Musikjahr 1443
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Weitere Ereignisse
Musikjahr 1443
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| An der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen (hier zu sehen auf einem Gemälde von David Roberts) wirken im Jahr 1443 die Komponisten Johannes Pullois, Johannes Ockeghem und wahrscheinlich auch Johannes Legrant und Johannes Martini. |
Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1443.
Ereignisse
Heiliges Römisches Reich
Freie Reichsstadt Nürnberg
- Der Orgelbauer Heinrich Traxdorf aus Mainz baut in den Jahren 1440 bis 1443 drei Orgeln in Nürnberg: die große Orgel von St. Sebald, deren Prospekt 1945 zerstört wird, und zwei kleine Orgeln für die Frauenkirche.[1][2]
- Der Spengler und Meistersinger Konrad Vogelsang wird 1436 in Nürnberg Handwerksmeister und ist urkundlich auch 1443 und 1447 belegt.[3]
Fürstbistum Lausanne
- Der französische Autor und Kleriker Martin Le Franc, der seit 1438 für Herzog Amadeus VIII. von Savoyen tätig war[4] und 1439 zum Apostolischen Protonotar und Sekretär avancierte[5][6], wird „am 6. Mai 1443 ... Kanonikus am Dom von Lausanne, am 24. Sept. 1443 Dompropst.“[4][6]
Fürstbistum Trient
- Der Kopist, Organist und Priester Johannes Lupi ist spätestens seit 1443 Altarist und wohl auch Organist der Kathedrale von Trient.[7]
Herzogtum Bayern
- Der Theologe und Schriftsteller Johannes Keck, der Ende 1441 oder Anfang 1442 in Basel zum Doktor der Theologie promoviert wurde und anschließend ins Benediktinerkloster am Tegernsee eingetreten ist, wirkt hier als Bibliothekar und 1443/1444 bis 1446 als Prior.[8][9]
Herzogtum Mailand
- Der italienische Musiktheoretiker Johannes de Olomons ist als Kaplan des Kardinals Branda Castiglioni tätig. Während seiner Dienstjahre für den Kaplan schreibt er vermutlich zwischen 1425 und 1443 in der Nähe von Mailand seine musiktheoretische Abhandlung Palma choralis seu de cantu ecclesiastico, die er dem Kardinal widmet.[10]
Herzogtum Österreich
- Adam Hustini de Ora aus Cambrai ist 1442 und 1443 Sänger in der Hofkapelle der Habsburger.[11][12]
Hochstift Cambrai
- Der franko-flämische Komponist, Sänger und Musiktheoretiker Guillaume Dufay, der noch vor der Absetzung von Papst Eugen IV. durch das Konzil von Basel am 25. Juni 1439 den Hof in Savoyen verlassen hatte, ist von Dezember 1439 bis März 1450 in Cambrai tätig. „Eine Reihe ehemaliger Mitglieder der päpstlichen Kapelle“ leben zu dieser Zeit in Cambrai und sind „nicht nur mit der Kathedrale, sondern auch mit den Kirchen St. Géry und Ste. Croix verbunden.“ Dufay beteiligt „sich aktiv an der Verwaltung der Kathedrale und“ beginnt „zusammen mit Nicolas Grenon und Symon Mellet ein ehrgeiziges Projekt zur Überarbeitung der liturgischen Bücher der Kathedrale und zur Komposition und Zusammenstellung eines umfangreichen Repertoires polyphoner Musik für den Einsatz im Gottesdienst.“ Im Jahr 1442 gibt er seine Pfründen in Versoix und Lausanne auf. Auch beauftragt Dufay den Komponisten Jacobus de Clibano in Brügge „für ihn das von Leonello d’Este ... gewährte Honorar von 20 Dukaten von einer Brüggener Bank abzuheben“.[13][14] Ab 1442 ist er für mehrere Jahre als Maître des petits vicaires (deutsch: Meister der kleinen Vikare) – also als Vorgesetzter oder Ausbilder der niederen Kleriker – tätig.[15]
Königreich Böhmen
- Der böhmische Universalgelehrte Paulus Paulirinus de Praga ist von 1443 bis 1447 Professor an der Universität Prag.[16]
Kurfürstentum Sachsen
- Der deutsche Inkunabeldrucker Ulrich Han, der 1476 das musikgeschichtlich bedeutsame Missale Romanum drucken wird, immatrikuliert sich in den Jahren 1438 und 1443/44 an der Universität Leipzig.[17][18]
Herzogtum Burgund
