Johannes Schlömann

Johannes Schlömann (* 28. Dezember 1894 in Ohrbeck, Landkreis Osnabrück; † 24. März 1957 ebenda[1]) war ein deutscher Pädagoge und Schulgründer. Er galt als ein Pionier der katholischen, ländlichen Erwachsenenbildung in Deutschland.

Leben und Wirken

Schlömann war der Sohn eines Landlehrers. Aus seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg wurde er als Offizier entlassen. Anschließend studierte er unter anderem bei Theodor Heuss an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin.[2] Seine pädagogische Laufbahn begann in den 1920er-Jahren als Volksschullehrer in Haste bei Osnabrück.[1] Er gründete in den Dörfern des Osnabrücker Landes Landjugendgruppen, die er als Lehrer anführte, und gab zudem zeitweise mit dem Junglandboten auch eine eigene Zeitschrift für das junge Landvolk heraus.[2] Im Herbst 1927 begann er mit mehrtägigen, später mehrwöchigen Kursen zur Fortbildung der Landjugend im Jugendheim Haste, die 1929 die Form eines Schulbetriebs annahmen. Mit Unterstützung des Osnabrücker Bischofs Wilhelm Berning und des Regierungspräsidenten Adolf Sonnenschein konnte er 1930/31 in Sutthausen die Niedersächsische Bauernschule Sutthausen gründen, eine katholische Landvolkshochschule in Trägerschaft eines Vereins, deren Rektor er war.[1][3][4]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Bauernschule im März 1934 geschlossen, sodass Schlömann wieder als Volksschullehrer tätig werden musste.[1] 1940 wurde er erneut zum Kriegsdienst verpflichtet und geriet bei Kriegsende in britische Gefangenschaft, aus der er 1946 wieder zurückkehrte.[2] Anschließend wurde er mit der Organisation des landwirtschaftlichen Berufsschulwesens im Landkreis Osnabrück beauftragt, bevor ihn der Osnabrücker Bischof in die kirchliche Landvolkarbeit berief.[1] 1948 konnte er die Landvolkshochschule in Rulle mit anfänglich nur zwölf Schülern in angemieteten Räumen wiederbegründen. In der Folge setzte er sich für den Bau eines eigenen Schulgebäudes ein, das auf einem gestifteten Grundstück auf der Gartmannshöhe bei Oesede errichtet werden sollte. Ihm gelang es nach intensivem Einwerben von Spendengeldern den erforderlichen Eigenanteil des Trägervereins aufzubringen, sodass mithilfe der Restfinanzierung durch das Land Niedersachsen und den Bund bis 1954 die Katholische Landvolkshochschule Oesede (später auch „Johannes-Schlömann-Schule“) entstehen konnte.[5][6] Zudem initiierte er seinerzeit die Gründung des Verbands Katholischer Landvolkshochschulen Deutschlands und war zeitweise dessen stellvertretender Vorsitzer sowie Mitbegründer und erster Vorsitzender des Verbands ländlicher Heimvolkshochschulen Deutschlands.[1][2]

Anfang März 1957, nur wenige Wochen vor seinem Tod, wurde dem zu diesem Zeitpunkt schon erkrankten Schlömann in Anerkennung seiner pädagogischen Lebensleistung das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.[5] Er hinterließ seine Ehefrau Katharina und wurde in Ohrbeck beigesetzt.[2][7] Seine Tochter Mechtild Höflich (1925–2009), eine promovierte Soziologin, wirkte ebenfalls auf vielfältige Weise in der Erwachsenenbildung und war Hochschullehrerin in Köln.[8][9]

Literatur

  • Johannes Voetlause: In memoriam Johannes Schlömann. In: Institut für Erwachsenenbildung (Hrsg.): Erwachsenenbildung: Vierteljahresschrift für Theorie und Praxis, ISSN 0423-3530, 3. Jahrgang (1957), Heft 2, S. 58–61.
  • Heiner Lotze: Johannes Schlömann †. In: Kulturarbeit: Monatsschrift für Kultur und Heimatpflege, 9. Jahrgang, Heft 6/1957 (Juni 1957), S. 119.
  • Schlömann, Johannes. In: Rainer Hehemann, Landschaftsverband Osnabrück (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte der Region Osnabrück (= Schriftenreihe Kulturregion Osnabrück des Landschaftsverbandes Osnabrück e.V., Band 3). Bramsche, Rasch 1990, ISBN 3-922469-49-3, S. 226.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Schlömann, Johannes. In: Rainer Hehemann, Landschaftsverband Osnabrück (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte der Region Osnabrück (= Schriftenreihe Kulturregion Osnabrück des Landschaftsverbandes Osnabrück e.V., Band 3). Bramsche, Rasch 1990, ISBN 3-922469-49-3, S. 226.
  2. a b c d e Johannes Voetlause: In memoriam Johannes Schlömann. In: Institut für Erwachsenenbildung (Hrsg.): Erwachsenenbildung: Vierteljahresschrift für Theorie und Praxis, ISSN 0423-3530, 3. Jahrgang (1957), Heft 2, S. 58–61.
  3. Manfred Heinemann (Hrsg.): Sozialisation und Bildungswesen in der Weimarer Republik (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, Band 1). Klett, Stuttgart 1976, ISBN 978-3-12-926980-0, S. 350.
  4. Die Glocke, 4. Oktober 1932, S. 4 (zeitpunkt.nrw)
  5. a b Heiner Lotze: Johannes Schlömann †. In: Kulturarbeit: Monatsschrift für Kultur und Heimatpflege, 9. Jahrgang, Heft 6/1957 (Juni 1957), S. 119.
  6. Geschichte, Katholische Landvolkhochschule Oesede
  7. Heimat- und Einwohnerbuch für den Landkreis Osnabrück 1967/68. Adressbuchverlag Meinders & Elstermann, Osnabrück 1967, S. 240.
  8. Lebenslauf. In: Mechtild Schlömann: Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1953.
  9. Traueranzeige für Mechtild Höflich, Neue Osnabrücker Zeitung