St. Hildegard-Akademie Eibingen

St. Hildegard-Akademie Eibingen
Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 12. Oktober 2018
Sitz Rüdesheim am Rhein-Eibingen
Website https://www.hildegard-akademie.de/

Die St. Hildegard-Akademie Eibingen ist ein 2018 gegründeter wissenschaftlicher Verein und ein interdisziplinäres Forschungszentrum zu Hildegard von Bingen im Stadtteil Eibingen von Rüdesheim am Rhein.

Geschichte

Die Gründung der St. Hildegard-Akademie geht auf Überlegungen der Abtei St. Hildegard zurück, eine eigene, an der Abtei angesiedelte Einrichtung zu schaffen, in der die spirituellen und wissenschaftlichen Traditionen des Klosters gebündelt und für eine europäisch ausgerichtete Hildegard-Forschung fruchtbar gemacht werden.[1] In den Jahren 2017/2018 konzipierten Sr. Maura Zátonyi OSB und Mons. Michael Weninger das Projekt einer „St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V. – Zentrum für Wissenschaft, Forschung und europäische Spiritualität“ und bereiteten die Vereinsgründung vor.[2]

Am 12. Oktober 2018 wurde der Verein offiziell gegründet.[3][4] Die Akademie startete mit einer kleinen Zahl von Gründungsmitgliedern aus Theologie, Geschichts- und Kulturwissenschaft, Musik- und Medizingeschichte sowie kirchlichen und kulturellen Praxisfeldern.[5]

Am 10. Mai 2019 wurde das „Zentrum für Wissenschaft, Forschung und europäische Spiritualität“ im Rahmen einer Feierstunde in Eibingen der Öffentlichkeit vorgestellt. An der Eröffnung nahmen neben Vertreterinnen der Abtei und der neu gegründeten Akademie auch kirchliche Verantwortungsträger und politische Gäste teil.[6][7][8]

Zielsetzung und Profil

Die Akademie formuliert als übergeordnetes Ziel, das geistige und geistliche Erbe Europas bewusst zu machen, das sie wesentlich in der christlichen Spiritualität und in der benediktinischen Tradition verwurzelt sieht. Klöster werden dabei als Orte verstanden, an denen gelebte Spiritualität mit wissenschaftlicher Reflexion verbunden wird und von denen Impulse für die Auseinandersetzung mit kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen ausgehen. Die Akademie sieht sich als Instrument, diese Tradition der Abtei St. Hildegard zu stärken und für die Zukunft eines christlich geprägten Europa zu nutzen.[1][9]

Konkret ist die Akademie als eingetragener Verein zur Förderung der Hildegard-Forschung gegründet worden, verbunden mit dem Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in die Öffentlichkeit im Hinblick auf eine europäische Gesellschaftslehre, die sich auf die benediktinische und hildegardische Tradition bezieht. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Erschließung von Leben und Werk Hildegards, deren universale Bedeutung und Aktualität mit ihrer Erhebung zur Kirchenlehrerin im Jahr 2012 noch einmal hervorgehoben wurde. Die Akademie knüpft an die seit mehr als hundert Jahren in der Abtei angesiedelte Hildegard-Forschung an, will vorhandene wissenschaftliche Ressourcen sichern, die weltweite Forschung koordinieren und den theologischen wie spirituellen Beitrag Hildegards für Gegenwart und Zukunft vermitteln.[1][9][10]

Organisation

Die Akademie ist im Vereinsregister des Amtsgerichts Wiesbaden eingetragen.[11][12] Mitglieder des Vereins können natürliche und juristische Personen werden, wenn sie die Ziele der Akademie unterstützen. Über Aufnahmeanträge entscheidet der Vorstand. Die Mitgliedschaft steht ausdrücklich auch international tätigen Wissenschaftlern offen.[11][9][13]

Organe des Vereins sind gemäß Satzung der Vorstand und die Mitgliederversammlung. Diese tritt in der Regel jährlich zusammen, beschließt über Haushaltsplan, Mitgliedsbeiträge und Satzungsfragen und wählt turnusmäßig Vorstand und Rechnungsprüfer.[11][14] Die Vorstandsmitglieder werden jeweils für fünf Jahre gewählt und arbeiten ehrenamtlich. Vertreterinnen der Abtei, internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie kirchliche und kulturelle Akteure sind so dauerhaft in die Leitungsstrukturen der Akademie eingebunden.[11][15]

