jutta Finke: „Rhode Praedium, intra territorium Marienburg.“ Zur Geschichte von Röderhof. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 110.
- ↑ Jutta Finke: „Rhode Praedium, intra territorium Marienburg.“ Zur Geschichte von Röderhof. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 111.
- ↑ Kloster Sankt Romuald. Abgerufen am 27. August 2019.
- ↑ Röderhof. Auf: st-bernward-lehrte.de, abgerufen am 8. Mai 2015.
- ↑ Heilig-Geist-Kirche auf der Seite der Heimstatt Röderhof. Abgerufen am 27. August 2019.