Mayadunne von Sitawaka
Mayadunne von Sitawaka (singhalesisch සීතාවක මායාදුන්නේ රජ, auch Mayadunne Bandara; geboren 1501; gestorben 1581 in Avissawella) war zwischen 1521 und 1581 der König von Sitawaka, einem von ihm selbst gegründeten Königreich. Er verbrachte seine Herrschaft mit dem Versuch, Sri Lanka unter Sitawaka zu einigen und die Portugiesen wieder von der Insel zu vertreiben.
Familie und Jugend
Mayadunne war der jüngste von drei singhalesischen Prinzen aus dem Königreich Kotte, die von Anula Kahatuda[1], der ersten Ehefrau der zwei Prinzen Vijayabahu und Chakrayudabahu stammten. Seine älteren Brüder waren Bhuvanekabahu (VII.) und Pararajasinghe. Ein vierter Sohn der Familie starb im Kindesalter; auch zwei der Eltern starben noch vor 1509. Der verbliebene Vater Vijayabahu übernahm die Verantwortung für die Erziehung seiner Söhne: 1509 wurde er königlicher Statthalter in Udugampola und 1513 wurde er der Haupt-König von Kotte.
Mayadunne und seinen beiden Brüdern wurde 1521 offengelegt, dass eine Intrige ihres Vaters mit seiner zweiten Ehefrau und weiteren Höflingen bestand, nach welcher ihr zu dem Zeitpunkt noch minderjähriger Halbbruder als Thronerbe vorgesehen sei. Die drei Prinzen, deren Leben auf dem Spiel stand, flohen aus Kotte. Mayadunne begab sich nach Udarata (dem Königreich Kandy)[2] und bat dessen König Jayavira Bandara II. um eine Armee zu seiner Unterstützung. Kandy war an Kotte tributpflichtig, und Jayavira entstammte demselben Königsgeschlecht wie die Herrscher von Kotte, zudem hatte er den Cousin Mayadunnes geheiratet. Aufgrund der guten persönlichen Beziehungen gewährte er also die Truppen, und mit dieser Rückendeckung zog Mayadunne zurück nach Kotte, wo er die tragende Rolle bei der Vijayabā Kollaya spielte, dem Ereignis, was seinen Vater stürzte. Bei dem Putsch kam es zu keiner größeren militärischen Auseinandersetzung, da die Prinzen populär genug waren, sodass sich die Truppen von Kotte nicht gegen sie stellten. Jedoch erlaubten die Prinzen Plünderungen auf dem Marsch nach Kotte sowie im Palast von selbst.
Gegen die Machtübernahme der drei Prinzen begehrte Vira Suriya auf, ein weiterer Verwandter des ermordeten Königs. Gemeinsam mit einem Teil des Hofstaates floh er nach Hapitigama Korale, wo seiner Rebellion durch Mayadunnes Armee ein Ende gesetzt wurde. So teilten die drei Brüder 1521 das Königreich Kotte untereinander auf, wobei der älteste König Bhuvanekabahu VII. die Oberherrschaft in Kotte zugesprochen bekam, gemeinsam mit dem größten Teil des Reichs und allen Küstenregionen, die von Kotte kontrolliert wurde. Im Binnenland wurden zwei großzügige Provinzen abgeteilt: der jüngste Bruder Mayadunne erhielt das Königreich Sitawaka zugesprochen, das zentral zwischen Kotte und Kandy lag; der mittlere Bruder Pararajasinghe erhielt das Königreich Raigama.[3] Auch Kandy profitierte von der Aufteilung von Kotte, und betrachtete sich nun als souverän.