- Nach den Angaben eines gewissen Guillaume Benoit ist Gilles Binchois am burgundischen Hof Philipps des Guten im Jahr 1427 schon ein Begriff. Weil aber die Gehaltslisten von 1419 bis 1436 fehlen, ist nicht genau bekannt, ab welchem Jahr er tatsächlich der burgundischen Hofkapelle beitritt, um ihr bis 1452 aktiv anzugehören. Der früheste Beleg für seinen dortigen Dienst stellt erst seine Motette Nove cantum melodie dar, komponiert zur Taufe von Anthoine von Burgund, dem Sohn Philipps des Guten und Isabellas von Portugal am 18. Januar 1431.[19]
Herzogtum Brabant
- Der Komponist Johannes Legrant ist möglicherweise identisch mit Jan Le Grant, der von 1441 bis 1443 als Sänger der Antwerpener Kathedrale nachweisbar ist.[20][21]
- Der Sänger, Komponist und Priester Johannes Martini hat möglicherweise in den Jahren 1443/1444 eine Anstellung an der Kathedrale in Antwerpen (oder ist am Hof von Herzog Albrecht VI. von Österreich tätig).[22]
- Der flämische Komponist, Sänger und Kleriker Johannes Ockeghem ist erstmals persönlich belegt vom 24. Juni 1443 bis zum 23. Juni 1444 als erwachsener Sänger an der Marienkirche Antwerpen unter Johannes Pullois.[23]
- Der Sänger und Komponist Johannes Pullois ist „zwischen 1443 und 1447 ... Chorvikar und zangmeester an der Antwerpener Liebfrauenkirche“.[24][25]
Italienische Staaten
Kirchenstaat
- Der Sänger und Komponist Johannes Fedé ist von November 1443 bis Juli 1445 Sänger der päpstlichen Kapelle unter Eugen IV. in Rom.[26][27]
Republik Florenz
- Die Stadt Florenz hat bereits im frühen 13. Jahrhundert eine städtische Kapelle (Blechblasinstrumente und Schlagzeug). Im Jahr 1443 umfasst das Blasorchester mit der Einstellung eines Posaunisten vier Musiker; 1510 sind es fünf, 1520 sechs und 1532 fünf Blechbläser. Die Musiker sind „im Allgemeinen florentinischer oder italienischer Herkunft, aber im gesamten 15. Jahrhundert“ dominieren „deutsche Musiker die Reihen des Blasorchesters.“ Der prominenteste von ihnen ist „der 1489 ernannte Posaunist Augustin Schubinger aus Augsburg“.[28]
Republik Siena
- Der italienischer Tanzmeister und Tanztheoretiker, Choreograf, Poet und Literat Antonio Cornazzano studiert von 1443 bis 1448 an der Universität in Siena.[29]
Königreich England
- Der Komponist John Benet ist „wahrscheinlich identisch mit dem Londoner Kleriker John Benet, der 1443 Instructor der sechs Choristen am St. Anthony’s Hospital in der Stadt London“ wird, „zu einem Zeitpunkt, als dieses zur Chorstiftung und Grammatikschule umorganisiert worden ist.“[30][31]
- Der Komponist R. Chirbury ist wahrscheinlich identisch mit dem „englischen royal chaplain Robert Chirbury (ca. 1380–1454), der um 1421 clerk in der kgl. Kapelle“ ist „und dort bis 1449 oder bis in die frühen 1450er Jahre gewirkt hat“. Von 1443 bis 1454 ist er außerdem „dean von St. Mary’s in Warwick, einer von Richard Beauchamp, Earl of Warwick ins Leben gerufenen Kollegiatstiftung“.[32]
- Der englische Komponist Walter Frye ist möglicherweise mit einem Walter Cantor identisch, der zwischen 1443 und 1466 an der Ely Cathedral wirkt und hier für die Musik des Laienchores verantwortlich ist.[33][34]
- Der englische Kirchenmusiker und Komponist Garnesey ist vermutlich identisch mit John Garnesey, „der von 1443 bis 1458 als Chorvikar der Kathedrale von Wells“ dient „und (höchst ungewöhnlich) nur ein Jahr vor seinem Tod 1459 dort zum Kanonikus befördert“ wird.[35]
Gestorben
Todesdatum gesichert
- 8. August: Zeami Motokiyo, japanischer Dramatiker, Theoretiker und Schauspieler des Nō-Theaters (* 1363)[36]
Siehe auch
Weblinks
Commons: Musik 1443 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Quellen
Einzelnachweise
