Oskar Berggruen

Oskar Berggruen (* 1842 in Ternopil, Kaisertum Österreich; † 25. Oktober 1903 in Paris)[1][2] war ein österreichischer Rechtsanwalt, Kunsthistoriker, Schriftsteller und Librettist.

Leben

Oskar Berggruen wirkte als Advokat in Wien und gehörte zu den Stiftern des im April 1876 in Wien gegründeten und unter der Präsidentschaft von Anton Ritter von Schmerling stehenden Wissenschaftlichen Club.[3] Im Jahr 1878 redigierte Oskar Berggruen in Wien die »Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst« und übernahm 1879 bis 1887 die Redaktion der Zeitschrift »Die Graphischen Künste«.

Er bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins Geburtstag im Februar 1877, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[4] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. Oskar Berggruen wurde er mit dem Zusatz Schriftsteller, Stifter des Wissenschaftlichen Club und der Widmung Dem Erforscher und Bekenner der Wahrheit, Charles Darwin, zu seinem Geburstagsfeste in freudiger Verehrung auf Blatt 7 (Wien II) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[5]

In der Zeit um 1889 zog Oskar Berggruen nach Paris, wo er als Redakteur einer großen Musikzeitung und des politischen Organs Soleil arbeitete. Er verstarb 1903 und wurde auf dem Friedhof Père Lachaise (Division 92) beigesetzt.

Der Kunsthändler Heinz Berggruen war sein Enkel.

Schriften

  • Das Bühnenfestspiel in Bayreuth im Hinblick auf die bildende Kunst. Seemann, Leipzig 1877 (MDZ)
  • Kronprinz-Album, vierundzwanzig Blätter aus dem ihren kaiserlichen Hoheiten Kronprinz Rudolph und Kronprinzessin Stephanie anläßlich ihrer Vermählung am 10. Mai 1881 von Vertretern der kaufmännischen, industriellen und gewerblichen Berufsclassen in Wien dargebrachten Album. Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien 1883 (Digitalisat)
  • Die Galerie Schack. Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. Wien 1883 (Digitalisat)
  • Cavalleria rusticana (Sicilianische Bauernehre), Oper in einem Aufzug. Dem gleichnamigen Volksstück von G. Verga entnommen von Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci. Nach der Deutschen Bearbeitung von Oskar Berggruen für das K. K. Hofoperntheater eingerichtet. Musik von Pietro Mascagni. Eirich, Wien 1891 (Digitalisat)
Commons: Oskar Berggruen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Neue Freie Presse 40/14068 vom 26. Oktober 1903, S. 7 (Digitalisat)
  2. Die Musik, III/1, Heft 4, 1903, S. 296 (archive.org)
  3. Jahresbericht des Wissenschaftlichen Club 1876/77, Selbstverlag, Wien 1877 (MDZ)
  4. Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT
  5. Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)