NBR-Klasse S

NBR-Klasse S
LNER-Klasse J37
NBR-Klasse S Nr. 473 als BR Nr. 64599 (1965)
Nummerierung: NBR: verschiedene
LNER: 4536–4639
BR: 64536–64639
Anzahl: 104
Hersteller: Cowlairs Works (35)
NBL (69)
Baujahr(e): 1914–1921
Ausmusterung: 1959–1966
Bauart: C h2
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 16 600 mm
Kuppelachsradstand: 5200 mm
Radstand mit Tender: 12 200 mm
Dienstmasse: 55,6 t
Dienstmasse mit Tender: 97,2 t
Radsatzfahrmasse: 20,6 t
ab ca. 1930: 21,5 t
Anfahrzugkraft: 112 kN
Kuppelraddurchmesser: 1524 mm (5 ft)
Steuerungsart: Stephenson
Zylinderanzahl: 2 (innen)
Zylinderdurchmesser: 495 mm (19 ½ in)
Kolbenhub: 660 mm (26 in)
Kessel: LNER Nr. 77
Kesselüberdruck: 12,1 bar
ab 1919: 12,4 bar
Rostfläche: 1,8 m²
Strahlungsheizfläche: 13,8 m²
Rohrheizfläche: 101,0 m²
Überhitzerfläche: 16,4 m²
Verdampfungsheizfläche: 114,9 m²
Tender: 3-Achs‑Tender (NBR-Standard)
Leermasse des Tenders: 41,6 t
Wasservorrat: 15,9 m³
Brennstoffvorrat: 7 t Kohle
Konstrukteur: William P. Reid
Heißdampfversion der NBR-Klasse B
Quellen der technischen Daten:[1][2]

Die Klasse S war eine Baureihe von Dampflokomotiven mit Schlepptender der North British Railway (NBR). Die zwischen 1914 und 1921 gebauten Maschinen wurden von William P. Reid entworfen und bildeten die letzte Entwicklungsstufe von Lokomotiven mit drei Kuppelradsätzen für den Einsatz im schweren Güterverkehr. Nach der Grouping‑Reform von 1923 wurden sie von der London and North Eastern Railway (LNER) als Klasse J37 übernommen. Bei British Railways wurden die Lokomotiven der Leistungsklasse 5F zugewiesen.

Geschichte

Bau

Reids Vorgänger Matthew Holmes hatte mit der NBR-Klasse C bereits erfolgreiche Güterzuglokomotiven mit drei Kuppelradsätzen geschaffen. William P. Reid entwickelte daraus die stärkere Version der NBR-Klasse B, die erstmals 1906 gebaut wurde. Nach 76 Lokomotiven, die bei der LNER als Klasse J35 eingeordnet wurden, beschloss die NBR eine Heißdampfvariante zu bauen.

Zwischen 1914 und 1915 wurden zunächst drei Serien zu je fünf Lokomotiven in den bahneigenen Cowlairs Works gefertigt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs folgte eine Erweiterung der Baureihe: Im Jahr 1919 stellte die North British Locomotive Company (NBL) 20 weitere Maschinen her, gefolgt von 15 weiteren Exemplaren im Jahr 1920. Zusätzlich produzierte Cowlairs nach Kriegsende nochmals 20 Lokomotiven. Insgesamt umfasste die Klasse damit 104 Fahrzeuge.

Die Lokomotiven wurden ab 1914 noch als Klasse B gebaut. Zwanzig Lokomotiven aus den Baujahren 1919 und 1920 erhielten Kessel mit einem von 175 psi auf 180 psi (12,1 bar auf: 12,4 bar) erhöhten Druck, die der Klasse S zugewiesen wurden. Die NBR rüstete später vorübergehend auch einige ursprüngliche B-Maschinen mit dem Kessel der S-Klasse um.

