Osieki (Borzytuchom)
| Osieki | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
| |
| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Powiat: | Bytów | |
| Gmina: | Borzytuchom | |
| Geographische Lage: | 54° 14′ N, 17° 24′ O | |
| Einwohner: | ||
Osieki (deutsch Wusseken, früher Wussecken) ist ein Dorf in der Gemeinde Borzytuchom im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.
Geographische Lage
Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, etwa sieben Kilometer nordwestlich der Stadt Bytów und 1,5 Kilometer nordwestlich des Dorfs Niedarzyno.
Es befindet sich auf einer Anhöhe am sogenannten Großen See. Aus dem See fließt der Dickbach, der weiter nördlich in die Bytowa mündet.
Geschichte
Das Dorf Wusseken, eine Gründung des Deutschen Ordens, erhielt seine Handfeste 1355 auf dem Schloss Bütow aus der Hand des Bütower Hauskomturs Niclas von der Frantz auf Geheiß des Hochmeisters Winrich von Kniprode und des Großkomturs Heinrich von Bovenden. Der Orden verlieh darin seinem getreuen Diener Wenikow vierzig Hufen erbliches Siedlungsland zu kulmischem Recht mit der Auflage, ihm dafür mit einem Pferd zu dienen.[1] Nach der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 wurde die Starostei, zu der Wusseken zwischenzeitlich gehört hatte, in das Domänenamt Bütow umgewandelt. Vorwerk und Dorf Wusseken waren durch Kriegseinwirkung in Mitleidenschaft gezogen worden: Im Gutsbezirk, in dem es zuvor 60 Stück Rindvieh und eine Schäferei mit 1500 Schafen gegeben hatte, war kein Vieh mehr vorhanden, und im Dorf waren von den neun Bauernhöfen acht zerstört worden.[2]
Um 1782 hatte Wusseken an landwirtschaftlichen Betrieben unter anderem ein Vorwerk, einen Freischulzenhof und sechs Bauernhöfe; auf dem Vorwerk, das 1145 Morgen und 30 Ruten Land umfasste, waren sechs Bauern und zwei Kossäten aus Wusseken, zehn Bauern aus Kroßnow und vier Bauern aus Morgenstern dienstpflichtig.[3] Das Gut Adelig Wusseken kauften Wusseker Bauern durch einen Vertrag vom 20. Dezember 1819 für 17.526 Reichstaler vom Fiskus und verkauften es laut Vertrag vom 6. Februar 1821 für 15.875 Reichstaler an Ludwig Kratz, von dem es laut Vertrag vom 16. August 1853 für 37.000 Reichstaler ohne Inventar Ernst Friedrich Schimmelpfennig käuflich erwarb.[4] Letzterer ist im Verzeichnis der Pommerschen Ritterschaft vom 1. Januar 1862 als Besitzer des Guts Wusseken genannt.[5] Im Besitz der Familie Schimmelpfennig befand sich das Gut auch noch 1884[6] und 1892.[7]
Im Jahr 1886 verkaufte der königliche Domänenfiskus den 30,695 Hektar umfassenden Großen See bei Wusseken an den Besitzer Carl Biastock in Königlich Wusseken.[8]
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 764,0 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Königlich Wusseken 29 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 29 Pferde, 138 Stück Rindvieh, 13 Schafe und 204 Stück Borstenvieh hielten, und in dem 463,4 Hektar umfassenden Gutsbezirk Adlig Wusseken 14 viehhaltende Haushaltungen, die zusammen 35 Pferde, 119 Stück Rindvieh, ein Schaf und 49 Stück Borstenvieh hielten.[9]
Am 30. September 1928 wurden der Gutsbezirks Adlig Wusseken in die Landgemeinde Königlich Wusseken eingegliedert und die Landgemeinde Königlich Wusseken in Wusseken umbenannt.[10] Am 1. Januar 1929 wurde der Forstgutsbezirk Taubenberg aus dem Amtsbezirk Borntuchen teilweise in die Landgemeinde Wusseken eingegliedert.[10]
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Wusseken eine Flächengröße von 18,8 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 43 bewohnte Wohnhäuser an zwei verschiedenen Wohnplätzen:[11]
- Forsthaus Wusseken
- Wusseken
Um 1935 hatte Wusseken unter anderem einen Gasthof, einen Gemischtwarenladen und eine Zimmerei-Werkstatt.[12] Das Gut Adelig Wusseken befand sich im Jahr 1944 im Besitz der Familie Becker, aus der 1925 und 1938 Walter Becker als Gutsbesitzer genannt worden war.[13]
Bis 1945 bildete Wusseken eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Wusseken war dem Amtsbezirk Meddersin zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Meddersin.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Wusseken zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die einheimischen Dorfbewohner wurden in der Folgezeit von der polnischen Administration aus Wusseken vertrieben. Der Ortsname Wusseken wurde zu „Osieki“ polonisiert.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1782 | – | Dorf, mit einem Vorwerk, einem Freischulzen-Hof, sechs Bauernhöfen, einem Kossäten, einem lutherischen Schulmeister, zwei Vorwerkskaten, einem Freischulzenkaten, 19 Feuerstellen (Haushaltungen), eingepfarrt zu Bütow[3] |