Mitglieder (Auswahl)

Die wissenschaftliche Arbeit der Akademie wird von einem interdisziplinären Kreis internationaler Hildegard-Forscher begleitet, darunter:

  • Tilo Altenburg – Historiker, Edition und Interpretation hildegardischer Texte
  • Jeroen Deploige – Mittelalterhistoriker, Autorschaft und Prophetie im 12. Jahrhundert
  • Marija-Ana Dürrigl – Mediävistin, glagolitische Literatur und Rezeption Hildegards
  • Michael Embach (* 1956) – Theologe und Bibliothekar, Überlieferungsgeschichte der Hildegard-Handschriften
  • Margot Elsbeth Fassler (* 1953) – Musik- und Liturgiewissenschaftlerin, Hildegards Gesänge und Liturgien
  • Franz Josef Felten (* 1946) – Mittelalterhistoriker, Kloster- und Sozialgeschichte im Umfeld Hildegards
  • William T. Flynn – Liturgie- und Musikwissenschaftler, Hildegards Musik und Exegese
  • Hildegard Gosebrink (* 1969) – katholische Theologin, Spiritualität und moderne Hildegard-Rezeption
  • Christel Meier-Staubach (* 1942) – Philologin, Wissens- und Literaturgeschichte des 12. Jahrhunderts
  • Laurence Mellerin – Mediävistin, monastische Literatur und biblische Exegese im 12. Jahrhundert
  • Stefan Morent (* 1967) – Musikwissenschaftler, mittelalterliche Musik und Aufführungspraxis Hildegards
  • Laurence Moulinier (* 1965) – Mediävistin und Medizinhistorikerin, naturkundliche Schriften Hildegards
  • Eberhard J. Nikitsch – Historiker und Epigraphiker, Disibodenberg und regionale Memorialkultur
  • Michela Pereira – Philosophin, Wissenschaftsgeschichte, Frauen in der Gelehrtenkultur
  • Gian Luca Potestà – Historiker des Christentums, Prophetie und Eschatologie im Hochmittelalter
  • Marco Giuseppe Rainini – Historiker der Theologie, Joachimismus und Diagrammtraditionen
  • Viki Ranff – Philosophin und Theologin, mystische Theologie und Hildegard-Exegese
  • Matthias Schmandt – Historiker, Stadtgeschichte Bingens und Hildegard-Erinnerungsorte
  • Marie-Anne Vannier – Theologin, Patristik und rheinische Mystik
  • Maura Zátonyi (* 1974) – Theologin, Hildegard-Forschung und benediktinische Spiritualität

Aktivitäten

Die Akademie bündelt wissenschaftliche Projekte zur Person und Rezeption Hildegards und dokumentiert sie in einem eigenen „ProjektPanorama“, das internationale Forschungsvorhaben, Ausstellungen, Buchprojekte und die „Digitale wissenschaftliche Gesamtbibliographie“ sichtbar macht und vernetzt.[16] Daneben entwickelt die Akademie eigene Projekte, etwa zur Erschließung der Scivias-Miniaturen, zur Bildsprache Hildegards oder zur Vermittlung ihrer Werke in Lesebüchern und Einführungsbänden.[16]

Zum Programm gehören regelmäßig Tagungen, Gesprächskonzerte, Vortragsreihen und Exkursionen im In- und Ausland, die in den Jahreschroniken dokumentiert werden. Dazu zählen etwa Workshops, Konzert- und Vortragsformate zu Hildegards Werk, Wein-Walks auf dem Hildegardweg, Festakte sowie Studienfahrten an zentrale Orte der Hildegard-Überlieferung.[17][18][19][20][21] In Kooperation mit kirchlichen, akademischen und kulturellen Partnern wirkt die Akademie zudem an externen Veranstaltungen mit, etwa im Rahmen von Jubiläumsfeiern zu „10 Jahre Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen“, gemeinsamen Formaten mit dem Deutschen Historischen Institut in Rom oder Angeboten der Erwachsenenbildung.[22][23][24]

