Niedarzyno

Niedarzyno
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Niedarzyno
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Gmina: Borzytuchom
Geographische Lage: 54° 13′ N, 17° 25′ O
Einwohner:

Niedarzyno (deutsch Meddersin) ist ein Dorf in der Gemeinde Borzytuchom im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage

Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, etwa sechs Kilometer nordnordwestlich der Stadt Bytów, vier Kilometer nordöstlich des Dorfs Borzytuchom und anderthalb Kilometer südöstlich des Dorfs Osieki.

Östlich des Dorfs fließt die Bytowa, die weiter nordwestlich in die Słupia mündet.

Geschichte

Überlieferte Ortsbezeichnungen sind Meddersin (1354, 1355)[1], Medersyn (1387)[2] und Moddersin (1628)[3]. Das Dorf Meddersin erhielt seine Handfeste 1355 vom Deutschen Orden auf Schloss Bütow aus der Hand des Bütower Hauskomturs Niclas von der Frantz auf Geheiß des Hochmeisters Winrich von Kniprode und des Großkomturs Heinrich von Bovenden. Der Orden verlieh darin seinem getreuen Diener Woyrach dreißig Hufen erbliches Siedlungsland zu kulmischem Recht; schon ein Jahr zuvor hatte der Hauskomtur in einer Handfeste den Gebrüdern Nitzalken und Toman die Mühle von Meddersin nebst zwei Morgen Land verschrieben.[1] Den Dorfbewohnern war vom Orden auferlegt, in den benachbarten Ordensdomänen jährlich einen Morgen Gras zu mähen und das daraus gewonnene Heu einzubringen.[4]

Nach der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 wurde die Starostei, zu der Meddersin zwischenzeitlich gehört hatte, in das Domänenamt Bütow umgewandelt. Das Amtsdorf hatte unter Kriegswirren gelitten: Zuvor hatte es in Meddersin einen Freischulzen-Hof, zehn Bauernhöfe, zwei Ketner (Kesselflicker) und einen Müller gegeben. Während des Dreißigjährigen Kriegs waren bereits drei Bauernhöfe von den Kaiserlichen ruiniert worden. Seit dem neuesten Krieg lagen zwei weitere Gehöfte sowie die Gärtnerei wüst.[5] Um 1782 hatte Meddersin an landwirtschaftlichen Betrieben einen Freischulzen-Hof, neun Bauernhöfe, einen Halbbauern und drei Kossäten.[6]

Um im Bütow-Tal die landwirtschaftliche Nutzbarkeit der am linken Ufer der Bütow auf den Feldfluren der Stadt Bütow sowie der Dörfer Gramenz und Meddersin gelegenen Wiesengrundstücke durch Be- und Entwässerung zu verbessern, schlossen sich die beteiligten Besitzer von Wiesengrundstücken am 12. April 1869 zur Genossenschaft zur Melioration der Wiesen des Bütow-Tals zusammen.[7]

Als Besitzer des 236,93 Hektar großen Guts im Dorf, das keine Rittergutsqualität hatte, wird um 1884[8] und 1892 Theodor Rieck genannt.[9]

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 888,0 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Meddersin 60 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 73 Pferde, 260 Stück Rindvieh, neun Schafe und 317 Stück Borstenvieh hielten.[10]

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Meddersin eine Flächengröße von 8,9 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen, wo Meddersin der einzige Wohnplatz war, standen insgesamt 47 bewohnte Wohnhäuser.[11] Um 1935 hatte Meddersin unter anderem eine Mühle und zwei Tischlereien.[12]

Bis 1945 bildete Meddersin eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Meddersin war Sitz des Amtsbezirks Meddersin. Das Standesamt befand sich in Meddersin.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Meddersin zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die einheimischen Dorfbewohner wurden in der Folgezeit von der polnischen Administration aus Meddersin vertrieben. Der Ortsname Meddersin wurde zu „Niedarzyno“ polonisiert.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 Dorf, mit einem Freischulzen-Hof, neun Bauernhöfen, einem Halbbauern, drei Kossäten, einem Schmied, einem lutherischen Schulmeister, elf Feuerstellen (Haushaltungen) und verschiedenen kleinen Seen, eingepfarrt zu Bütow[6]
1818 217 Dorf und Wassermühle, königliche Besitzung, eingepfarrt zu Bütow[13][14]
1852 316 Dorf[15]
1855 320 am Jahresende, darunter zwei Katholiken[16]
1864 386 am 3. Dezember, Gemeindebezirk[17]
1867 400 am 3. Dezember, Gemeindebezirk[18]
1871 435 am 1. Dezember, Gemeindebezirk ,davon 414 Evangelische, 19 Katholiken und zwei sonstige Christen[18]
1885 368 am 1. Dezember, Gemeindebezirk, davon 366 Evangelische und zwei Katholiken[19]
1895 325 am 2. Dezember, Gemeindebezirk, davon 322 Evangelische und drei Katholiken[20]
1910 316 am 1. Dezember, Dorf[21]
1925 369 Landgemeinde, in ?1 Haushaltungen, darunter 364 Evangelische und ein Katholik[11]
1933 314 [22]
1939 278 [22]

Kirche

Kirchspiel bis 1945

In Meddersin stellten evangelische Christen die Bevölkerungsmehrheit. Diese waren nach Bütow eingepfarrt.

Das katholische Kirchspiel war ebenfalls in Bütow.

Polnisches Kirchspiel seit 1945

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Literatur

  • Meddersin, Dorf mit Gut, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org).
  • Meddersin, Forsthaus, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Meddersin (meyersgaz.org).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1057, Ziffer (20) (Google Books).
  • P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 18–19 (Google Books).
  • Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).

Fußnoten

  1. a b Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Band 2: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 192–194 (Google Books).
  2. Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Meddersin (buetow-pommern.info)
  3. Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 259 (Google Books).
  4. Wilhelm von Brünneck: Zur Geschichte des Grundeigenthums in Ost- und Westpreußen, Teil I: Die kölmischen Güter, Berlin 1891, S. 58 (Google Books).
  5. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, E. J. Dalkowski, Königsberg 1858, Band 1: Die Geschichte, Anhang S. 29, Nr. 14 (Google Books).
  6. a b Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1057, Ziffer (20) (Google Books).
  7. Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten. 1869. Berlin 1869, S. 643–647 (Google Books).
  8. P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 20–21 (Google Books).
  9. Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).
  10. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 29 (Google Books).
  11. a b Die Gemeinde Meddersin im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
  12. Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1073 (Google Books).
  13. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 180, Ziffer 1017 (Google Books).
  14. Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 286, Ziffer 17 (Google Books).
  15. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 383 (Google Books).
  16. Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 41 (Google Books)
  17. Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 33 (Google Books).
  18. a b Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 174–175, Ziffer 21 (Google Books).
  19. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 192–193, Ziffer 29 (Google Books).
  20. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 198–199, Ziffer 29 (Google Books).
  21. Meddersin, Dorf mit Gut, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org).
  22. a b Michael Rademacher: Provinz Pommern – Landkreis Bütow. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.