Palazzo Fruscione
Der Palazzo Fruscione ist ein Palast aus dem 13. Jahrhundert im Vicolo Adelberga im historischen Zentrum von Salerno in der italienischen Provinz Kampanien. Der Standort liegt in der Nähe der alten Via dei Canali des altrömischen Salerno.[1][2]
Der Palast, mit dessen Bau im 13. Jahrhundert begonnen wurde, ruht teilweise auf den Resten eines Thermalkomplexes aus der römischen Kaiserzeit in der Nähe des alten Hofes aus der Zeit des langordischen Herrschers Arichis II. Sein Eigentümer war vermutlich der Arzt Giovanni da Procida.[3] Seine Lage führte früher zu der irrtümlichen Annahme, dass es sich dabei um die Residenz des Herzogs Arichis II. handelte. Diese These ist aber gegenstandslos, da im Chronicon Salernitanum die Lage der Palastkapelle San Pietro a Corte nördlich der Residenz von Arichis II. angegeben ist: Der Palazzo Fruscione dagegen befindet sich seinerseits nördlich des genannten Gotteshauses.
Geschichte
Einige Gelehrte hielten den Palast für die Residenz von Arichis II., andere aber für ein einfaches, wertvolles Bauwerk aus dem Mittelalter und wieder andere für einen in staufischer Zeit durchgeführten Umbau des Palasts von Arichis II. Von 1738 stammt ein notarielles Dokument, in dem das Gebäude beschrieben wird, ebenso wie seine Überlassung in Erbpacht an Bartolomeo Longo durch das Domkapitel, dem der Kanoniker Francesco Inglese es vererbt hatte. Aus dem Dokument kann man ersehen, dass in dem Gebäude keine Wohnungen untergebracht waren, sondern dass es sich um eine Casa di Allogiamento (dt.: Gästehaus) handelte, was das Vorhandensein der zahlreichen Ställe im Erdgeschoss erklärt. Außerdem geschah die Erweiterung des Gebäudes nach Westen in dieser Zeit, wo sich vorher der Haupteingang vom Largo Sant’Antonio Abate ossia di Vienna befand. Der Eingang wurde beschrieben als „ein Tor aus Stoff und Holz mit einem Pfauenschwanz oben und mit einer überdachten Loggia“, was sich wahrscheinlich auf ein Ziermotiv an dem Tor bezieht. Die Verlegung des Eingangs auf die Südseite geschah vermutlich im 19. Jahrhundert, verbunden mit der Existenz eines Mitteltors und zwei Paar Lagerhäusern an den Seiten. Die Öffnungen auf der linken Seite des Mitteltors befinden sich am Anbau, denn von dem Tor befindet sich eine Ecksäule, die im Mittelalter die Grenze des Gebäudes bezeichnete. Aus dem notariellen Dokument ersieht man, dass der Palast an der Ostfassade mit dem gegenüberliegenden Palast namens La Figurella verbunden war, in dem ein Pilgerkrankenhaus untergebracht war. Der Palazzo Fruscione wurde in den 1950er-Jahren erstmalig unter der Leitung von Giorgio Rosi restauriert, der einige fehlende Elemente (wie z. B. die Dekorsäulen im Obergeschoss) einfügte. 1967 wurde der Palast von der Familie Fruscione (nach der er benannt ist) enteignet und erst 2009 wurde mit den Restaurierungsarbeiten begonnen; sie kosteten 5 Mio. € und wurden unter der Leitung des Architekten Mario dell’Acqua und – was den archäologischen und geschichtlichen Teil angeht – unter Mitarbeit von Professor Paolo Peduto durchgeführt.[4] Im Laufe der letzten Arbeiten wurde das vierte Stockwerk abgerissen, das im 19. Jahrhundert aufgebaut wurde, um die Innenräume neu zu ordnen.[5]
Beschreibung
Im Palazzo Fruscione sind die Reste eines normannischen Gebäudes erhalten, das mindestens aus zwei Stockwerken und zwei Baukörpern mit unterschiedlichen Ebenen bestand. Im 13. Jahrhundert war es von Umbauarbeiten zusammen mit der Neuanlage der Straße betroffen. Vermutlich aus dieser Zeit stammen die drei Eingangsportale auf dem Vicolo dei Barbuti. Die Räumlichkeiten am Vicolo Adelberga wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts geschaffen, wogegen das zweite Obergeschoss von einem einzigen Eingriff stammt, der gegen Anfang des 14. Jahrhunderts abgeschlossen wurde. Im Erdgeschoss wurden im 17. Jahrhundert Ställe eingebaut und bei diesem Umbau ging die alte Pfauenschwanz-Zugangstreppe zu den oberen Stockwerken verloren. Im 19. Jahrhundert versuchte man, die Schönheit dieser Räume wiederherzustellen, indem man sie mit Verzierungen, wie zwei mit Pflanzen verzierte Marmorpfosten, verschönerte.
