MR-Klasse 483

MR-Klasse 483
MR Nr. 1742 als BR Nr. 40362
Nummerierung: MR: 332…480, 482–562
BR: 40332…40480, 40482–40562
Anzahl: 157
Hersteller: MR Derby Works
Baujahr(e): 1912–1925
Ausmusterung: 1948–1962
Bauart: 2’B h2
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Kuppelachsradstand: 2930 mm
Gesamtradstand: 6920 mm
Radstand mit Tender: 13.650 mm
Dienstmasse: 54,2 t
Dienstmasse mit Tender: 94,7 t
Reibungsmasse: 35 t
Radsatzfahrmasse: 17,8 t
Anfahrzugkraft: 75 kN
Kuppelraddurchmesser: 2146 mm
Laufraddurchmesser: 1080 mm
Steuerungsart: Stephenson
Zylinderanzahl: 2 innenliegend
Zylinderdurchmesser: 520 mm (20 ½ in)
Kolbenhub: 660 mm (26 in)
Kessel: G7S mit Schmidt-Überhitzer
Kesselüberdruck: 12,4 bar (180 psi)
Anzahl der Heizrohre: 148
Anzahl der Rauchrohre: 21
Heizrohrlänge: 3330 mm
Rostfläche: 2,0 m²
Strahlungsheizfläche: 11,8 m²
Überhitzerfläche: 29,1 m²
Verdampfungsheizfläche: 108,9 m²
Dienstmasse des Tenders: 40,5 t
Wasservorrat: 13,3 m³
Brennstoffvorrat: 4 t Kohle
Umbauten von Henry Fowler aus älteren Lokomotiven von Samuel W. Johnson
LMS-Leistungsklasse 2P

Die Klasse 483 der Midland Railway (MR), auch Midland 2P genannt, war eine Baureihe von Personenzuglokomotiven der Achsfolge 2’B (American), die zwischen 1912 und 1924 durch den Umbau älterer Lokomotiven in den bahneigenen Derby Works entstanden, wobei von den alten Lokomotiven nur wenig übrig blieb.

Geschichte

Konzept

Ab 1907 plante die Midland Railway, ihren Service zu verbessern. Im Gegensatz zu anderen Bahngesellschaften, die von London nach Norden fuhren, konnte sie jedoch keine neuen, leistungsstärkeren und damit schwereren Schnellzuglokomotiven anschaffen, da dies eine Verstärkung der Brücken erfordert hätte. Die Midland setzte daher auf leichte Züge, die häufiger fuhren und von den vorhandenen American-Lokomotiven gezogen werden konnten. Henry Fowler startete ein Programm zur Modernisierung der vorhandenen Klasse-2-Lokomotiven,[1] was jedoch einem Neubau glich, da nur wenige Teile der alten Maschinen wiederverwendet wurden. In der Klasse 2 waren mehrere Baureihen von American-Lokomotiven zusammengefasst, die von Samuel W. Johnson entworfen worden waren. Johnson war von 1876 bis 1901 als Locomotive Superintendent der Midland Railway tätig.

Das Programm wurde wohl aus zwei Gründen als Modernisierung bezeichnet: Einerseits konnten Modernisierungen in der Buchhaltung als Unterhaltskosten verbucht werden und galten damit nicht als Investition. Andererseits waren die Lizenzgebühren für die Nutzung des Schmidt-Überhitzer-Patents bei umgebauten Lokomotiven günstiger als bei neuen Lokomotiven.[2.1]

Bau

Die Lokomotiven wurden wie folgt umgebaut:

Jahre Anzahl Spender-
Baureihen
1912–1914 97 hauptsächlich Klassen 156 1) und 60
1915–1921 31 hauptsächlich Klassen 2183 und 2203
1922–1923 27 hauptsächlich Klassen 1808 und 2203
1924–1925 2 Klasse 1783 und 2203, Umbau durch LMS

1) Die Klasse 156 war zweimal belegt. Die umgebauten Maschinen waren 2’B-Maschinen aus den Jahren 1896 bis 1901, nicht zu verwechseln mit den 1B-Maschinen aus den Jahren 1866 bis 1874

Fünf baugleiche Lokomotiven gingen an die Somerset and Dorset Joint Railway (S&DJR). Einige von ihnen erhielten die elegante blaue Lackierung dieser Bahn sowie die Initialen S.D.J.R. auf ihren Tendern.[1]

Betrieb

Die Lokomotiven hatten zwar eine begrenzte Zugkraft, waren jedoch ansonsten schnell, effizient und sehr wartungsarm. Sie kamen im gesamten Netz der Midland Railway zum Einsatz, auch auf der anspruchsvollen Strecke von Leeds nach Carlisle. Nach der Zusammenlegung der britischen Bahnen in vier große Gesellschaften im Jahr 1923 gelangten 155 umgebaute Lokomotiven zur London, Midland and Scottish Railway (LMS), die zwei weitere Lokomotiven selbst umbaute. Alle Lokomotiven wurden in die Leistungsklasse 2P eingeordnet. 1948 gelangten alle Lokomotiven zu den British Railways, wo den MR-Nummern eine 40 vorangestellt wurde. Die ersten beiden vier Lokomotiven wurden noch 1948 ausgemustert, in den folgenden Jahren wurden etwa zehn Lokomotiven ausgemustert, die letzten drei verschwanden erst 1962 vom Schienennetz.

Technik

Die Lokomotiven der Klasse 483 hatten zwei Kuppelradsätze und ein vorderes Laufdrehgestell. Der Antrieb erfolgte über zwei Innenzylinder mit Stephenson-Steuerung. Viele kleinere Teile stammten von einer Spenderlokomotive der Klasse 2, während Rahmen, Kuppelräder, Zylinder, Heißdampfkessel Typ G7S mit Schmidt-Überhitzer, Führerhäuser und Rauchkammer neu gefertigt wurden.[3][4]

Die Konstruktion war die Grundlage der LMS Compound 4-4-0, eine Lokomotive mit der Achsfolge 2’B für leichte Personenzüge. Die Kuppelräder wurden von 7 Fuß (2146 mm) auf 6 Fuß 9 Zoll (2057 mm) verkleinert.[1]

Literatur

  • David Hunt, R. J. Essery, Fred James: Midland Engines: The class 2 superheated 4-4-0s ('483' class rebuilds). Wild Swan, 2000, ISBN 978-1-874103-60-8.
Commons: MR-Klasse 483 – Sammlung von Bildern
  • MR 483 Class. Rapido Trains UK, abgerufen am 15. Dezember 2025 (englisch).

Einzelnachweise

  1. a b c O. S. (Oswald Stevens) Nock: The pocket encyclopaedia of British steam locomotives in colour. Blandford, London 1964, ISBN 978-0-7137-0350-4, S. 159 (archive.org [abgerufen am 12. Dezember 2025]).
  2. MR/LMS Johnson "483" Class 4-4-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
    1. Fleet
  3. MR 483 Class. Rapido Trains UK, abgerufen am 16. Dezember 2025 (britisches Englisch).
  4. 4-4-0 Steam Locomotives in Great Britain: Midland: Class 483/2P (Locobase 3758). In: steamlocomotive.com. Abgerufen am 12. Dezember 2025.