Borzytuchom

Borzytuchom
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Borzytuchom
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Gmina: Borzytuchom
Geographische Lage: 54° 12′ N, 17° 22′ O
Einwohner:

Borzytuchom (deutsch Borntuchen) ist eine Ortschaft in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie gehört zur Gmina Borzytuchom im Powiat Bytowski.

Geographische Lage

Die Ortschaft liegt in Hinterpommern, am Großen Borntuchener See, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Stettin und neun Kilometer westnordwestlich der Kreisstadt Bytów.

Bei dem Dorf fließt dem Großen See ein Bach zu, der am Westufer wieder abfließt und weiter nordwestlich in die Kamionka mündet.

Geschichte

Ältere Ortsbezeichnungen sind Bornsamtuchem (1350),[1] Bornsamtuchina (1355),[2] Bornetuchem (1445)[3] und Bornetuchen (1607).[4] Auf der Lubinschen Karte von 1618 ist das Dorf unter dem Namen Born Tuchen verzeichnet.

Nach der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 wurde die Starostei, zu der Borntuchen zwischenzeitlich gehört hatte, in das Domänenamt Bütow umgewandelt. Das Dorf war durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden: Zuvor hatte es einen Freischulzen-Hof, zwei Halbschulzen, zwölf Bauernhöfe, zwei Priesterbauen, vier Ketner (Kesselflicker) und einen Krüger gehabt; acht Bauernhöfe waren im Krieg völlig verwüstet worden.[5]

Das ehemalige Amtsdorf Borntuchen des königlichen Amtes Bütow hatte um 1782 einen Freischulzenhof, zwei Halbschulzenhöfe, den von allen Abgaben befreiten Jannewitzschen Hof, neun Bauernstellen, drei Freischulzenkaten, fünf Kossäten, zwei Büdner, einen Oberförster, einen Krüger, einen Schmied, einen lutherischen Prediger, einen lutherischen Küster, ein lutherisches Bethaus, einen römisch-katholischen Küster, drei katholische Priestercolonen, eine katholische Mutterkirche und 36 Feuerstellen (Haushaltungen).[6]

Borntuchen war früher Stammsitz eines evangelischen Zweigs der alten pommerellischen Familie Wrycz-Rekowski.[7]

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Borntuchen eine Flächengröße von 18,9 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 95 bewohnte Wohnhäuser an drei verschiedenen Wohnstätten:[8]

  1. Bahnhof Borntuchen
  2. Borntuchen
  3. Waldarbeitergehöft Abbau Morgenstern

Um 1935 hatte Borntuchen unter anderem einen Gasthof, zwei Niederlassungen von Spar- und Darlehnskassen, zwei Gemischtwarenläden, eine Molkerei, zwei Schmieden, ein Stellmacherei, zwei Tischlereien, eine Möbelfabrik und eine Pferdehandlung.[9] Im Jahre 1925 hatte die Gemeinde Borntuchen 706 Einwohner,[8] 1939 wurden 647 Einwohner gezählt.[10]

Bis 1945 bildete Borntuchen eine Landgemeinde im Kreis Bütow der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Borntuchen war Sitz des Amtsbezirks Borntuchen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Borntuchen im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde Borntuchen zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach kamen Polen in das Dorf, von denen die einheimischen Dorfbewohner aus ihren Häusern und Wohnungen gedrängt wurden. Für Borntuchen wurde von der polnischen Administration die polonisierte Ortsbezeichnung ‚Borzytuchom‘ eingeführt. Die einheimischen Dorfbewohner wurden in der Folgezeit von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Borntuchen vertrieben.

Kirche

Dorfkirche

Das evangelische Bethaus war ein neueres Gebäude ohne Turm. Der Glockenstuhl, in dem zwei Glocken aufgehängt waren, stand neben dem Bethaus.

Das evangelische Bethaus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der polnischen Administration zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet und vom polnischen katholischen Klerus ‚neu geweiht‘.

Kirchspiel bis 1945

Die vor 1945 hier lebenden Dorfbewohner waren mit wenigen Ausnahmen Evangelische (Angehörige der Landeskirche) und gehörten zum Kirchspiel Borntuchen. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1758 zurück.[11]

Das katholische Kirchspiel war in Bütow.

Polnisches Kirchspiel seit 1945

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch. Das polnische katholische Kirchspiel ist in Borntuchen.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Verkehr

Zwischen 1884 und 1993 war der Ort Bahnstation an der jetzt stillgelegten Bahnstrecke Lipusz–Korzybie (Lippusch – Zollbrück).

Literatur

  • Borntuchen, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Borntuchen (meyersgaz.org)
  • Borntuchen, Oberförsterei, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1054, Ziffer (2) (Google Books).
  • Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 92–93 (Google Books).
  • Ulrich Hermann Otto Bublitz: Chronik der Kirche zu Borntuchen, Bütow 1905 (digitale-bibliothek-mv.de) (Rezension).
  • Gerhard Bronisch, Walter Ohle, Hans Teichmüller: Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern. Kreis Bütow. L. Saunier, Stettin 1938, S. 182–185 (PDF; 40 MB bei Bałtycka Biblioteka Cyfrowa).
Commons: Borzytuchom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 180 (Google Books).
  2. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 194–195 (Google Books).
  3. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 200–201 (Google Books).
  4. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 181 (Google Books).
  5. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, E. J. Dalkowski, Königsberg 1858, Band 1: Die Geschichte, Anhang S. 29–30, Nr. 20 (Google Books).
  6. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1054, Ziffer (2) (Google Books).
  7. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser: zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft, Teil B, 34. Jahrgang, Perthes, Gotha 1942, S. 427–430 (Google Books).
  8. a b Die Gemeinde Borntuchen im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
  9. Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 996 (Google Books).
  10. Michael Rademacher: Provinz Pommern – Landkreis Bütow. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  11. Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 220 (Google Books).