Das Gebäude besteht aus drei Geschossen, die durch wertvolle, architektonische Elemente gekennzeichnet sind: Die Ostfassade weist im Erdgeschoss drei Eingangsportale mit Rundbögen mit Intarsien aus grauem und gelbem Tuffstein auf, im ersten Obergeschoss fünf behauene Doppelfenster, von denen an einem eine in Rot gemalte Verzierung erhalten ist, die zwei ineinander verschlungene Ringe zeigt, und im zweiten Obergeschoss eine Reihe von in ineinander verschlungenen Mehrfachfenstern mit Spitzbögen, die von kleinen Säulen gestützt werden.
Normannische Zeit
Die ältesten Wandverkleidungen sind die an der heutigen Via Canale. An dieser Fassade hat man bei den Restaurierungsarbeiten in den 1950er-Jahren eine Intarsie gefunden, die durch eine Verzierung mit gelben und grauen Tuffrhomben gekennzeichnet ist, und nach dem anschließenden Abtragen mehrerer Putzschichten sind zwei Einzelfenster ans Licht gekommen, die aus Tuff und Ziegelmauerwerk bestehen.
Ebenfalls auf der Westseite fand man kürzlich im Erdgeschoss eine ähnliche Verzierung, die aber nicht mit der im darüberliegenden Stockwerk verbunden ist, da sie sich an einem weiter östlich gelegenen Baukörper befindet. In diesem Falle handelt es sich um ein Rundbogenportal aus zweifarbigen Steinblöcken mit einem kleineren Bogen, der mit Rhomben verziert ist, von dem die dunkleren Teile aus grauem Tuff bestehen, während die helleren verputzt sind. Die Pfosten des Mauerwerks bestehen aus Sandstein, der sich auch an anderen Türen und Fenstern findet.
Im oberen Teil der Wandverkleidung gibt es eine Verzierung, die aus Tuffblöcken, eingerahmt durch Mauerwerk, besteht. Diese Verzierung ist als Geschosstrennungsgesims oder Brüstung anzusehen, an die sich die ebenfalls aus Tuff und Mauerwerk gefertigten Fenster anschlossen. Was die zweifarbigen Intarsien angeht, so sind diese mit der Kathedrale und dem benachbarten Castel Terracena vergleichbar, was die älteste Phase des Palazzo Fruscione auf das 12. Jahrhundert datiert. Im zweiten Obergeschoss kann man auf der Südseite zwei verschiedene Baukörper gegenüberstellen, einen in hellerem Stein und einen, an dem sich die normannischen Fenster befinden, was dagegen im ersten Obergeschoss nicht möglich ist, da dort moderne Räumlichkeiten und eine erdbebensichere Barbakane entstanden sind. An dem jüngeren Baukörper gibt es zwei Arten von architektonischen Verzierungen: Zum einen gibt es Spuren eines Systems von miteinander verschlungenen Rundbögen, die Spitzbogennischen aus Stuck bilden, zum anderen wenige Reste von Putz mit pflanzlichen Verzierungen mit Blättern und Blütenständen. An der Westfassade gibt es zwei architektonische Dekorationen, die aber unverändert blieben und einmal im Stil des zweiten Obergeschosses verbunden waren, vermutlich, weil diese Fassade mit der Schaffung des unteren Baukörpers an Bedeutung verlor. Im Inneren bezieht sich das Fenster aus Tuff und Mauerwerk auf eine größere Raumhöhe als die heutigen 140 Zentimeter. Aus normannischer Zeit stammt auch die ein Säule mit wiederverwendetem Kapitell, das durch einfache Blätter gekennzeichnet und mit denen der Kathedrale von Aversa vergleichbar ist.
