Münzstätte Bern

In der Münzstätte Bern in Bern, der heutigen Bundesstadt der Schweiz, wurde nur wenige Jahrzehnte nach der Stadtgründung mit einer eigenen Münzprägung begonnen. Während die meisten Schweizer Münzstätten im Rahmen der Zentralisierung in der Helvetischen Republik keine Münzen mehr herstellten, wurde in Bern, Basel und Solothurn weiter geprägt. Nach der Mediation prägte der Kanton Bern in seinem Hauptort weiterhin Münzen. Die heute Swissmint genannte Prägestätte der Schweizerischen Eidgenossenschaft prägt weiterhin in Bern.

Münzherrschaften

Stadt Bern

Die Anfänge der bernischen Münzprägung sind nicht bekannt. 1228 wird erstmals eine Berner Münze urkundlich erwähnt. Jedoch ist nicht klar, ob es sich um in Bern geprägte Pfennige handelt oder um die in Bern gängige (Fremd-)Währung.[1] 1246 wird ein Wernher namentlich als Münzmeister (monetarius) genannt.[2] Die städtische Münzprägung beginnt somit spätestens in den 1240er Jahren und dauert bis zum Ende des Ancien Régime. Dies deckt sich auch mit den bekannten Münztypen und ihrer Vergesellschaftung in Hortfunden.

Helvetische Republik

Die vereinheitlichte Münzprägung der zentralisierten Helvetischen Republik wird nur noch in drei Münzstätten geprägt: Bern, Basel und Solothurn. Die Berner Münzen tragen das Münzzeichen B.

Kantone Bern, Aargau, Tessin und Uri

Nach der Mediationsakte von 1803 wird das Münzregal wieder an die einzelnen Kantone delegiert. Der Kanton Bern prägt nun ab 1808 erneut Berner Münzen, die jüngsten datierten Münzen für den Kanton Bern tragen das Jahr 1837. Neben Münzen für den Kanton Bern wurden in der Berner Münzstätte auch Münzen für den Kanton Aargau (ab 1826), den Kanton Tessin (ab 1813)[3] und den Kanton Uri (1811) geprägt.

Standorte

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Münzstätte

Die mittelalterliche Münzstätte der Stadt Bern lag unmittelbar westlich des Rathauses. Für das 15. Jahrhundert gibt es jedoch keine näheren Angaben zu Grösse oder Ausstattung. Zwischen 1530 und 1535 wurde die Münzstätte durch Ankauf erweitert und zwischen 1555 und 1565 umgebaut und neu eingerichtet. Im Jahr 1615 wird dasselbe Gebäude auf der Westseite des Rathauses erweitert. 1787 wird die Münzstätte von einem Brand zerstört, zwischenzeitlich musste Bern in Solothurn prägen lassen.

Münzstätte am Gerberngraben

Von 1790 bis 1792 wurde eine neue Münzstätte am Gerberngraben nach den Plänen von Jacques Denis Antoine erbaut. Hier wurden nach den späten Stadtprägungen auch Münzen für die Helvetische Republik und für den Kanton Bern geprägt. Von 1853 bis 1905 war hier auch die eidgenössische Münzstätte angesiedelt, nachdem die Prägungen von 1850 und 1851 noch in Paris, in Strassburg und in Brüssel hergestellt worden waren. Die vormalige Berner Münzstätte am Gerberngraben wurde vom Bund für 115'000 Franken gekauft und am 1. September 1855 als erste Eidgnössische Münzstätte eröffnet.

Mit dem fortschreitenden Münzbedarf wurden die Räumlichkeiten und die technische Einrichtung der Münzstätte am Gerberngraben zu limitierend und eine neue, grössere und modernere Münzstätte wurde geplant.

Münzstätte im Kirchenfeld

Auf Beschluss der Bundesversammlung vom 10. Oktober 1902 wurde von 1903 bis 1906 die neue Münzstätte (heute: Swissmint) im Kirchenfeldquartier zwischen der Bernastrasse und der Aegertenstrasse errichtet. Der Neubau war vom Bundesarchitekten Theodor Gohl entworfen worden.

