Hainaer Hof Fritzlar
Der Hainaer Hof (auch Hainer Hof) in Fritzlar war eine Niederlassung des Zisterzienserklosters Haina in der Stadt Fritzlar im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Er war Teil eines von Frankfurt am Main im Süden bis nach Kassel im Norden reichenden Systems von Stadthöfen des Klosters, in denen die Abgaben und sonstigen Einkünfte aus dem klösterlichen Besitz im Umland der jeweiligen Niederlassung eingesammelt wurden. Der Hof befand sich zwischen den heutigen Straßen „Schildererstraße“ und „Am Hochzeitshaus“ (heutige Hausnummern: Am Hochzeitshaus 6, 7 und 8), unweit westlich des Marktplatzes.
Geschichte
Im Jahre 1237 kaufte das Kloster Haina ein steinernes Haus mit „dazugehörigen wüsten und bebauten Hofstätten“[1] im damals kurmainzischen Fritzlar, um dies als Pfleg- bzw. Wirtschaftshof zu nutzen, und setzte einen Vogt als Verwalter ein. 1266 wurde auf dem Gelände ein großer Neubau aus Fachwerk auf steinernem Keller- und Erdgeschoss errichtet. Der Abt und die Mönche des Klosters nutzten den Hof häufig als Absteigequartier, und er hatte daher auch eine Kapelle. Die Beziehungen zwischen der Stadt und dem Kloster entwickelten sich gut, und der klösterliche Stadthof wurde von allen bürgerlichen Verpflichtungen wie Steuern, Wachdiensten und sonstigen Abgaben befreit, zahlte der Stadt dafür im Gegenzug eine jährliche feste Summe.
Der Hof, und somit der Besitz des Klosters Haina in der Stadt, vergrößerte sich kontinuierlich. Bereits 1265 und 1266 kamen durch Kauf und Schenkungen eine Anzahl weiterer in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Höfe hinzu. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts wuchs der Besitz des Klosters in der Stadt durch Vermächtnisse örtlicher Bürger, oft verbunden mit dem Auftrag an das Kloster, die Armen zu versorgen oder für das Seelenheil verstorbener Verwandten zu beten. So erhielt das Kloster z. B. im Jahre 1386 Abgaben von 13 Fritzlarer Häusern und von der Walkmühle der Wollweber. Hingegen kam es 1432 zu einem Gerichtsverfahren wegen einer Klage der Fritzlarer Bürgerschaft über die mangelhafte Versorgung der Armen durch den Hainaer Hof. Noch 1499 kaufte das Kloster weitere Gebäude in der Nähe des damaligen Friedhofes zur Vergrößerung des Stadthofes, aber diese, sowie ein weiteres, kurz vor 1528 erbautes Haus,[2] wurden schon 1528 für 2000 fl. an den Erzbischof von Mainz, den Fritzlarer Stadtherren, verkauft,[3] da das Kloster nach der Einführung der Reformation durch Landgraf Philipp I. in der Landgrafschaft Hessen im Jahre 1526 säkularisiert worden war.
Ende
Der nach der Aufhebung des Klosters Haina ausgebrochene Streit um den Stadthof in Fritzlar endete erst mit dem Verkauf desselben durch Erzbischof Daniel an die Stadt Fritzlar im August 1578. Landgraf Philipp hatte den Hof zunächst für sich beansprucht und mit seinem gesamten Besitz und allen Einkünften der jungen Universität Marburg zugewiesen, dann nach Rechtsstreit jedoch dem Erzbistum Mainz überlassen.[4]
Die Stadt ließ das große, baufällig gewordene Hauptgebäude, die einstige Zehntscheune, bis auf den steinernen Unterbau abreißen und auf diesem in den Jahren 1580 bis 1590 ein neues Haus errichten, das sogenannte Hochzeitshaus. Es ist der größte Fachwerkbau in Nordhessen und heute als Baudenkmal registriert. Hier wurden große bürgerliche Feste wie Hochzeiten und Taufen gefeiert. Im Siebenjährigen Krieg 1756–1763 diente das Haus als Lazarett, im 19. Jahrhundert als Kaserne und ab 1839 als Rathaus, von 1903 bis 1949 als Schule und seit 1956 ist darin das Museum für Vor- und Frühgeschichte, Volkskunde und Stadtgeschichte untergebracht.
Fußnoten
- ↑ Eckhard G. Franz (Hrsg.): Klosterarchive, Regesten und Urkunden, Teil 5: Kloster Haina, Band 1 (1144-1300), Elwert, Marburg, 1962, S. 64, Nr. 96
- ↑ Darin wurde 1533 ein Hospital eingerichtet.
- ↑ C. Alhard von Drach: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Fritzlar (Faksimile des weltlichen Teils, 1909), Geschichtsverein Fritzlar: Beiträge zur Stadtgeschichte, Nr. 3, Juni 1987, S. 44, Fn. 3.
- ↑ C. Alhard von Drach: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Fritzlar (Faksimile des weltlichen Teils, 1909), Geschichtsverein Fritzlar: Beiträge zur Stadtgeschichte, Nr. 3, Juni 1987, S. 44, Fn. 3.
Literatur
- Wilhelm Dersch: Hessisches Klosterbuch, Elwert, Marburg, 1940, S. 38
- Bernd Lindenthal: Die Stadthöfe des Zisterzienserklosters Haina. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 31, 1981, S. 63–96
Weblinks
- Fritzlar, Hainaer Hof, bei: Klöster und Orden (LAGIS)
Koordinaten: 51° 7′ 54,6″ N, 9° 16′ 18,5″ O