Egbert Höflich
Egbert Höflich (* 29. Januar 1929 in Leschnitz, Oberschlesien[1]; † 3. Februar 2018[2]) war ein deutscher römisch-katholischer Theologe, Philosoph und Ministerialbeamter.
Leben und Wirken
Höflich war das jüngste Kind des promovierten Juristen und Bürgermeisters der Stadt Leschnitz, Richard Höflich (1879–1930), und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Kascha. Nach dem Tode seines Vaters wuchs er mit seiner Familie bei einem Onkel in Oberwitz und Leuber auf. Von 1935 bis 1939 besuchte er die Volksschule und anschließend die staatliche Oberschule für Jungen in Neustadt/Oberschlesien (Fürst-Blücher-Schule). Im September 1944 wurde Höflich zum Volkssturm einberufen und geriet im März 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, der er sich im Juni 1945 durch Flucht entziehen konnte.[3]
In Folge des Kriegsausgangs wurde Höflich aus Schlesien vertrieben und besuchte ab Oktober 1945 die Kirchenmusikschule Regensburg, wo er im Juli 1947 das Abschlussexamen erlangte. 1948 bestand er das Abitur am Regensburger Neuen Gymnasium und begann im selben Jahr ein Studium an der Philosophisch-theologischen Hochschule Regensburg. Im Sommersemester 1949 wechselte Höflich an die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er über die Regensburger Fächer katholische Theologie und klassische Philologie hinaus auch Philosophie, Psychologie und Volkswirtschaft studierte, insbesondere bei Alois Dempf, Philipp Lersch und Gottlieb Söhngen. 1954 wurde er dort mit der Arbeit Die Prinzipienlehre des platonischen Dialogs Parmenides zum Dr. phil. promoviert.[1][3]
Mitte der 1950er-Jahre heiratete Höflich seine Münchner Studienkollegin Mechtild Schlömann (1925–2009), eine Soziologin und spätere Hochschullehrerin, mit der er acht Kinder bekam.[4][5][6] Beide zogen nach Köln (Stadtteil Höhenhaus), wo er ab 1957 im höheren Schuldienst tätig war[1] und als Oberstudienrat zunächst stellvertretender und schließlich als Studiendirektor Leiter eines staatlichen Studienseminars für Lehrer der Höheren Schule wurde.[7][8][6] Er wirkte darüber hinaus als regelmäßiger Autor christlicher Fachzeitschriften und Sammelwerke.[1] Öffentlichkeitswirksam wurde ab Ende der 1960er-Jahre seine aktive Teilnahme gemeinsam mit seiner Frau Mechtild an den Politischen Nachtgebeten in Köln, bei denen er sich unter anderem gegen den Vietnamkrieg einsetzte.[6][9] 1969 wechselte Höflich an das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen[10], wo er zum (Leitenden) Ministerialrat und schließlich zum Ministerialdirigenten befördert wurde. Er wohnte zuletzt über längere Zeit im Windecker Ortsteil Wilberhofen.[11][12][2]
Schriften
- Die Prinzipienlehre des platonischen Dialogs Parmenides. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1954.
- Zu Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“. In: Philosophisches Jahrbuch, 69. Jahrgang (1961/62), 2. Halbband, Verlag Karl Alber, München 1962.
- Soziologie im Interessenbereich des Studienseminars. In: Das Studienseminar: Zeitschrift für Gymnasialpädagogik, 1962, S. 23–38, ZDB-ID 202311-8.
- Wir und die Anderen. Ein Beitrag zum dialogischen Selbstverständnis der Kirche. In: Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 56. Jahrgang (1963/64), S. 1–17.
- Nikolaus von Kues als Denker der Einheit. In: Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 56. Jahrgang (1963/64), Heft 6 (August 1964), S. 485–505.
- Die sozialkulturelle Bedingtheit des Gewissens. In: Die soziale Arbeit. Nr. 20 (Frühjahr 1965), ZDB-ID 612468-9.
- Ideologien in der Kirche. In: Frankfurter Hefte, 20. Jahrgang (1965), Heft 9 (September 1969), S. 637–647.
- Der Gestaltwandel der Autorität in der Kirche. In: Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 58. Jahrgang (1965/66), Heft 4, S. 307–319.
- Eine Kirche für die Welt. In: Johann Christoph Hampe (Hrsg.): Die Autorität der Freiheit: Gegenwart des Konzils und Zukunft der Kirche im ökumenischen Disput. Kösel, München 1967, Band 3, S. 156–163.
- Die Geburtenregelung als Problem der Kirche. In: Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 59. Jahrgang (1967), S. 360–365.
