Musikjahr 1442
Liste der Musikjahre
◄◄ | ◄ | 1438 | 1439 | 1440 | 1441 | Musikjahr 1442 | 1443 | 1444 | 1445 | 1446 | ►
Weitere Ereignisse
Musikjahr 1442
| |
|---|---|
| Der franko-flämische Komponist, Sänger und Musiktheoretiker Guillaume Dufay wirkt seit Dezember 1439 wieder in Cambrai. Er beteiligt sich aktiv an der Verwaltung der Kathedrale (siehe Abbildung) und ist hier ab 1442 für mehrere Jahre als Maître des petits vicaires tätig. |
Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1442.
Ereignisse
Deutschordensstaat
- Der Komponist und Dichter Petrus Wilhelmi de Grudencz ist 1442 Kleriker der Diözese Kulm (Chełmno) und wird 1452 als Presbyter bezeichnet. Möglicherweise ist er Teilnehmer des Konzils von Basel, „zu dessen Unterstützung er in der Dichtung Pontifices ecclesiarum“ aufruft. Er hat „Verbindungen zum Hof Friedrichs III.“ und erhält 1442 ein von der königlichen Kanzlei in Frankfurt ausgestelltes Dokument, das ihm sicheres Geleit auf Reisen gewährleistet.[1][2]
Heiliges Römisches Reich
Freie Reichsstadt Nürnberg
- Der Nagelschmied und Meistersinger Fritz Zorn aus Nürnberg wird 1442 Meister seines Handwerks.[3]
Freie Reichsstadt Regensburg
- Der Komponist Peter Sweikl ist 1442 bis 1467 Kanonikus des Kollegiatstifts Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle in Regensburg.[4][5]
Herzogtum Bayern
- Der Theologe und Schriftsteller Johannes Keck wird Ende 1441 oder Anfang 1442 in Basel zum Doktor der Theologie promoviert. Anschließend tritt er ins Benediktinerkloster am Tegernsee ein und schreibt dort seine Abhandlung Introductorium musicae (deutsch: Einführung in die Musik).[6][7]
Herzogtum Österreich
- Adam Hustini de Ora aus Cambrai ist 1442 und 1443 Sänger in der Hofkapelle der Habsburger.[8][9]
- Die Konten des Klosters Klosterneuburg bei Wien verzeichnen in den Jahren 1438 und 1442 Ausgaben für ein Clavichord („pro Clavicordio“).[10]
Herzogtum Savoyen
- Der französische Autor und Kleriker Martin Le Franc, der seit 1438 für Herzog Amadeus VIII. von Savoyen tätig ist[11] und 1439 zum Apostolischen Protonotar und Sekretär avanciert, als der Herzog vom Konzil von Basel zum Gegenpapst Felix V. gewählt wird,[12][13] pflegt gute Beziehungen zum burgundischen Hof und widmet „Herzog Philipp dem Guten (1419–1467) seine zwei umfangreichsten Werke, die Dichtungen Le Champion des dames (24.000 Verse; ca. 1440–1442) und L’Estrif de fortune et de vertu (1447–1448).“[11] In seinem Werk Le Champion des dames spricht Le Franc zum ersten Mal aus, dass Gilles Binchois nicht weniger als Guillaume Dufay für die Herausbildung eines neuen, englisch inspirierten Stils verantwortlich ist.[14][15] Auch stellt er die Komponisten Johannes Carmen und Johannes Cesaris in das Umfeld von Jean Tapissier, der in Burgund wirkte.[16][17]
Hochstift Cambrai
- Der Komponist Lambertus Brabant ist wahrscheinlich von 1439 bis 1440 als Sänger an der Kathedrale von Cambrai und ab 1442 als Kanoniker tätig.[18][19]
- Der franko-flämische Komponist, Sänger und Musiktheoretiker Guillaume Dufay, der noch vor der Absetzung von Papst Eugen IV. durch das Konzil von Basel am 25. Juni 1439 den Hof in Savoyen verlassen hatte, ist von Dezember 1439 bis März 1450 in Cambrai tätig. „Eine Reihe ehemaliger Mitglieder der päpstlichen Kapelle“ leben zu dieser Zeit in Cambrai und sind „nicht nur mit der Kathedrale, sondern auch mit den Kirchen St. Géry und Ste. Croix verbunden.“ Dufay beteiligt „sich aktiv an der Verwaltung der Kathedrale und“ beginnt „zusammen mit Nicolas Grenon und Symon Mellet ein ehrgeiziges Projekt zur Überarbeitung der liturgischen Bücher der Kathedrale und zur Komposition und Zusammenstellung eines umfangreichen Repertoires polyphoner Musik für den Einsatz im Gottesdienst.“ Im Jahr 1442 gibt er seine Pfründen in Versoix und Lausanne auf. Ab 1442 ist er für mehrere Jahre als Maître des petits vicaires (deutsch: Meister der kleinen Vikare) – also als Vorgesetzter oder Ausbilder der niederen Kleriker – tätig.[20]
- In Cambrai verfügen mehrere der religiösen Einrichtungen „über Chöre, Chorschulen und polyphone Musik“. Die wichtigste davon ist die Stiftskirche Saint-Géry, „deren Chorsänger 1442 beim Einzug von Bischof Jean de Bourgogne“ singen.[21]
Kurfürstentum Sachsen
