Fürstliches Losament
Das so genannte Fürstliche Losament ist ein denkmalgeschütztes, historisches Fachwerkhaus in der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das Gebäude diente im Laufe der Geschichte als Jagdschloss, Verwaltungsgebäude (Kellerei), Kameralamt und Finanzamt.[1] Derzeit beherbergt es das städtische Bauamt (Stiftshof 20).
Lage und Architektur
Das dreistöckige, gegen die Straße heraus vierstöckiges Fachwerkgebäude mit steinernem Sockel, Walmdach und Torbogen liegt auf dem Burgberg (auch Schloßberg), dem ältesten Teil der Backnanger Altstadt. Östlich des Gebäudes befand sich der Halsgraben der Burg Backnang. Das Haus lag also innerhalb der Burganlage. An der Westseite befindet sich der Stumpf eines Türmchens sowie ein gläserner Durchgang in ein modernes Nebengebäude.
Geschichte
Das Gebäude wurde erstmals im Jahre 1598 erwähnt, als es der Jurist Veit Breitschwert (1565–1631) an Herzog Friedrich I. von Württemberg veräußerte.[1] Es war also Sitz der adligen Familie Breitschwert, die mit Veit Breitschwert einen der Backnanger Vögte (Amtszeit 1605–1615) stellte und mit den Herren Minner von Rietenau verwandt waren. Zum Besitz der Familie gehörte später auch das Herrenhaus Buchenbachhof und das Schlössle Höfen bei Winnenden.
Herzog Friedrich I. erwarb das Gebäude als Ersatz für die baufällige Burg Backnang, die den Herzögen von Württemberg bis dahin als Residenz gedient hatte. Allerdings weilten die Herzöge von Württemberg nur selten in Backnang. Friedrich I. hielt sich dagegen häufiger in Backnang auf und bewohnte das Gebäude gerne während seiner zahlreichen Jagdausflüge in das Backnanger Umland (Losament=Wohnung). Die vom Herzog eingesetzten Vögte hatten ihren Dienstsitz weiterhin in der alten, ehemals badischen Burg. Die alte Burg wurde ab 1606 abgebrochen, um Platz für das von Heinrich Schickhardt entworfene Schloss Backnang zu schaffen. Das neue Schloss wurde wegen dem Dreißigjährigen Krieg und fehlender Mittel nie vollendet; 1630 wurden die Bauarbeiten eingestellt.
Als Backnang im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1693 von französischen Truppen unter dem Grafen Mélac erobert und niedergebrannt wurde, ist auch das Fürstliche Losament ein Raub der Flammen geworden; es brannte bis auf das steinerne Erdgeschoss ab. 1697 begann der Wiederaufbau in vereinfachter Form; auf eine vollständige Wiederherstellung des Türmchens auf der Westseite wurde dabei verzichtet. Bis 1806 war das Gebäude der Sitz der Stiftsverwaltung und anschließend Cameralamt und beherbergte bis in die 2000er Jahre das Finanzamt.
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Wappen derer von Breitschwert
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Das ehemalige Türmchen auf der Westseite
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Ansicht von Osten
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Ansicht mit Nebengebäuden
Literatur
- Gerhard Fritz, Manfred Schurig (Hrsg.): Die Burgen im Rems-Murr-Kreis. 1. Ausgabe. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden-Buoch 1994, ISBN 3-927981-42-7, S. 69–70.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Torsten Kracke: Stadtrundgang. Abgerufen am 20. September 2025.
Koordinaten: 48° 56′ 42,6″ N, 9° 25′ 58,1″ O