Michaelskirche (Winterbach)

Die Michaelskirche ist die Pfarrkirche von Winterbach, einer Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Schorndorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Namensgeber der Kirche ist der Erzengel Michael.

Architektur und Baugeschichte

Im 6. Jahrhundert ist das Herzogtum Alemannien christianisiert worden. Damals gewährten die neuen fränkischen Herren den Winterbacher Gauvorstehern das Eigenkirchenrecht: Ihnen stand die Entscheidung über Kirchbauten und die Ernennung von Geistlichen zu. So entstand der erste Kirchbau in Winterbach als Urkirche für das mittlere Remstal.[1] Bis ins 13. Jahrhundert war Winterbach die Muttergemeinde der Schorndorfer Kirche, seit 1369 wird die Pfarrei Winterbach als eine Filiale der Kirche von Schorndorf geführt.

Die heutige frühgotische Saalkirche geht auf eine Wehrkirche zurück und wurde 1309 aus Quadermauerwerk erbaut, was durch einen eingemeißelte Inschrift auf dem Eckquader auf der Südwestseite dokumentiert ist. Sie besteht aus einem Langhaus und einem Chorturm im Osten. Ein Teil des Wehrganges ist heute noch nahe der Sakristei zu sehen. Der einzige Zugang war das Tor im Osten, welches heute „Kirchetörle“ genannt wird. An ihm sind noch die Aussparungen zu sehen, in welche im Belagerungsfall die Balken zur Sicherung des Tores gelegt wurden. Davor vermutet man einen Graben und eine Zugbrücke.[2] Um die Kirche herum befand sich der Friedhof, welcher dann im Pestjahr 1635 in die Schlichtener Straße verlegt wurde.

1490 erfolgte ein Umbau der Kirche, aus dieser Zeit stammen die bis heute erhaltenen Passionsfresken. Dabei wurde auch der Dachstuhl erneuert und tiefergelegt, sodass seitdem die Decke den Triumphbogen schneidet.

1534 wurde unter Herzog Ulrich die Reformation durchgeführt.

1605 wurde die Nordempore mit Außentreppen errichtet. Die Südtreppe mit dem Geländer von 1751 wurde früher auch als „Herrenstaffel“ bezeichnet, weil sie früher von den Engelberger Forstherren benutzt wurde.

1644 setzte ein Blitzschlag den Kirchturm in Brand, welcher 1645/46 wieder aufgebaut wurde mit einem Geschoss aus verkleidetem Holzfachwerk für die Turmuhr und den Glockenstuhl und mit einem Knickhelm bedeckt. Der Turm besitzt seitdem eine Höhe von ca. 36,5 Metern.

Von 1751 bis 1758 erfolgte durch den Baumeister Johann Adam Groß der Ältere ein weiterer Umbau der Michaelskirche, bei dem die zweiseitige Emporenanlage und das Doppelportal in der Mauer zum Marktplatz errichtet wurden.[3]

Unter der 1923 und 1977 erneuerten Sonnenuhr über dem Südportal sind noch die in Stein gehauenen Zahlen einer älteren Sonnenuhr zu erkennen.

1958 und 1996 fanden weitere Innenrenovierungen mit Umbauten statt.

Innenausstattung

Predella

Die Predella, die heute unter der Nordempore hängt, war einst Teil eines Flügelaltars. Sie zeigt, in Öl auf Holz gemalt, Christus als Salvator und die Apostel (kenntlich an ihren Attributen). In die Weltkugel, die Christus hält, ist eine Erde und Himmel umspannende Landschaft hineingemalt. Das Bild ist die Arbeit eines neckarschwäbischen Malers des frühen 16. Jahrhunderts. Eine Übermalung von 1872 wurde 1958 entfernt.

Fresken

Chorraum

Im Chor befinden sich Reste der Wandbilder aus dem Erbauungsjahr 1309, die einst den gesamten Chorraum bedeckten.

Auf der Nordwand sind die Verkündigung des Herrn, Mariä Heimsuchung und Maria mit dem Kind zu sehen. Ein fehlendes Bild zeigte vermutlich die Geburt zu Bethlehem.

An der Ostwand, heute von der Orgel verdeckt, sind nur noch die Worte SIMEON (einst Bild der Darstellung im Tempel), REX ERO (Herodes, einst Bild vom Kindermord des Herodes) und ESUS (vermutlich einst Bild mit der Geschichte des zwölfjährigen Jesus im Tempel) zu erkennen. Vermutlich gab es einst auch noch ein Bild mit der Darstellung der Flucht nach Ägypten.

An der Südwand des Chores ist der Erzengel Michael als Seelenwäger zu erkennen, auf der Waagschale ein Teufelchen mit den Sünden der Verstorbenen. Im Innern des Chorbogens ist Der schreibende Teufel zu sehen, der eine Kuhhaut mit seinen Zähnen und Pfoten hält.