| 1818 | 221 | davon 214 im königlichen Dorf und Vorwerk und sieben in der königlichen Försterei, zum Kirchspiel Bütow gehörig[14][15] |
| 1852 | 311 | Dorf, mit der Kolonie Kamenzin[16] |
| 1855 | 349 | am Jahresende, davon 252 (244 Evangelische, acht Katholiken) in Königlich Wusseken und 97 (sämtlich Evangelische) in Adelig Wusseken[17] |
| 1864 | 393 | am 3. Dezember, davon 319 in Königlich Wusseken und 74 in Adelig Wusseken[18] |
| 1867 | 388 | am 3. Dezember, davon 290 in Königlich Wusseken und 98 in Adelig Wusseken[19] |
| 1871 | 364 | am 1. Dezember, davon 256 (255 Evangelische, ein Katholik) in Königlich Wusseken und 108 (sämtlich Evangelische) in Adelig Wusseken[19] |
| 1885 | 375 | am 1. Dezember, davon 259 (sämtlich Evangelische) in Königlich Wusseken und 116 (sämtlich Evangelische) in Adelig Wusseken[20] |
| 1895 | 346 | am 2. Dezember, davon 239 (236 Evangelische, drei Katholiken) in Königlich Wusseken und 107 (sämtlich Evangelische) in Adelig Wusseken[21] |
| 1910 | 334 | am 1. Dezember, davon 208 im Dorf und 126 im Gutsbezirk[22] |
| 1925 | 377 | Landgemeinde, in 77 Haushaltungen, darunter 335 Evangelische und 41 Katholiken[11] |
| 1933 | 347 | [23] |
| 1939 | 283 | [23] |
Kirche
Kirchspiel bis 1945
In Wusseken stellten evangelische Christen die Bevölkerungsmehrheit. Diese waren nach Bütow eingepfarrt.
Das katholische Kirchspiel war in Bütow.
Polnisches Kirchspiel seit 1945
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an. Das polnische katholische Kirchspiel ist in Bütow.
Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.
Literatur
- Wusseken, Dorf (Königlich) und Rittergut (Adlig), Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org).
- Wusseken, Forsthaus, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Wusseken (meyersgaz.org).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1060, Ziffer (36) (Google Books), und S. 1061, Ziffer (5) (Google Books).
- P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 20–21 (Google Books).
- Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).
Weblinks
- Amtsbezirk Meddersin (Territorial.de)
- Die Gemeinde Wusseken im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Wusseken (buetow-pommern.info)
Fußnoten
- ↑ Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 194–195 (Google Books).
- ↑ Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, E. J. Dalkowski, Königsberg 1858, Band 1: Die Geschichte, Anhang S. 25, Nr. 3 (Google Books), und Anhang S. 29, Nr. 15 (Google Books).
- ↑ a b Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1060, Ziffer (36) (Google Books), und S. 1061, Ziffer (5) (Google Books).
- ↑ Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Druck von B. Lilienthal, Bütow 1858, S. 121 (Google Books)-
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 570, Ziffer 60 (Google Books).
- ↑ P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 20–21 (Google Books).
- ↑ Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).
- ↑ Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Cöslin, Stück 9, Cöslin, 4. März 1886, S. 45 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 43 und Ziffer 59 (Google Books).
- ↑ a b Amtsbezirk Meddersin (Territorial.de)
- ↑ a b Die Gemeinde Wusseken im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- ↑ Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1183 (Google Books).
- ↑ Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Wusseken (buetow-pommern.info)
- ↑ Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 199, Ziffer 4204–4205 (Google Books).
- ↑ Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 287, Ziffer 32 (Google Books).
- ↑ Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 696 (Google Books).
- ↑ Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 54–55 (Google Books)
- ↑ Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 10–17, Ziffer 60–61 (Google Books).
- ↑ a b Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 174–175, Ziffer 39 (Google Books), und S. 176–177, Ziffer 62 (Google Books).
- ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 192–193, Ziffer 43 (Google Books), und S. 192–193, Ziffer 61 (Google Books).
- ↑ Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 198–199, Ziffer 43 (Google Books), und S. 198–199, Ziffer 61 (Google Books).
- ↑ Wusseken, Dorf (Königlich) und Rittergut (Adlig), Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org).
- ↑ a b Michael Rademacher: Provinz Pommern – Landkreis Bütow. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.