Mariä Opferung (Osterhofen)

Mariä Opferung
Mariä Opferung in Osterhofen vor der Renovierung 2024
Basisdaten
Konfession römisch-katholisch
Ort Osterhofen bei Bad Waldsee, Deutschland
Diözese Rottenburg-Stuttgart
Patrozinium Unserer Lieben Frau in Jerusalem
Funktion und Titel

Kapelle

Koordinaten 47° 56′ 8,8″ N, 9° 48′ 56,8″ O

Mariä Opferung ist eine römisch-katholische Kapelle in Osterhofen im Landkreis Ravensburg in Oberschwaben. Die Kapelle wurde von den beiden Marianischen Bruderschaften des Ortes gestiftet und ist ein Kulturdenkmal des Landes Baden-Württemberg (ID: 1190628).[1] Im Boden werden Überreste eines Vorgängerbaus und Zeugnisse der Baugeschichte und der Innenausstattung vermutet.[1]

Lage

Die Kapelle Mariä Opferung befindet sich in Osterhofen, einem Teilort von Bad Waldsee auf der Gemarkung Haisterkirch. Ihre Lage ist direkt an der Eggmannsriederstraße, zwischen dem Mühlweg und der Grabenerstraße. Kirchlich gehört sie zur Seelsorgeeinheit Bad Waldsee.

Architektur

Die Kapelle ist ein massiver verputzter Rechteckbau mit einem über dem Chor abgewalmten Satteldach. Der eingezogene Rechteckchor hat abgerundete Ecken und einen flachen Risalit.[1]

Ein besonderes Merkmal der Fassade sind der geschweifte Giebel, welcher mit Obelisken verziert ist, sowie ein massiver Giebelreiter mit Zwiebelhaube. Das Portal ist von Pilastern eingerahmt und die Giebel- und Dachgesimse sind profiliert.[1]

Ausstattung

Glocken

Die Kapelle besitzt zwei Glocken, eine historische von 1737, die von Daniel Schmelz in Biberach gegossen wurde und eine neuere aus den 1950er-Jahren. 2009 wurde ein elektrisches Läutwerk eingebaut, welches durch private Spenden finanziert wurde.

Chorraum

Der Chorraum der Osterhofer Kapelle thematisiert mit Deckengemälden und Altarbildern die Sieben Schmerzen Mariens, gemalt 1762 im Rokoko-Stil von Eustachius Gabriel. Dargestellt sind Szenen wie die Weissagung Simeons, die Flucht nach Ägypten, das Verlieren Jesu im Tempel, die Begegnung auf dem Kreuzweg, Marias Ausharren unter dem Kreuz, die Kreuzesabnahme (als Pietà, nach dem Vorbild in Steinhausen) und die Grablegung Jesu. An der Decke im Schiff sind die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt.

Der Hochaltar zeigt flankierende Figuren von Josef und Johannes dem Täufer sowie Details wie das Herz Jesu und Mariens mit Marterwerkzeugen. Ein späteres Gemälde der Kreuzesabnahme an der Rückwand wiederholt das zentrale Thema.

Votivbilder

An der linken (Ost-)Wand befindet sich die Votivtafel der Älteren Marianischen Bruderschaft (gegründet 1702) mit einer Pietà, betenden Männern und Armen Seelen. Die Inschrift lautet: „Erbarmet euch meiner aufs wenigste ihr meine Freunde“. Das Votivbild wurde 1854 von dem Waldseer Kunstmaler Johann Nepomuk Lang auf Metall gemalt.[2]

An der rechten (West-)Wand hängt das Votivbild der Jüngeren Marianischen Bruderschaft (gegründet 1718), ebenfalls mit einer Pietà, betenden Mitgliedern und Armen Seelen, mit der Inschrift: „Liebe Brüder allzumal, helfet uns aus dieser Qual.“[3] Dieses Votivbild stammt aus der Erbauungszeit der Kapelle um 1760. Es wurde 1854 vom Waldseer Künstler Alois Bieger restauriert.[2]