Zeit der Herrschaft des Hauses Anjou
Die architektonischen Elemente, die am Vicolo dei Barbuti mit mehrfarbigen Intarsien dekoriert sind, sind die am ehesten sichtbaren Symbole der mittelalterlichen Phase. Dank der ersten Phasen der Grabung konnte man erkennen, dass die südlichen Räume aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammen, und nach dem Entfernen des Putzes hat sich herausgestellt, dass die Innenräume durch Mauern mit Spitzbögen getrennt waren, die aus Ziegelmauerwerk und Sandsteinblöcken bestanden. Die Ausgrabungen haben auch verschiedene mittelalterliche Aufenthaltseinheiten bis zu 80 Zentimeter Tiefe zutage gefördert. Der Fundamentgraben durchschnitt verschiedene Bodenebenen, darunter auch die jüngste, die durch den Fund von zwei staufischen Münzen auf um das 13. Jahrhundert datiert werden kann und zeigt, dass die heute sichtbaren Mauern nach dieser Zeit erbaut worden sein müssen. An der Fassade zum Vicolo dei Barbuti gibt es drei Eingangstore, von denen das mittlere, das größte, das auch die herausragendsten Dekorationen zeigt, der Haupteingang war; daher erscheint der kleine Raum im hinteren Bereich als Verbindung oder Teil eines kleineren Raumes. Das dritte Eingangstor mit Intarsien öffnet sich weiter südlich und wurde von innen bei einem Grabungsversuch untersucht: Seine ursprüngliche Basis wurde in einer Höhe von 8,8 Metern gefunden. Dies bestätigt, dass alle drei Tore mit Intarsien zusammen funktionierten und daher zur gleichen Zeit gebaut wurden. Die Ausgrabungen haben auch zwei Zisternen ans Licht befördert, deren ältere mit Materialien aus dem späten 13. Jahrhundert bedeckt war, wogegen die jüngere zeitgenössisch mit dem Fußbodenbelag in 8,8 Meter Höhe ist.
Die Grabungen
Bei den Restaurierungsarbeiten in den 2010er-Jahren wurden Spuren von Mauerwerk gefunden, die von einem Thermalkomplex aus der Kaiserzeit stammen, von Mosaiken und von Fresken aus dem 2. Jahrhundert.[6] Der Raum mit dem Mosaik, dessen Wände mit Reliefverzierungen aus Stuck und gemalten Verzierungen bedeckt sind, gehörte zu den Thermen aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr., die auf dem Gelände des Palastes von Arichius II. identifiziert wurden, das südlich des Palazzo Fruscione liegt. Spuren von mindestens drei späteren Restaurierungen des Mosaiks zeigen, dass die Thermen ziemlich lange genutzt worden sein müssen. Die lange Zeit der Existenz der Thermen ist neben den Restaurierungen des Mosaiks auch durch die Gebäuderestaurierungen in altrömischer Zeit bezeugt, wie man aus der späteren Verstärkung der Mauern aus Ziegeln ersehen kann. Die archäologische Untersuchung hat gezeigt, dass nach der Aufgabe der Thermen Mitte des 5. Jahrhunderts das Gelände eine Baustelle für ein Gebäude war: Die Entdeckung von Überresten von Handwerksbetrieben für Glas- und Metallfertigung lässt uns annehmen, dass diese Betriebe zum Bau der benachbarten Grabkapelle für den Vir spectabilis Socrates dienten, heute zur Palastkapelle des langobardischen Fürsten Arichis II. gehörig. Später, im 6. und 7. Jahrhundert, gab es auf dem untersuchten Gebiet in der Nähe der frühchristlichen Grabkirche einige Grabstätten (zwei), die entdeckt und durch die Baumaßnahmen der folgenden Jahrhunderte zerstört wurden. Im 8. Jahrhundert wurde die Nutzung als Friedhof aufgegeben und das Gelände, auf dem heute der Palast steht, wurde sicherlich Teil des Sitzes des langobardischen Hofes. In den südlichen Räumlichkeiten des Palastes kamen einige Bauten aus dem 9. und 10. Jahrhundert zum Vorschein, darunter eine imposante Mauer in Nord-Süd-Ausrichtung, die in einigen Räumen identifiziert wurde. Diese war auf spätantiken Schwemmschichten fundiert und könnte die Grenze des Curtis langobarda arichiana (dt.: Hof des langobardischen [Herrschers] Arichis II.) dargestellt haben.
Die Erforschung eines rechteckigen Raumes, der sich in der Zone zum Vicolo Adelberga hin befindet, ermöglichte die Untersuchung einer Abfallgrube aus dem 11. Jahrhundert mit zahlreichen Resten von Nudeln und Tierknochen, darunter von einem Pferd, zahlreichen Resten von Ziegen, Schafen und Schweinen, keramischen Tisch- und Vorratsgeschirr, sowie Samen und Hülsenfrüchten. Unter den Keramiken stechen einige Teile eines Gefäßes mit Glasur hervor, einer Art von glasartiger Verkleidung, die auf den Keramikkörper vor dem Brennen aufgebracht wurde. Solche Behälter gab es wegen ihrer hohen Anschaffungskosten nicht allzu häufig; sie weisen unter anderem auf die Zugehörigkeit der Bewohner dieser Gegend zu einer Elite hin. In den Räumen südlich davon wurden einige Bauten aus staufischer Zeit ans Licht gefördert. Insbesondere wurden der Bodenbelag und das südliche Tor, das in dem Gebäude in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts genutzt wurde, gefunden. Der Boden bedeckte eine ältere, abgenutzte Fläche aus der Bauzeit einer Zisterne, die als Abfallgrube genutzt wurde. Es ist somit wahrscheinlich, dass das Gelände in dieser Zeit einer Umwidmung unterzogen wurde, vermutlich zur Sammlung zur Sammlung verschiedener Teile, und so eine neue Räumlichkeit geschaffen wurde, die die kleinen Räume an der Straße einschloss. Die Ausgrabung im Inneren des südwestlichen Raumes zeigte den Fundamentgraben der Umfassungsmauern, die auf gestampftem Mörtelboden ausgeführt wurden, in den zwei Münzen aus der Zeit von Manfred eingelegt waren, was die heute zu sehenden Räume auf die Zeit der Herrschaft des Hauses Anjou datiert und zeigt, dass die kleinen trapezförmigen Räume an der Straßenfront gleichzeitig mit der südlichen Mauer im Saal in der Mitte entstanden sind.
