Maura Zátonyi
Maura Zátonyi OSB (* 2. November 1974 in Szombathely, Ungarn) ist eine ungarische Benediktinerin, Philosophin und katholische Theologin. Sie arbeitet vor allem zu Werk und Theologie Hildegards von Bingen und ist Professorin am Pontificio Ateneo Sant’Anselmo in Rom.[1][2]
Leben und Wirken
Zátonyi wurde 1974 in Szombathely (deutsch Steinamanger) geboren.[1] Sie studierte von 1993 bis 1999 Klassische Philologie an der Universität Budapest (Diplom) und wurde 2011 an der Universität Mainz mit einer Arbeit zur Schrifthermeneutik der Visionstrilogie Hildegards von Bingen im Fach Philosophie promoviert.[2][3] Es folgte ein Studium der katholischen Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main (Dipl.-Theol.); seit 2023 ist sie erneut an der Universität Mainz in einem theologischen Promotionsprojekt zu Hildegards Briefen eingeschrieben.[2][3]
Ihr kirchlicher Weg führte sie 1994 in die Zisterzienserinnenabtei Kismaros in Ungarn; 1999 wechselte sie in die Abtei St. Hildegard in Eibingen, wo sie 2004 die feierliche Profess ablegte.[2] Beruflich war sie unter anderem als Dozentin für mittelalterliche Philosophie an der Hochschule Sankt Georgen tätig und wirkte für die Heiligsprechung und Erhebung Hildegards zur Kirchenlehrerin an theologischen Gutachten mit.[2][3]
Zátonyi konzipierte zusammen mit Kooperationspartnern die St. Hildegard-Akademie Eibingen e.V. und ist dort seit 2018 Vorstandsvorsitzende.[2] Von 2020 bis 2024 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Das Buch der Briefe der Hildegard von Bingen. Genese – Struktur – Komposition“ an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.[2][4] Seit 2024 lehrt sie Philosophie als Professorin (Professore invitato) am Pontificio Ateneo Sant’Anselmo, der Benediktinerhochschule in Rom.[5]
Schriften (Auswahl)
- Bücher
- Vidi et intellexi. Die Schrifthermeneutik in der Visionstrilogie Hildegards von Bingen. Aschendorff, Münster 2012 (= Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters, N.F. 76; zugl. Diss. Univ. Mainz 2011).
- mit Rainer Berndt SJ: Glaubensheil. Wegweisung ins Christentum gemäß der Lehre Hildegards von Bingen. Aschendorff, Münster 2013 (= Erudiri Sapientia, 10).
- mit Hiltrud Gutjahr, Lieselotte E. Saurma-Jeltsch: Geschaut im lebendigen Licht. Die Miniaturen des „Liber Scivias“ der Hildegard von Bingen. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2011.
- Hildegard von Bingen. Aschendorff, Münster 2017 (= Zugänge zum Denken des Mittelalters, 8).
- Als Übersetzerin und Herausgeberin
- Hildegard von Bingen: Das Buch der Lebensverdienste. Liber Vitae Meritorum (= Hildegard von Bingen – Werke, Bd. 7). Übersetzung: Maura Zátonyi. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2014, ISBN 978-3-87071-314-0.
- Hildegard von Bingen: Katechesen – Kommentare – Lebensbilder. Opera Minora (= Hildegard von Bingen – Werke, Bd. 9). Übersetzung: Pius Engelbert, Maura Zátonyi, Viki Ranff, Michael Embach, Paul Dräger, Gottfried Kneib, Eva Schulz-Flügel. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2015, ISBN 978-3-87071-327-0.
- Hildegard von Bingen: Prophetisches Vermächtnis. Testamentum Propheticum (= Hildegard von Bingen – Werke, Bd. 10). Übersetzung: Maura Zatonyi. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2016, ISBN 978-3-87071-338-6.
- Europäische Spiritualität: Kontemplation im Wirken. Aschendorff, Münster 2021. ISBN 978-3-402-24759-4
- Das große Hildegard von Bingen Lesebuch: Worte wie von Feuerzungen. Herder, Freiburg 2022, ISBN 978-3-451-39166-8.
- Ausgewählte Aufsätze
- Die Gabe tiefsinnender Schriftauslegung. Schriftverständnis durch Bildhermeneutik: Der Beitrag Hildegards von Bingen zu neuen Deutungsmustern der Bibel, in: Theologie und Glaube 103 (2013), S. 280–294.
- Christozentrische Anthropologie. Eine Studie zur modellhaften Schriftauslegung Hugos von Saint-Victor und Hildegards von Bingen, in: Josef Rist (Hg.), Wort Gottes. Die Offenbarungsreligionen und ihr Schriftverständnis (= Theologie im Kontakt. Neue Folge, 1), Münster 2013, S. 85–114.
- Kirchbauten, Buchstaben, Theologie. Die dreifache Rezeption des Rupertsberger Scivias-Kodex, in: Erbe und Auftrag 90 (2014), S. 152–169.
- Frömmigkeit mit Kreuz, Buch und Pflug. Für eine europäische Spiritualität, in: Herder Korrespondenz 73 (2019), H. 11, S. 24–27. (Volltext online)
- Visionäre Philosophie. Erkenntniswege bei Hildegard von Bingen, in: Münchener Theologische Zeitschrift 71 (2020), S. 114–128. (doi:10.5282/mthz/5287).
Weblinks
- Literatur von und über Maura Zátonyi im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Maura Zátonyi OSB. In: St. Hildegard-Akademie Eibingen. Abgerufen am 13. November 2025.
- CV Maura Zátonyi OSB. (PDF) In: St. Hildegard-Akademie Eibingen. Abgerufen am 13. November 2025.
- Dr. Maura Éva Zátonyi. In: Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Abgerufen am 13. November 2025.
Einzelnachweise
- ↑ a b Zátonyi, Maura. In: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b c d e f g Maura Zátonyi OSB. In: St. Hildegard-Akademie Eibingen. Abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b c CV Maura Zátonyi OSB. (PDF) In: St. Hildegard-Akademie Eibingen. Abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ Dr. Maura Éva Zátonyi. In: Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ Docenti Filosofia am Pontificio Ateneo Sant’Anselmo.