Mechtild Höflich

Mechtild Höflich (häufig auch Mechthild Höflich; * 27. Dezember 1925 in Haste, Landkreis Osnabrück als Mechtild Schlömann; † 20. April 2009[1]) war eine deutsche Soziologin, Pädagogin und Hochschullehrerin.

Leben und Wirken

Höflich war eine Tochter des Pädagogen und Schulgründers Johannes Schlömann. Ab Ostern 1932 besuchte sie die Volksschule in Sutthausen und ab April 1935 die Ursulinenschule in Osnabrück, auf der sie ein Jahr später in die Sexta der Oberschule aufgenommen wurde. Der Beruf ihres Vaters, dessen katholische Bauernschule kurz nach Beginn der Zeit des Nationalsozialismus geschlossen worden war, führte dazu, dass sie unter staatlichem Druck 1938 ihrerseits die konfessionell ausgerichtete Schule verlassen musste und fortan bis zum Abitur im Februar 1944 die städtische Oberschule für Mädchen in Osnabrück besuchte. Anschließend wurde sie statt eines Arbeitsdienstes als Schulhelferin in Wietmarschen eingesetzt.[2]

Im Herbst 1945 nahm Schlömann an einem auf das Universitätsstudium hinführenden Übergangskurs teil, der aufgrund der kriegsbedingt verkürzten Schulzeit erforderlich geworden war, und studierte ab Ostern 1946 Philosophie und Soziologie, anfänglich auch Geschichte, an der Universität Münster. Das Studium unterbrach sie für zwei Semester, um ihrem Vater beim Wiederaufbau der von ihm begründeten Landvolkshochschule in Rulle zu helfen. Anschließend wandte sich ihr Studieninteresse vermehrt der Pädagogik zu. Zum Sommersemester 1949 wechselte sie an die Ludwig-Maximilians-Universität München und studierte dort Philosophie, Soziologie und Pädagogik, unter anderem bei Alois Dempf, Alfred von Martin und Friedrich Schneider. Ab Winter 1951/52 wirkte sie darüber hinaus beim Aufbau der katholischen Landvolkshochschulen Bayerns mit.[2] Anfang 1953 wurde Schlömann bei Alois Dempf mit der Arbeit Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems zum Dr. phil. promoviert.

Mitte der 1950er-Jahre heiratete sie ihren Münchner Studienkollegen Egbert Höflich (1929–2018), einen Theologen und späteren Ministerialbeamten, mit dem sie acht Kinder bekam.[3][4][5] Beide zogen nach Köln (Stadtteil Höhenhaus), wo sie in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig wurde, insbesondere in den Fachgebieten Ehefragen und Sexualerziehung.[6] Später war sie Dozentin an der Kölner Fachhochschule für Sozialarbeit, wo sie gemeinsam mit Maria Mies das Projektstudium am Fachbereich Sozialpädagogik aufbaute.[7][5] Öffentlich in Erscheinung trat sie vor allem ab 1968 durch ihr Engagement im Ökumenischen Arbeitskreis Köln und für die von diesem initiierten Politischen Nachtgebete. In deren Folge rief sie auch eine Hilfsaktion für obdachlose Jugendliche ins Leben, die damals in größerer Zahl aus den Kölner Jugendheimen entliefen, vermittelte für diese Wohnungen an das Jugendamt und gewann Studenten und Sozialarbeiter, sich um sie zu kümmern.[4] Mechtild Höflich war eine enge Freundin der bekannten Theologin und Dichterin Dorothee Sölle.[8][9] 2002 organisierte Höflich zusammen mit Sölle und Maria Mies nach langjähriger Unterbrechung nochmals ein kapitalismuskritisches politisches Nachtgebet in der Kölner Antoniterkirche.[10][11]

Mechtild Höflich war Trägerin des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen und lebte zuletzt im Windecker Ortsteil Wilberhofen.[12][1]