Die Ornamentik im Triumphbogen und der Sternenhimmel im Chor kamen bei der Renovierung 1958 zum Vorschein.

Nordwand im Schiff

An der Nordwand des Langhauses befindet sich ein Fries vom Ende des 15. Jahrhunderts mit einem Passionszyklus, dem Stiche von Martin Schongauer offensichtlich als Vorlage dienten.

Die neun Bilder des Passionszyklus zeigen von links Jesu Einzug in Jerusalem, das Abendmahl, den Garten Gethsemane, Jesu Gefangennahme, Jesus vor Kaiphas (nur bruchstückhaft), die Geißelung (nur bruchstückhaft), Jesu Verspottung, Jesus vor Pilatus und die Handwaschung des Pilatus.

Unterhalb des Passionsfrieses sind Reste einer Darstellung der Zehn Gebote anhand ihrer Übertretungen zu erkennen.

Die Fresken wurden 1921 wieder aufgedeckt, dabei wurden die Konturen mit Kohlestift ergänzt. 1958 fand eine Restaurierung statt, bei der die Fehlstellen getüncht und Ergänzungen gestrichelt wurden.

Kanzel und Hirtenfenster

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1811, in ihr wurden Teile aus dem 17. Jahrhundert wiederverwendet.

Das Fenster neben der Kanzel wurde 1958 von Valentin Saile geschaffen und zeigt den Guten Hirten.

Kruzifix

Das Kruzifix ist um 1650 entstanden und hing früher hoch im Triumphbogen. 1958 wurde es abgenommen und als Altarkreuz gefasst.

Sakristei

Die Sakristei ist wohl um 1500 entstanden. In ihr befinden sich ein Schrank von 1498 sowie Grabmale für Philip Albrecht von Gaißberg-Schöckingen (1739) und für den Graf und die Gräfin von Sponeck (1791/1792). Graf von Sponeck war herzoglicher Oberforstmeister auf dem Engelberg.

Orgel

Die Orgel wurde 1967 durch die Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link erbaut und verfügt über 20 Register auf zwei Manualen.[4]

Der barocke Orgelprospekt von 1749 der alten Orgel befindet sich heute in der Georgskirche in Sontheim an der Brenz.

Glocken

Der Kirchturm beherbergt vier Glocken.

Die Kleinste ist die Taufglocke, gegossen 1755 in Stuttgart. Die Zweite ist die Vaterunser-Glocke, ebenfalls gegossen 1755 in Stuttgart. Die Dritte ist die Schied-Glocke. Sie wurde 1973 gegossen und trägt als Inschrift die damalige Jahreslosung aus Haggai 2, 5b.[5] Die Vierte ist die größte Glocke. Am unteren Glockenrand steht zu lesen: GEGOSSEN ZUM CHRISTFEST 1951 AUS SPENDEN DER GANZEN GEMEINDE VOM SEGEN EINES REICHEN OBSTJAHRES. Die Inschrift um die Glockenkrone lautet: OH LAND, LAND, LAND HÖRE DES HERRN WORT! (Jeremia 22, 29).

Commons: Michaelskirche – Sammlung von Bildern

Literatur

  • Ev. Kirchengemeinde Winterbach und Heimatverein Winterbach e.V. (Hrsg.): 700 Jahre Michaelskirche in Winterbach 1309-2009 (= Winterbacher Heimat. Heft 5). Bärenfelser & BAG-Verlag, 2009, ISBN 978-3-86705-066-1.
  • Die evangelische Michaelskirche in Winterbach. 2. Auflage. Bärenfelser & BAG-Verlag, 2009, ISBN 978-3-86705-051-7.
  • Markus Numberger: Winterbach Pfarrkirche St. Michael. Bauhistorische Kurzuntersuchung. Hrsg.: Büro für Bauforschung und Denkmalschutz. 2008.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 864–865.

Einzelnachweise

  1. Siegfried Zarth: Die Michaeliskirche – Geschichte, Bau und Ausstattung. in: Ev. Kirchgemeinde Winterbach (Hrsg.): 700 Jahre Michaeliskirche in Winterbach. Reihe Winterbacher Heimat Heft 5, 2009, ISBN 978-3-86705-066-1
  2. Auszug aus dem Kirchenführer. (PDF) Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  3. kirchbau.de - Datenblatt einzelne Kirche. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  4. Winterbach, Michaelskirche – Organ index, die freie Orgeldatenbank. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  5. Haggai 2,5 | Lutherbibel 2017 :: ERF Bibleserver. Abgerufen am 1. November 2025.

Koordinaten: 48° 47′ 57,8″ N, 9° 28′ 47,5″ O