Lucie Lindemann

Margarete Lucie Frieda Lindemann (* 4. Februar 1890 in Berlin; † 1980 in Brandenburg-Kirchmöser) war eine deutsch-japanische Tänzerin, die unter ihrem Künstlernamen „Takka-Takka“ bekannt wurde.

Leben

Lucie Lindemann war die uneheliche Tochter eines japanischen Studenten und einer Berliner Maurerstochter, bei der sie aufwuchs.[1] Seit etwa 1910 trat sie mit exotischen Tänzen auf kleineren Bühnen in Berlin auf und verkehrte auch in Künstlertreffs wie dem Café des Westens.[2][3]

Im August 1919 lernte sie der böhmisch-jüdische Maler Ernest Neuschul in Prag kennen und verliebte sich in sie.[4][5] Bald danach unternahmen sie eine längere Reise nach Ostindien und Java, wo sie auch die dortigen Tanztraditionen studierten. Nach ihrer Rückkehr wohnten sie zusammen in ihrer Wohnung in Charlottenburg.

Am 24. Juli 1922 heirateten sie und begannen im August 1922 eine umfangreiche erfolgreiche Tourneetätigkeit, die sie in viele europäische Städte, in die USA und nach Kanada führte und eine große Resonanz fand.[6] Sie traten als „Takka-Takka“ und „Yoga Taro“ mit javanischen Tänzen auf, die die Klischees von Urwald, Magie und Sinnlichkeit in exotischer Kleidung darstellten.[7][8][9] Sie bezeichneten sich meist als indische oder javanische Tempeltänzer.

1926 hatten sie ihren letzten gemeinsamen Auftritt im Wintergarten in Berlin. Bald danach trennten sie sich, 1931 wurde ihre Ehe geschieden.[10] Lucie Lindemann lebte später in der DDR als Lucie Kowalski und starb 1980 im Alter von 90 Jahren in Brandenburg-Kirchmöser.[11]

Darstellungen in der Kunst

Filme

Takka-Takka wirkte in drei Stummfilmen als eine Hauptdarstellerin mit:[12]

Bildende Kunst

Lucie Lindemann wurde auf mehreren Kunstwerken dargestellt:

  • 1911 Kauernde Japanerin von Georg Kolbe, Skulptur und vier Zeichnungen[13]
  • 1926 Takka-Takka tanzt von Ernest Neuschul, Gemälde[14][15]
  • um 1928 Die Plätterin von Ernest Neuschul, Gemälde[16]
  • 1928/1929 Die Tänzerin Takka-Takka von Ernest Neuschul[17]
Fotografien

Von Takka-Takka gab es Fotografien in verschiedenen Zeitschriften, sowie käufliche Künstlerpostkarten:

  • 1922 Takka-Takka and Yoga Taro, von Jane Reece, vier Fotos in Paris[18]
  • um 1922/1926 Takka Takka & Yoga Taro, Millecartoline, Postkarte, wahrscheinlich in Italien[19]
Auftritte

Takka-Takka trat öfter in Berlin auf, außerdem in Prag (1919, 1921), Luzern und weiteren Orten. Von 1922 bis 1926 war sie mit Yoga Taro auf Tourneen in Amsterdam, Paris (1922)[20], Rom, Madrid (mit Privatvorstellung für den König)[21], New York (1925)[22], Montreal, Frankfurt am Main (1926), Berlin (zuletzt 1926) und weiteren Städten.

Literatur

  • Jana Vránová, Khalil Norland (Hrsg.): Ernest Neuschul 1895–1968. Ausstellungskatalog. Brno, Regensburg 2001, S. 24ff., mit einigen biographischen Informationen
Commons: Lucie Lindemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Armin T. Wegner, Das Kaffeehaus oder Die Arche, in Michael Schmid (Hrsg.): Lasker-Schüler. Ein Buch zum 100. Geburtstag der Dichterin, Wuppertal 1969, S. 87–99, zitiert in Else Lasker-Schüler. Briefe 1914–1924, Jüdischer Verlag, Frankfurt 2004, S. 399 (kurze Auszüge), ein Zeitgenosse über sie und ihre Erscheinung in der Berliner Künstlerszene
  2. Else Lasker-Schüler. Briefe 1914–1924, Frankfurt 2004, S. 97–98 (kurze Auszüge), ärgerte sich über Taka Taka, da diese sie beschimpft hatte
  3. Reinhard Nenzel (Hrsg.): Kleinkarierte Avantgarde, 1994, S. 105 (kurze Auszüge), (...) ebenso ein Mädchen Taka Taka, das nichts weiter als schön war, und wahrscheinlich von ihrer Schönheit lebte, aus der Beschreibung eines Zeitgenossen, der sie nur vom Sehen kannte
  4. Anton Otto, Juden im Sudetenland, 2000, S. 224 (kurze Auszüge), erwähnte das Kennenlernen im August 1919 und einen weiteren Auftritt von ihr 1921 in Prag
  5. Jana Vránová, Khalil Norland (Hrsg.), Ernest Neuschul 1895–1968, Ausstellungskatalog, Regensburg 2001, S. 24ff., mit biographischen Angaben zu beiden von 1919 bis 1926
  6. Tomáš Fedorovič, Vladimir Kaiser (Hrsg.): Geschichte der Juden in Aussig, Ústí nad Labem 2005, S. 62, 64 (Auszüge), mit zeitgenössischer Anzeige über ihre Auftritte 1922/1923 (S. 64); (auf S. 20 ist der Text von Anton Otto, Juden im Sudetenland, 2000, S. 224, über ihre Auftritte in Prag 1919 und 1921 identisch übernommen)
  7. Isaac Cohen, Dancing the subject of 'Java'. International modernism and traditional performance, 1899–1952, in Indonesia and the Malay world., 35, 2007, No. 101, mit einigen Informationen
  8. Matthew Isaac Cohen, Performing Otherness. Java and Bali on International Stages 1905–1952, London 2010, S. 252 Anm. 27
  9. Fernand Divoire, Découvertes sur la danse, Paris 1924, p. 201–202, mit detaillierter Beschreibung einer Vorstellung in Frankreich.
  10. Anton Otte, Juden im Sudetenland, 2000, S. 254 Anm. (kurze Auszüge); über Ernest Neuschul, gab an, die Trennung sei 1926 erfolgt, und die formale Scheidung 1931; dort auch das Geburtsdatum 4. Februar 1890.
  11. Museen in Brandenburg. Rundbrief Mai 2022, S. 4 (PDF), die Tanzhistorikerin Brygida Ochaim erwähnte den zweiten Ehenamen Kowalski und den vollständigen Vornamen.
  12. Takka-Takka Filmportal
  13. Kauernde Japanerin Georg-Kolbe-Museum
  14. Takka-Takka tanzt Artsy
  15. Glanz und Elend. Neue Sachlichkeit in Deutschland. Pressebilder, 2024, S. 3 (PDF)
  16. Die Plätterin Staatliche Museen Berlin, 1967 von Lucie Kowalski verkauft
  17. Jugend, 1929, Nr. 3, Titelblatt (Digitalisat, PDF, PDF)
  18. Takka-Takka and Yoga Taro Dayton Art Institut
  19. Takka-Takka & Yoga Taro Millecartoline
  20. La Revue de France, 1922, 2, S. 429–430 (Auszüge), ausführlicher Bericht
  21. Stifter-Jahrhuch, 16, 2002, S. 197 (Auszüge)
  22. New York Star 1925, S. 7 (Auszüge); Japanese temple dancers (...) sailing for Cherbourg Tuesday