- Die Michaeliskirche in Jena hat 1442 einen Kantor, eine Orgel, einen Chor und eine Kalandsbrüderschaft.[22]
Herzogtum Burgund
- Karl der Kühne, der 1433 geborene Sohn von Philipp III. und Isabella von Portugal, erhält bereits in jungen Jahren Musikunterricht. Dies ist „durch das Geschenk einer Harfe in den Jahren 1441 und 1442 dokumentiert.“[23]
- Nach den Angaben eines gewissen Guillaume Benoit ist Gilles Binchois am burgundischen Hof Philipps des Guten im Jahr 1427 schon ein Begriff. Weil aber die Gehaltslisten von 1419 bis 1436 fehlen, ist nicht genau bekannt, ab welchem Jahr er tatsächlich der burgundischen Hofkapelle beitritt, um ihr bis 1452 aktiv anzugehören. Der früheste Beleg für seinen dortigen Dienst stellt erst seine Motette Nove cantum melodie dar, komponiert zur Taufe von Anthoine von Burgund, dem Sohn Philipps des Guten und Isabellas von Portugal am 18. Januar 1431.[24]
- Der Sänger und Komponist Constans Breuwe de Languebroek steht „als Kleriker vermutlich bereits kurz vor 1441 mit dem burgundischen Hof in Verbindung und“ dient „sicher von 1442 bis 1479 als Kaplan/Sänger in der Hofkapelle“.[25][26]
Herzogtum Limburg
- Der franko-flämische Komponist Johannes Brassart wird im Jahr 1442 an der Liebfrauenkirche in Tongern zum Domherrn ernannt und bekommt bereits wenige Monate später eine Absenz-Erlaubnis.[27][28]
Italienische Staaten
Republik Venedig
- Der italienische Musiktheoretiker Nicolaus de Capua, der von 1432 bis 1434 Sänger an der Kathedrale von Udine war, hat dieses Amt in den Jahren 1439 bis 1442 in Treviso inne. Anschließend wird er von 1442 bis 1461 Mansionario an der Kathedrale von Vicenza.[29][30]
- Der böhmische Universalgelehrte Paulus Paulirinus, der in den Jahren 1459 bis 1463 eine große wissenschaftliche Enzyklopädie verfassen wird, wird 1442 in Padua in artibus promoviert, kurz darauf, in Bologna, in Medizin. Im selben Jahr wird er zum Priester geweiht.[31]
Königreich England
- Der englische Komponist John Dunstable, der zuvor in den Diensten des Herzogs von Bedford sowie wahrscheinlich der Königin Johanna von Navarra gestanden hatte, ist ab 1438 bei Herzog Humphrey von Gloucester angestellt. Ein Dokument vom 5. Juli 1438 bezeichnet ihn als „serviteur et familier domestique de Onfroy Duc de Gloucestre“.[32]
- Der englische Komponist John Plummer ist ab ungefähr ab 1438 bis zum Jahr 1467 gentleman der Royal Household Chapel unter Heinrich VI. und Eduard IV. 1442 und von 1444 bis 1455 ist er außerdem in Windsor nachgewiesen.[33][34]
- Der englische Komponist N. Sturgeon, der von 1413 bis 1452 durchgängig Mitglied der königlichen Kapelle ist, ist ab 1440 in Windsor als Kanoniker und in der St. Paul’s Cathedral in London als Kanoniker und als Kantor tätig. Im Jahr 1442 beauftragt „ihn der Kronrat, sechs englische Sänger für die kaiserliche Kapelle Friedrichs III. auszuwählen“.[35]
- Der Chor der Westminster Abbey in London erhält 1441/1442 eine neue Orgel.[36]
Krone von Aragón
- König Alfons V. von Aragon gründet 1442/1443 in Neapel eine Hofkapelle, deren wichtigstes Mitglied in den frühen 1470er Jahren der franco-flämische Komponist Johannes Tinctoris werden wird.[37] Gentile de Sancto Angelo de Fasanella wird 1442 zum Magister Capellae ernannt, erster Maestro di Cappella während der aragonesischen Herrschaft wird Dominicus de Exarch.[38]
Kompositionen und Schriften
- Johannes Brassart – O rex Fridrice/In tuo adventu zu vier Stimmen (Motette zur Krönung Friedrichs III.)[27]
Geboren
Geboren vor 1442
- Peter Sweikl, Komponist († nach 1467)[4]
Gestorben
Genaues Todesdatum unbekannt
- John Cooke, Komponist (* um 1385)[39][40]
Siehe auch
Quellen
Einzelnachweise