- ↑ Hermann Fischer: Traxdorf [Drassdorf, Drossdorf], Heinrich. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Franz Körndle (MGG2): Paumann, Conrad. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Horst Brunner (MGG2): Vogelsang, Konrad. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ a b Reinhard Strohm (MGG2): Le Franc, Martin. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ David Crawford: Savoy(i) (Fr. Savoie; It. Savoia). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ a b Craig Wright, überarbeitet von Sean Gallagher: Martin le Franc. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Peter Wright (MGG2): Lupi, Johannes (I). In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Bernhold Schmid (MGG2): Keck, Johannes. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Gordon A. Anderson: Keck, Johannes [Keckius]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Gordon A. Anderson: Johannes de Olomons, Magister. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows (MGG2): Adam (15. Jh.). In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Tom R. Ward, überarbeitet von David Fallows: Adam. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Michele Calella (MGG2): Clibano, Jacobus de. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows: Clibano, Jacobus de. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Alejandro Enrique Planchart: Du Fay [Dufay; Du Fayt], Guillaume. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Miloš Velimirović: Paulirinus, Paulus. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Klaus Pietschmann (MGG2): Han, Ulrich. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ M.K. Duggan: Han [Hahn], Ulrich [Gallus, Udalricus]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows: Binchois [Binchoys], Gilles de Bins [Binch, Binche] dit. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Marco Gozzi (MGG2): Legrant, Johannes. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Craig Wright, überarbeitet von Sean Gallagher: Legrant, Johannes. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Andrea Lindmayr-Brandl (MGG2): Martini, Johannes. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Leeman L. Perkins: Ockeghem [Okeghem, Hocquegam, Okegus etc.], Jean de [Johannes, Jehan]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Katelijne Schiltz (MGG2): Pullois, Johannes. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Pamela F. Starr: Pullois [Puyllois, Puylloys, Pyllois, Pyloys, Pilloys, Puilloys, Pylois, Pillays], Johannes [Jehan, Jean]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Andrea Lindmayr-Brandl (MGG2): Fedé, Johannes. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows: Fedé, Johannes [Sohier, Jean]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Frank A. D’Accone, John Walter Hill, Leonardo Pinzauti und Julian Budden: Florence (It. Firenze). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Ingrid Brainard: Cornazano [Cornazzano], Antonio. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Brian Trowell (MGG2): Benet, John. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Brian Trowell: Benet [Benett, Bennet, Benmet, Bonet, Bonnet, Jo. Benet Anglicus], John. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Peter M. Lefferts (MGG2): Chirbury, R.. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Peter Wright (MGG2): Frye, Walter. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Brian Trowell: Frye [ffry, ffrye, Frey, Frie], Walter. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Roger Bowers: Garnesey [John]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Masakata Kanazawa: Zeami [Motokiyo, Kanze Saburō]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).