Palazzo Pinto
Der Palazzo Pinto ist ein Palast aus dem 11. oder 12. Jahrhundert in der Via dei Mercanti, 63 im historischen Zentrum von Salerno in der italienischen Provinz Kampanien.
Geschichte
Der Palazzo Pinto liegt mitten im historischen Zentrum an einer der wichtigsten Hauptstraßen, an der es früher zahlreiche, prestigeträchtige Handels- und Kunsthandwerksgeschäfte gab. Die Eigentümer gehörten zu einem Zweig des Hauses Pinto, einer Adelsfamilie iberischen Ursprungs, deren erste Erwähnung auf den Beginn des 12. Jahrhunderts zurückgeht und die spätestens ab dem 16. Jahrhundert in Portanova eingeschrieben waren. Ein weiterer Zweig dieser Familie residierte damals in einem Gebiet unweit des heutigen Palazzo Genovese.
Das Gebäude war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Residenz der Pintos und fiel dann nach dem Tod des letzten Familienmitgliedes laut Testament an die Provinzverwaltung und an die Azienda Ospedaliera San Giovanni di Dio e Ruggi d’Aragona. Von 1910 bis 1961 war im ersten Obergeschoss die Provinzialbibliothek untergebracht. Am 15. März 1944, während der Regierung Badoglio, wurde das Istituto Superiore di Magistero di Salerno mit Sitz im Palazzo Pinto gegründet, ein erster Schritt zur Wiedergeburt der universitären Studien in der Stadt. Nach dem Erdbeben im Jahre 1980 wurden an dem Gebäude vorläufige Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt, die den Gebäudeteil an der Via dei Mercanti betrafen. Ab 2000 wurden die Geschossdecken saniert, sowie die Einrichtungen und Oberflächen der Eingangshalle und des ersten Obergeschosses restauriert, in deren Räumen seit Februar 2001 die Pinakothek der Provinz Salerno untergebracht ist, in der es wertvolle Kunstwerke gibt, die aus den Zeiten der Renaissance bis Mitte des 20. Jahrhunderts stammen.[1] Ab Juli 2007 wurden die hinteren beiden Baukörper und die Innenhöfe in komplexer Art und Weise saniert, restauriert und von Zubauten befreit, die im Laufe der Zeit im Hof und in den Innenräumen entstanden waren. Ab 2009 errichtete die Aziende Ospedaliera im Erdgeschoss ein Büro, in dem ein „örtlicher Krankenhausdienst“ (it.: L’ospedale vicino) eingerichtet wurde. Seit September 2012 ist der Innenhof aus dem 15. Jahrhundert zugänglich, von dem aus man in die Weinhandlung der Provinz Salerno gelangt.[2] Zurzeit werden die Räumlichkeiten im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss fertiggestellt, wobei die Galerie restauriert wird, die den Zugang zum ‚‚Vicolo dei Pinto‘‘ komplettiert und die Nutzung des Monumentalkomplexes verbessert.
Beschreibung
Das ursprüngliche Bauwerk, das über älteren Gebäuderesten errichtet wurde, stammt aus dem Mittelalter, wie zahlreiche romanische Überreste, die kürzlich ans Licht kamen, bezeugen, darunter die breiten Arkaden vor dem sogenannten ‚‚Vicolo dei Pinto‘‘ und die mit wertvollen, mehrfarbigen Intarsien dekorierten Rahmen und Bögen; es ist auf die normannische Architektur des 11. und 12. Jahrhunderts zurückzuführen. Der Komplex vereinte in seinem Inneren vermutlich verschiedene Funktionen, von Ladengeschäften bis zu weltlichen und religiösen Repräsentationsorten, was die breiten Räume, die mit mehrfarbigen Intarsienrahmen dekoriert sind, vermuten lassen.
Diese Zierelemente kreieren ein Farbenspiel, bestehend aus abwechselnd grauen (aus der Region ‚‚Fratte‘‘) und gelben (bezogen auf die architektonische Produktion in Kampanien aus normannischer Zeit, und, in Salerno, auf die Gebäude Kathedrale, Castel Terracena, Palazzo Fruscione und die Kirche San Benedetto) Tuffsteinblöcken. Ein Wechsel der Nutzung betraf den romanischen Komplex des Palazzo Pinto, der vermutlich schon durch spätere Veränderungen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts umgestaltet war, als der mittelalterliche Gebäudekomplex durch Veränderungen betroffen war, die durch die Integration angrenzender Gebäude ihn in einen glänzenden und eleganten Adelssitz verwandelten, von dem die überkommenen Architekturelemente bezeugt sind; im Erdgeschoss findet sich das charakteristische und emblematische Element einer Architektur des Ausdrucks internationaler Gotik, der katalanische Korbbogen wieder, eine originale Erfindung der mittelalterlichen Renaissancebewegung und speziell der in Kampanien, ausgeführt in Piperno, umgeben von zwei Kapitellen mit raffinierten, floralen Verzierungen. In dem Komplex finden sich auch monumentale Loggien mit Steinbögen wieder, die im Osten auf den ‚‚Vicolo dei Pinto‘‘ und auf den Innenhof im Westen hinauszeigen, ein Geschosstrennungsgesims im ersten Obergeschoss und geformte Tür- und Fensterrahmen, ebenfalls in Piperno.
Das heutige Gebäude, das den Pintos bis 1910 als Wohnung diente, stammt aus einer Zeit nicht später als Mitte des 17. Jahrhunderts: Ab diesem Zeitpunkt gab es nach und nach eine Erweiterung des Wohnhauses durch Erwerb benachbarter Gebäude im Süden und die Überdachung einer Loggia im ersten Obergeschoss, sodass somit ein ziemlich großer Adelssitz entstand. Besonderes Augenmerk wird auf die Fassade zur Via dei Mercanti gelegt, die durch die Nutzung von Architekturregistern den betonten Komplex harmonisiert und eines der ausgeglichensten Beispiele einer Fassade eines Adelssitzes in Salerno darstellt. Im Vermögenskataster von 1754 kann man eine Beschreibung des Gebäudes lesen und man findet heraus, dass der damalige Eigentümer Don Matteo Pinto war. Weitere Dokumente bezeugen Veränderungen im 18. Jahrhundert; der Westflügel, der die Galerie, die Privatkapelle und die Loggia enthält, wurde auf ein Grundstück des Klosters San Domenico erweitert. An der neuen Fassade entstand eine Verbreiterung durch Abriss des Vorbaus der Sakristei und des rechten Schiffes der Kirche San Gregorio. Im Inneren der Empfangshalle findet sich auf der linken Seite die Zugangstreppe zum Palast. Im zweiten Obergeschoss befinden sich große Säle und eine Kapelle mit rechteckigem Grundriss und durch eleganten Stuck reich verziertem, elliptischem Gewölbe.
Einzelnachweise
- ↑ Nell'ex dimora nobiliare ora ha sede la pinacoteca. In: La Città di Salerno – Palazzi Storici. 22. September 2008, archiviert vom am 3. Juni 2016; abgerufen am 21. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Franco Esposito: Anche un'enoteca per palazzo Pinto. In: Telecolore.it. 4. August 2012, abgerufen am 21. Oktober 2025 (italienisch).
Quellen
- Ruggiero Bignardi: Il restauro di palazzo Pinto a Salerno. Storia di integrazione tra popoli, arti e culture. 2013.
Weblinks
Koordinaten: 40° 40′ 43,9″ N, 14° 45′ 35,2″ O