Schriften

  • Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems: Eine grundlagenkritische Untersuchung. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1953.
  • (mit Michael Dohle und Egbert Höflich) CSSR – Santo Domingo – Vietnam. In: Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky: Politisches Nachtgebet in Köln. Band 1, Kreuz-Verlag, Stuttgart/Berlin 1969, S. 13–28.
  • (mit Jakob David) Christliche Ehe ohne Zukunft? Ihre Rolle in der neuen Gesellschaft. Jakob David antwortet Mechtild Höflich (= Das theologische Interview, Nr. 6). Patmos-Verlag, Düsseldorf 1969.
  • (u. a. mit Fulbert Steffensky) Zur Kritik der Praxis: Ein Gruppengespräch. In: Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky (Hrsg.): Politisches Nachtgebet in Köln. Band 2, Kreuz-Verlag, Stuttgart/Berlin 1970, ISBN 3-7867-0301-9, S. 183–196.
  • Fachhochschulen und ihr Praxisbezug zu den Institutionen. In: Neue Praxis, ISSN 0342-9857, 9. Jahrgang (1979), Heft 3, S. 313–318.
  • (u. a. mit Nando Belardi) Didaktik und Methodik sozialer Arbeit (= Soziale Arbeit, Band 4). Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-425-07754-6.
  • Vilma Sturm: Die Lust, etwas zu verändern. In: Christine von Weizsäcker, Elisabeth Bücking (Hrsg.): Mit Wissen, Widerstand und Witz: Frauen für die Umwelt. Herder, Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-451-04093-X, S. 118–131.

Einzelnachweise

  1. a b Traueranzeige für Mechtild Höflich, Neue Osnabrücker Zeitung
  2. a b Lebenslauf. In: Mechtild Schlömann: Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1953.
  3. Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 59. Jahrgang (1967), Heft 4, S. 400.
  4. a b Vilma Sturm: Barfuß auf Asphalt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, ISBN 3-462-01440-4, S. 271.
  5. a b Siegfried Hermle: Umstrittene Anfänge des Kölner Politischen Nachtgebets. In: Thomas K. Kuhn, Katharina Kunter (Hrsg.): Reform – Aufklärung – Erneuerung: Transformationsprozesse im neuzeitlichen und modernen Christentum [Festschrift zum 80. Geburtstag von Martin Greschat]. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2014, ISBN 978-3-374-03899-2, S. 279–296 (hierzu S. 282).
  6. Angaben zur Autorin. In: Christliche Ehe ohne Zukunft? Ihre Rolle in der neuen Gesellschaft. Jakob David antwortet Mechtild Höflich (= Das theologische Interview, Nr. 6). Patmos-Verlag, Düsseldorf 1969.
  7. Maria Mies: Das Dorf und die Welt: Lebensgeschichten, Zeitgeschichten. PapyRossa-Verlag, Köln 2008, S. 139.
  8. Dorothee Sölle: Gegenwind: Erinnerungen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1995, ISBN 3-455-08584-9, S. 138.
  9. Marcel Albert, Markus Eckstein: Lebendige Gemeinde am Rande der Großstadt: die Kölner Pfarrei Sankt Hedwig 1967–2007 (= Forschungen zur Volkskunde, Heft 55; Abteilung Ordens- und Kirchengeschichte, Heft 2). Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2007, ISBN 978-3-86582-430-1. (db-thueringen.de)
  10. Maria Mies: Das Dorf und die Welt: Lebensgeschichten, Zeitgeschichten. PapyRossa-Verlag, Köln 2008, S. 286.
  11. Irene Diller: Das politische Nachtgebet. In: Mariano Delgado, Volker Leppin (Hrsg.): Homo orans: Das Gebet im Christentum und in anderen Religionen. Schwabe Verlag, Basel 2023, ISBN 978-3-7965-4636-5, S. 337–356 (hierzu S. 341).
  12. Ingrid Buchloh, Herbert Christ, Erwin Klein, Nando Mäsch (Hrsg.): Konvergenzen. Fremdsprachenunterricht: Planung – Praxis – Theorie [Festschrift für Ingeborg Christ aus Anlass ihres 60. Geburtstages]. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1996, ISBN 978-3-8233-5284-6, S. IX.