König von Sitawaka
1526 begann der Konflikt zwischen Mayadunne und seinem älteren Bruder Bhuvanekabahu VII., welcher sich als eher schwacher König erwies und mit den Portugiesen eng zusammenarbeitete. Weil sich der Handel mit Zimt als enorm profitabel erwies, hatte die Verbindung mit Portugal Kotte zur reichsten Gegend Sri Lankas gemacht. 1526 wurde Bhuvanekabahu zum Ausweisen aller Moor-Händler aus Kotte genötigt, was beide Brüder im Inland gegen ihn aufbrachte.[2] Mayadunne schloss ein Bündnis gegen die Portugiesen mit dem Zamorin von Calicut, und verschärfte seine Attacken auf die Verbündeten seines Bruders, und dann auch auf Kotte selbst. Schließlich stieß er 1536 und 1538 zweimal nach Kotte vor, doch die Belagerung wurde beide Male durch Entsatztruppen der Portugiesen aus Colombo beendet. Durch diese Hilfeleistung hatte sich zugleich gezeigt, dass Bhuvanekabahu VII. von den Portugiesen militärisch völlig abhängig war; tatsächlich war das Königreich Kotte ab den 1540ern wenig mehr als ein Vasallentum der Portugiesen. Dies ging soweit, dass Bhuvanekabahu 1540 ein goldenes Porträt seines Enkels Dharmapala nach Lissabon schickte, um diesen als Thronfolger bestätigen zu lassen.[3]
Dennoch war Bhuvanekabahu seinem Bruder nicht feindlich gesinnt, sondern war bereit, viele Zugeständnisse zu machen, um mit Mayadunne Frieden zu bewahren. Die Niederlagen gegen die Portugiesen zwangen Mayadunne zu einem Waffenstillstand mit seinem ältesten Bruder, der von 1538 bis 1547 andauerte. Dies wurde auch durch den Tod von Pararajasinghe, dem mittleren Bruder und Regenten des Königreichs Raigama befördert: Bhuvanekabahu erhob keine Einwände, als Mayadunne Raigama annektierte und dem Gebiet von Sitawaka hinzufügte. Allerdings verlor Mayadunne auf Dauer sein Bündnis mit dem Zamorin, denn die Portugiesen verlangten für den Waffenstillstand, dass ihnen die Köpfe der muslimischen Gesandten vom indischen Festland überbracht wurden.[2]
Ab 1541 wurde Mayadunne nun diplomatisch aktiv, und sicherte sich die Loyalität der Provinzfürsten und lokalen Statthalter innerhalb von Kotte, die offiziell noch Bhuvanekabahu VII. untergeben waren. De facto kontrollierte Mayadunne im Lauf der 1540er Jahre immer größere Teile von Kotte. Der König soll auch dafür gesorgt haben, dass Mönche die Zahnreliquie des Buddha von Kotte nach Sitawaka schmuggelten, um sie so vor der drohenden portugiesischen Inquisition zu bewahren.[1]
Durch den Machtzuwachs des militanten Sitawaka wurde mittlerweile das Königreich von Kandy bedroht, und Mayadunne sicherte sich die Unterstützung von Bhuvanekabahu gegen Jayavira II., welcher Kandy als unabhängiges Königreich betrachtete. Sitawaka und Kotte gingen gemeinsam gegen Udarata vor, und Jayavira musste sich 1545 den Friedensbedingungen der zwei Brüder unterwerfen. Zum eigenen Schutz akzeptierte er dann aber 1547 eine portugiesische Oberherrschaft mitsamt einer kleinen Besatzungsmacht sowie katholischen Priestern in Kandy. Die Portugiesen erkannten rasch, dass die Kandyer bloß eine politische Allianz gesucht hatten, und weiterhin „heidnische“ Tempel förderten. Missverständnisse und Vorurteile auf beiden Seiten führten zu einem raschen Zerfall des Bündnisses, und die Portugiesen stellten sich in dem Konflikt wieder auf die Seite von Kotte, wodurch sich auch ein Waffenstillstand mit Mayadunne ergab.