- ↑ Paweł Gancarczyk (MGG2): Petrus Wilhelmi de Grudencz. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Jaromír Černý: Wilhelmi de Grudencz, Petrus. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Horst Brunner (MGG2): Zorn, Fritz. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ a b Reinhard Strohm (MGG2): Sweikl, Peter. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Tom R. Ward, überarbeitet von David Fallows: Sweikl. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Bernhold Schmid (MGG2): Keck, Johannes. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Gordon A. Anderson: Keck, Johannes [Keckius]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows (MGG2): Adam (15. Jh.). In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Tom R. Ward, überarbeitet von David Fallows: Adam. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Edwin M. Ripin, revised by John Barnes, Alfons Huber, Beryl Kenyon de Pascual und Barry Kernfeld: Clavichord (Fr. clavicorde, manicorde, manicordion; Ger. Clavichord, Klavichord; It. clavicordio, clavicordo, manicordo, monacordo, monocordo, sordino; Lat. clavicordium; Port. clavicórdio; Sp. clavicordio, manicordio, manucordio, monacordio). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ a b Reinhard Strohm (MGG2): Le Franc, Martin. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ David Crawford: Savoy(i) (Fr. Savoie; It. Savoia). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Craig Wright, überarbeitet von Sean Gallagher: Martin le Franc. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Stephen Banfield und Ian Russell: England(i). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows: Binchois [Binchoys], Gilles de Bins [Binch, Binche] dit. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Craig Wright: Carmen, Johannes. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Andrew Tomasello (MGG2): Carmen, Johannes. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Peter Wright (MGG2): Brabant. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows: Brabant, Lambertus. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Alejandro Enrique Planchart: Du Fay [Dufay; Du Fayt], Guillaume. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows, überarbeitet von Barbara H. Haggh: Cambrai. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ G. Kraft: Jena. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Robert Nosow (MGG2): Karl der Kühne. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows: Binchois [Binchoys], Gilles de Bins [Binch, Binche] dit. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Eugeen Schreurs (MGG2): Constans, Breuwe de Languebroek. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ David Fallows: Constans [Costinus] Breuwe [Breeu, Brawe] [Constans de Languebroek, Constans de Trecht]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ a b Peter Wright, überarbeitet von Catherine Saucier: Brassart [Brassar, Brassaert, Brasart, Brassant], Johannes. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Personenteil Band 3, Bärenreiter Verlag Kassel und Basel 2000, ISBN 3-7618-1112-8.
- ↑ Klaus-Jürgen Sachs (MGG2): Nicolaus de Capua. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Robert Nosow: Nicolaus de Capua [Capoa]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Thomas Röder (MGG2): Paulirinus, Paulus. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Peter M. Lefferts (MGG2): Dunstaple, John. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Peter M. Lefferts (MGG2): Plummer, John. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Brian Trowell: Plummer [Plomer, Plourmel, Plumere, Polmier, Polumier], John. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Margaret Bent: Sturgeon, N. ? [Nicholas]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Nicholas Temperley, Philip Olleson, Roger Bowers, H. Diack Johnstone, Richard Rastall, Peter Holman, Marie Axton, Richard Luckett, Andrew Wathey, Robert D. Hume, Simon McVeigh, Edward Croft-Murray, Arthur Jacobs, Gabriella Dideriksen, John Snelson, Cyril Ehrlich, Michael Musgrave, David C.H. Wright, Elizabeth Roche, Bernarr Rainbow, Anthony Kemp, Kathleen Dale, Peter Ward Jones und William J. Conner: London(i). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Tullia Magrini, Nino Pirrotta, Pierluigi Petrobelli, Antonio Rostagno, Giorgio Pestelli, John C.G. Waterhouse und Raffaele Pozzi: Italy. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Giulia Anna Romana Veneziano, Renato Di Benedetto und Dinko Fabris: Naples (It. Napoli). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Roger Bowers (MGG2): Cooke, John. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).
- ↑ Margaret Bent, überarbeitet von Roger Bowers: Cooke [Cook], J(ohn). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).