Personal

Münzmeister

  • Wernher (ca. 1246–1267)[2]
  • Rudolf Dietwig (um 1264)[4]
  • Cuno (1276–1299)
  • Rudolf von Lindenach (um 1278)
  • Rudolf von Lauffenburg (kurz vor 1300)[2]
  • Lorenz Münzer (1308, 1320, 1328, 1346 erwähnt)
  • Heinrich von Seedorf (1327–1331)[2]
  • Johannes „d’Asti“ (ab ca. 1334)
  • Tragbott (ab ca. 1343)[2]
  • Peter von Seedorf (1343–1360)[2]
  • Peter Lüllevogel (1374–1377)[5]
  • Erli Ruolman (1377)
  • Heinrich Subinger (1407)[5]
  • Johann I. Schwab (1417)
  • Cuntzmann Motz (1421–1435)[5]
  • Bernhard Motz (um 1435, 1466–1572)[5]
  • Thomas Motz (um 1435, 1464–1466)[6]
  • Georg Holzschuher (1482)[7][6]
  • Andres Bromberger (1483–1491)[8]
  • Ludwig Gsell (1492–1496)[8]
  • Hans Pur (1496–1507)[9]
  • Martin Müller (1506–1521)[10]
  • Michael Glaser (1507–1513)[9]
  • Simon Roll (1514, 1418)[10]
  • Matthäus Müller (um 1529)[10]
  • Pierre Lucas (1532)[10]
  • Jörg Dingauer (1532–1542)[10]
  • Wolfgang (1543–1545?)[11]
  • Jean Real (1545)
  • Niklaus Schaller (1550–1552)[11]
  • Ludwig Wyss (1552–1564)[12]
  • Jsaak Lengenfelder (ab 1564)[12]
  • Peter Rohr (1567–1584)[12]
  • Georg Schopper (1581)
  • Cornelius Rohr (1586–1606)[12]
  • Sebastian Marchstein (1599–1600)[13]
  • Peter Koli (1606–1614)[13]
  • Ulrich Wolf (ab 1614)[14]
  • Kaspar Willading (1614–1616)[15][14]
  • Johann Bernhard Weitnauer (1616–1621)[14]
  • Johann Heinrich Weitnauer (1616–1621)[14]
  • Abraham Bitzius (1622)[16]
  • Hans Wyss (1622)[16]
  • Niklaus Weitnauer (1651–1652)[17]
  • Johann Heinrich Schär (1656–1659)[18]
  • Anton Wyss (ab 1667)[18]
  • Hans Rudolf Willading (1678–1679)[19]
  • Samuel Fischer (1679–1694?)[20]
  • Daniel Schlumpf (1683)[21]
  • Emanuel Jenner (1696–1724)[22]
  • Andreas Otth (1724–1741)[22]
  • Carl Jenner (1741–1769)[23]
  • Johann Samuel Wagner (1769–1789)[23]
  • Christian Fueter (1791–1838)[24]

Wardeine, Probierer

  • Peter Rohr (ab 1565)
  • Hans Zehnder (1608 bis 1628), Guardin von Burgern (mit Unterbrechungen)
  • Peter Koli (1608 bis 1628), Guardin von Burgern
  • Anton Wyss (ab 1653)
  • Daniel Wyss (1614–1619, 1626–1653)

Stempelschneider

  • Peter Rohr (1562, 1565, 1568)

Literatur

  • Balázs Kapossy: Eine alte Münzstätte auf dem Berner "Steiger-Becher". In: Schweizerische Numismatische Gesellschaft (Hrsg.): Schweizer Münzblätter. Band 23–27, Nr. 99, 1977, doi:10.5169/seals-171067 (Datum=1973–1977).
  • Adolf Fluri: Die Berner Schulpfennige und die Tischlivierer 1622–1798. Ein Beitrag zur Münz-, Geld- und Schulgeschichte. Bern 1910.
  • Hans Ulrich Geiger: Berns Münz- und Geldgeschichte im Mittelalter. (= Schriften des Bernischen Historischen Museums. Band 12). Bern 2014, ISBN 978-3-9523269-9-2.
  • Hans Ulrich Geiger: Die Familie Münzer. In: Rainer C. Schwinges (Hrsg.): Berns mutige Zeit. Bern 2003, S. 279.
  • Thomas Markus Loertscher, Georg Germann: Währschafft, nuzlich und schön. (Ausstellungskatalog), Bern 1994.
  • Hanspeter Koch, Monica Bilfinger: Die Eidgenössische Münzstätte in Bern. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Schweizerische Kunstführer, Band 799, Serie 80. Bern 2006, ISBN 3-85782-799-8.
  • Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. In: Freunde vaterländischer Geschichte (Hrsg.): Neues Berner Taschenbuch. Band 10. Bern 1905, doi:10.5169/seals-128055.
  • J. Strickler: Die Berner Münzstatt und ihr Direktor Chr. Fueter : 1789-1803. In: Freunde vaterländischer Geschichte (Hrsg.): Neues Berner Taschenbuch. Band 10. Bern 1905, doi:10.5169/seals-128053.

Siehe auch

Commons: Münzstätte Bern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hans Ulrich Geiger: Berns Münz- und Geldgeschichte im Mittelalter. Schriften des Bernischen Historischen Museums, Band 12, Bern 2014, S. 21.
  2. a b c d e f Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 97.
  3. Fabio Luraschi: Coniazioni di monete ticinesi esterne alle zecche di Berna e Lucerna (1813-1841) In: Schweizer Münzblätter. Heft 231, Nr. 58, 2008, ISSN 0000-0000, S. 76–81 (PDF; 2,6 MB).
  4. Rudolf Dietwi, Münzmeister zu Bern, schenkt dem Johanniterhaus Buchsee eine Wiese zu Deisswil und empfängt dieselbe, nebst einer anstossenden Wiese, gegen 10 Schillinge jährlichen Zinses zu Erblehen, C II b, Fach Fraubrunnen 1264.05.08 im Archivkatalog des Staatsarchivs Bern.
  5. a b c d Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 98.
  6. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 99.
  7. Es ist unklar, ob Holzschuher den mit Bern abgeschlossenen Vertrag erfüllte.
  8. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 100.
  9. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 101.
  10. a b c d e Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 102.
  11. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 103.
  12. a b c d Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 104.
  13. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 105.
  14. a b c d Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 106.
  15. Pächter der Münzstätte, überliess das Prägen dem Münzschlosser Hans Rudolf Räber.
  16. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 108.
  17. Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 110.
  18. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 112.
  19. Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 113.
  20. Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 114.
  21. Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 115.
  22. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 116.
  23. a b Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 117.
  24. Heinrich Türler: Die bernischen Münzmeister. 1905, S. 118.

Koordinaten: 46° 57′ 3″ N, 7° 27′ 0″ O; CH1903: 600865 / 199972