Morosini (Adelsgeschlecht)
Die Familie Morosini war eine lombardische Adelsfamilie, mit einem bedeutenden Luganeser Zweig. Eine Verwandtschaft zur Dogenfamilie Morosini besteht nicht.
Geschichte
Angehörige der aus Mailand stammenden Familie nannten sich bis Ende des 18. Jahrhunderts auch Moresini. Zahlreiche ihrer Mitglieder übernahmen diplomatische Missionen im Auftrag der Herzöge von Mailand, vor allem für die Sforza, zu den eidgenössischen Orten. Zu ihnen gehört Giorgino, der 1399 als Gesandter belegt ist.[1]
Begründer des Luganeser Zweigs ist der von 1388 bis 1412 erwähnte Francesco Morosini. Nach der Ermordung Giovanni Maria Viscontis im Mai 1412 wurde er aus dem Herzogtum Mailand verbannt. Zu seinen Nachkommen gehört Bernardino, der 1502 die Eidgenossen als Gesandter bei der Republik Venedig vertrat und im folgenden Jahr erster Münzmeister von Bellinzona wurde. Bekanntheit erhielten Kleriker sowie Magistratspersonen. Die Familie verfügte über beträchtlichen Grundbesitz und die «prachtvolle»[2] Villa Morosini in Vezia.[1]
Emilio Morosini (* 1830) gehörte zu den Freiheitskämpfern des Risorgimento. Mit zwei Freunden nahm er am Fünf-Tage-Aufstand von Mailand teil und kam im Juni 1849 im ersten Unabhängigkeitskrieg in Rom ums Leben.[1] Seine Mutter und Schwester bewahrten bis 1895 die Urne mit dem Herz des polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko in Vezia.[2]
Bekannte Familienangehörige des Luganeser Zweigs
- Bernardino Morosini (urk. 1502/1503), Gesandter und Münzmeister von Bellinzona
- Gerolamo Morosini († vor 1553), Statthalter und Landschreiber der Vogtei Lugano
- Giovanni Pietro Morosini (um 1508–1579), Erzpriester von Lugano
- Gian Pietro Morosini (1736–1817), Jurist und Gerichtsbeamter in Mailand
- Giovanni Battista Morosini (1782–1874), Tessiner Gross- und Staatsrat, verzichtet auf die Schweizer Staatsbürgerschaft
- Emilia Morosini Zeltner (1804–1875), Mäzenin
- Carlo Morosini (1809–1874), Jurist und Tessiner Staatsrat
- Giuseppina Negroni Prati Morosini (1824–1909), Wohltäterin und italienische Patriotin
- Emilio Morosini (1830–1849), Freiheitskämpfer des Risorgimento
- Alfredo Peri-Morosini (1862–1931), Apostolischer Administrator des Tessin
Literatur
- Luigi Lorenzetti: Comportamenti patrimoniali, strategie familiari e riproduzione sociale in area ticinese (secoli XVIII–XIX). In: Società e storia. 2001. S. 92, 261–262.
Belege
- ↑ a b c Francesca Mariani Arcobello: Morosini. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 26. Januar 2009.
- ↑ a b Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK): Villa Negroni con cappella e mausoleo. PDF, abgerufen am 4. November 2025.