- Stellungnahme zur Enzyklika »Humanae vitae«. In: Diakonia, 3. Jahrgang (1968), Heft 5, S. 309–311.
- (mit Marie Veit, Michael Dohle und Dorothee Sölle) „Politisches Nachtgebet“ als Modell: Zu einer Veranstaltung des Ökumenischen Arbeitskreises in der ev. Antoniterkirche in Köln. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, 13. Jahrgang (1968), Heft 11 (November 1968), S. 1147–1158.
- Die Verlegenheit über Gott zu sprechen. In: Akademische Bonifatius-Einigung (Hrsg.): Lebendiges Zeugnis: eine Schriftenreihe für katholische Christen an der Hochschule und im Beruf, Heft 3–4/1968 (November 1968).
- (mit Michael Dohle und Mechtild Höflich) CSSR – Santo Domingo – Vietnam. In: Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky: Politisches Nachtgebet in Köln. Band 1, Kreuz-Verlag, Stuttgart/Berlin 1969, S. 13–28.
- (mit Alois Müller) Hierarchie oder Volkssouveränität? Zum Problem der Autorität in der Kirche (= Das theologische Interview, Nr. 13). Patmos-Verlag, Düsseldorf 1970.
- Die Erziehung zum christlichen Glauben in der Familie. In: Walter Dirks, Theodor Filthaut (Hrsg.): Glaube und Schule: Grundüberlegungen zum Schulstreit. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1967, S. 9–41.
- Karl Marx für die Kirche 1: Heilsverkündigung als politische Gewissensbildung; eine Antwort auf Hans Maiers Polemik gegen die politische Theologie. In: Frankfurter Hefte, 24. Jahrgang (1969), Heft 11 (November 1969), S. 777–785.
- Karl Marx für die Kirche 2: Heilsverkündigung als politische Gewissensbildung; eine Antwort auf Hans Maiers Polemik gegen die politische Theologie. In: Frankfurter Hefte, 24. Jahrgang (1969), Heft 12 (Dezember 1969), S. 843–854.
- Lehrereinstellungen in Nordrhein-Westfalen: Fakten und Perspektiven. In: Schulverwaltung: Fakten und Perspektiven, 1. Jahrgang (1990), S. 6–7, 36–38.
- Was kann ich glauben? Gedanken zur Zukunft der Kirche. Radius, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-87173-926-2.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Blätter für deutsche und internationale Politik, 13. Jahrgang (1968), Heft 11 (November 1968), S. 1226.
- ↑ a b Traueranzeige für Egbert Höflich, Wir trauern
- ↑ a b Lebenslauf. In: Egbert Höflich: Die Prinzipienlehre des platonischen Dialogs Parmenides. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1954.
- ↑ Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 59. Jahrgang (1967), Heft 4, S. 400.
- ↑ Vilma Sturm: Barfuß auf Asphalt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, ISBN 3-462-01440-4, S. 271.
- ↑ a b c Siegfried Hermle: Umstrittene Anfänge des Kölner Politischen Nachtgebets. In: Thomas K. Kuhn, Katharina Kunter (Hrsg.): Reform – Aufklärung – Erneuerung: Transformationsprozesse im neuzeitlichen und modernen Christentum [Festschrift zum 80. Geburtstag von Martin Greschat]. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2014, ISBN 978-3-374-03899-2, S. 279–296 (hierzu S. 282).
- ↑ Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 56. Jahrgang (1963/64), S. 92.
- ↑ Karl Schilde (Hrsg.): Pädagogisches Lesebuch. Hirschgraben-Verlag, Frankfurt am Main 1968, S. 2.
- ↑ Marcel Albert, Markus Eckstein: Lebendige Gemeinde am Rande der Großstadt: die Kölner Pfarrei Sankt Hedwig 1967–2007 (= Forschungen zur Volkskunde, Heft 55; Abteilung Ordens- und Kirchengeschichte, Heft 2). Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2007, ISBN 978-3-86582-430-1, S. 57. (db-thueringen.de)
- ↑ Kurzbiographie der Autoren. In: Alois Müller, Egbert Höflich: Hierarchie oder Volkssouveränität? Zum Problem der Autorität in der Kirche (= Das theologische Interview, Nr. 13). Patmos-Verlag, Düsseldorf 1970.
- ↑ Ingrid Buchloh, Herbert Christ, Erwin Klein, Nando Mäsch (Hrsg.): Konvergenzen. Fremdsprachenunterricht: Planung – Praxis – Theorie [Festschrift für [[Ingeborg Christ]] aus Anlass ihres 60. Geburtstages]. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1996, ISBN 978-3-8233-5284-6, S. IX.
- ↑ Traueranzeige für Mechtild Höflich, Neue Osnabrücker Zeitung