Geschichte

  • 1601 wird eine Kapelle Mariä Opferung in Osterhofen erbaut und geweiht. Auf einem Deckengemälde um 1737 im Alten Pfarrhaus in Haisterkirch wird die Kapelle als eine der „Tochterkirchen“ der Mutterkirche St. Johannes Baptista dargestellt.[3]
  • 1702: Gründung der „Alten“ marianische Bruderschaft[4]
  • 1718: Gründung der „Neuen“ marianische Bruderschaft[4]
  • 1762: Die Kapelle wird umgebaut und erweitert.
  • 1762: Die Ausmalung der Kapelle im Rokoko-Stil erfolgt. Sie wird dem Maler Eustachius Gabriel zugeschrieben, der aus der Region stammt und in Oberschwaben sowie weiteren Gebieten tätig war. Die Bemalung thematisiert im Chor die Sieben Schmerzen Mariens und im Schiff die Fünf Geheimnisse des glorreichen Rosenkranzes.[3]
  • 2017: Erstes Kapellenfest um Gelder für die Sanierung der Kapelle zu sammeln.[5]
  • 2018: Die Kapelle wurde vom Stadtkämmerer für 1 Euro an dem Pfarrer zum Kauf angeboten.[6]
  • 2019: Schließung durch die Stadt Bad Waldsee wegen Einsturzgefahr
  • 2020: Gründung des Förderverein Kapelle Osterhofen[7]
  • 2023: Zusage über 210.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm XII des Bundes für die Sanierung[8]
  • 2024: Beginn der Sanierung[9]
  • 7. Dezember 2025: feierliche Wiedereröffnung nach Abschluss der Sanierungsarbeiten[10]

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Bruderschaftstag der „alten“ marianische Bruderschaft[11]
  • Bruderschaftstag der „neuen“ marianische Bruderschaft[11]
  • Kapellenfest[12]
Commons: Mariä Opferung (Osterhofen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Karte Kulturdenkmale und Archäologische Denkmale. In: geoportal-bw.de. Abgerufen am 18. September 2025.
  2. a b Gerhard Reischmann: Ein sakrales Kleinod: die Kapelle Mariä Opferung in Osterhofen. In: dieBildschirmzeitung. 12. Dezember 2025, abgerufen am 12. Dezember 2025.
  3. a b c Kapelle Mariä Opferung. (PDF) Abgerufen am 13. April 2025.
  4. a b Schwoable: Geschichte und Kapelle von Osterhofen (Bad Waldsee) | Oberschwabens Sehenswürdigkeiten. 8. Oktober 2021, abgerufen am 13. April 2025.
  5. Schwäbische Zeitung: Fünftes Benefizmaifest in Osterhofen. 27. April 2023, abgerufen am 13. April 2025.
  6. Pfarrer Werner kritisiert „Narrenfreiheit des Stadtkämmerers“. 6. Dezember 2018, abgerufen am 13. April 2025.
  7. Rudi Martin: Der Förderverein Kapelle Osterhofen ist gegründet. 14. August 2020, abgerufen am 13. April 2025.
  8. 210.000 Euro für die Kapelle in Osterhofen. 23. Juni 2023, abgerufen am 13. April 2025.
  9. Wolfgang Heyer: Nach jahrelangem Warten: Kapelle Osterhofen wird nun tatsächlich saniert. 27. Februar 2024, abgerufen am 13. April 2025.
  10. Rudi Martin: Wiedereröffnung der Kapelle Osterhofen ist ein Großereignis. 9. Dezember 2025, abgerufen am 12. Dezember 2025.
  11. a b Förderverein Kapelle Osterhofen - Seelsorgeeinheit Bad Waldsee. Abgerufen am 13. April 2025.
  12. Kapellenfest Osterhofen diesmal vor Didis Bierstadel. 27. April 2022, abgerufen am 13. April 2025 (deutsch).