Mugombwa (Sektor)
| Mugombwa | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Staat | Ruanda |
| Provinz | Südprovinz |
| Bezirk | Distrikt Gisagara |
| Fläche | 49,8 km² |
| Einwohner | 36.469 (2022) |
| Dichte | 732 Einwohner pro km² |
| ISO 3166-2 | RW-05 |
| Kinder aus der DR Kongo im Flüchtlingslager Mugombwa | |
Mugombwa (Kinyarwanda Umurenge wa Mugombwa) ist einer von 13 Sektoren des Distrikts Gisagara in der Südprovinz von Ruanda.
Geographie
Der Sektor Mugombwa hat eine Fläche von 49,8 km² und befindet sich nur wenige Kilometer von der burundischen Grenze entfernt. Er setzt sich aus den fünf Zellen Baziro, Kibayi, Kibu, Mugombwa und Mukomacara zusammen. Nachbarsektoren sind im Nordosten Muganza, im Südosten Mukindo, im Südwesten Kigembe, im Westen Kansi und im Nordwesten Kibirizi.[1][2][3]
Bevölkerung
Nach Stand der Volkszählung von 2022 liegt die Einwohnerzahl bei 36.469. Zehn Jahre zuvor waren es 22.7121, was einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 4,8 Prozent zwischen 2012 und 2022 entspricht.[4][5][1]
In der Verwaltungszelle Mugombwa befindet sich das im Jahr 2014 auf einer Fläche von 28 Hektar eröffnete Flüchtlingslager Mugombwa für Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo. Stand März 2024 beherbergte es 11.597 Flüchtlinge und 47 Asylsuchende, wovon mehr als 51 Prozent jünger als 18 Jahre waren. Das Lager wird vom Ministry in Charge of Emergency Management (MINEMA) verwaltet.[6][7]
Massaker während des Völkermords an den Tutsi
Während des Völkermords an den Tutsi im Jahr 1994 wurden auch auf dem Gebiet des heutigen Sektors Mugombwa Tausende Tutsi getötet. Die Massaker begannen in der Region um den 19. April. Schätzungsweise 26.700 Menschen suchten in der großen katholischen Kirche von Mugombwa Schutz, die jedoch am 20. bis 21. April mit Granaten beworfen und niedergebrannt wurde. Weitere Tutsi wurden zu Tode gehackt. Zu den Angreifern gehörten Interahamwe, Soldaten und vor dem im Vorjahr ausgebrochenen Bürgerkrieg in Burundi geflüchtete Hutu.[8][9][10] Einer der Hauptverantwortlichen, der ehemalige Bürgermeister Élie Ndayambaje, wurde am 20. Juni 1996 durch den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda angeklagt. Im Juni 2011 wurde er zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.[11] In einem Berufungsurteil im Dezember 2015 wurde die Haftstrafe auf 47 Jahre reduziert, die er im Senegal verbüßt.[8][12][13][14]
Im April 2016 wurden im Sektor auf zwei Plantagen die vergrabenen Überreste von 25 Opfern des Völkermords entdeckt. Die Überreste 55 weiterer Opfer wurden im angrenzenden Sektor Kansai gefunden sowie 25 weitere an einem anderen Ort im Distrikt.[15]
Verkehr
Durch den Sektor verläuft etwa in Nord-Süd-Richtung die Nationalstraße 8. Von dieser geht in Bishya eine District Road nach Nordwesten ab und eine weitere etwas weiter südlich nach Südosten.[16][3]
Persönlichkeiten
- Thomas Kamanzi (1929–2008), ruandischer Linguist[17]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Ruanda: Gliederung in Sektoren. In: citypopulation.de. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Menya Gisagara. In: gisagara.gov.rw. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (kinyarwanda).
- ↑ a b Mugombwa. In: GeoNames. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ 5th Population and Housing Census – District Profile: Gisagara. (PDF; 3,48 MB) National Institute of Statistics of Rwanda, September 2023, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Fourth Population and Housing Census, Rwanda, 2012 – District Profile: Gisagara. (PDF; 5,2 MB) National Institute of Statistics of Rwanda, Januar 2015, S. 3, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Where We Work. UNHCR, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Mugombwa Refugee Camp, Rwanda. (PDF; 330 KB) UNHCR, März 2024, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b Mugombwa Parish: Where Burundian Refugees Rampaged On Their Tutsi Hosts. KT Press, 22. März 2016, abgerufen am 24. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Jessica Agasaro: Genocide Timeline; April 20, 1994: Queen Gicanda murdered, massacres escalate in Butare. The New Times, 20. April 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Hudson Kuteesa: April 20, 1994: Queen Rosalie Gicanda assassinated, over 20,000 people burnt to death in church compound. The New Times, 20. April 2024, abgerufen am 24. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Butare Judgement Delivered. In: unictr.irmct.org. 24. Juni 2011, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Enforcement of Sentences. (PDF; 2,66 MB) In: irmct.org. International Residual Mechanism for Criminal Tribunals, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ ICTR Reduces Butare Defendants’ Sentences in Last Judgment before Closing. In: cglj.org. Center for Global Law and Justice, Northeastern University School of Law, 19. Januar 2016, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ On April 20, 1994: The assassination of the last Queen of Rwanda, Rosalie Gicanda in Butare. Rwanda Broadcasting Agency, 20. April 2020, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Jean de la Croix Tabaro: Genocide Mass Graves Discovered In Southern Rwanda. KT Press, 7. April 2016, abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Classified Road Network Map 2022. (PDF; 39,6 MB) In: rtda.gov.rw. Rwanda Transport Development Agency, archiviert vom am 5. Januar 2024; abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Paul Ntambara: OBITUARY: Death robs Rwanda of a distinct linguist. The New Times, 24. August 2008, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).