Matthew Holmes (Ingenieur)
Matthew Holmes (* 1844 in Paisley; † 3. Juli 1903 in Lenzie) war ein schottischer Lokomotivkonstrukteur und von 1882 bis 1903 Locomotive Superintendent der North British Railway (NBR). Er prägte über zwei Jahrzehnte die Entwicklung der NBR‑Lokomotiven und führte mehrere Baureihen ein, die bis in die Zeit der British Railways (BR) im Einsatz blieben.[1]
Leben
Matthew Holmes wurde 1844 in Paisley geboren. Sein Vater arbeitete als Vorarbeiter im Depot Haymarket der Edinburgh and Glasgow Railway (E&GR) in Edinburgh. Matthew absolvierte seine technische Ausbildung bei Hawthorns and Co. in Leith, einem Stadtteil von Edinburgh. 1859 trat er in die Fußstapfen seines Vaters und nahm eine Stelle bei der E&GR an. 1865 übernahm die North British Railway (NBR) die Edinburgh and Glasgow Railway und Holmes wechselte damit zur NBR. 1875 wurde er Chefinspektor der NBR und zum Assistenten von Dugald Drummond in den Cowlairs Works ernannt. Dank seiner Verdienste trat Holmes im Jahr 1882 die Nachfolge von Drummond als Locomotive Superintendent der NBR an,[2] nachdem dieser zur Konkurrenz, der Caledonian Railway, gewechselt war. Holmes trat 1903 in den Ruhestand aufgrund von Herzproblemen und lebte anschließend in Lenzie, wo er im selben Jahr starb.[1]
Tätigkeit bei der North British Railway
Während seiner Amtszeit modernisierte Holmes den Lokomotivpark der NBR und setzte auf durchdachte Weiterentwicklungen bestehender Modelle. Seine Konstruktionen waren bekannt für einfache Wartung und robuste Bauweise. Er war länger Vorsitzender der Cowlairs Works als jeder seiner Vorgänger und schuf die bekanntesten Lokomotivklasse der NBR.[1][3] Zu den von ihm entworfenen Baureihen zählen:
- NBR-Klasse D (1883) (ab 1923 LNER-Klasse J33), Güterzuglokomotive mit drei Kuppelachsen, Baujahre 1883–1887
- NBR-Klassen 574, 633 und 729, American-Schnellzuglokomotiven, Baujahre 1884–1899 (später von Reid zur NBR-Klasse M)
- NBR-Klasse N (ab 1923 LNER-Klassen D25 und D35), American-Schnellzuglokomotive, Baujahre 1886–1896
- NBR-Klasse C (ab 1923 LNER-Klasse J36), Güterzuglokomotive mit drei Kuppelachsen, Baujahre 1888–1901, bis 1967 im Einsatz
- NBR-Klasse E (ab 1923 LNER-Klasse J84), Satteltanklokomotive mit drei Kuppelachsen aus Umbau, Umbau 1889–1895
- NBR-Klasse L (ab 1923 LNER-Klasse D36), American-Schnellzuglokomotive, Baujahr 1894
- NBR-Klasse D (1901) (ab 1923 LNER-Klasse J83), Tenderlokomotive mit drei Kuppelachsen, 1901
- NBR-Klasse K (ab 1923 LNER-Klasse D26), American-Schnellzuglokomotive, Baujahr 1903
- NBR-Klasse H (ab 1923 LNER-Klasse C10 und C11), Atlantic-Schnellzuglokomotive, Baujahre 1906–1921[4]
Holmes führte zudem organisatorische Verbesserungen in den Werkstätten von Cowlairs und St Margaret’s Works ein, darunter die Vereinheitlichung von Ersatzteilen und Kesselbauformen.
Viele seiner Lokomotiven blieben nach der 1923 durchgeführten Bildung der vier großen Eisenbahngesellschaften unter der LNER im Einsatz. Besonders die J36‑Klasse erreichte eine lange Einsatzdauer und ist durch mindestens ein erhaltenes Exemplar vertreten. Holmes gilt als einer der prägenden Konstrukteure der NBR im späten 19. Jahrhundert.
Siehe auch
Literatur
- Ben Webb: Locomotive Engineers of the LNER. Ian Allen, London 1946, S. 54.
Weblinks
- Matthew Holmes. In: SteamIndex. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- Matthew Holmes. In: LNER Encyclopedia. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- Matthew Holmes. In: Graces Guide. Archiviert vom am 19. Dezember 2025; abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b c Matthew Holmes. In: SteamIndex. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Matthew Holmes. In: Graces Guide. Archiviert vom am 19. Dezember 2025; abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Matthew Holmes. In: LNER Encyclopedia. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Chief Mechanical Engineers. In: BR Database. Abgerufen am 7. Januar 2026.