Martinès de Pasqually

Jacques de Livron Joachim de la Tour de la Casa Martinez de Pasqually (* ca. 1727 wahrscheinlich in Grenoble; † 1774 in Port-au-Prince, Saint-Domingue), häufig als Martinès de Pasqually bezeichnet, war ein in Frankreich wirkender Theurg und Theosoph unbekannter Herkunft. Er war der Gründer des l'Ordre de Chevaliers Maçons Élus Coëns de l'Univers, allgemein bekannt als Élus Coëns, im Jahr 1761. Er war der Lehrer, Initiator und Freund von Louis-Claude de Saint-Martin und Jean-Baptiste Willermoz. De Pasqually gilt als der Begründer des Martinismus und Teile seiner Lehre gingen über Willmeroz in die Freimaurerei über.

Leben

Die Herkunft von de Pasqually ist unbekannt und bleibt bis heute rätselhaft. Er war vermutlich portugiesischer oder spanischer Herkunft und möglicherweise Marrane (zum Katholizismus konvertierte sephardische Juden).[1] Sein genauer Name ist unbekannt, genauso wie sein Geburtsdatum, jedoch ist ein spanischer Adelstitel belegt und sein Geburtsort war wahrscheinlich Grenoble.[2] Sein Wirken wurde ab dem Jahr 1754 in Frankreich dokumentiert, wo er sich als Theurg, Magier und Theosoph betätigte und die Freimaurerei als Instrument nutze, um seine eigene Lehre zu verbreiten. Bis 1761 hielt er sich in Montpellier, Paris, Lyon, Bordeaux, Marseille und Avignon auf.[3] 1754 eröffnete er in Montpellier seine erste Loge, die er Loge der Schottischen Richter (loge des Juges Écossais) nannte. 1761 gründete er innerhalb der Loge La Français in Bordeaux einen Coën-Tempel.[4] 1767 heirate de Pasqually die Nichte und Schwester zweier Offiziere des Infanterieregiments und hatte zwei Kinder, von denen eines jedoch früh starb.[2]

1767 gründete er in Paris eine neue Version seines Ordens, der von der Großloge von Frankreich verboten worden war.[4] In diesem Jahr traf er den hochrangigen Freimaurer Jean-Baptiste Willermoz, der ein Anhänger von Pasqually wurde, seinem Orden beitrat und seine Lehre in der französischen Freimaurerei verbreitete.[1] Das Treffen mit Louis-Claude de Saint-Martin im Jahr 1768 sollte ebenfalls für beide Männer von großer Bedeutung sein. Martinez de Pasquallys Persönlichkeit und Lehren beeindruckten Saint-Martin tief und nachhaltig und er wurde Pasquallys Sekretär. Umgekehrt wurde auch Pasqually von Saint-Martin beeinflusst.[4] Martinez reiste schließlich 1772 in die französische Kolonie Saint-Domingue (heutiges Haiti) wegen einer Erbschaft, wo er jedoch erkrankte und zwei Jahre später starb. Sein Orden geriet daraufhin weitgehend in Vergessenheit, jedoch versuchte Willermoz ihn in Lyon weiterzuführen.[1]

Lehre

Die Lehre von Martinez de Pasqually gehört zu einer christlich-esoterischen Strömung innerhalb der Freimaurerei, die als illuministisch bezeichnet wird. Ihre Doktrin ist von Gnosis, pythagoreischer Mystik und Kabbala beeinflusst.[1] Er glaubte, dass der ursprüngliche Mensch von Gott stammte und die rebellischen Engel bewachte, die seit dem Fall Satans gefangen gehalten wurden. Gott sandte den Menschen in einem androgynischen Körper und mit glorreichen Kräften ausgestattet, um Luzifers Rebellen in Schach zu halten und auf ihre Versöhnung hinzuarbeiten. Adam fiel durch den Sündenfall jedoch in genau das Gefängnis, das er eigentlich bewachen sollte, wurde zu einem physischen und sterblichen Wesen und war somit gezwungen, sowohl sich selbst als auch die ursprüngliche Schöpfung zu retten.[5]

Das Ziel von seiner Lehre war es, den Menschen in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Laut Pasqually beschrieb die Bibel zwei Abstammungslinien von Menschen: die Nachkommen Kains, die Verdammten, und die Nachkommen Sets, die Auserwählten, die allein auf die Wiederherstellung ihrer ursprünglichen Reinheit hoffen konnten. Um die Abstammung von Set zu beweisen, waren äußerst komplexe theurgische Praktiken erforderlich, um mit spirituellen Wesen in Kontakt zu treten – etwas, wozu die Nachkommen Kains als unfähig galten.[1] Dies könne durch die Ausübung bestimmter Riten erreicht werden, bei denen der Schüler in Beziehung zu Engelwesen treten soll. Diese erscheinen meist in Form von Zeichen oder Hieroglyphen von Geistern, die vom Operateur beschworen werden, als Beweis dafür, dass er sich auf dem richtigen Weg der Reintegration befindet.[6]

Die Grundzüge seiner Lehre veröffentlichte er 1772/73 in der Schrift Traité de la Réintégration des êtres dans leurs premières propriétés, vertus et puissance spirituelles et divines (deutsch: Abhandlung über die Wiedereingliederung der Wesen in ihre ursprünglichen Eigenschaften, Tugenden und spirituellen und göttlichen Kräfte). Neben ihrem Einfluss auf Freimaurerei und Martinismus inspirierten die Lehren von Pasqually Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine „okkulte Wiederbelebung“ in Frankreich. Zu den Spezialisten des Martinistischen Ordens gehörten unter anderem solche Persönlichkeiten wie Papus, Éliphas Lévi, Joséphin Péladan, Maurice Barrès und Stanislas de Guaita.

Werke

  • Martinès de Pasqually: Traité de la réintégration des êtres créés dans leurs primitives propriétés, vertus et puissances spirituelles divines.

Literatur

  • Jean-Marc Vivenza: Martinès de Pasqually et Jean-Baptiste Willermoz, Vie, doctrine et pratiques théurgiques de l’Ordre des Chevaliers Maçons Élus Coëns de l’Univers. Le Mercure Dauphinois, 2020
  • René Guénon: L'énigme de Martines de Pasqually. Chacornac, 1936.
  • Franz von Baader: Les Enseignements secrets de Martinès de Pasqually. Précédé d'une Notice sur le martinézisme et le martinisme, Bibliothèque Chacornac, 1900
Commons: Martinès de Pasqually – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Jean-Baptiste Willermoz, un franc-maçon mystique. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  2. a b Biographie de Martinez de Pasqually. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  3. Encyclopædia Universalis: Biographie de MARTINES DE PASQUALLY (1710-1774). Abgerufen am 30. Oktober 2025 (französisch).
  4. a b c Über den Martinismus und die Martinisten-Orden
  5. Martines de Pasqually : Biographie. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  6. Pierre Fournié: What We Have Been, What We Are, And What We Will Become. Abgerufen am 30. Oktober 2025.