Rezeption

Die Gründung der Akademie fand 2019 ein breites Echo in kirchlichen Medien: Vatican News hob den europäischen Horizont und die Verbindung von benediktinischer Tradition und aktueller Hildegard-Forschung hervor. Domradio, Die Tagespost und andere katholische Medien beschrieben die Akademie als geistliches und intellektuelles „Orientierungs“-Projekt über die Grenzen der Diözese hinaus.[6][8][25]

In der Folge wurde die Akademie in Berichten zu Hildegard-Jubiläen, Publikationen und Veranstaltungsformaten regelmäßig als Trägerin oder Mitveranstalterin genannt, etwa bei der Vorstellung des von ihr herausgegebenen „großen Hildegard-Lesebuchs“, im Zusammenhang mit Jubiläumsfeiern zu „10 Jahre Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen“ oder bei den Hildegard-Wein-Walks im Rheingau, in denen lokale und überregionale Medien die Akademie als Mittlerin zwischen Kloster, Forschung und Öffentlichkeit charakterisieren.[26][22][17][18][27][28][25]

Literatur

  • Maura Zátonyi (Hrsg.): Europäische Spiritualität. Kontemplation im Wirken. Aschendorff, Münster 2021, ISBN 978-3-402-24759-4.
  • Maura Zátonyi (Hrsg.): Das große Hildegard von Bingen Lesebuch. Worte wie von Feuerzungen. Herder, Freiburg im Breisgau 2022, ISBN 978-3-451-39166-8.

Einzelnachweise

  1. a b c St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Zielsetzung. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  2. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Maura Zátonyi OSB. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  3. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Chronik 2018: Gründung, 12. Oktober 2018. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  4. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V. Zentrum für Wissenschaft, Forschung und Europäische Spiritualität. In: Gemeinsame Normdatei (GND), abgerufen am 19. November 2025.
  5. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Chronik. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  6. a b Gudrun Sailer: Benediktinerinnen gründen Hildegard-Akademie. In: Vatican News, 10. Mai 2019, abgerufen am 19. November 2025.
  7. Katholisches Medienzentrum: Deutsche Abtei eröffnet Akademie zur Forschung über Hildegard von Bingen. In: kath.ch, 10. Mai 2019, abgerufen am 19. November 2025.
  8. a b Abtei St. Hildegard: Reaktionen auf die Gründung der St. Hildegard-Akademie. In: abtei-st-hildegard.de, abgerufen am 19. November 2025.
  9. a b c St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Mitgliedsprofil. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  10. Abtei St. Hildegard: 10 Jahre Kirchenlehrerin: Hildegard von Bingen – Inspiration und reiches Erbe. In: abtei-st-hildegard.de, 2022, abgerufen am 19. November 2025.
  11. a b c d St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Satzung. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  12. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Impressum. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  13. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Aufnahmeantrag. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  14. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Mitgliederversammlung 2023. In: Chronik 2023, hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  15. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Mitglieder der St. Hildegard-Akademie. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  16. a b St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: ProjektPanorama. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  17. a b St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Chronik 2021. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  18. a b St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Chronik 2022. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  19. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Chronik 2023. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  20. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Chronik 2024. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  21. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Chronik 2025. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  22. a b Bistum Limburg: Von Hildegards Mut zur Schwachheit. In: bistumlimburg.de, 29. September 2022, abgerufen am 19. November 2025.
  23. Deutsches Historisches Institut in Rom: Feierlichkeiten zum 10-jährigen Jubiläum der Heiligsprechung und der Erhebung der hl. Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin in Rom. In: dhi-roma.it, Veranstaltungskalender Oktober 2022, abgerufen am 19. November 2025.
  24. Spectrum Kirche: KooperationspartnerInnen. In: spectrumkirche.de, abgerufen am 19. November 2025.
  25. a b St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Pressespiegel. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  26. St. Hildegard-Akademie Eibingen e. V.: Publikationen. In: hildegard-akademie.de, abgerufen am 19. November 2025.
  27. Rheingau.de: Hildegard und die Sinnsuchenden. In: rheingau.de, 30. Mai 2022, abgerufen am 19. November 2025.
  28. Hans Jakob Bürger: Das große Hildegard von Bingen Lesebuch. In: de.catholicnewsagency.com, 14. Mai 2022, abgerufen am 19. November 2025.