Museum Hochzeitshaus Fritzlar
Das Museum Hochzeitshaus in Fritzlar, im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis, ist im ehemaligen Hochzeitshaus in der historischen Altstadt untergebracht. Schwerpunkt seiner Ausstellungen ist die Stadtgeschichte. Das Gebäude, heute als Baudenkmal registriert, wurde in den Jahren 1580–1590 auf dem steinernen Unterbau der Zehntscheune des ehemaligen Stadthofs des Zisterzienserklosters Haina errichtet. Es diente im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Funktionen und beherbergt seit 1956 das städtische Museum.
Vorgeschichte
Nach der Aufhebung des Klosters Haina im Zuge der 1526 in der Landgrafschaft Hessen eingeführten Reformation gab es langen Streit zwischen Hessen und Kurmainz um den großen Stadthof des Klosters im damals kurmainzischen Fritzlar. Im August 1578 schließlich verkaufte der Mainzer Erzbischof Daniel ihn für 400 Gulden an die Stadt Fritzlar, mit der Bedingung, die baufällig gewordene große Zehntscheune durch ein neues Gebäude zu ersetzen, das der Bürgerschaft zum Feiern von Festen wie Hochzeiten, Kindstaufen und anderen Veranstaltungen dienen sollte. Die Stadt ließ die Zehntscheune bis auf ihren steinernen Unterbau abreißen und auf diesem das Hochzeitshaus errichten. Ab der Mitte des 18. und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erfuhr es mannigfache Umnutzungen – Lazarett, Kaserne, zeitweiliges Rathaus, Schule, Mietshaus.
Museum
1951 gründete sich in Fritzlar die „Arbeitsgemeinschaft für Ur- und Frühgeschichte“. Sie suchte nach passenden Räumlichkeiten für die Einrichtung eines Heimatmuseum, und die Stadtverwaltung wies ihr daraufhin den großen Saal im Erdgeschoss des Hochzeitshauses zu. Darin wurden im Juli 1956 die „Ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen“ eingerichtet. Das „Museum für Vor- und Frühgeschichte, Volkskunde und Stadtgeschichte“ sollte ein Bild von der Besiedlung, den Kulturen, der Bevölkerung, der Volkskunst, von Handwerk, Handel und Gewerbe im Gebiet des damaligen Kreises Fritzlar-Homberg geben.[1]
1959 wurde der Verein „Ur- und Frühgeschichtliche Sammlungen e. V.“ Träger des Museums. Sein Ziel war es, den Ausbau des Museums voranzutreiben. Deshalb wurden auch volkskundliche Objekte gesammelt, die von 1976 an im Hochzeitshaus, das ab 1972 ausschließlich als Museum genutzt wurde, präsentiert wurden. Im Mai 1980 wurde in einem Vertrag zwischen der Stadt Fritzlar und der im März 1980 eingerichteten „Stiftung Museum Fritzlar“ festgelegt, dass die Stadt das Hochzeitshaus und das benachbarte sog. Patrizierhaus der Stiftung zur musealen Nutzung überließ.[2] Die Stadt blieb Eigentümer der Immobilien und sorgt für deren Erhalt, während die Stiftung als Museumsträger seitdem für die Museumsgestaltung und Personalbesetzung zuständig ist.
2015 wurde für das dringend zu renovierende Museum ein neues Ausstellungskonzept entwickelt, mit Schwerpunkt Stadtgeschichte. Im Zuge der daraufhin erfolgenden Sanierung wurden die Fassaden des Hauses denkmalgerecht überarbeitet und von 2017 bis 2022 erfolgte der aufwendige Innenausbau der nun „Museum Hochzeitshaus“ genannten Institution. Im Hof wurde ein moderner Treppenturm mit Aufzug errichtet, der über zwei Brücken mit den beiden Obergeschossen des Ausstellungsbereichs verbunden ist. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss entstanden zwei große offene Hallen, wie beim ursprüngliche Bau. Im zweiten Obergeschoss wurden ein Veranstaltungssaal und ein Raum für Sonderausstellungen geschaffen. Im dort neu eingerichteten Hochzeitszimmer können sich Paare trauen lassen. Aus dem Hochzeitshaus, zuvor Regionalmuseum für Volkskunde, Vor- und Frühgeschichte, wurde ein modernes Museum, das sich auf die Stadtgeschichte konzentriert. Die Ausstellung im Erdgeschoss ist dem Zeitraum von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Reformation im 16. Jahrhundert gewidmet, während im ersten Obergeschoss die Stadtgeschichte vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart behandelt wird.
Fußnoten
- ↑ Unsere Stadt in der wir leben, in Wochenspiegel, Nr. 12/05, 3. März 1972, S. 1–2; (Nachdruck des Artikels Das Hochzeitshaus in Fritzlar und sein Museum), erschienen in Hessischer Gebirgsbote, Zeitschrift des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatvereins, Ausgabe Nr. 1, 1972.
- ↑ Das 1520 oder 1526 erbaute Patrizierhaus war Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Anwesens. Gebäudeteile deuten darauf hin, dass es ursprünglich zum Hainaer Hof gehört haben kann. Das Haus wurde von der Stadt erworben und 1975/77 gründlich renoviert und teilerneuert. Heute befinden sich darin Büro, Bibliothek und Werkstatt des Museums, in den Obergeschossen die Abteilungen Geologie/Mineralogie.
Weblinks
- Museum Hochzeitshaus
- Vereinsgeschichte Museumsverein Fritzlar e.V.
- Regionalmuseum Fritzlar Virtuell: Hochzeitshaus und Patrizierhaus
Literatur
Koordinaten: 51° 7′ 54,6″ N, 9° 16′ 19,3″ O