St. Antonius (Röderhof)
St. Antonius ist die römisch-katholische Fachwerkkapelle im Ortsteil Röderhof der Gemeinde Diekholzen im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen.
Geschichte
Bis Ausgang des 14. Jahrhunderts war der Röderhof eine kleine bäuerliche Siedlung, die Eigentum der Ritter von Rössing war. Diese hatten ihre Siedlung zeitweilig an Hildesheimer Bürger, wie die Familien Kramer und Gallen verpachtet. Im Jahre 1397 verkaufte die Familie von Rössing die Siedlung an das Kartäuserkloster in Hildesheim. Im Kaufvertrag wird neben dem Grundbesitz auch das Gotteshaus genannt, das mit allen Rechten ebenfalls dem Kloster übertragen wurde. Während sich damit die Kapelle für das Jahr 1397 nachweisen lässt, fehlen Nachrichten über ihr Patrozinium. Da in der Urkunde von allen Rechten der Kapelle gesprochen wurde, ist dies wahrscheinlich der Hinweis auf die Patronatsrechte der Familie von Rössing. Es erscheint jedoch zweifelhaft, das dieser Familie ein freies und damit uneingeschränktes Patronatsrecht zustand, da sich der Archidiakon von Detfurth hier fast ausschließlich die Zustimmung über alle Geistlichen vorbehielt. Ein Priester kann für das 14. Jahrhundert nicht nachgewiesen werden. Aufgrund ihrer Größe besaß die kleine Gemeinde wohl kaum Pfarrrechte. Der Empfang der Sakramente in der entfernt liegenden Taufkirche St. Gallus in Detfurth ist möglich. Nachdem das Kartäuserkloster Eigentümerin der Siedlung geworden war, wurden alle kleinbäuerlichen Parzellen zu einem großen Wirtschaftshof zusammengeschlossen. Das Patronatsrecht der Kapelle stand dem jeweiligen Prior der Kartause zu, der einen Priester der Hildesheimer Ordensgemeinschaft auf dem Röderhof einsetzte.[1]
Der Röderhof war ein Bestandteil des Kartäuserklosters. Die Visitation des Klosters im Jahre 1579 durch bischöfliche Räte hatte ergeben, dass außer zwei Laienbrüdern die gesamte Ordensgemeinschaft katholisch geblieben war, ebenso der Hof und die Kirche. Dies lag am Prior der Kartause, der in enger Zusammenarbeit mit der Bistumsleitung den Reformationsbestrebungen entgegentrat.[2]
Noch während der Gegenreformation im Hochstift Hildesheim war es dem Kartäuserorden gelungen, auf dem Röderhof eine neue Kapelle erbauen zu lassen. Die Konsekration erfolgte am 22. Juli 1613 durch Weihbischof Nikolaus Arresdorf.[3] Als Patrozinium wurde der Heilige Antonius von Padua gewählt, der durch sein Eintreten für die Armut ein christliches Vorbild für die Brüder war.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gut Röderhof Anfang April 1634 niedergebrannt, die Hildesheimer Kartause war schon zwei Jahre zuvor zerstört worden. Nachdem das Gut danach einige Jahre wüst gelegen war, wurde es wieder errichtet und bewirtschaftet. 1670 erfolgte der Bau der heutigen St.-Antonius-Kapelle. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Kartäuserkloster, durch bischöflichen Erlass vom 4. August 1777 und mit Zustimmung von Papst Pius VI., aufgehoben. Nachdem die Pfarrei Barienrode 1812 aufgehoben worden war, wurden die Bewohner des Gutes Röderhof der Pfarrei Marienrode zugeordnet. Da der Weg nach Marienrode im Winter häufig unpassierbar war, bekam Franz Bernard Ernst, der das Gut Röderhof 1814 gepachtet hatte, die Erlaubnis für Gottesdienste in der Röderhofer Kapelle. Nachdem Ernst im März 1836 verstorben war, fanden in der Kapelle noch bis Sommer 1836 Gottesdienste statt. Von 1837 an gingen die Röderhofer zum Gottesdienst in die Kapelle nach Egenstedt.