Veranstaltungen
Bis heute haben in dem Gebäude, dem noch keine endgültige Funktion zugewiesen worden ist, verschiedene Vorführungen, Ausstellungen und Veranstaltungen stattgefunden:
- Spot School Award – Mediterranean Creativity Festival, 22.–24. Mai 2014
- La città del benessere, 26.–28. September 2014
- Biennale d’arte contemporanea, vom 11. Oktober 2014 bis 6. Januar 2015
- Spot School Award – Mediterranean Creativity Festival, 28.–30. Mai 2015
- Mulieres – persönlich von Milo Manara (Napoli Comicon), vom 3. Februar bis 1. März 2015
- VinArte, 9.–17. Mai 2015
- Salerno in Fantasy, 3.–5. Juli 2015
- Iconica, vom 21. November 2015 bis 10. Januar 2016
- Face to Face, vom 22. März bis 1. Mai 2016
- Dino Pedriali (Pier Paolo Pasolini – Nostos: Il ritorno) 1975 – 1999, vom 26. Februar bis 16. März 2016
- Arte Salerno, 2.–5. Juni 2016
- Arte Salerno 2017[7], 4.–11. Juni 2017
- L’incredibile Marvel (Napoli Comicon), vom 1. Juli bis 7. August 2016
Einzelnachweise
- ↑ Palazzo Fruscione – l’edificio di età normanna. In: La Città di Salerno. Comune di Salerno, archiviert vom am 12. Januar 2014; abgerufen am 22. August 2025 (italienisch).
- ↑ Palazzo Fruscione. In: Beni Culturali. Abgerufen am 28. Juni 2013 (italienisch).
- ↑ D. Guarino: Palazzo Fruscione, un monumento architettonico del centro storico di Salerno: dalla lettura alla conservazione in Apollo XIII – Bollettino dei Musei Provinciali del Salernitano. Salerno 1997. S. 71–92.
- ↑ Umberto Adimolfi: Palazzo Fruscione, al via il recupero atteso da 42 anni. In: Corriere del Mezzogiorno. 10. September 2009, abgerufen am 22. August 2025 (italienisch).
- ↑ Ristrutturazione Palazzo Fruscione. Comune di Salerno, archiviert vom am 20. Januar 2022; abgerufen am 22. August 2025 (italienisch).
- ↑ Palazzo Fruscione, gli scavi rivelano le terme romane. Comune di Salerno, archiviert vom am 28. September 2013; abgerufen am 26. August 2025 (italienisch).
- ↑ Arte Salerno 2017. Archiviert vom am 12. September 2018; abgerufen am 26. August 2025 (italienisch).
Quellen
- S. de Renzi: Nota sugli avanzi del palazzo di Arechi di Salerno in Storia documentata della Scuola Medica di Salerno. 1857.
- M. de Angelis: La reggia salernitana del longobardo Arechi in Archivio Storico per la Provincia di Salerno. 1933.
- Giorgio Rosi: La reggia normanna di Salerno in Bollettino di Storia d’Arte del Ministero della P.P. 1950.
- D. Guarino: Palazzo Fruscione, un monumento architettonico del centro storico di Salerno, dalla lettura alla conservazione in Apollo. 1997.
- Mario dell’Acqua: Le facciate di Palazzo Fruscione. Note allegate alla relazione del progetto di restauro. 2009.
- R. Fiorillo, C. Lambert: Medioevo letto, scavato, rivalutato. Studio in onore di Paolo Peduto. 2012.
- Mario dell’Acqua: Palazzo Fruscione. Appunti dal cantiere di restauro. Plectica editrice, Salerno. 2014.
Weblinks
- Il Palazzo Fruscione con il campanile della "Chiesa di San Pietro a Corte" di fronte. Comune di Salerno, archiviert vom am 17. Januar 2021; abgerufen am 26. August 2025 (italienisch).
Koordinaten: 40° 40′ 47,3″ N, 14° 45′ 27″ O