Dieser währte allerdings nicht lange, bereits im Folgejahr kämpften Portugal und Sitawaka wieder in gegnerischen Lagern. Im November 1550 traf Afonso de Noronha als neuer portugiesischer Statthalter in Colombo ein, gemeinsam mit der größten Streitmacht, die Portugal je nach Ceylon verlegt hatte. Er war voreingenommen gegen die einheimischen Könige, und es ist umstritten, ob Bhuvanekabahu VII. im Dezember des Jahres auf das Geheiß von Noronha oder von Mayadunne getötet wurde.[3][1][2] Im Anschluss verhalfen die Portugiesen jedenfalls seinem Enkel Dharmapala auf den Thron, mit dem Vater Vindiye Bandara als Regenten. Die von Vindiye geführten Kräfte von Kotte vereinten mit dem portugiesischen Expeditionskorps gegen Sitawaka: Mayadunne hatte vergeblich Truppen zur Intervention gegen die Thronfolge geschickt hatte. 1551 nahmen die Portugiesen die Hauptstadt Sitawaka ein, welche allerdings von Mayadunne geräumt worden war und von ihm direkt wieder zurückerobert wurde.
Vindiye Bandara, 1552 zum Katholizismus konvertiert, widerrief diesen Schritt bald darauf und wurde darum gefangen gesetzt. 1553 entkam er der Haft und revoltierte gegen die Portugiesen, wobei er einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung genoss und als rechtmäßiger Herrscher in Kotte betrachtet wurde. Diese Entwicklung führte schließlich zu einer Allianz von Mayadunne gemeinsam mit den Portugiesen gegen Vindiye, den jeweiligen Rivalen um die Macht in Kotte. 1555 wurde Vindiye besiegt, und die kurzfristige Zweckallianz erlosch sofort. Mayadunne durfte nun auch die Bevölkerung von Kotte mehrheitlich auf seiner Seite glauben, erst recht nachdem der nominelle König von Kotte, Dharmapala, im Frühjahr 1557 zum Katholizismus konvertierte und religiöse Säuberungen der Portugiesen in Kotte und Colombo tolerierte. Die Plünderungen und Zwangsbekehrungen brachten die Buddhisten von Kotte weiter gegen die Portugiesen auf. Eine erneute Belagerung von Kotte durch Mayadunne dauerte von November 1557 bis November 1558, bevor der dritte Anlauf der Portugiesen seine Armee zum Rücktritt zwingen konnte.
Der Sohn von Mayadunne, Tikiri Bandara, war über die 1550er Jahre eine erhebliche Stütze für Mayadunne geworden. 1559 führte er zu Pferd die Streitkräfte von Sitawaka zum Sieg über die Portugiesen in der Schlacht von Mulleriyawa, und überschattete ab diesem Zeitpunkt mit seinen militärischen Erfolgen für Sitawaka die Taten seines Vaters. 1578 wurde Tikiri offiziell Ko-Regent von Mayadunne und spätestens mit dessen Tod im Jahr 1881 übernahm Tikiri als Rajasingha I. den Thron von Sitawaka. Es gibt Gerüchte, dass Mayadunne auf Anweisung von Rajasingha ermordet worden sein soll, da sein Sohn zum Hinduismus konvertiert war und ein scharfer Gegner des Buddhismus wurde, während Mayadunne zeitlebens Buddhist blieb.
Nachwirken
Mayadunne, ebenso wie sein Sohn, wurde aufgrund des jahrzehntelangen und erfolgreichen „Freiheitskampfes“ gegen die portugiesische Kolonisation zu bedeutenden Identifikationsfiguren für Singhalesen.[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Nico F. Declercq: The appearance of the Portuguese and the Establishment of the Portuguese Kingdom of Kotte (Kapitel 55.2.2, S. 1087f. In: The Desclergues of la Villa Ducal de Montblanc, Kortrijk 2024
- ↑ a b c d Kingsley Muthumuni de Silva: A History of Sri Lanka, University of California Press 1981 (Digitalisat), S. 97–125
- ↑ a b c Humphry William Codrington: A short history of Lanka, Macmillan and Co., London 1926. Kapitel VI.