1840 wurde das Fundament der Kapelle verstärkt. 1843/44 wurde die Kapelle in einem „Bauinventarium“ des Gutes Röderhof als „sehr verfallen“ bezeichnet. Nachdem die Kapelle Mitte des 19. Jahrhunderts als Werkstatt genutzt worden war, erfolgte 1863 der Einbau eines Zwischenbodens, wonach die Kapelle als Kornspeicher diente. 1876 brachte man vorübergehend Rübenarbeiterinnen in der Kapelle unter, da deren bisherigen Unterkunft auf dem Gut umgebaut wurde.
Der seit 1913 als Pächter des Gutes Röderhof fungierende Heinrich Engelke ließ die Kapelle restaurieren, damit sie wieder für Gottesdienste genutzt werden kann. Mit Genehmigung des Hildesheimer Bischofs Adolf Bertram wurde die Kapelle am 4. Oktober 1914 durch Konrad Ernst (1866–1934), ein Onkel von Heinrich Engelke und damals Direktor des Bischöflichen Gymnasiums Josephinum in Hildesheim, benediziert und bekam das Patrozinium Beatae Mariae Virginis (Selige Jungfrau Maria).
Nachdem ab 1954 Kinder und Jugendliche Ferientage in Röderhof verbrachten und dort Zeltlager stattfanden, ließ der Pächter des Gutes Röderhof, Heinrich Günther, die zuvor als Abstellraum genutzte Kapelle für die Jugendlichen 1958 wieder herrichten, um den Kindern und Jugendlichen den Weg zur St.-Nikolaus-Kirche in Egenstedt zu ersparen. Noch 1958 fand in der Kapelle wieder ein Gottesdienst statt. 1959 wurde das ehemalige Forsthaus Röderhof zur Jugendbegegnungsstätte Röderhof umgebaut, die Kapelle diente fortan vorwiegend für Gottesdienste der Jugendbegegnungsstätte. 1963 erneuerten Mitglieder des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend die Kapelle. Anlässlich des 350. Weihetages der ursprünglichen, 1613 konsekrierten Kapelle zelebrierte Bischof Heinrich Maria Janssen eine Heilige Messe im Freien nahe der Kapelle.
2013 wurde die Jugend-Begegnungsstätte wieder geschlossen. Am 4. November 2013 stellte Bischof Norbert Trelle dem ehemaligen Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, Benedikt Lindemann, ein Dekret für die Gründung der „Benediktinischen Gemeinschaft St. Romuald“ auf dem Röderhof aus, welche die Antoniuskapelle seit 2014 als Gotteshaus nutzt. Seit März 2019 gehört das Kloster zum stärker kontemplativ und eremitisch orientierten Kamaldulenserorden.[4]
Architektur
Die Kapelle wurde 1670 in Fachwerk errichtet und 1706 renoviert. Ihr Satteldach wird von einem Dachreiter bekrönt, in dem eine Glocke hängt.
Literatur
- Jutta Finke: „Rhode Praedium, intra territorium Marienburg.“ Zur Geschichte von Röderhof. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 109–174.
- Friedrich Eymelt: Zur Geschichte der Hildesheimer Kartause. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart – Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde im Bistum Hildesheim. Hildesheim 1987, S. 79–88.
- Maria-Angela Behnke: Haus Röderhof. In: Spuren – aus vier Jahrzehnten BDKJ – Geschichte im Bistum Hildesheim. Hildesheim 1987.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Bischöfliches Generalvikariat Hildesheim (Hrsg.): Handbuch des Bistums Hildesheim, Teil 1 – Region Hildesheim, Seite 154, Eigenverlag, Hildesheim 1992
- ↑ Hermann Engfer: Die kirchliche Visitation von 1608–1609 im Bistum Hildesheim, in Die Diözese in Vergangenheit und Gegenwart, Hildesheim 1964–1965
- ↑ Walter Pilz: Erkundungsgang rund um Haus Röderhof. In: Spuren – aus vier Jahrzehnten BDKJ-Geschichte im Bistum Hildesheim. Bernward-Verlag, Hildesheim 1987, ISBN 3-87065-4414, S. 74.
- ↑ Kloster Sankt Romuald. Abgerufen am 27. August 2019.
Koordinaten: 52° 5′ 17,7″ N, 9° 58′ 52,6″ O