Betrieb

Die Maschinen der S‑Klasse galten als robust, zugkräftig und zuverlässig. Sie wurden auf nahezu allen Hauptstrecken der North British Railway eingesetzt und übernahmen vor allem schwere Ferngüterzügen im Kohle‑ und Erzverkehr sowie Durchgangsleistungen bis nach Newcastle. In Schottland waren sie vor allem auf den Strecken GlasgowAberdeen und CarlisleDundee sowie auf dem Streckenteil nach Mallaig der West Highland Line anzutreffen. Während des Ersten Weltkriegs waren viele Lokomotiven vor den schweren militärischen Nachschubzügen eingesetzt.[3.1]

Nach der Zusammenlegung der britischen Bahnen im Jahr 1923 gingen alle Lokomotiven an die LNER, die sie einheitlich mit 12,4‑bar‑Kesseln ausstattete und als Baureihe J37 klassifizierte. Fortan wurden sie auch südlich von Schottland von den Depots in Berwick und Newcastle eingesetzt. Eine Lokomotive war sogar in East Anglia unterwegs. Neben Güterzügen wurden die Lokomotiven auch auf Sommerausflugs- und Hilfszügen eingesetzt.[3.2]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die J37 von Nordostengland zurück nach Schottland verlegt. Etwa zur gleichen Zeit wurden viele J37 in Depots auf dem Land verlegt. Aberdeen und Carlisle verloren alle ihre J37, aber Stirling und Bathgate erhielten sie zum ersten Mal.[1]

Bis zur Verstaatlichung 1948 waren noch alle Maschinen im Einsatz.[4.1] British Rail verlegte eine Reihe von ihnen in ehemalige Depots der London, Midland and Scottish Railway (LMS). Diese Depots setzten sie in der Regel für Güterzüge und gelegentlich für Personenzüge nach Carstairs ein. Bei Einsätzen auf den ehemaligen LMS-Strecken neigten die Treibstangenlager heiß zu laufen – etwas, das bei ihren LNER-Einsätzen kein Problem gewesen war. Im Bereich der ehemaligen North British Railway wurden die J37 den lokalen Montanverkehr verwendet, obwohl sie in den 1950er Jahren gelegentlich auch im Personenverkehr zum Einsatz kamen.[1]

Ausmusterung

Die ersten drei J37 wurden erst 1959 ausgemustert, der Großteil folgte 1962 und 1963.[4.1] Die letzten vier J37 waren dem Depot Dundee West zugeteilt und wurden im April 1967 ausgemustert. Sie gehörten zu den letzten Lokomotiven aus der Zeit vor dem Zusammenschluss der britischen Bahnen zu den vier großen Gesellschaften.[3.2] Zuletzt wurden sie noch vor Lokalgüterzügen und Kohlezügen in Fife und Lothian eingesetzt.[1] Keine Lokomotive blieb erhalten.

Nummerierung

Bei der North British Railway wurden neue Nummernblöcke nur vergeben, wenn der gesamte Lokomotivbestand vergrößert wurde. Lokomotiven, die ausgemusterte Maschinen ersetzten, erhielten die Nummer der ausgemusterten Lokomotive. Somit trugen die Lokomotiven der Klasse S die folgenden Nummern bei der Ablieferung, die keinen Rückschluss auf die Lieferreihenfolge der Lokomotiven zuließ:

  • 8, 13, 33, 44, 46, 62, 72–73, 84, 88–89, 98, 101, 103–105, 109–111, 113, 123, 128, 136, 139, 143, 151, 157–158, 161–162, 167, 171, 175, 222, 255, 260–261, 263, 272–274, 292, 295–297, 299–306, 313–315, 401–403, 429–437, 454–473, 476–480, 485–489, 491, 506–508, 517–518.

Bei der LNER behielten die Lokomotiven der J37-Klasse ihre ursprüngliche NBR-Nummer, erhielten jedoch zusätzlich die Zahl 9000 hinzugefügt.

  • 9008, 9013, 9033, 9044, 9046, 9062, 9072–9073, 9084, 9088–9089, 9098, 9101, 9103–9105, 9109–9111, 9113, 9123, 9128, 9136, 9139, 9143, 9151, 9157–9158, 9161–9162, 9167, 9171, 9175, 9222, 9255, 9260–9261, 9263, 9272–9274, 9292, 9295–9297, 9299–9306, 9313–9315, 9401–9403, 9429–9437, 9454–9473, 9476–9480, 9485–9489, 9491, 9506–9508, 9517–9518

Nach der 1924 von der LNER vorgenommenen Umnummerierung erhielten die Lokomotiven einen zusammenhängenden Nummernblock, wobei die Nummern der Reihenfolge ihrer Auslieferung entsprachen.

  • 4536–4639

Nach der Übernahme durch die BR behielten die Lokomotiven ihre LNER-Nummern bei, jedoch wurde die Zahl 60000 hinzugefügt.

Technik

Die Schlepptenderlokomotiven der Klasse S waren typische britische Güterzugmaschinen des frühen 20. Jahrhunderts. Sie besaßen drei Kuppelachsen, ein Innentriebwerk mit zwei Zylindern und eine Stephenson-Steuerung. Der Treibraddurchmesser betrug 5 ft (1524 mm). Sie unterschieden sich von der ursprünglichen B-Klasse durch den Heißdampfkessel in etwas höherer Kessellage, Kolbenschieber bei allen Lokomotiven und Zylinder mit einem Durchmesser von 19 ½ statt 18 ½ in (495 mm statt 470 mm).[3.1]

Die ursprünglichen Kessel arbeiteten mit 175 psi (12,1 bar), bei der LNER wurde der Druck auf 180 psi (12,4 bar) erhöht. Die ersten zehn Lokomotiven waren mit Schmidt-Überhitzer ausgestattet, alle weiteren mit Robinson-Überhitzer. Im Laufe der Revisionen wurden jedoch alle Lokomotiven mit Robinson-Überhitzern versehen. Die Anfahrzugkraft betrug 112 kN, womit die S‑Klasse zu den stärksten Güterzuglokomotiven mit drei Kuppelradsätzen in Schottland gehörte.

Um die Achslastverteilung und damit die Fahreigenschaften im Einsatz vor Ferngüterzügen zu verbessern, wurden zwischen 1927 und 1938 verschiedene Versuche unternommen, das Gewicht auf der Vorderachse zu verringern. Ein früher Ansatz war, ein Zusatzgewicht am Kupplungskasten zum Tender anzubringen, was jedoch vermutlich zu einer Überhitzung der hinteren Achslager führte. Schließlich gelang eine ausgewogene Achslastverteilung, bei der die Lasten auf den Endachsen reduziert, die Achslast der Mittelachse jedoch auf 21,5 t erhöht wurde.[3.2][1]

Vergleich der NBR-Klassen C, B und S

Alle Lokomotiven hatten Stephenson-Steuerung und 26 in (660 mm) Kolbenhub.

Merkmal Klasse C (J36) Klasse B (J35) Klasse S (J37)
Konstrukteur Matthew Holmes W. P. Reid W. P. Reid
Baujahre 1888–1901 1906–1913 1914–1921
Anzahl gebaut 168 + 32 Umbauten 76 104
Kesseldruck 140–150 psi
9,7–10,3 bar
165 psi
11,4 bar
175 psi (ab 1919: 180 psi)
12,1 bar (ab 1919: 12,4 bar)
Zylinderdimensionen 18 × 26 in
(457 × 660 mm)
18 ½ × 26 in
(470 × 660 mm)
19 ½ × 26 in
(495 × 660 mm)
Schieberbauart Flachschieber Flach- oder
Kolbenschieber
(je nach Unterserie)
Kolbenschieber
Überhitzer erst ab 1913/23 erst ab 1923 ab Werk
Zugkraft 88 kN 98 kN 112 kN
Dienstmasse ca. 49–50 t 51,8 t 55,6 t
Leistungsklasse LNER 3F 3F 5F
Leistungsklasse BR 3F 4F 5F

Literatur

  • William Adams: Locomotives we have lost. OPC, Addlestone, Surrey 2015, ISBN 978-0-86093-667-1, S. 197–198 (archive.org [abgerufen am 7. Januar 2026]).
Commons: NBR S Class / LNER Class J37 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Richard Marsden: The Reid J37 (NBR Class S) 0-6-0 Locomotives. In: LNER Encyclopedia. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  2. 0-6-0 Steam Locomotives in Great Britain: North British. In: steamlocomotive.com. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch, Enthält technische Daten zur NBR S Class / LNER J37 (Locobase 9063)).
  3. William Adams: Locomotives we have lost. OPC, Addlestone, Surrey 2015, ISBN 978-0-86093-667-1 (archive.org [abgerufen am 7. Januar 2026]).
    1. a b S. 197
    2. a b c S. 198
  4. NBR/LNER Reid "J37" Class 0-6-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
    1. a b c Fleet